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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Menschen 2017
 
Trauer um engagierte Osnabrücker
 
Verkehrspolitik als reine Schikane
 
Götterdämmerung am Sanierungshimmel
 
Der Stillstand hat einen Namen
 
Wohnungssuche bis zur Verzweiflung
 
Finanznot macht den Zoo erfinderisch
 
Forschung und Lehre mitten in der Stadt
Zwischenüberschrift:
Wie die automobile Gesellschaft Boden verliert
 
Schulen: Endlich ist Geld für Investitionen da
 
Neumarkt: Warum die Stadt wieder ein Jahr verloren hat
 
Osnabrück ist nicht Berlin – und dennoch wird es eng
 
Events sind eine wichtige Geldquelle geworden
 
Wie Hochschule und Universität Osnabrück 2017 geprägt haben – auch abseits von Hörsaal und Mensa
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Zwölf Tage lang sucht die Polizei einen Falschparker bis der sich meldet: Am 10. Januar holen der dreijährige Jim und seine Mutter Katharina Brinkhege das rote Bobbycar von den Beamten in der Weststadt ab. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte der kleine Junge sein kleines Fahrzeug auf der Zufahrt zur Polizeidienststelle an der Augustenburger Straße abgestellt und dann vergessen. Die Osnabrücker Polizei sucht via Twitter und Facebook nach dem Eigentümer und macht mit einem originellen Text viele Medien in ganz Deutschland auf den Fall aufmerksam. Ein Knöllchen erwartet den Falschparker übrigens nicht. Stattdessen schenken die Polizisten ihm ein Überraschungspaket mit Schokolade, einem Malbuch und einen Kinderdienstausweis.

Senta und Gert Vonhoff gründen im Januar eine Stiftung. Sie bringen eine Million Euro ein und wollen Kinder aus prekären Verhältnissen unterstützen, Fanatismus und Aberglauben entgegentreten, Menschen in Not helfen, Toleranz und Völkerverständigung fördern. Im August ruft Unternehmerin Brigitte Coppenrath eine Stiftung mit einem Stammkapital in Höhe von 10 Millionen Euro ins Leben es ist die Aloys & Brigitte Coppenrath Stiftung″. Zweck ist die Förderung von Existenzgründern und das therapeutische Reiten.

Motivationsschub für Nadia Nashir: Die Vorsitzende des Afghanischen Frauenvereins erhält im März vom Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande. Mit diesem Rückenwind will sie nun neue Projekte in Afghanistan anschieben. 1992 gründete Nashir den Afghanischen Frauenverein, seitdem kümmert sie sich darum, dass Hilfe vor Ort ankommt.

Erfolg beim Landesentscheid von Jugend forscht Schüler experimentieren″: Carla Mücke vom Osnabrücker Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium wird im März Landessiegerin im Fachbereich Arbeitswelt. Das Projekt der 15-jährigen Osnabrückerin ist die Luftreinigung mit dem Ionisator″. Clara Langkutsch vom Gymnasium Carolinum in Osnabrück erhält dabei den Sonderpreis für den schönsten Stand. Der Titel ihrer Arbeit lautet Der neue Dünger′ Mit Homöopathie Pflanzen und Umwelt schonen.″

Während einer Arbeit in ihrem Seminarfach Mathematik hat sich die Ursulaschülerin Lena Hiddessen mit Siegstrategien im Spiel Siedler von Catan″ beschäftigt. Eine gute Strategie war es, sich mit dieser Arbeit um den Dr.-Hans-Riegel-Fachpreis der Universität Oldenburg zu bewerben, denn: Den hat die 17-Jährige im September gewonnen.

Ein Osnabrücker Apotheker mischt seine eigene Kombination aus Tonic-Water und Energy-Drink: Sir Tibber′s″ heißt ein hellblaues Getränk, das Jens-Henrik Pott in monatelanger Arbeit entwickelt hat und im Laufe des Jahres auf den Markt bringt. Und schon bald wird das leicht bitter schmeckende Getränk in einer Altstadt-Bar mit Gin gemischt.

Der Stadt- und Kreisarchäologe Bodo Zehm war 36 Jahre lang das Gesicht der Osnabrücker Archäologie″, wie Oberbürgermeister Wolfgang Griesert es bei dessen Verabschiedung im Juli formuliert und im Spaß von einer Laufbahn in Trümmern″ spricht. Unter anderem entdeckte Chefarchäologe Zehm den historischen Brunnen am Marktplatz. Die für ihn persönlich bedeutendste archäologische Stätte ist die Schnippenburg in Ostercappeln-Schwagstorf: Was für viele Stonehenge als Bauwerk aus der Steinzeit ist, ist für mich die Schnippenburg als Denkmal der keltischen Kultur.″ Der 65-Jährige will sich weiterhin um die Megalithkultur kümmern: Ihm imponieren die bis zu 5000 Jahre alten Großsteingräber. Zehms Nachfolger ist sein bisheriger Stellvertreter Axel Friederichs.

Sie weiß: Osnabrücker Äpfel werden im Durchschnitt neun Tage früher reif als vor einem Vierteljahrhundert: Helene Feldkamp beobachtet seit 40 Jahren im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes die Natur. Dafür wird die 75-jährige Pyerin im August mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet.

Ohne den beherzten Einsatz von Dennis Poggemann wäre ein Gleitschirmflieger in einem Badesee am Lago Maggiore im Sommer vergangenen Jahres ertrunken. In diesem Juni zeichnet die Schweizer Carnegie-Stiftung den 39-Jährigen aus Hellern als Lebensretter aus.

