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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Umleitung für die Fische in der Hase
 
Die Hase soll einen Bypass bekommen
Zwischenüberschrift:
Brüssel bietet Millionenzuschuss für Fischtreppe
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Stadt denkt über einen Eingriff in den Lauf der Hase nach. Am Herrenteichswall unterhalb des Iduna-Hochhauses soll ein Bypass entstehen, um den Stadtfluss ökologisch durchlässig zu machen. Fische und andere Wasserlebewesen sollen durch ein natürlich gestaltetes Fließgewässer unterhalb der alten Stadtbefestigung an der Domschule barrierefrei schwimmen können. Die Stadt hat gute Chancen, aus einem europäischen Fördertopf 90 Prozent der auf 2, 5 Millionen Euro geschätzten Kosten finanzieren zu können. Voraussetzung ist, dass noch in der ersten Jahreshälfte ein Antrag gestellt wird. Der Stadtentwicklungsausschuss stimmt entsprechenden Planungen zu. Der Nachteil: Der Parkplatz am Haarmannsbrunnen müsste erheblich verkleinert oder sogar aufgegeben werden.

Bekommt die Hase in Osnabrück einen Bypass, damit Fische und Krebse den Fluss hinaufschwimmen können? Über zwei Millionen Euro Zuschuss aus Brüssel stehen für den Eingriff am Herrenteichswall bereit. Die Stadt müsste allerdings schnell reagieren.

Osnabrück. Die ökologische Durchlässigkeit der Hase auf ihrer ganzen Länge ist ein Projekt, an dem viele Ämter bis hinauf nach Brüssel seit über einem Jahrzehnt arbeiten. Weil die Umsetzung aufwendig und teuer ist, geht das Programm nur schrittweise voran. Im Juni vergangenen Jahres teilte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) der Stadt Osnabrück überraschend mit, dass Geld aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) bereitsteht, um Projekte zur ökologischen Entwicklung von Fließgewässern in urbanen Räumen zu fördern. Die Laves-Mitarbeiter kannten die elf Jahre alten Pläne für die Hase zwischen Pernickelmühle und Herrenteichswall und schalteten schnell.

Wenn Osnabrück in der ersten Jahreshälfte einen Förderantrag stellt, stehen die Chancen sehr gut, dass 90 Prozent der Bau- und Baunebenkosten aus dem Fördertopf bezahlt werden. Einer Schätzung aus dem Jahr 2009 zufolge dürfte die ökologische Aufwertung der Hase an dieser empfindlichen Stelle rund 2, 5 Millionen Euro kosten. 2, 25 Millionen Euro könnten aus dem Brüsseler Fördertopf über Hannover nach Osnabrück fließen, die Stadt müsste einen Eigenanteil von 250 000 Euro aufbringen und erhielte eine gänzlich neue Öko-Landschaft mitten in der Stadt am Fuße des Iduna-Hochhauses. Weil bislang keine weiteren Anträge aus anderen niedersächsischen Städten vorlägen, bestehe die einmalige Chance, die gesamte Fördersumme zu erhalten″, heißt es in der Vorlage für den Stadtentwicklungsausschuss. Der Ausschuss stimmte zu, ein Ingenieurbüro mit den Vorplanungen zu beauftragen. 55 000 Euro wird das etwa kosten.

Die Planer stehen vor einer komplexen Aufgabe. Bei einem Ortstermin im Oktober 2017 kamen Vertreter des Landesamtes Laves und der Stadtverwaltung überein, eine Art Bypass für die Hase entlang des Herrenteichswalls ins Auge zu fassen. Pate stand eine Abbildung aus dem Jahr 1802, die einen Arm der Hase zeigt, der außerhalb der Stadtmauer von der damals noch existierenden Herrenteichsmühle bis zur Vitischanze floss. Diesen Gedanken griffen die Planer auf, um Fischen, Krebsen und anderen Wassernbewohnern einen Weg an der Wehranlage der Pernickelmühle vorbei zu öffnen. Die Staustufe muss erhalten bleiben, weil sonst der Grundwasserspiegel sinken würde, was die Standfestigkeit der Gebäude rundherum gefährdete.

Etwa auf Höhe der Herz-Jesu-Kirche soll eine Haseabzweigung durch eine Röhre auf die andere Seite des Herrenteichswalls geführt werden. Die Lindenallee, die als Naturdenkmal besonders geschützt ist, würde laut Umweltamt nicht beeinträchtigt. Der Hase-Bypass soll vor der historischen Stadtmauer als naturnahes Fließgewässer″ gestaltet werden, wie es in der Vorlage heißt, und an der Pernickelmühle in den Unterlauf zurückfließen. Am Wehr sieht der Plan eine Fischaufstiegsanlage vor.

Bevor die Stadt einen Förderantrag stellen kann, muss sie mit dem Bistum und der Parkstätten-Gesellschaft (OPG) ins Reine kommen. Denn der Hase-Umgehung würden etwa 50 Parkplätze an der Domschule zum Opfer fallen. Die Fläche gehört zum Parkplatz mit 104 Stellplätzen. Die OPG hat erklärt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb der Reststellplätze kaum noch möglich wäre. Der Wegfall der 50 Stellplätze würde den Ertrag jährlich um 230 000 Euro schmälern. Die OPG weist darauf hin, dass es eine Vereinbarung mit dem Bistum gibt, der Kirche 64 Stellplätze zur Verfügung zu stellen. Außerdem dürfen Gottesdienstbesucher sonntags den gesamten Parkplatz unentgeltlich nutzen. Das 3500 Quadratmeter große Grundstück gehört der OPG. Die Stadt müsste der Parkgesellschaft die Fläche abkaufen, um den Haseumlauf zu realisieren.

Bildtext:
Wasser statt Autos: Am Fuße des Herrenteichswalls soll ein Hasearm entstehen, damit Fische das Wehr an der Pernickelmühle umschwimmen können.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Jetzt oder nie

Erstaunlich, wofür plötzlich Geld da ist. Da schlummern Millionen in einem speziellen Förderprogramm, das nur wenige Fachleute kennen. Aber so funktioniert Politik: Solche Fördertöpfe sind das wirksamste Instrument, um Entwicklungen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Geld statt Verbot, Anreiz statt Dirigismus.

Kluge Kommunalpolitik zeichnet sich auch darin aus, solche Anreize rechtzeitig zu erspähen und die passenden Projekte zu den ausgelobten Fördergeldern präsentieren zu können, Altoberbürgermeister Hans-Jürgen Fip war ein Meister darin, alle möglichen Ideen in Pläne gießen und diese in Schubladen ruhen zu lassen, bis sich unverhofft eine Förderkulisse bot. Dann konnte die Stadt mit ausgereiften Plänen die Mittel abgreifen.

Schade, dass für den Hase-Bypass kein Plan vorliegt, aber das kann die Stadt ja schnell nachholen. Jetzt oder nie: Das Projekt hat etwas Faszinierendes und ist den Verlust von 50 Parkplätzen sicher wert.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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