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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker Kleiderlager vor dem Aus
 
Kleiderlager vor dem Aus
Zwischenüberschrift:
Freiwilligenprojekt muss Melanchthonkirche räumen – Kaufverhandlungen laufen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Auf Druck der Brandschutzversicherung muss die provisorisch als Kleiderlager genutzte Melanchthonkirche bis Ende Februar geräumt werden. Damit steht das größte Freiwilligenprojekt zur kostenlosen Versorgung von Bedürftigen in Osnabrück vor dem Aus. Rettung für das seit 2015 bestehende Angebot erhoffen sich die verantwortlichen Bürgervereine Nord-West und Eversburg von der Stadt. In einem Brief an Oberbürgermeister Griesert bitten sie um Hilfe bei der Suche nach einem neuen Standort für das Kleiderlager. Unterdessen verhandelt die evangelisch-lutherische Südstadtkirchengemeinde weiter mit möglichen Käufern für das vor drei Jahren entwidmete Gotteshaus auf dem Kalkhügel. Nach Angaben von Superintendent Joachim Jeska zeichnet sich eine wunderbare Nachnutzung″ ab.

Die provisorisch als Kleiderlager genutzte Melanchthonkirche muss bis Ende Februar geräumt werden. Damit steht das größte Freiwilligenprojekt zur kostenlosen Versorgung von Bedürftigen in Osnabrück vor dem Aus. Derweil verhandelt die Südstadtkirchengemeinde weiter mit möglichen Käufern für das 2015 entwidmete Gotteshaus.

Osnabrück. Die Aufforderung zum schnellstmöglichen″ Auszug aus der Melanchthonkirche erreichte die Ehrenamtlichen am Freitag voriger Woche per E-Mail. Dringlichkeit sei deshalb geboten, weil die Versicherung Druck macht″ und der Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Südstadtkirchengemeinde vor dem geplanten Verkauf des Gebäudes nichts mehr riskieren wolle, teilte Gemeindegeschäftsführer Ulf Jürgens den Vorsitzenden der Bürgervereine Nord-West und Eversburg mit.

Hauptproblem ist nach Informationen unserer Redaktion der Brandschutz: Das Sechzigerjahre-Denkmal auf der Spitze des Kalkhügels gilt als extrem baufällig. Feuchtigkeit und Schimmel setzen der maroden Elektrik zu. Wohl nicht von ungefähr klebt sogar im Schaltschrank der Kirche ein Vaterunser.

Hilferuf an den OB

Bei den Verantwortlichen des Osnabrücker Kleiderlagers herrscht ob des plötzlichen Rauswurfs pure Verzweiflung. In ihrer Not haben sie bereits den Oberbürgermeister angeschrieben. Herr Griesert, helfen Sie uns bitte, wir stehen vor dem Aus!″, heißt es in dem Brief vom 23. Januar.

Bis spätestens Ende Februar werde eine mindestens 400 Quadratmeter große Unterkunft benötigt, mit Toilette, Wasser, Licht und Strom, außerdem einer guten Busanbindung. Das alles für einen möglichst langen Zeitraum und natürlich möglichst billig. Denn die Bürgervereine verfügten nicht über die Mittel, um Miete und Nebenkosten für das Kleiderlager selbst zahlen zu können. Die 2015 von der Südstadtkirchengemeinde aufgegebene Melanchthonkirche wird dem Projekt kostenlos zur Verfügung gestellt. Für den Rest kommen bislang Caritas und Diakonie zu gleichen Teilen auf.

Das Kleiderlager ist von großem Nutzen für die städtische Bevölkerung. Wir wollen nicht aufgeben und müssen einfach weitermachen″, sagt Elisabeth Michel vom Bürgerverein Nord-West. Nirgendwo sonst hätten Bedürftige in Osnabrück die Chance, sich gratis mit gut erhaltenen Anziehsachen und Schuhen einzudecken. Der Bedarf sei riesig″. Dass ihr ökumenisches Projekt an fehlenden Räumen scheitern könnte, mögen Michel und ihre gut 50 Mitstreiter nicht wahrhaben. Es gebe doch reichlich gewerbliche Leerstände in Osnabrück, sagen sie, vielleicht könne das Kleiderlager in ein altes Ladenlokal umziehen. Auch die einst zur Flüchtlingsunterkunft umgebaute Käthe-Kollwitz-Schule wäre für die Freiwilligen eine mögliche Option.

Das Kleiderlager ist vor zweieinhalb Jahren auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle in Osnabrück entstanden. Die Bürgervereine haben es aufgebaut, um der Flut an Kleiderspenden Herr zu werden, die damals über das Flüchtlingshaus am Natruper Holz hereinbrach und für Chaos sorgte. Seither wird außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung gesammelt und sortiert, ehe die Sachen gezielt weiterverteilt werden. Mit unserer Sammelstelle haben wir den Spendenfluss in geordnete Bahnen gelenkt″, erklärt Michel. Doch von Anfang an hatte das Kleiderlager damit zu kämpfen, selbst immer nur provisorisch unterzukommen: Zunächst für ein halbes Jahr im ehemaligen Max-Bahr-Baumarkt in Hellern, dann eine Weile verpackt in Containern in der früheren Landwehrkaserne, schließlich in der Melanchthonkirche, wo die Zeit nach nunmehr 15 Monaten aber ebenfalls abgelaufen ist.

Derweil scheint die Südstadtkirchengemeinde Fortschritte zu machen beim Versuch, Gebäude und Grundstück zu verkaufen. Es zeichnet sich eine wunderbare Nachnutzung ab″, sagte der Superintendent des Kirchenkreises Osnabrück, Joachim Jeska, am Freitag auf Nachfrage. Einzelheiten seien jedoch noch nicht spruchreif.

Eine Bildergalerie vom Kleiderlager finden Sie bei uns im Internet auf noz.de / bilder, weitere Berichte über die wechselvolle Geschichte der Melanchthonkirche auf noz.de/ os

Bildtext:
In der ehemaligen Melanchthonkirche auf dem Kalkhügel ist seit 15 Monaten ein ehrenamtlich geführtes Kleiderlager untergebracht, das Bedürftige in ganz Osnabrück kostenlos mit Sachen zum Anziehen versorgt.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Retter

Dass die zum Verkauf stehende Melanchthonkirche für das Kleiderlager wieder nur eine Übergangslösung sein würde, war allen Beteiligten klar. Die vielen Freiwilligen mit ihrem großartigen Hilfsprojekt aber jetzt so mir nichts, dir nichts vor die Tür zu setzen ist hart und auch ein Stück weit unverantwortlich, aller bisher gezeigten Großzügigkeit zum Trotz. Nun steht ein etabliertes und in der Stadt dringend benötigtes, ehrenamtliches Angebot auf der Kippe, weil kaum Zeit bleibt, einen geeigneten Ersatzstandort für das Kleiderlager zu finden. Besser noch: eine feste Bleibe, die nach Jahren des Provisoriums überhaupt keine weiteren Umzüge mehr nötig macht.

Wer hilft, dem wird geholfen, heißt es. Und bislang konnte sich das Kleiderlager über mangelnde Unterstützung vor allem aus Kirche und Wirtschaft nicht beklagen. Diesmal sehen die Macher die Stadt in der Pflicht. Ihr Hilferuf an den Oberbürgermeister bietet diesem die Gelegenheit, sich als Retter des Kleiderlagers zu profilieren.
Autor:
Sebastian Stricker


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