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Jim hat sein Bobbycar falsch geparkt und dann vergessen. Die Polizisten Nils Allendorf (links) und Manfred Tapken freuen sich, dass sie dem Dreijährigen das kleine rote Fahrzeug zurückgeben können. Sie hatten via Twitter und Facebook nach ihm gesucht und bundesweit Resonanz erzeugt.
Foto:
David Ebener

Osnabrück. Er verstand sich als Sohn kleiner Leute. Der Osnabrücker Jurist und SPD-Politiker Alfred Emmerlich war 18 Jahre lang Bundestagsabgeordneter. Unter anderem wirkte er an der Erneuerung des Scheidungsrechtes mit. Bis dahin hatten sich Eheleute in Verfahren oft gezwungen gesehen, schmutzige Wäsche″ zu waschen. Er stirbt Ende März im Alter von 88 Jahren.

Vom Pferdeknecht zum Oberstaatsanwalt: So lässt sich die Karriere von Walter Hunger zusammenfassen. Er engagierte sich als Vorsitzender des Verkehrsvereins Osnabrück und des Kreissportbundes. Bekannt war er auch für seine Fähigkeit, in Sitzungen mit wenigen Worten möglichst alles zu sagen. Ende Juni stirbt Walter Hunger im Alter von 87 Jahren.

Die Thuiner Franziskanerin Schwester Willehada ist als Retterin und Hüterin von Tieren und als Lehrerin der Berufsbildenden Schule im Sutthauser Marienheim bekannt, wo sie 53 Jahre lang lebte. Im September stirbt sie im Alter von 79 Jahren.

Engagierter Spediteur: Unternehmer Heinrich Koch war Vizepräsident der IHK, Arbeits- und Finanzrichter. Er setzte sich für Verbesserungen in der Ausbildung ein. Ende November stirbt er im Alter von 97 Jahren.

Konditormeister der Herzen″: So hat ein Weggefährte ihn bezeichnet. Reinhard Coppenrath engagierte sich sei es als Schatzmeister einst für den VfL im Notvorstand, sei es für den Zoo als Präsident mit Gespür für Weiterentwicklung. Auch in seinem Beruf engagierte er sich über den Feierabend hinaus als Obermeister der Konditoreninnung und Landesinnungsmeister. Ende November stirbt er im Alter von 81 Jahren.

Bildtexte:
Alfred Emmerlich
Schwester Willehada
Reinhard Coppenrath
Heinrich Koch
Walter Hunger

Fotos:
Michael Hehmann, Michael Gründel, Thomas Osterfeld, Klaus Lindemann, Elvira Parton

Für die einen ist es reine Schikane, für die anderen ein Beitrag für mehr Lebensqualität. In der Verkehrspolitik verschiebt die Stadt Osnabrück ihre Prioritäten zugunsten von Radlern, Bussen und Fußgängern. Das missfällt vielen, die ihre Wege bevorzugt mit dem Auto zurücklegen.

Modellversuch Tempo 30. Das hatte gerade noch gefehlt. Nicht nur in Wohngebieten, auch auf einigen Hauptverkehrsstraßen soll es künftig sanft und leise zugehen. Um herauszufinden, ob das langsamere Tempo positive Effekte haben könnte. Immerhin klagen viele Stadtbewohner über den Lärm, die Schadstoffe in der Luft und die Unfallgefahren. Die Gegner des Modellversuchs glauben allerdings jetzt schon zu wissen, dass Tempo 30 nur den Verkehr aufhält und den Schadstoffausstoß erhöht. Dass eine Mehrheit im Rat für den Modellversuch gestimmt hat, wird als ideologisch motivierte Kampfansage an die automobile Gesellschaft gebrandmarkt.

Dabei ist Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen nur einer von vielen Schritten zu einem anderen Umgang mit dem Auto. Nach langem Hin und Her hat die Stadt im Oktober den Neumarkt für
Autos gesperrt. Laut wird darüber nachgedacht, die Martinistraße, eine der wichtigsten Verkehrsadern im Stadtgebiet, auf zwei Spuren zurückzubauen. Vom Umbau der Bramscher Straße versprachen sich die Verkehrsplaner anfangs, dass die Busse an den Autos vorbeiziehen sollten, wie
es Stadtbaurat Frank Otte einmal ausdrückte. Dagegen machte die Autofahrer-
Fraktion mobil, und am Ende fiel die Beschleunigung für die neue E-Buslinie
ein paar Nummern kleiner aus.

Mit Unverständnis reagiert die automobile Community auf die Absicht der Stadt, den Anteil der Radler auf Osnabrücks Straßen zu erhöhen. Fahrradfahrer? Das sind doch die Anarchisten, die weder Einbahnstraßen noch rote Ampeln kennen und bei Dunkelheit ohne Licht fahren, lautet das vernichtende Urteil der vierrädrigen Fraktion. Und die sollen zur tragenden Säule eines neuen Verkehrskonzepts werden?

Ausgestattet mit Bundes- und Landesmitteln, macht sich die Stadt daran, einen Radschnellweg zwischen Osnabrück und Belm zu bauen– mit eingebauter Vorfahrt für die rasenden Pedaleure. Autofahrer müssen also warten, sobald ein Radler am Horizont auftaucht. Das kratzt am sozialen Status der automobilen Society.

Noch schlimmer kommt es am Natruper-Tor-Wall, wo die Stadt allen Ernstes eine Spur für den motorisierten Individualverkehr opfern will, um Radlern ein sicheres Vorwärtskommen auf Protected Lanes″ zu ermöglichen. Das sind Radspuren, die mit einem kleinen Wall aus Gummi von den übrigen Spuren abgetrennt werden. So ist es jedenfalls im Radverkehrsplan angedacht, dessen einzelne Schritte allerdings noch unter dem Vorbehalt stehen, dass der Rat zustimmt.

Um die Verkehrswende voranzubringen, haben die Stadt und die Stadtwerke eine gemeinsame Schnittstelle geschaffen, mit einer personellen Minimalausstattung und einem Büro im Hochhaus am Berliner Platz. Mobile Zukunft″, heißt das Projekt, und wer dem kleinen Team einen Besuch abstattet, bekommt gleich ein Kärtchen in die Hand gedrückt mit der Botschaft: Osnabrück hat autofrei″. Am 23. September 2018 soll es einen autofreien Sonntag geben, mit einem Happening auf der Martinistraße. Die Finanzierung ist aber noch nicht sicher.

