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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
DBU-Experte: Gewässer auf Keime prüfen
 
Multiresistente Keime in Badeseen gefunden
Zwischenüberschrift:
Experten besorgt – Fünf Proben enthielten Bakterien, gegen die Notfall-Antibiotikum nicht wirkt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Biotechnologie-Experte Hans-Christian Schaefer hat nach dem Auffinden multiresistenter Keime in einigen niedersächsischen Gewässern eine systematische Untersuchung von Flüssen, Bächen und Seen gefordert. Bis dahin blieben die Proben nur bedingt aussagekräftig, denn sie seien offensichtlich von Laien genommen worden, sagte der Referent der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Grundsätzlich sei jedoch eine bundesweit angelegte wissenschaftliche Analyse wünschenswert. Denn das Problem der Ausbreitung von Keimen, die Resistenzen, also Widerstandskräfte, gegen Antibiotika entwickelt hätten, sei bekannt. Journalisten der NDR-Sendung Panorama″ hatten in Niedersachsen an zwölf Stellen Proben aus Bächen, Flüssen und Badeseen genommen. Wissenschaftler fanden in allen Proben Keime, gegen die die meisten Antibiotika nicht mehr wirken. Sehr viele Erreger waren in Proben aus der Hase, in die geklärtes Abwasser der Stadt Osnabrück geleitet wurde.

Qualität von Seen und Flüssen: mehr auf noz.de/ niedersachsen

Gesundheitsexperten schlagen Alarm: Experten haben Wasser und Sedimente von zwölf verschiedenen Flüssen und Badeseen in Niedersachsen getestet. Das Ergebnis: In allen Proben waren multiresistente Erreger nachweisbar.

Hamburg/ Hannover. Bei stichprobenartigen Untersuchungen von Gewässern sind antibiotikaresistente Keime gefunden worden. Gesundheitsexperten sind besorgt über die Ergebnisse. Das ist wirklich alarmierend″, sagte Tim Eckmanns vom Robert-Koch-Institut dem NDR. Reporter des Senders hatten an insgesamt zwölf Stellen in Niedersachsen Proben genommen unter anderem an Badeseen, Flüssen und Bächen.

An allen untersuchten Orten darunter auch zwei Badestellen waren den Angaben zufolge sogenannte multiresistente Erreger nachweisbar. Solchen Keimen können einige Antibiotika nichts mehr anhaben. Die daran Erkrankten sind besonders schwer zu behandeln. Die Erreger sind anscheinend in der Umwelt angekommen, und das in einem Ausmaß, das mich überrascht″, sagte Eckmanns. Auch der Gewässerforscher Thomas Berendonk von der Technischen Universität Dresden sagte dem NDR, die Funde bereiteten ihm Sorgen. Besonders kritisch sehen die Wissenschaftler Funde des sogenannten mcr-1-Gens an fünf der zwölf Probenorte. Bakterien, die solch ein Gen in sich tragen, sind resistent gegen das besonders wichtige Reserve-Antibiotikum Colistin. Das Notfallmedikament wird nur in lebensbedrohlichen Situationen eingesetzt, wenn alle anderen Antibiotika versagen.

Wissenschaftler halten es für wahrscheinlich, dass das Resistenzgen aus der Tierhaltung stammt, denn dort wird Colistin im Gegensatz zur Humanmedizin auch in größeren Mengen eingesetzt. Resistente Erreger können aus Ställen beispielsweise über Gülle auf Felder und so in die Umwelt gelangen.

Dass es antibiotikaresistente Erreger in der Umwelt gibt, ist zwar bekannt. Systematische Kontrollen gibt es dem NDR zufolge aber bislang nicht. Gefunden wurden die multiresistenten Erreger unter anderem an der Thülsfelder Talsperre und am Zwischenahner Meer, aber auch in der Hase in Osnabrück.

Angst vorm Baden müsse man aber aufgrund der Ergebnisse nicht haben, sagte Martin Exner vom Forschungsverbund HyReKa, der die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien durch Abwasser erforscht. Man solle aber sehr genau auf die persönliche Hygiene achten. Also sich mit sauberem Wasser abduschen, wenn man draußen zum Baden war ″, sagte Exner, der Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit in Bonn ist. Gefährlicher könnten die Keime aber für Menschen im Krankenhaus, ältere Menschen mit chronischen Wunden und Kleinkinder sein.

Die Kläranlagen in Deutschland sind dem NDR-Bericht zufolge derzeit nicht darauf ausgerichtet, multiresistente Bakterien komplett herauszufiltern. Das aufbereitete Wasser wird in Bäche oder Flüsse eingeleitet. Das Umweltbundesamt fordert daher laut NDR, zumindest alle größeren Klärwerke dringend nachzurüsten.

Das niedersächsische Umweltministerium erklärte dazu, die Kläranlagen erfüllten die gesetzlichen Vorgaben. Die Einführung einer zusätzlichen Reinigungsstufe sei daher derzeit grundsätzlich nicht vorgesehen″. Lediglich eine Behandlung von Dünger hält man im Umweltministerium für zielführend″ . Doch dafür sei Niedersachsens Landwirtschaftsministerium zuständig. Dies wiederum hält eine solche Maßnahme nicht für gerechtfertigt.

Bildtext:
Gefährliche Keime haben die Labore in den Gewässer- und Sedimentproben von zwölf niedersächsischen Seen und Flüssen nachgewiesen.
Foto:
dpa
Autor:
epd, dpa, coa


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