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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wer kennt diese Pflasterhelden?
Zwischenüberschrift:
Eine Straßenbaustelle auf dem Markt in den 1920er-Jahren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vielleicht gäbe es heute weniger Klagen über monatelange Verkehrsbeschränkungen, wenn alle Baustellen im Stadtgebiet personell noch so gut ausgestattet wären wie diejenige auf diesem Foto. Es zeigt Pflasterarbeiten auf dem Markt vor rund 100 Jahren. Der Blick geht in Richtung Bierstraße und Heger Straße.

Osnabrück. Zu welcher Firma die Pflasterer gehören, die sich hier so wirkungsvoll in Szene gesetzt haben, ist leider ebenso wenig bekannt wie das Jahr und der Anlass der Neupflasterung oder Ausbesserung.

Bis 1935 stand das Stüve-Denkmal vor dem Rathaus, etwas rechts außerhalb des Bildes. Dann musste es in die Anlagen des heutigen Hasetorwalls umziehen, weil es die Nationalsozialisten bei den häufigen Massenkundgebungen vor dem Rathaus störte.

Im Jahr 1935 waren also auf jeden Fall Pflasterergänzungen am vormaligen Standort des Denkmals fällig. Ob man bei der Gelegenheit gleich alles runderneuert hat zwischen Altem Rathaus (links an der Ecke zur Krahnstraße) und neuem″ Rathaus (rechts)?

Wir fragten Heinz Balke, den Enkel des Tiefbauunternehmers und langjährigen Obermeisters der Steinsetzer- und Straßenbauerinnung Hermann Potthoff. Er tippt eher auf die 1920er-Jahre, nach der Arbeitskleidung der Leute zu urteilen.

Die Firma Potthoff existierte von 1884 bis 1973 und war überall gut im Geschäft″, wie Balke sich erinnert, zu den Straßenbauämtern in der Stadt und in den Kreisen habe man engen und vertrauensvollen Kontakt gepflegt. Gut möglich, dass das hier eine Potthoff-Truppe ist″, meint er, kann es aber nicht mit Gewissheit sagen, da ihm Vergleichsfotos der Belegschaft in den Firmen-Annalen fehlen.

Jens-Peter Zuther als Co-Geschäftsführer der Straßenbaufirma Dieckmann findet ebenfalls keine sicheren Anhaltspunkte für die historische Einordnung des Fotos. Dieckmann wurde 1927 gegründet″, sagt er, wenn das Foto erst danach entstand, könnte es durchaus eine Dieckmann-Baustelle sein.″

Das sorgfältige Arrangement der Personen keiner ist verdeckt, alle schauen in die Kamera lässt ihn vermutlich zu Recht annehmen, dass das Foto seinerzeit zu Werbezwecken angefertigt wurde. Gut möglich, dass alle Beschäftigten nur für den Fotografen ihre erste Garnitur Zunftkleidung mit Weste und weißem Hemd anlegen mussten.

Drei Herren werden durch ihre Amtsmanns-Mützen herausgehoben: einer ganz links, einer in der Mitte, einer rechts. Das dürften die Poliere sein″, meint Zuther. Angelernte Arbeiter, die Steineschlepper″, stehen weiter hinten und tragen kein Werkzeug in der Hand. Ihre Kleidung ist auch nicht zunftgemäß″. Und vor allen Dingen findet man bei ihnen keine Uhrkette. Die Taschenuhr als Statussymbol, aber auch wegen ihrer Funktion, scheint den Polieren und Facharbeitern vorbehalten gewesen zu sein. Armbanduhren gab es zwar auch schon, sie setzten sich nach dem Ersten Weltkrieg auch zunehmend durch, waren für Handwerker, die schlagende Bewegungen ausführen mussten, aber ungeeignet. Stoßsichere Armbanduhren kamen erst in den 1950er-Jahren auf den Markt. Mehrere Kolonnen sind auf dem Bild vereint. Rechts vorne sind es die Einschlämmer mit dem mobilen Wasserfass und den kleineren Eimern zum Verteilen des Wassers. Links gruppieren sich die Stampfer″ um eine schwere Handramme. Vier Mann waren erforderlich, um den eisenbeschlagenen Holzstößel über vier kreuzweise angeordnete Handgriffpaare anzuheben und dann fallen zu lassen. Ein Rammschlag musste normalerweise genügen, um den Pflasterstein in die endgültige Position zu bringen.

Das ist der Vorläufer der Explosionsramme, wie man sie vielleicht noch aus der Nachkriegszeit kennt″, erklärt Zuther. Ältere Osnabrücker werden das Zischen und Knallen noch im Ohr haben. Bei der Explosionsstampframme wurde tatsächlich ein Kraftstoff-Luft-Gemisch zur Explosion gebracht. Es brauchte nur noch einen Mann, um das Gerät zu führen. Aber der musste auf seine Füße aufpassen. Sonst gab′s Plattfüße.

Seit etwa den 1980er-Jahren wird nicht mehr explosiv gerammt, sondern nur noch gerüttelt. Mit der Vibrationstechnik lassen sich Untergründe und Pflasterflächen wirkungsvoller und dabei schonender verdichten.

Bildtexte:
Kein Facharbeitermangel herrschte in den 1920ern, das scheint dieses gestellte Bild zu vermitteln. 18 Mann erledigen Pflasterarbeiten vor dem Rathaus.
Wieder wird gebuddelt, wenn auch nicht ganz so raumgreifend. In der Bildmitte geht der Blick in die Heger Straße, vorbei an Rathaus (rechts) und Stadtbibliothek (links).
Ein Stampfer als typisches Arbeitsgerät war im Briefkopf der Straßenbaufirma Potthoff enthalten.
Foto:
Archiv Helmut Riecken/ Fotograf unbekannt, J. Dierks
Repro aus Archiv Heinz Balke
Autor:
Joachim Dierks


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