Das Team von Mobile Zukunft″ hat mitgemischt beim Parking Day, an dem Parkplätze in der Innenstadt für einen Tag umfunktioniert werden durften für autofreie Zwecke, etwa zum Frühstücken, Sonnenbaden oder Tanzen. Um zu verdeutlichen, dass der Lebensraum Stadt eigentlich zu schade ist, um ihn mit Autos zu verstopfen.

Über diesen Fingerzeig einiger weniger Aktivisten regte sich kaum jemand auf. Die Ankündigung allerdings, dass zwei Parkplätze an der Dielingerstraße dauerhaft dem Verkehr entzogen werden sollen, stieß auf den Argwohn autobeseelter Leidensgenossen. Es sei doch schade um die Parkgebühren, die der Stadt nun entgehen würden, sorgten sich Betroffene.

Weitaus nervöser fielen die Reaktionen aus, als die Stadt ankündigte, dass die Rheiner Landstraße demnächst wegen dringend notwendiger Kanalarbeiten für zweieinhalb Jahre gesperrt werden soll. Schon wieder eine Baustelle! Es gibt Autofahrer, die sind überzeugt, dass eine Strategie dahintersteckt. Bauarbeiten reine Schikane!

Foto:
Jörn Martens

Schulen und Turnhallen sind marode, es regnet durch Dächer und pfeift durch die Fenster. Das fällt bei der Turnhalle an der Waldschule in Lüstringen schon gar nicht mehr ins Gewicht. Die ist wegen Einsturzgefahr ohnehin seit Herbst geschlossen.

Auch die technische Ausstattung Osnabrücker Bildungseinrichtungen unterscheidet sich selbst im 21. Jahrhundert nur marginal von der in Heinz Rühmanns Feuerzangenbowle. Über viele Jahre wurde nur geflickt, was eigentlich grundsaniert gehört hätte. Das rächt sich jetzt. Die Kosten explodieren.

Schulen in einem solchen Zustand kannte ich bislang nicht″, gibt Osnabrücks seit Januar im Amt befindlicher Schuldezernent, Wolfgang Beckermann, im August in der Sitzung des Stadtelternrates zu Protokoll. Der Mann kommt aus dem nordrhein-westfälischen Greven. Den Investitionsstau in und an Osnabrücker Schulen schätzt er auf etwa 216 Millionen Euro. Hinzu kommt, dass die Schullandschaft im Bereich der Sekundarstufe I dringend der Überarbeitung bedarf. Eine Neugründung aus den drei Innenstadtschulen (Schule an der Rolandsmauer, Hauptschule Innenstadt und Möser-Realschule) wird schon seit mehreren Jahren diskutiert ergebnislos. Und eine dritte Gesamtschule soll auch noch her. Spätestens die Wiedereinführung des Abiturs nach 13 Schuljahren, auch G 9 genannt, lässt Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Ratsgymnasium und Gymnasium in der Wüste zum Schuljahr 2020/ 21 aus allen Nähten platzen. Verwaltung und Politik diagnostizieren immer wieder messerscharf dringenden Handlungsbedarf″. Gründe, jetzt mal kräftig in die Hände zu spucken und an die Arbeit zu gehen, gibt es also genug.

Der neue Schulausschussvorsitzende Jens Martin (SPD) hätte gern mehr Dampf im Kessel. In einem Interview mit unserer Redaktion hatte er schon im März gesagt: Uns läuft die Zeit davon. Wenn wir nicht in die Puschen kommen, drohen vielen Schulen jahrelange Containerlösungen.″ Ein Arbeitskreis sollte ohne öffentlichkeitswirksames Getöse im Hintergrund möglichst schnell politisch annehmbare und verwaltungstechnisch finanzierbare Problemlösungen erarbeiten. Der Arbeitskreis wird noch im Frühjahr gegründet, zieht die Puschen an und trifft sich bis Dezember mal gerade ein einziges Mal. Nur mühsam kann Jens Martin in der Novembersitzung des Schulausschusses seinen Ärger über den schleppenden Fortgang der Dinge beherrschen. In der Folge soll es dann doch noch eine Sitzung gegeben haben, hieß es zum Ende des Jahres aus Teilnehmerkreisen. Aussagen über Ergebnisse der Beratungen gab es allerdings keine. Das war so abgesprochen, ist also zu akzeptieren. Gleichwohl wollen die Eltern in dieser Stadt Ergebnisse sehen. Die Ungeduld wächst. Die Türen sollten sich also bald wieder für die Öffentlichkeit öffnen.

Immerhin gab es im Dezember dann doch noch Positives zu berichten: Kämmerer Thomas Fillep prescht Hand in Hand mit dem Schuldezernenten vor und verbreitet mit seinem Haushaltsentwurf für das kommende Jahr schulpolitisch gute Laune: Mehr als 17 Millionen Euro will er 2018 für Investitionen im Schulbereich ausgeben, bis 2021 insgesamt sogar 55, 7 Millionen Euro. Da wollte sich die Politik nun auch nicht lumpen lassen und setzte in den Haushaltsberatungen noch eins drauf: Von 2018 bis 2021 will sie jährlich 20 Millionen Euro in die Schulen pumpen, insgesamt also 80 Millionen Euro.

Und es kommt noch besser: Die Einsicht, dass es mit Kreide und Tafel im modernen Unterricht nicht getan ist, führt zu Taten: In wenigen Stunden, nämlich ab 2018, soll die Verwaltung jährlich eine Million Euro in die digitale Ausstattung der Schulen investieren. Da hat Politik mal eben den Haushaltsansatz verdoppelt. Läuft also für die Osnabrücker Schulleiter am Tag der Entscheidung über den städtischen Haushalt in der letzten Ratssitzung im Jahr 2017, am 5. Dezember. Weihnachten und Ostern dürften da für die Rektoren auf einen Tag gefallen sein.

