User Online: 1 | Timeout: 10:15Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mehr Blechschäden nach Umbau der Todeskreuzung
 
Mehr Unfälle an der Todeskreuzung
Zwischenüberschrift:
Umbau des Wallrings schützt Radler und irritiert Autofahrer – Fast nur Bagatellschäden
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Seit dem Umbau der sogenannten Todeskreuzung in Osnabrück ist die Zahl der Unfälle mit Blechschäden dort deutlich angestiegen. Das geht aus einer Unfallstatistik hervor, mit der sich der Stadtentwicklungsausschuss heute befasst. Ihr zufolge hatte es an der Kreuzung Johannistorwall und Kommenderiestraße im Jahr 2015, vor dem Umbau , 21 Unfälle gegeben, 17-mal blieb es bei leichten Blechschäden. 2017, nach dem Umbau, waren es 38 Unfälle, darunter 34 leichte Blechschäden. Kein Radfahrer kam nach dem Umbau zu Schaden ein Erfolg, wie Stadtbaurat Frank Otte sagt.

Zwei Radfahrer waren im Jahr 2014 an der Kreuzung gestorben. Lkw hatten sie beim Rechtsabbiegen übersehen. 2016 baute die Stadt die Kreuzung um, trennte die Spuren und führte getrennte Ampelphasen ein.

Zwei Radfahrer sind im Jahr 2014 an der Kreuzung Johannistorwall und Kommenderiestraße durch abbiegende Lkw ums Leben gekommen. Die Stadt baute die Kreuzung um seither verdoppelte sich die Zahl der Unfälle dort.

Osnabrück. Am Donnerstag legt die Verwaltung dem Stadtentwicklungsausschuss eine Unfallstatistik vor ausschließlich für diese Kreuzung. Sie besagt: Nach dem Umbau der Kreuzung im Oktober 2016 gab es dort keinen weiteren tödlichen Unfall. Gleichwohl verdoppelte sich die Zahl der Unfälle mit Blechschäden von 2015 bis 2017. Die Zahl der Verletzten ist konstant.

Nach zwei getöteten Radfahrern im Jahr 2014 hatte die Stadt die beiden Fahrspuren in Richtung Bahnhof im Oktober 2016 getrennt. Seither gibt es eine Spur für Geradeausfahrer und eine für Rechtsabbieger. Radfahrer und Rechtsabbieger haben unterschiedliche Grünphasen Abbiegeunfälle sind so nicht mehr möglich.

Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei an der Kreuzung insgesamt 38 Unfälle mit vier Leichtverletzten. 34-mal blieb es bei leichten Blechschäden. 2015 vor dem Umbau der Kreuzung waren es insgesamt 21 Unfälle mit drei Leichtverletzten gewesen, 17 mit leichten Blechschäden. 2013 waren es 22 Unfälle, davon 18 mit leichten Blechschäden.

Die Zahl der an allen Unfällen beteiligten Radfahrer ging von drei im Jahr 2013 und fünf im Jahr 2014 auf jeweils einen in den Jahren 2016 und 2017 zurück. Der letzte beging Unfallflucht. Vorwiegend kommt es vor der Kreuzung zu Auffahrunfällen oder zu Kollisionen beim Spurwechsel. Die Verwaltung will die Entwicklung beobachten, ist aber froh, dass glücklicherweise dort keine getöteten oder schwer verletzten Personen zu beklagen sind″, heißt es in der Mitteilung für den Ausschuss.

Stadtbaurat Frank Otte sieht aufgrund der Zahlen keinen Handlungsbedarf. Ziel war es, die Gefährdung der Radfahrer auf null zu setzen″, sagte er auf Anfrage unserer Redaktion. Und das ist uns gelungen.″ Seit dem Umbau habe es an der Kreuzung keinen schwer verletzten oder getöteten Radfahrer gegeben. Zwei 1, 50 mal 1, 20 Meter große Schilder würden Autofahrer rechtzeitig auf die Spurtrennung hinweisen. Die müssen ausreichen, um sich rechtzeitig einzuordnen″, sagte Otte. Es dauere seine Zeit, bis alle Autofahrer eine solche Änderung verinnerlichten.

Der Polizei zufolge hat die Zunahme der leichten Unfälle mehrere Gründe. Aufgrund der Spurtrennung staue es sich auf der Fahrbahn für den Geradeausverkehr mehr als zuvor. Das hatte die CDU damals befürchtet und den Umbau daher abgelehnt. Der Stau führe zu mehr Auffahrunfällen, sagte Polizeisprecher Frank Oevermann.

Ferner gebe es Autofahrer, die die Spurtrennung trotz der Hinweisschilder erst spät bemerkten und noch schnell auf die linke Spur rüberziehen wollten, wodurch es zu Unfällen komme. Und es gibt die Autofahrer, die sich noch absichtlich auf der Abbiegerspur am wartenden Verkehr vorbeidrängeln und dann vorne rüberziehen, um ein paar Minuten zu sparen″, sagt Oevermann. Die meisten Unfälle seien aber Bagatellunfälle, immerhin gebe es keine verletzten oder toten Radfahrer mehr.

Im März und Oktober 2014 waren zwei 20 und 47 Jahre alte Radfahrer an der Kreuzung von rechts abbiegenden Lkw erfasst und getötet worden. Der erste Lkw-Fahrer erhielt eine Geldstrafe in Höhe von 4200 Euro. Im zweiten Fall stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Lkw-Fahrer gegen eine Geldauflage ein. Zwei sogenannte Ghost Bikes weiß angestrichene Fahrräder erinnern an die getöteten Radfahrer.

Auch 2009 war ein Radfahrer an der Ecke unter einem Lkw gestorben.

War der Umbau richtig? Eine Umfrage zum Thema auf www.noz.de/ verkehr-os

Bildtext:
Die Todeskreuzung: Seit dem Umbau der Kreuzung kommt es dort wesentlich häufiger zu Unfällen mit Blechschäden. Schwer verletzte oder gar tote Radfahrer sind seither nicht zu beklagen.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Nur Blech

Nach drei toten Radfahrern in den Jahren 2009 und 2014 war der Umbau der Kreuzung am Johannistorwall mitsamt der getrennten Ampelschaltung für den motorisierten Verkehr und Radfahrer richtig. Das ändert auch nicht der starke Anstieg der leichten Unfälle .

Dennoch dürfte sich so mancher Autofahrer über die Spurtrennung und den längeren Rückstau ärgern. Auch die CDU hatte sich deswegen damals als einzige Fraktion gegen die künstliche Verengung ausgesprochen. Der Polizei zufolge staut es sich vor der Kreuzung tatsächlich mehr als zuvor, und es kommt zu deutlich mehr Unfällen. Aber es sind fast nur noch Unfälle mit Blechschäden und Leichtverletzten. Bagatellen, sagt sie zu Recht. Denn seit dem Umbau starb dort niemand mehr. Was interessiert da ein etwas längerer Rückstau? Wer zwei Minuten Wartezeit gegen das Leben eines Radfahrers aufwiegt, ist zynisch.

Bleibt die Frage: Warum nur diese Ecke? Muss erst ein Radfahrer an anderer Stelle sterben, bis die Politik getrennte Spuren und Ampelschaltungen einführt? Ghost Bikes sind schließlich kein schönes Aushängeschild für eine Stadt.
Autor:
Jörg Sanders


Anfang der Liste Ende der Liste