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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Handel ist Wandel
Zwischenüberschrift:
Osnabrücks älteste Buchhandlung Rackhorst im Laufe ihrer langen Geschichte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der inhabergeführte Buchhandel hat einen schweren Stand, seitdem sich der Online-Versand wachsende Marktanteile schnappt. Doch auch schon vorher war viel Bewegung in der Osnabrücker Buchhandels-Landschaft. Das historische Foto zeigt die älteste Buchhandlung der Stadt, die Rackhorst′sche an der Großen Straße, im Jahr 1904 oder 1905.

Osnabrück. Zum Zeitpunkt der Aufnahme bestand die Traditionsbuchhandlung schon 76 Jahre. 1828 kam der aus Rethem/ Aller stammende Johann Friedrich Rackhorst (1801–1869) nach Osnabrück. Da er gelernter Buchhändler war und über gute Zeugnisse verfügte, hatte der Magistrat keinen Grund, ihm die Niederlassung zu verwehren. Als er am Nikolaiort 3 sein Geschäft eröffnete, war er sozusagen der erste Profi-Buchhändler. Denn zuvor hielten die Buchbinder den Verkauf von Verlagsprodukten in ihren Händen.

Rackhorsts Start-up war Erfolg beschieden. Schon bald konnte er sich durch Umzug in das Haus Große Straße 23 verbessern. 1860 trat mit Sohn Justus die zweite Generation ins Geschäft ein, nicht ohne dass ihn die Buchhändler Meinders (seit 1843 in Osnabrück) und Richard im Auftrage des Magistrats zuvor auf Eignung geprüft hatten. Eine Abteilung für Kunst und Musikalien bereicherte bald den Geschäftsumfang, ferner die Eröffnung von Filialen im Hauptbahnhof und in Quakenbrück.

Ein schweres Nervenleiden beendete Justus Rackhorsts Schaffenskraft. 1887 übergab er die Geschäfte seinem langjährigen Mitarbeiter Robert Vaegler, der kurz darauf seine Tochter Auguste Rackhorst ehelichte.

Unter Vaegler nahm auch der Verlag weiterhin eine gute Entwicklung. Rund 60 Bücher listet das Verlagsverzeichnis auf, wobei pädagogische Werke zunächst einen Schwerpunkt bildeten. Bereits 1834 erschien die Beschreibung der Bürgerschule in Osnabrück″. Es folgten Lese- und Rechenbücher für Volksschulen und eine lateinische Grammatik sowie ein Geografielehrbuch für höhere Schulen. Lyras plattdeutsche Briefe, Erzählungen und Gedichte brachte Rackhorst 1856 heraus und zwei Jahre später die Gedanken über den Religionsunterricht″ des über die Grenzen Osnabrücks hinaus geschätzten Oberschulinspektors Heinrich Schüren. Werke zur Pflanzenkunde, zur Heimatgeschichte, über den Taubstummenunterricht, Stüves Schulgesangbuch″ in zahlreichen Auflagen und eine große Anzahl amtlicher topografischer Karten rundeten das Programm ab. Auch an einem Periodikum versuchte sich Rackhorst: 1831 erschienen die Neuen Beiträge zum Nutzen und Vergnügen″, hatten aber keinen großen Erfolg und wurden bald wieder eingestellt.

1906 leitete der Architekt und Baumeister Robert Thor, der sich später als Projektentwickler″ auch beim Durchbruch des Jürgensorts zur Großen Straße hervortat, die Verbreiterung des westlichen Endes der Georgstraße in die Wege. Die Hasebrücke im Zuge der Georgstraße war zuvor nur ein schmaler Steg und die weitere Verbindung zur Großen Straße nur eine enge Gasse gewesen. Hier auf dem historischen Foto ist ihr Austritt auf die Große Straße hinter dem Drogerie-Schild am linken Bildrand zu erkennen. Das alte Rackhorst′sche Haus mit seiner klassizistischen Fassade und dem kuriosen Dachaufbau musste den neuen Zeiten in Gestalt des Durchbruchs der Georgstraße″ weichen. Noch läuft der Verkauf, wie man angesichts der mit Kunstdrucken angefüllten Schaufenster vermuten darf, während im Nachbarhaus zur Rechten (Optiker Häberlin) bereits der Ausbau der Fenster begonnen hat. Denn auch dieses Haus (Nummer 22) wurde abgerissen, um einem schöneren und größeren Neubau Platz zu machen. In dieses neue Eckhaus zog sogleich wieder die Rackhorst′sche Buchhandlung ein.

1906 gab es in Osnabrück mit seinen damals 60 000 Einwohnern zwölf Buchhandlungen, 22 Buchbindereien und zehn Buchdruckereien. Rackhorst behauptete sich auch nach dem Tod des langjährigen Inhabers Robert Vaegler im März 1943. Witwe Auguste Vaegler legte im Februar 1946 die Geschäfte in die Hände ihrer Großnichte Hildegard Wulf, die mit ihrem Mann Hellmut zielstrebig den Wiederaufbau des kriegszerstörten Hauses Große Straße 22 betrieb. Nach behelfsmäßigen Zwischenstationen konnte man im September 1950 den Neubau an alter Stelle beziehen.

In den folgenden Jahrzehnten geriet der Osnabrücker Buchhandel erheblich in Bewegung. Die Buchhandlung Franz Wunsch, die zuvor schon die ebenfalls traditionsreiche Buchhandlung P. Hoppenrath in der Krahnstraße 24 übernommen hatte, übernahm um 1970 auch Rackhorst. Wunsch-Inhaberin Inge Rabe gab nach wenigen Jahren den alten Standort Große Straße 22 auf und konzentrierte ihr Geschäft in der Krahnstraße 36/ 37 (heute Eingang Theaterpassage).

Um die Mitte der 1980er-Jahre kam es zu einem weiteren Einschnitt: Inge Rabe zog sich zurück und verkaufte die Firma Franz Wunsch und Rackhorst′sche Buchhandlung OHG″ an einen Konkurrenten, die Buchhandlung Wenner. Wenner übernahm die Warenbestände und die laufenden Abo-Lieferverträge etwa über Fachzeitschriften und Gesetzes-Nachträge, die zu der Zeit noch eine gewisse Rolle spielten. Rackhorst lebt noch immer, wenn auch derzeit nur als bei Wenner geparkter Firmenmantel. Man kann ja nie wissen, wozu der noch einmal gut ist″, meinte Mitinhaber Guido Wenner dazu.

Bildtexte:
Das Haus Große Straße 23 (Mitte) war Sitz der Rackhorst′schen Buchhandlung, bis es 1905 der verbreiterten Einmündung der Georgstraße weichen musste. Zuvor war die Georgstraße nur eine schmale Gasse, die links hinter dem Drogerie-Schild einmündete.
Das neue Eckhaus Große Straße 22 (heute Bijou Brigitte und Yves Rocher) beherbergte bis Anfang der 1970er-Jahre die Buchhandlung Rackhorst.
Fotos:
Archiv Museum Industriekultur/ Rudolf Lichtenberg, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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