Die finanziellen Grundlagen sind also gelegt. Aber und was wäre ein Rückblick ohne einen Blick auf das, was kommt es bleibt noch einiges zu tun. Denn die längst fällige Konkretisierung einiger nicht ganz unwichtiger Maßnahmen hat 2017 leider weiter auf sich warten lassen: Bis zum Ende des Jahres gab es zum Beispiel keine Ratsentscheidung zum Thema Neue Schule oder dritte Gesamtschule. Aber (Vorsicht, Ironie) das ist ja nicht so schlimm. Ab übermorgen ist ja wieder ein Jahr Zeit.

Foto:
Michael Gründel

Wer Gäste durch Osnabrück führt, sollte den Neumarkt aussparen. Irgendwann in ein paar Jahren mag das anders sein wenn die versprochenen Millionenbauten rundherum fertig sind und der Platz ein neues Gesicht hat. 2017 freilich geht als weiteres verlorenes Jahr in die Geschichte der Neumarktentwicklung ein. Und der Stillstand ist mit einem Namen verbunden.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) profiliert sich beim Thema Neumarkt eher als Bremser denn Problemlöser. Er macht den Neumarkt zur Chefsache, entreißt Stadtbaurat Frank Otte (Bündnis 90/ Die Grünen) die Zuständigkeit und stellt sich der bunten Ratsmehrheit in den Weg. Zweimal schaltet Griesert das Innenministerium ein, weil er den Beschluss der Ratsmehrheit aus SPD, Grünen, FDP, UWG/ Piraten und Linken, den Neumarkt für Autos zu sperren, für rechtswidrig hält. Rechtsgutachten gehen hin und her. Zweimal kassiert Griesert krachende Niederlagen. Schließlich wird es der Regenbogenmehrheit zu bunt, und sie nimmt den OB an die Kette: In allen Dingen, die den Neumarkt betreffen, muss Griesert seit dem Sommer den Verwaltungsausschuss beteiligen. Griesert beschreibt den Vorgang als Schritt zur besseren Zusammenarbeit. Die ganze Wahrheit ist: Der OB wird in der wichtigsten städtebaulichen Frage teilentmachtet.

Der Verwaltungsausschuss beschließt, den Neumarkt sofort für den Autoverkehr zu sperren ohne auf den Ausgang mehrerer Klagen zu warten. Seit dem 13. Oktober ist der Neumarkt für Autofahrer wieder tabu. Am Anfang halten sich viele nicht daran und werden mit 20 Euro zur Kasse gebeten. Zwei Beschwerden gegen den sofortigen Vollzug der Sperrung scheitern im November vor dem Verwaltungsgericht. Die Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus.

Auch das Thema Einkaufszentrum entgleitet der Rathausspitze. Weder Griesert noch Otte kümmern sich darum, einen Konflikt mit einem Nachbarn des geplanten Einkaufszentrums geschmeidig zu lösen. Es geht nur um einen Wendehammer. Doch weil sich bei der Stadt niemand rührt, lebt eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan wieder auf. Eine fatale Entwicklung: Denn solange diese Klage läuft, hat der Centerinvestor keinen Zeitdruck, da die Klage die im Durchführungsvertrag vereinbarten Fristen für Baubeginn und Fertigstellung hemmt. Die Stadt kann nur machtlos abwarten, was Centerentwickler Unibail Rodamco mit dem Projekt Oskar″ anstellt. Das Personal wechselt bei Unibail Rodamco Deutschland, und der neue Chefentwickler Michael Hartung versichert in einem NOZ-Interview, dass der französische Konzern das Center bauen will. Um Himmels willen keine Mall″, sagt dazu Stadtplaner Benjamin Wille, der im Auftrag der Stadt einen aufwendigen Bürgerbeteiligungsprozess für einen Masterplan Innenstadt″ moderiert.

Die Zweifel wachsen. So sehr, dass sich aus der Bürgerschaft auf Initiative von Kommunalberater Reinhart Richter eine Gruppe bildet, die einen Plan B für das Centergebiet entwickelt. Sie schlägt ein kleinteiliges Quartier mit vielen Wohnungen, Einzelhandel in den unteren Geschossen, Büroarbeitsplätzen, Hochschuleinrichtungen und einer Neuen Bibliothek als kulturelles Herz vor. Alles im Prinzip finanzierbar, wie die Bürgerplaner sagen, wenn das Areal in einzelne Baulose gegliedert wird.

In einer Hinsicht macht Griesert den Antreiber. Er will, dass mit der Neugestaltung des Platzes nach den Plänen des Büros Lützow 7″ im kommenden Jahr begonnen wird, auch wenn die Bauarbeiten mit anderen Projekten kollidieren könnten. Vor dem Neumarkt-Carré soll 2018 ein neues Geschäftshaus entstehen, das Immobilienkaufmann Theodor Bergemann mit seinem Partner plant. Zugleich will er das heutige Sportarena-Gebäude zum großen Teil abreißen lassen, um Platz zu schaffen für ein Hotel mit Gastronomie. Na ja, und vielleicht beginnt ja tatsächlich der Abriss des Wöhrl-Komplexes für die Shoppingmall.

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Gert Westdörp

Es gibt ihn, den einen Satz, der immer wieder fiel in diesem Jahr: Wir haben zu wenige bezahlbare Wohnungen.″ Er fiel in politischen Gremien, in Vereinen und bei Beratungsstellen. Das Problem bildete 2017 eine große Klammer um den gesamten Bereich der sozialen Hilfen in der Stadt.

