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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Das Goldene Buch unter dem Arm
Zwischenüberschrift:
Wie zwei Osnabrücker dem Papst ganz nahe kamen – und fast verhaftet wurden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Papst Johannes Paul II. sitzt am Tisch vor dem Hauptportal des Doms und schreibt seelenruhig seinen Namen in das Goldene Buch der Stadt Osnabrück. Kaum einen Meter entfernt stehen zwei junge Männer mit Federhut im dichten Gedränge: Stephan Brinkmeyer und Thomas Plogmann.

pm Osnabrück. Die beiden Mitglieder der Stadtwache hatten das Goldene Buch vor den Dom gebracht mit der strikten Anweisung, dem Papst den Stift zu überreichen und das Buch anschließend wohlbehalten wieder ins Rathaus zu bringen.

37 Jahre ist das jetzt her. Durch die Ausstellung Von Papst bis Popstar das Goldene Buch der Stadt Osnabrück″ im Obergeschoss des Rathauses erinnerten sich Plogmann und Brinkmeyer wieder an den Tag, als sie dem Papst ganz nah waren und im Anschluss von der Presse verfolgt wurden.

Eigentlich verlässt das Goldene Buch das Rathaus nicht. Doch was sollten die Protokollbeauftragten machen? Der eng gesteckte Zeitplan sah beim Besuch des Papstes am 16. November 1980 in Osnabrück keinen Abstecher in den Friedenssaal vor. Doch ohne Unterschrift sollte Johannes Paul II. die Stadt nun auch wieder nicht verlassen. Keine Frage, das Buch musste zum Dom.

Und so kam es, dass zwei junge Männer, die gerade ihre Ausbildung bei der Stadt beendet und sich als Mitglieder der Stadtwache bewährt hatten, das kostbare Buch vor das Domportal transportierten und dann kaum einen Meter vom Papst entfernt standen.

Wir liefen mit dem Buch einfach so über die Straße zum Papst. Das kann man sich heute kaum vorstellen″, wundert sich Stephan Brinkmeyer. Ich war erst 22 Jahre alt und Thomas 19.″ Weder Polizei noch Sicherheitsdienst waren mit dabei und auch kein weiterer Mitarbeiter der Stadt.

Eigentlich begleitet die Stadtwache den Karneval, das Steckenpferdreiten oder schmückt besondere Empfänge im Rathaus das Goldene Buch durch die Straßen zu tragen war etwas nie Dagewesenes.

Erst mussten Plogmann und Brinkmeyer eine ganze Weile vor dem Hauptportal im Regen warten. An diesem Sonntag war es noch windiger und ungemütlicher als sonst im Osnabrücker November, das Buch mussten sie irgendwie schützen bis der Papst endlich aus der Kirche herauskam. Er war viel kleiner, als ich dachte″, erinnert sich Stephan Brinkmeyer.

Thomas Plogmann wurde plötzlich von zwei kräftigen Armen umfasst. Ich hatte ja einen Degen dabei. Der italienische Sicherheitsmann, der trotz schlechten Wetters eine Sonnenbrille trug, konnte ja nicht wissen, dass der stumpf ist.″ Irgendwann ließ ihn der Mann wieder los. Wir mussten dem Papst schließlich auch den Stift überreichen.″

Vor dem Portal knieten Fotografen von Stern″, Spiegel″ und Quick″ auf einer schräg gebauten Holztribüne. Um den Papst herum standen unter anderen Oberbürgermeister Ernst Weber und viele Geistliche.

Ich habe noch die Seiten des Buches festgehalten, es war ja so windig″, erinnert sich Brinkmeyer. Auch der Landkreis Osnabrück hatte sein Goldenes Buch mitgebracht. Plogmann und Brinkmeyer umrahmten Oberkreisdirektor Wolfgang Kreft, Landrat Josef Tegeler, Prälat Josef Homeyer, damals Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz (und später, ab 1983, Bischof von Hildesheim), Oberstadtdirektor Raimund Wimmer, Papst Johannes Paul II., Oberbürgermeister Ernst Weber und den aus Chicago stammenden Erzbischof Paul Marcinkus, den Reisemarschall″ des Papstes.

Dann war der Papst wieder weg, und für die beiden Mitglieder der Stadtwache hieß es: Jetzt nichts wie zurück ins Rathaus.″ Sie hatten die Rechnung aber ohne die versammelte Weltpresse gemacht. Wir sind so schnell gelaufen, wie wir konnten, aber die Fotografen waren uns auf den Fersen″, erinnert sich Brinkmeyer. Aber mit den Schaftstiefeln waren wir nicht schnell genug.″ Auf Höhe von Kerzen Bücker gab es kein Entkommen mehr. Die Fotografen wollten unbedingt die Unterschrift fotografieren. Wir öffneten also das Buch und konnten später unsere Hände in allen möglichen Zeitschriften wiederfinden.″ Danach erst kam das Goldene Buch wieder ins Rathaus zurück und hat es seitdem nicht mehr verlassen.

Die Stadtgeschichte im Blick: Lesen Sie mehr auf www.noz.de / historisch-os

Bildtexte:
Thomas Plogmann (links mit Federhut) sieht zu, wie sich Papst Johannes Paul II. ins Goldene Buch einträgt. Oberbürgermeister Ernst Weber (mit Kette) beugt sich zum Heiligen Vater herunter, im Hintergrund steht Stephan Brinkmeyer (am rechten Bildrand mit Federhut). Neben Thomas Plogmann steht Landrat Josef Tegeler, vor Stephan Brinkmeyer Erzbischof Paul Marcinkus, damals Reisemarschall″ des Papstes.
37 Jahre später blicken Thomas Plogmann (links) und Stephan Brinkmeyer wieder ins Goldene Buch.
Um 12 Uhr mittags laufen Stephan Brinkmeyer (links) und Thomas Plogmann mit dem Goldenen Buch unter dem Arm über die Hasestraße. Bis der Papst kam, dauerte es da noch eine Weile, der Domplatz ist noch verhältnismäßig leer.
Fotos:
Hartwig Fender, Stadt Osnabrück/ S. Brickwedde
Autor:
Silke Brickwedde


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