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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neues Museum für Domschatz
 
Schatulle für die Kleinodien
Zwischenüberschrift:
Haus im Haus: Das Osnabrücker Diözesanmuseum wird nach Neubau jetzt eröffnet
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Für rund 5, 5 Millionen Euro hat das Osnabrücker Bistum ein neues Diözesanmuseum eingerichtet. Kernpunkt des neuen Museums, das am Samstag eröffnet wird, ist eine begehbare Schatulle″, in der die kostbarsten Exponate der Sammlung sakraler Kunst gezeigt werden.

Osnabrück. Erst in der richtigen Fassung leuchtet ein Edelstein richtig: Das Osnabrücker Bistum präsentiert seinen Domschatz neu in einem für 5, 5 Millionen Euro aufwändig gestalteten Diözesanmuseum.
Jenseits der kleinen Brücke funkelt es geheimnisvoll aus dem Dunkel. Ein Glanz von Gold und Edelsteinen macht klar, dass nun der innerste Bezirk einer ohnehin schon mit Kostbarkeiten gefüllten Schatzkammer erreicht ist. Während die Presseleute die wenigen Schritte über den Metallsteg zurücklegen, schaut Dr. Hermann Queckenstedt erwartungsvoll, als wollte er fragen: Na, ist das nicht wundervoll? Dass er diesen Augenblick lange herbeigesehnt hat, machte der Direktor des Osnabrücker Diözesanmuseums beim Presserundgang gestern überdeutlich. Wir haben viel gemacht, aber wenig darüber geredet″, umschreibt er höflich eine Situation, die zuletzt unhaltbar wurde. Einer der schönsten Domschätze Deutschlands, hinter schweren Gittern und Tresortüren regelrecht verbunkert so abgeschottet, fand der Schatz nicht eben viele Freunde.
Doch nun soll wenn nicht alles, so doch vieles anders werden. Das neue Diözesanmuseums ist Schlusspunkt und Zentrum einer jahrelangen Baumaßnahme, mit der sich das Osnabrücker Bistum spürbar öffnen möchte. Das neue Forum am Dom″ ist als Kontaktzone hell und transparent gestaltet. Dahinter wartet das neue Museum mit insgesamt über 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche, von denen 82 für wechselnde Präsentationen reserviert sind. Obendrein erhält der Domchor ein neues Probengebäude.
Doch was ist das alles gegen das Schatzhaus auf Stelzen, das der Luxemburger Architekt Christian Bauer in das Kirchengebäude einstellte? Der über eine kleine Brücke erreichbare Raum wirkt wie die Schatulle für die schönsten Stücke des Hauses. Das mit Edelsteinen besetzte Kapitelkreuz, kostbare Schreine mit Reliquien gab es vorher verhaltene Schönheit, so springen Prunk und Pracht den Besucher nun regelrecht an. Aus gediegenen Vitrinen leuchtet hervor, was von langen Jahrhunderten religiösen Lebens in dieser Gegend zeugt. Den vielen Kleinodien entspricht die Architektur des Hauses im Haus: Sie ist das Kleinod einer Museumsgestaltung, deren Eleganz unbedingt als zurückhaltend bezeichnet werden muss. Funktionalität dominiert hier eindeutig. Und eine neue Philosophie der Präsentation.
Was Queckenstedt als Gratwanderung zwischen Ästhetik und Didaktik″ bezeichnet, meint eine neue Hinwendung zum Besucher. Ihm will man nun zu den Exponaten Geschichten erzählen und Ausstellungsstücke nicht länger als Belege für Epochen und Stile verstehen. In diesem Sinn leiste das neue Museum einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Ausstrahlung der Stadt, meint Queckenstedt. Wie sehr kulturelle Öffnung in Kirchenkreisen auch Abwehrreaktionen auslösen kann, macht dagegen Domvikar Theo Paul spürbar. Kultur und Kult gehörten für die Religion zusammen, meint er und fügt an: Kultur ist faszinierend, aber auch abgründig.″ Wichtiger als das Getriebe eines Kunstmarktes sei Kultur als Beheimatung des Menschen″, sagt der Geistliche. Hatte er dabei die Worte des Kölner Kardinals Meisner im Sinn, der Gerhard Richters Fenster für den Kölner Dom mit der Bemerkung kommentierte, eine Kultur, die sich von der Religion entferne, sei als entartet zu kritisieren?
Gleichviel. Osnabrücks neues Diözesanmuseum wirbt mit frischer Gestaltung um sein Publikum, erinnert mit konservativer Präsentation aber auch daran, dass sein Bestand aus Objekten besteht, die eben zum Teil noch in liturgischer Funktion stehen und aus der Sicht der Kirche mehr sind als bloße Kunstgegenstände. Der Aufwand ist allemal enorm. Rund zwei Millionen Euro steuerten mehrere Stiftungen sowie viele Spender zu der nicht eben kleinen Bausumme bei. Am Samstag wird das neue Haus nun eröffnet, hinter dem ein in Kupfer gekleideter Elipsoid auch noch den Proben des Domchors einen neuen Rahmen verleihen wird.
Info: bistum-osnabrueck.de

Bildtext:
Im Gehäuse warten Kostbarkeiten: Blick in das neue Diözesanmuseum.
Kelch und Reliquiar: Der Osnabrücker Domschatz bietet viele Kostbarkeiten, die nun neu präsentiert werden.
Fotos:
Michael Hehmann
Autor:
Stefan Lüddemann


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