Das Osnabrücker Frauenhaus berichtete, dass es schon im Vorjahr 400 Frauen und ihre Kinder abweisen musste, weil es voll belegt war. Diejenigen, die hier vorübergehend Zuflucht vor gewalttätigen Ehemännern gesucht haben, sind zu unfreiwilligen Dauergästen geworden, weil sie einfach keine bezahlbare Wohnung finden.

Flüchtlinge hängen in Gemeinschaftsunterkünften fest, obwohl sie längst anerkannt sind. In der Großunterkunft am Limberg beispielsweise, die dieses Jahr mehrmals in der Kritik stand, leben Männer, die mittlerweile Arbeit haben aber keine Chance auf eine eigene Wohnung und Nachbarn, mit denen sie sich auf Deutsch unterhalten können. Vom Ziel der dezentralen Unterbringung der Geflüchteten in direkter Nachbarschaft mit Osnabrückern ist die Stadt noch weit entfernt.

Für Straffällige, die aus der Haft entlassen wurden, ist es noch schwieriger. Auch die Straffälligenhilfe der Diakonie sucht daher dringend Wohnraum.

Für Studenten wird es ebenfalls nicht leichter. Und dann wären da noch die vielen Familien mit geringem Einkommen, die in Wohnungen ausharren, die längst zu klein geworden sind oder bauliche Mängel aufweisen.

Es sind vor allem die Schwächsten der Gesellschaft, die von dem Mangel an günstigen Wohnungen am meisten betroffen sind. Die Beratungsstellen konnten 2017 ein Lied davon singen seien es die Sozialberatungen von Caritas, SKF und Diakonie oder das Café Mandela, das Flüchtlingen bei der Wohnungssuche hilft. Jedes fünfte Gespräch bei der allgemeinen Sozialberatung des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF) drehte sich in diesem Jahr um das Thema Wohnen. Die Leute sind verzweifelt. Und längst haben auch Familien mit mittlerem Einkommen Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden, die ihren Vorstellungen entspricht und nicht zu teuer ist.

Was tut die Stadt? Die hat ein Ziel, und das lautet: 3000 neue Wohnungen bis 2020. An die 1000 Einheiten entstehen im neuen Landwehrviertel in Atter. Im Frühjahr starteten die Stadtwerke mit der Erschließung von Osnabrücks größtem Neubaugebiet seit dem Zweiten Weltkrieg. Auf dem 37 Hektar großen Gelände der ehemaligen Quebec Barracks″ nördlich der Wersener Straße könnten rund 2500 Menschen ein neues Zuhause finden.

Allerdings wird das Zeit brauchen. Erschwerend kommt hinzu: Wer bauen will, musste in diesem Jahr viel Geduld mitbringen. Zu viel. In der Stadtverwaltung fehlen Fachleute, die Baugebiete planen und Bauanträge bearbeiten. In seiner Dezembersitzung stimmte der Rat nun immerhin zu, dass vier weitere Mitarbeiter eingestellt werden.

Fakt ist: Bis so viele neue Wohnungen bezugsfertig sind, dass sich die Lage in der Stadt spürbar entspannt, werden noch etliche Jahre vergehen sicher weit über 2020 hinaus. Bis dahin
wird es vor allem im Bereich der Sozialwohnungen kritisch.

Denn deren Zahl wird in den nächsten Jahren drastisch zurückgehen. 2013 waren noch 2068 Wohnungen in Osnabrück sozial gebunden, 2020 wird es nach Angaben der Stadt nur noch 1007 Sozialwohnungen geben. Menschen mit geringem Einkommen können sich zwar beim Amt einen Wohnberechtigungsschein ausstellen lassen und haben dann das Recht, eine Sozialwohnung zu mieten, aber die wenigsten finden auch eine.

Immerhin hat die Politik das Problem erkannt wenn auch reichlich spät. In der zweiten Jahreshälfte verabschiedete der Rat ein Programm und eine Quote für mehr Sozialwohnungen. Das Programm, mit dem die Stadt jährlich 16 bis 18 Belegungsbindungen von Sozialwohnungen kaufen will, ist sicher nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Etwas mehr ist von der Quote für Bauherren zu erwarten, die der Rat im stillen Kämmerlein verabschiedet hat: Wenn ein Investor künftig in Osnabrück bauen will, muss er bei Häusern ab acht Wohneinheiten zehn bis 30 Prozent sozial gebundene Wohnungen zu Kaltmieten von maximal sieben Euro pro Quadratmeter bereitstellen. Aber auch hier wird es viele Jahre lang dauern, bis es diese Wohnungen überhaupt gibt .

Das Thema wird die Politik auch in 2018 beschäftigen, so viel ist sicher.

Foto:
Michael Gründel

Kinder 2, 50 Euro, Erwachsene 5 Euro, Familienjahreskarte 20 Euro: Solche Eintrittspreise wären im Zoo Osnabrück möglich, wenn es für den laufenden Betrieb dieselben öffentlichen Zuschüsse gäbe wie beispielsweise im Allwetterzoo Münster. Sagt Zoogeschäftsführer Andreas Busemann. Und tatsächlich: Die westfälische Nachbarstadt buttert Jahr für Jahr rund vier Millionen Euro in ihren Publikumsmagneten, will angesichts eines Investitionsstaus im mittleren achtstelligen Bereich sogar zusätzliche Mittel lockermachen.

