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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zwangsräumung in letzter Minute abgewendet
Zwischenüberschrift:
Härtefall: Mieter und Vermieter können aufatmen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Es ist gerade noch einmal gut gegangen. In letzter Minute haben hilfreiche Geister die Zwangsräumung der Wohnung von Gerhard und Renate L. abgewendet. Im Februar kann das Ehepaar in eine neue Bleibe ziehen.

Der Gerichtsvollzieher war schon bestellt. Am Dienstag um 11 Uhr sollte er die Eheleute aus ihrer Wohnung am Sonnenhügel abholen und in eine städtische Notunterkunft bringen. Ein Härtefall, Gerhard L. ist schwer krank und könnte in dem kleinen Zimmer nicht einmal seinen Toilettenstuhl und den Rollator aufstellen. Nach zwei Schlaganfällen ist der 61-Jährige inkontinent, er hat ein Bein verloren und stürzt leicht.

Noch am Montagnachmittag schien die Zwangsräumung unabwendbar. Dabei hatte Renate L. in der vergangenen Woche tatsächlich eine neue Mietwohnung gefunden: 70 Quadratmeter an der Natruper Straße zu einem bezahlbaren Preis der absolute Glücksfall. Aber die Sache hatte einen Haken. Das Ehepaar lebt von Grundsicherung, einer kleinen Rente und Pflegegeld, alles in allem 1780 Euro. Zu wenig, um davon die fällige Kaution zu bezahlen.

In solchen Fällen gewährt die Stadt ein Darlehn, aber bis das Geld fließt, vergehen schon mal zehn oder vierzehn Tage. So viel Zeit wollte der Vermieter der bisherigen Wohnung den Eheleuten nicht mehr einräumen. Er pochte auf die Vollstreckung und ließ nicht die geringste Neigung erkennen, das Mietverhältnis um einige Tage zu verlängern.

Es muss sich viel Ärger aufgestaut haben in den vergangenen Jahren. Nicht, wie sonst so oft, wegen ausbleibender Mietzahlungen, sondern wegen der Hygiene. Offizieller Kündigungsgrund war die unzureichende Treppenhausreinigung. Obwohl es immer wieder Ermahnungen gegeben hat, häuften sich auf den Stufen und am Handlauf Plastiktüten und andere Behältnisse mit nicht mehr genießbaren Lebensmitteln an.

Und das nicht nur, nachdem sich Renate L. vor zwei Jahren die Hand gebrochen hatte, sondern auch, als sich der Richter des Amtsgerichts ein Bild von der Lage machen wollte. Oder auch jetzt am Dienstag, nach dem großen Aufatmen. Da hatte sich auf dem PVC-Fußboden im Treppenflur eine undefinierbare Lache gebildet, und es ließ sich nicht ermitteln, ob da etwas aus einer Plastiktüte oder aus einem der vier Hunde getropft war. Renate L. ist mit ihren 66 Jahren noch ganz beweglich, aber sie hat keinen Blick für den Siff, mit dem sich jeder Vermieter zur Weißglut bringen lässt.

Ihr Mann Gerhard sitzt derweil im Wohnzimmer, er raucht unentwegt und trinkt Cola. Eigentlich müsste er in ein Pflegeheim, aber dagegen sträubt er sich mit aller Kraft, die ihm noch bleibt. Weil ihm dort nur noch wenige Zigaretten pro Tag zugeteilt würden, wie Renate L. verrät. Unter zweieinhalb Schachteln macht er es nicht. Das Ergebnis sieht man, nicht nur an seinen Fingerkuppen.

In der neuen Wohnung wird das Team von der Möwe noch die Türen und Heizkörper streichen. Das hat Diakon Gerrit Schulte von der Domgemeinde eingefädelt. Vielleicht gibt es auch noch eine gebrauchte Waschmaschine dazu. Die ist Renate L. ganz wichtig, weil sie ihren Mann zweimal am Tag umziehen muss. Hilfe bekommt das Ehepaar auch vom Sozialamt, vom Gesundheitsdienst und vom Pflegedienst. Ein großes Maß an Wohlwollen hat auch der Gerichtsvollzieher eingebracht, um die Situation zu retten. Und ohne den engagierten Rechtsanwalt wäre jetzt wohl alles zu spät.

Wenn in zwei Wochen der Umzugswagen vor der Tür steht, wird sich Renate L. von vielen Dingen trennen müssen, die sich im Laufe der Jahre angehäuft haben. Einiges schmeiße ich weg″, kündigt sie schon mal an, und das Treppenhaus, das werde sie sauber hinterlassen. Wirklich. Aber das Gerümpel im Keller, das ist nicht von uns!

Bildtexte:
Das muss mit: Gerhard und Renate L. haben eine neue Wohnung gefunden. Die Räumungsklage konnte gerade noch abgewendet werden.
In nikotingeschwängerter Luft verbringt Gerhard L. seine Tage. Eigentlich müsste er in ein Pflegeheim.
Fotos:
Michael Gründel
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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