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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Museumsexperten lehnen Glaskasten ab
 
Brickwedde sieht sich bestätigt
Zwischenüberschrift:
Neues Nussbaum-Haus: Viel Geld, wenig Nutzen – Für ein „Quartier des Friedens″
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der geplante Vier-Millionen-Anbau an das Nussbaum-Haus ist endgültig in sich zusammengefallen: Eine Expertenrunde hat dem Konzept die Praxistauglichkeit abgesprochen. Morgen will der Stadtrat die Weichen neu stellen.
Der Blick richtet sich jetzt stärker auf das Gesamt-Ensemble. Das Büro Libeskind soll bei den weiteren Planungen das Kulturgeschichtliche Museum, das Akzisehaus und die Villa Schlikker einbeziehen. Im Klartext: Die Funktionsräume wie Kasse, Vortragssaal, Cafeteria, Toiletten und Garderobe sollen in einem der Museumsgebäude untergebracht werden. Das meinen zumindest die Experten, die die Stadt zu einem ganztägigen, nichtöffentlichen Gedankenaustausch eingeladen hatte.
Am Tisch saßen Cilly Kugelmann, Programmdirektorin des jüdischen Museums in Berlin, Prof. Dr. Martin Deppner von der FH Bielefeld, der Publizist Klaus Dieter Weiß, Prof. Ivan Reimann von der Technischen Universität Dresden und Arndt Brüning, Architekt aus Essen. Die Sprecherin der Expertenrunde, Cilly Kugelmann, empfahl einen Generalplan für das ganze Museumsensemble, das zu einem Museumsquartier des Friedens″ entwickelt werden könnte. Das Nussbaum-Haus sollte allein den Bildern gewidmet sein. Die Funktionsräume wären besser in der Villa Schlikker oder im Kulturgeschichtlichen Museum unterzubringen. Der Eingang zum Nussbaum-Haus wäre im Kulturgeschichtlichen Museum denkbar, meinen die Experten, und begründeten das auch inhaltlich: Nussbaum sei ein Teil der Kulturgeschichte der Stadt.
Ivan Reimann, Experte für Museumsbauten aus Dresden, hält den geplanten Glas-Anbau für wenig praxistauglich. Der Gewinn von 450 Quadratmetern Nutzfläche stehe in keinem Verhältnis zum Aufwand von rund vier Millionen Euro. Praktische Nachteile des Glaskastens zählte Architektur-Journalist Klaus Dieter Weiß auf: Es kann nichts aufgehängt werden, die Klimatisierung ist schwierig, und ein Vortragsraum mit Glaswänden ist für Präsentationen ungeeignet.
Martin Deppner bezeichnete die Kombination von Nussbaum und Libeskind als ein Geschenk für Osnabrück″. Osnabrück sei ein kleiner Ort in der internationalen Museumslandschaft. Aber die Konstellation, den Künstler Nussbaum in einem Gebäude von Daniel Libeskind zu erleben, sei einmalig. Wegen der kulturgeschichtlichen Ausstellung komme keiner eigens nach Osnabrück.
Nach dem Entwurf aus dem Büro Libeskind sollte auf der Brücke, die zum Eingang führt, ein zweigeschossiger Glaskasten gebaut werden. Die Investitionskosten werden auf knapp vier Millionen Euro taxiert. Die Stadt hofft, einen Teil der Mittel aus dem regionalen Förderprogramm Efre der EU schöpfen zu können. 1, 8 Millionen blieben als Eigenanteil bei der Stadt plus 224 000 Euro jährlich an Folgekosten. Die Verwaltung wird dem Rat heute vorschlagen, 100 000 Euro für die weiteren Planungen freizugeben. Insgesamt sind 250 000 Euro im Haushalt 2008 eingestellt.
Das Nussbaum-Projekt steht und fällt mit den Zuschüssen aus Brüssel. Um die Chancen zu wahren, will die Stadt die Alternativpläne bis Mitte September zur Entscheidungsreife bringen und den Antrag auf Efre-Mittel an das zuständige Ministerium in Hannover schicken. Weitere Verschiebungen würden das Risiko, leer auszugehen, weiter erhöhen.

Bildtext:
Bald ein Museumsquartier des Friedens″? Nussbaum-Haus (hinten), Villa Schlikker (vorn links), Kulturgeschichtliches Museum (im Vordergrund) und Akzisehaus (rechts).
Foto:
Gert Westdörp

Osnabrück. CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde sieht sich durch den Expertenworkshop zum Nussbaum-Haus auf der ganzen Linie bestätigt″.
Ich bin sehr froh, dass wir das haben stoppen können und jetzt neu an die Sache herangehen″, sagte Brickwedde, der an dem Workshop teilgenommen hatte. Klar sei, dass die Stadt Geld in die Hand nehmen müsse, um die Funktionalität des Nussbaum-Hauses zu verbessern.
Brickwedde äußerte Sympathien für den von Cilly Kugelmann geprägten Begriff Museumsquartier des Friedens″. Der CDU-Sprecher regte an, darüber zu diskutieren, ob alles, was mit der Friedensstadt zu tun hat, am Nussbaum-Haus konzentriert werden kann″. Er denke dabei unter anderem an das Remarque-Friedenszentrum. Im Gegenzug könnte die Kulturgeschichte zum Marktplatz wandern und mit Rathaus, Dom und Diözesanmuseum einen zweiten Schwerpunkt bilden.
Karin Jabs-Kiesler Vorsitzende der Nussbaum-Gesellschaft, SPD-Ratsfrau und Anhängerin des Glasbau-Entwurfes kann die Sichtweise der Museumsexperten durchaus nachvollziehen. Sie schließt aber aus, den Eingang zum Nussbaum-Haus ins Kulturgeschichtliche Museum zu verlegen. Dadurch würde Nussbaum zu einem Nebengebäude und Anhängsel″. Wichtig ist ihr, dass die Erweiterung nicht auf die lange Bank geschoben wird.
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Michael Hagedorn, bezeichnete es als unglückliche Situation, dass die bisherigen Pläne nicht tauglich sind″. Kostbare Zeit sei verstrichen. Vorrang habe aber, ein funktionsfähiges Museum zu vernünftigen Kosten zu schaffen.
Es ist gut, dass wir das Verfahren angehalten haben″, sagte FDP-Sprecher Thomas Thiele. Der Workshop habe viele kreative Gedanken hervorgebracht. Jetzt stimme die Richtung. Die Möglichkeiten des Kulturgeschichtlichen Museums seien in allen bisherigen Überlegungen unterschätzt worden.
Autor:
hin


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