Am Schölerberg hingegen, wo der Zoo von jeher ohne regelmäßige, dicke Finanzspritzen der Stadt auskommen muss, werde es immer schwieriger, schwarze Zahlen zu schreiben″, erklärt Busemann. Noch gelinge das, noch übersteigen die jährlichen Einnahmen von rund acht Millionen Euro die Ausgaben um gut 500 000 Euro. Doch die wichtigsten Geldquellen geben nicht viel mehr her. Sowohl bei der Anzahl unserer Sponsoren als auch bei der Besucherzahl haben wir die Grenzen erreicht.″

Um die Kasse zu füllen und dringend notwendige Verbesserungen in der Tierhaltung und Tierpräsentation bezahlen zu können etwa den geplanten Umbau der Löwenanlage, die bis spätestens Anfang 2020 deutlich größer und schöner werden soll –, muss sich der Geschäftsführer also stets etwas Neues einfallen lassen. So hat er den Osnabrücker Zoo langsam, aber sicher in Richtung Eventschauplatz entwickelt. Zu einer Veranstaltungsarena, die mehr bietet als den pädagogisch wertvollen Besuch bei wilden, exotischen und vom Aussterben bedrohten Tieren.

Blicken wir nur mal bis 2016 zurück: Da lockte der Zoo mit seinen Pokémon-Jagden zahlungsbereite Freunde des Smartphone-Spiels auf Anhieb zu Tausenden an. 2017 gelang ihm das Kunststück erneut. Dasselbe gilt fürs Halloween-Festival. Der mehrtägige Gruselspaß entpuppte sich als weitere, monstermäßig gute Idee, um den Zoo gerade zu Randzeiten besser auszulasten.

In diesem Jahr gelang dann mit dem Lichterfest Zoo-Lights″ im Herbst ein echter Coup. Die Ausstellung von 650 im Dunkeln hell strahlenden Tierfiguren zog Besucher in solchen Scharen an, dass sie um drei auf sieben Wochen verlängert wurde. Am Ende stand ein hübsches Plus″ in Busemanns Büchern. So hübsch, dass die Zoo-Lights 2018 wiederkommen sollen. Wie auch die Löwenmahlzeit″ als äußerst einträglicher Picknickabend.

Schon in Kürze wird im Osnabrücker Zoo bereits das nächste Format erprobt: Vom 5. Januar bis 11. März findet der erste Winterzauber″ statt ein überdachtes Dorf aus Imbissbuden, Kinderkarussell und Kunsteisbahn, auf der nebenbei ein Benefizturnier im Eisstockschießen steigt. Zootiere, versichern die Verantwortlichen, würden durch sämtliche Events übrigens nicht gestört.

Unterm Strich ist es dem Zoo und seinem neuen Promi-Förderverein Löwen für Löwen″ somit gelungen, in nur anderthalb Jahren fast 180 000 Euro aufzutreiben allein für den Umbau der Löwenanlage. Mindestens 400 000 Euro, sprich das Doppelte des ursprünglichen Fundraising-Ziels, sollen es nun werden. Wir haben das Ziel nach oben korrigiert″, sagt Busemann. Zusammen mit der Million, die sich der Zoo Osnabrück aus EU-Fördermitteln erhofft, könne dann die Hälfte der Baukosten aus eigener Kraft gestemmt werden.

Trotz aller wirtschaftlichen Zwänge ist Geld am Schölerberg aber nicht alles. Auch aus tiergärtnerischer Sicht hat 2017 einige Höhepunkte zu bieten. Bislang einmalig ist die Geburt des Asiatischen Elefantenbabys Minh-Tan am 4. Juli, das i-Tüpfelchen über der lang ersehnten Ankunft einer Mutterlinie im März. Im September wird die neue Nordamerika-Tierwelt teileröffnet, dann das für 1, 5 Millionen Euro umgebaute und zu einem Drittel spendenfinanzierte Menschenaffenhaus freigegeben. Seit November lebt darin neben Buschi und Astrid ein dritter Orang-Utan, Damai. Mit Weibchen Dayang soll bald ein weiteres zuchtfähiges Tier folgen.

Für Trauer und Entsetzen sorgt der Abschuss von Hybridbärin Tips im März. Als das weltweit einzigartige Tier durch eine Verkettung unglücklicher Umstände aus seinem Gehege entwischt und Menschen gefährdet, wird es von einem Zoomitarbeiter erlegt. Der Kadaver kommt im November in ein Museum nach Stuttgart, wo er wissenschaftlich erforscht und präpariert wird.

Den allergrößten Verlust muss der Zoo am Jahresende verkraften: Am 29. November stirbt Ehrenpräsident Reinhard Coppenrath mit 81 Jahren. Ein posthum eingeweihter Platz am Sichlergehege erinnert an ihn.

Foto:
Katja Steinkamp

Am 10. Juni um kurz vor Mitternacht wurde am Westerberg ein Feuerwerk gezündet. Hoch über der Stadt und gut sichtbar für alle beendete es die erste Osnabrücker Campusnacht. Und lieferte einen Beweis dafür, dass Hochschule und Universität in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Beide Einrichtungen sind zuletzt stark gewachsen. Zusammen zählen sie heute knapp 28 000 Studenten. Das entspricht 17 Prozent der Stadtbevölkerung. Es wäre ein Wunder, wenn Osnabrück davon nicht geprägt würde.

Aber in diesem Jahr gab es abseits solcher Zahlen noch andere, unübersehbare Anzeichen dafür, dass Forschung, Lehre und Studentenschaft in Osnabrück sich immer mehr Raum erkämpfen. Das wird vor allem an den vielen Bauprojekten deutlich, die Universität und Hochschule vorantreiben. Etwa am Campus Westerberg: Im November wurde dort der Uni-Forschungsbau Cellnanos eröffnet. Wissenschaftler können sich dort elementaren Fragen der Zellbiologie widmen. Im Bau ist seit Mai auch ein neues Uni-Rechenzentrum, das bis Mitte 2019 die Lücke zwischen Mensa und Bibliothek schließen soll. Die Hochschule hat zudem angekündigt, an der Ecke Sedanstraße/ Artilleriestraße drei weitere Gebäude zu errichten: ein sogenanntes Agrotechnikum für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, ein weiteres Laborgebäude sowie eine Multifunktionshalle. Nicht zuletzt erhält das Institut für Musik an der Caprivistraße einen dreiteiligen Erweiterungsbau. Insgesamt 60 Millionen Euro lassen sich Hochschule und Uni all diese Vorhaben kosten.

Viel Aufmerksamkeit hat in diesem Jahr auch das geplante Lern- und Studierendenzentrum der Universität bekommen. Es soll in direkter Nachbarschaft zum Schlossgarten entstehen und Räume für Projekt- und Gruppenarbeit bieten. Die Stadt trat dafür einen Spielplatz ab und ließ zugleich Pläne für eine komplette Neugestaltung des Schlossgartens schmieden, was in eine hitzige Ratsdebatte mündete. Immerhin: Hochschulentwicklung initiiert Städtebau.

Ein weiteres Politikum über den Campus hinaus war die geplante Schließung der Abteilung für Kunstgeschichte an der Universität. Das Präsidium will das kleine, aber feine Fach in den kommenden Jahren auslaufen lassen. Stellen von Professoren, die aus Altersgründen ausscheiden, sollen demnach nicht wiederbesetzt werden. Viele Studenten konnten diese Pläne nicht nachvollziehen. Sie stemmten sich gegen die Schließung der Kunstgeschichte, sammelten Unterschriften, demonstrierten, hängten Plakate auf. Sogar Politik und Verbände schalteten sich ein, und das weit über Osnabrück, ja sogar weit über Deutschland hinaus. Eine endgültige Entscheidung will das Präsidium Anfang 2018 treffen.

Eine andere wichtige Entscheidung steht dagegen bereits fest. Sie lag nicht in der Hand der Hochschulleiter, sondern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Wider Erwarten berücksichtigte es im Juli das Osnabrücker Projekt TrialogOS″ nicht, als es um die Förderinitiative Innovative Hochschule″ ging. Uni und Hochschule hatten sich gemeinsam darum beworben mit einer Strategie zur Verbesserung von Wissenstransfer und wechselseitigem Austausch mit der Außenwelt. 15 Millionen Euro, verteilt auf die Jahre 2018 bis 2022, wären drin gewesen doch TrialogOS″ ging leer aus. Sicher ein Rückschlag für die beiden Hochschulen, aber auch für Gesellschaft und Wirtschaft in der Region, die davon ebenfalls profitiert hätten.

Zum Schluss zurück zur Campusnacht: Die gemeinsame Leistungsschau von Universität und Hochschule Osnabrück lockte im Juni auf Anhieb 15 000 Besucher an. Rund ums Schloss, auf dem Westerberg und in Haste gab es reichlich zu entdecken, staunen und erleben″ ganz so, wie es das Motto versprochen hatte. Hochschule und Universität zeigten sich nahbar wie selten. Forschung zum Anfassen statt im Elfenbeinturm. Eine Weiterführung wäre wünschenswert.

Foto:
Hermann Pentermann

Januar

Böller als Brandursache? Die Feuerwehr wird in der ersten Januarwoche zu einem Brand in einem Hochhaus in Atter am Bramkamp gerufen. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt müssen 35 Bewohner, die teils nur Schlafanzüge tragen, ins Freie In einem brennenden Haus im Widukindland findet die Feuerwehr eine fast zwei Meter lange Würgeschlange. Auch werden in dem Haus Indizien für eine Marihuana-Plantage gefunden. Das Osnabrücker Verwaltungsgericht weist die Klage einer muslimischen Lehrerin auf Entschädigung ab. Geklagt hatte sie, weil sie wegen ihres Kopftuchs nicht an einer Grundschule unterrichten durfte. Das Schicksal eines der ältesten Bäume in Atter ist besiegelt: Weil Fäulnis und Pilzbefall an Stamm und Krone nagen, muss eine jahrhundertealte Stieleiche gefällt werden.

Februar

Im Stadtteil Schinkel wird im Keller eines Mehrfamilienhauses eine Handgranate gefunden. Die Polizei räumt das Gebäude. Der Osnabrücker Kupferverarbeiter KME streicht 86 Stellen in der Sonderfertigung. Im Juli stellt sich heraus: Weniger als 50 Mitarbeiter sollen ihre Kündigung erhalten. Zusätzlich will das Unternehmen im kommenden Jahr offenbar weitere 11, 7 Millionen Euro in den Standort Osnabrück investieren. Ein Porschefahrer wird an der Rheiner Landstraße von einer Zivilstreife gestoppt. Den Beamten war er auf der Autobahn aufgefallen, weil er nicht auf Haltezeichen reagiert, gefährliche Situationen hervorgerufen und bei der Festnahme Widerstand geleistet hat. Im November verurteilt ihn das Amtsgericht zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu einer Bewährung. Er muss 3000 Euro an die Opferhilfe zahlen und erhält eine 18-monatige Führerscheinsperre.

März

In der Hase wird eine Leiche gefunden. Die Obduktion ergibt, dass der 57 Jahre alte Mann einen Herzinfarkt erlitten hat und in den Fluss gestürzt ist. Im Stadtteil Schinkel wird eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Großer Besucherandrang bei der Eröffnung der E-Kart-Bahn Nettedrom″: Nach einem Jahr Bauzeit nehmen die Stadtwerke die neue Attraktion am Nettebad in Betrieb.

April

Etwa 200 Bieter aus aller Welt besuchen in der Osnabrück-Halle eine der größten Industrieauktionen Europas: Versteigert werden die Bestände des insolventen Stahlverarbeiters IAG Magnum darunter der gewaltige Maschinenpark. Aus nach nur rund 16 Jahren: Der dreieckige Brunnen auf dem Bahnhofsvorplatz in Osnabrück wird abgerissen.

Mai

Im zweiten Anlauf wird die Anklagebank des Landgerichts versteigert. Ein Brandenburger übernimmt die 50 Jahre alte Bank, auf der schon Mörder und Totschläger saßen. Treue-Eisen richten Schaden an: Die Stadt will Liebesschlösser von Brückengeländern rigoros entfernen. Die Würfel fallen zugunsten der Spielhallenbetreiber: 52 von Schließung bedrohte Osnabrücker Betriebe in Osnabrück dürfen vorerst weitermachen, denn das Verwaltungsgericht hebt die Schließungsbescheide der Stadt auf. Der auf einem Schädlingsbefall im Cinestar Osnabrück beruhende Kündigungsstreit zwischen der früheren Theaterleiterin und dem Kinobetreiber ist vorbei. Im Berufungsverfahren vor dem Landesarbeitsgericht Hannover einigen sich beide Parteien auf einen Vergleich.

Juni

Osnabrück verliert ein Traditionshaus in zentraler Lage: Das Modehaus Holthaus an der Großen Straße stellt wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen lnsolvenzantrag. Für den geplanten Radschnellweg zwischen Osnabrück und Belm gibt es grünes Licht von Stadt und Landkreis. Ende des Jahres wird mit den Bau begonnen. 7, 5 Millionen Euro veranschlagen die Planer für die sechs Kilometer lange Strecke. Die Hamm-Reno-Gruppe ist Deutschlands zweitgrößter Schuhhändler mit Hauptsitz in Osnabrück. Die Firma baut massiv Stellen ab: Die Logistik in Osnabrück wird geschlossen. 130 der hiesigen 340 Arbeitsplätze fallen weg. Das Ende für ein weiteres Osnabrücker Traditionsunternehmen: Die Metallgießerei Schmidt an der Hannoverschen Straße schließt. 45 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit.

Juli

Weil er seine Ehefrau getötet haben soll, verurteilt das Landgericht Landshut einen 57 Jahre alten Frauenarzt aus Osnabrück zu neuen Jahren Freiheitsstrafe. Die Anwälte des Medizinprofessors legen Revision ein. Im Mordprozess um die Bluttat an der Straße Prießnitzhof im vergangenen Jahr spricht das Landgericht den Angeklagten aus Melle frei. Der Grund: Der 30-Jährige leidet an Schizophrenie und ist schuldunfähig. Allerdings muss der Mann in einer psychiatrischen Klinik bleiben.

August

Am Jahnplatz will ein Investor einen Neubaukomplex mit 14 Wohnungen errichten. Acht Mietparteien müssten dafür allerdings das Feld räumen. Nach mehreren Gerichtsurteilen gegen Osnabrücker Taxifahrer will sich die Ratsfraktion der CDU nun für eine neue Taxiordnung einsetzen.

September

Das Logistikunternehmen Sostmeier in Lotte übernimmt das Osnabrücker Traditionsunternehmen Osna-Trans. Beide Firmen wollen selbstständig weiterarbeiten. Strahlende Gesichter und viel Lob: Nach drei Tagen endet das Weltfriedenstreffen der christlichen Gemeinschaft Sant′Egidio und der Bistümer Münster und Osnabrück mit einem Friedensappell. Das Sturmtief Sebastian wütet: Eine starke Windböe reißt Teile eines Daches vom Hochschulgebäude am Westerberg ab. In einem vierstündigen Einsatz verhindert die Feuerwehr, dass eine alte Eiche in der Bauerschaft Düstrup auf ein Haus stürzt. Ein neuer P+ R-Fahrschein soll Autofahrer in Osnabrück dazu bringen, ihren Wagen am Stadtrand zu parken und mit dem Bus ins Zentrum zu fahren zum Paketpreis von fünf Euro. Ob das klappt, wollen Stadtwerke und Parkstättenbetreiber in einem Praxistest herausfinden.

Oktober

Tödliche Unfälle: Ein 56 Jahre alter Fußgänger kommt bei einem Unfall im Osnabrücker Stadtteil Gartlage ums Leben. Der Mann und seine 40-jährige Partnerin werden von einem Auto angefahren, als sie eine Ampel überqueren wollten. Eine 71 Jahre alte Radfahrerin wird in Hellern von einem Lastwagen angefahren und stirbt. Bei Gehölzarbeiten am Piesberg wird ein menschlicher Schädel gefunden. Alter und Herkunft der Knochen sind zunächst unbekannt. Im November berichtet die Polizei nach einer DNA-Analyse, dass es sich um den Schädel einer Frau handelt. Die Unbekannte ist offenbar nach dem Zweiten Weltkrieg gestorben. Zwei Jahrzehnte nach dem Granatwerfer-Anschlag auf die damalige britische Quebec-Kaserne in Atter wird der Angeklagte James C. für seine maßgebliche Beteiligung an dem Attentat zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt die er aber nicht mehr anzutreten braucht. Unter anderem wurde ihm die Untersuchungshaft angerechnet.

November

Bus fahren mit dem Smartphone: Osnabrücker können Fahrkarten nun mit der App der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) kaufen. An ihrem letzten Tag avanciert sie noch einmal zum wohl meistfotografierten Baum der Stadt: Die Kastanie im Wintergarten der Osnabrücker Kult-Kneipe Grüner Jäger muss gefällt werden. Krankheiten und Schädlinge haben ihre Standfestigkeit beeinträchtigt. Neues Leben in der Vitischanze in Osnabrück: Das Niedersächsische Studieninstitut zieht voraussichtlich im Sommer 2018 in die alte Festung ein. Das Land Niedersachsen zeichnet die Stadt Osnabrück als fahrradfreundliche Kommune aus.

Dezember

Leiche an der Hase: Hinter dem Gewerkschaftshaus wird ein 32-jähriger Mann aus dem Südkreis gefunden. Den Ermittlern war der Tote als schwer drogensüchtig bekannt. Die Paracelsus-Kliniken beantragen Insolvenz in Eigenverantwortung.
Autor:
Jann Weber, Rainer Lahmann-Lammert, Dietmar Kröger, Wilfried Hinrichs, Sandra Dorn, Sebastian Stricker, Louisa Riepe


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