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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadtwerke mustern Stinker aus
 
Für bessere Luft in der Umweltzone
Zwischenüberschrift:
Wie die Stadtwerke Osnabrück ihre Busflotte entgiften
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Zeit der Stinker und Dreckschleudern im Fuhrpark der Stadtwerke Osnabrück geht zu Ende. Die städtische Tochtergesellschaft rüstet im kommenden Jahr Dieselbusse mit speziellen Filtern nach, die den Stickoxidausstoß dieser Fahrzeuge fast auf null reduzieren sollen. 2019 sollen die ersten Elektrobusse den Linienbetrieb aufnehmen. Saubere Luft ist damit aber nicht garantiert, denn die Stadtwerke verfügen nur über 90 der insgesamt 270 Busse des Nahverkehrs, die täglich durch die Osnabrücker Umweltzone rollen. Die anderen Fahrzeuge sind geliehen oder gehören anderen Unternehmen, die den Nahverkehr ins Umland bedienen. 40 der 90 Stadtwerke-Busse erfüllen nur die Abgasnormen Euro 2 und Euro 3. Sie sind mit Partikelfilter ausgestattet und sollen durch E-Busse ersetzt werden.

Dieselbus-Nachrüstung im großen Stil, Elektrobus-Einführung auf ganzer Linie: Die Zeit der Stinker und Dreckschleudern im Fuhrpark der Stadtwerke Osnabrück neigt sich dem Ende zu. Rein ist die Luft damit aber noch lange nicht.

Osnabrück. Nach Angaben der Stadt Osnabrück sind zurzeit rund 270 Linienbusse in der Osnabrücker Umweltzone unterwegs. Das Gebiet heißt so, weil es seit 2012 grundsätzlich nur noch von Fahrzeugen mit grüner Umweltplakette befahren werden darf. Es umfasst neben der kompletten Innenstadt auch angrenzende Bereiche der Stadtteile Sonnenhügel, Gartlage, Widukindland, Schinkel, Schölerberg, Kalkhügel, Wüste, Weststadt und Westerberg.

90 eigene Busse

Von den rund 270 Bussen in der Umweltzone gehört den Stadtwerken Osnabrück als kommunaler Verkehrsbetrieb nach eigenen Angaben etwa ein Drittel selbst. Zusammen mit den Fahrzeugen, die von anderen Unternehmen angemietet werden zum Betrieb des Stadtbusnetzes, sind es ungefähr 150 Busse. Den Rest stellen laut Stadtwerken vor allem die weiteren Partner der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS), die mit kreuzenden Regionalbuslinien in Osnabrück den Takt verdichten, sowie Verkehrsgemeinschaften aus dem Münsterland und Ostwestfalen-Lippe.

Die etwa 90-teilige Stadtwerke-Flotte setzt sich aus unterschiedlich alten Dieselbussen zusammen, die unterschiedliche Abgasnormen erfüllen. Außerdem gibt es einen emissionsfreien Elektrobus, der mit Ökostrom fährt.

Unter den Dieselbussen sind 37 Fahrzeuge, die bis zum Frühjahr 2019 schrittweise mit sogenannter SCR-Technologie nachgerüstet werden. SCR steht für selektive katalytische Reduktion″ und meint die gezielte, fast vollständige Beseitigung von Stickoxiden (NOx) aus dem Abgas. Dazu wird dem Qualm noch im Abgasstrang eine wässrige Harnstofflösung (Adblue) beigemischt. So entsteht Ammoniak, das in einer weiteren chemischen Reaktion die umwelt- und gesundheitsschädlichen Stickoxide in Wasser und Stickstoff umwandelt. Die zur Nachrüstung mit SCR-Katalysatoren bestimmten Fahrzeuge der Stadtwerke Osnabrück sind bis zu zehn Jahre alt und erfüllen die Abgasnorm Euro 5/ EEV. Sie sollen nach Informationen unserer Redaktion noch bis 2023/ 24 eingesetzt werden.

Zwölf weitere Stadtwerke-Dieselbusse der Kategorie Euro 5/ EEV sind laut Verkehrsbetrieb bereits serienmäßig mit SCR-Technik ausgestattet. Hinzu kommen 40 Dieselbusse, die nur Euro-2- oder Euro-3-Standard erfüllen, aber nachträglich mit Dieselpartikelfiltern ausgestattet wurden was ihnen immerhin die grüne Umweltplakette sichert. Auf eine zusätzliche SCRT-Nachrüstung verzichten die Stadtwerke aus Kostengründen. Stattdessen sollen diese besonders alten Fahrzeuge in den kommenden Jahren komplett durch neue Elektrobusse ersetzt werden.

Und die Partner?

Insgesamt sind laut Stadtverwaltung in der Osnabrücker Umweltzone 132 Euro 5/ EEV-Dieselbusse unterwegs, außerdem 43 Dieselbusse der Schadstoffklasse Euro 4 und 57 Dieselbusse mit Euro-6-Norm. Die Stadtwerke Osnabrück haben nach eigenen Angaben seit Juni vier Euro-6-Busse angemietet. Vier weitere werden nach Förderzusage voraussichtlich im Januar 2018 ausgeschrieben″, teilt das Unternehmen auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

Und was ist mit den Bussen der VOS-Partner? Diese erfüllen nach unserem Kenntnisstand″ die Abgasnormen Euro 3 bis Euro 6, heißt es weiter. Eine Detailübersicht der Fahrzeuge aus der Region und dem Gelegenheitsverkehr liege den Stadtwerken Osnabrück nicht vor.

Mehr Verkehrspolitik: noz.de/ verkehr-os

Bildtext:
Ein Dieselbus der Schadstoffklasse Euro 6 darf pro Kilowattstunde höchstens 0, 46 Gramm Stickoxid ausstoßen. Dieser Grenzwert wird auch von Euro-5/ EEV-Bussen mit SCR-Technik deutlich unterschritten, weshalb die Stadtwerke Osnabrück einen großen Teil ihrer Flotte nachrüsten lassen.
Foto:
Sebastian Stricker

Emissionsstandards bei schweren Nutzfahrzeugen

Die Schadstoffemissionen von schweren Nutzfahrzeugen wie Lkw und Bussen werden durch europaweite Richtlinien und Verordnungen reguliert. Bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen wird die Emission laut Umweltbundesamt am kompletten Fahrzeug auf dem Rollenprüfstand gemessen. Im Unterschied dazu wird bei schweren Nutzfahrzeugen die Emission des Motors auf dem Motorenprüfstand gemessen und zwar in einer definierten Folge von Betriebszuständen, bezogen auf die im Test verrichtete Arbeit des Motors in Gramm pro Kilowattstunde (g/ kWh).

Die Richtlinie 91/ 542/ EWG definiert die Stufen Euro 1 (ab 1992/ 93) und Euro 2 (ab 1995/ 96), Richtlinie 99/ 96/ EG die Stufen Euro 3 (ab 2000/ 01), Euro 4 (ab 2005/ 06), Euro 5 (ab 2008/ 09) sowie EEV (ab 2000).

Seit 31. Dezember 2012 (Typprüfung) bzw. 31. Dezember 2013 (Serienprüfung) gilt die EU-Verordnung EG 595/ 2009 über die Abgasnorm Euro 6. Die einzelnen Abgasnormen sehen folgende Stickoxid-Grenzwerte vor:
Euro 1: 9, 0 g/ kWh, Euro 2: 7, 0 g/ kWh, Euro 3: 5, 0 g/ kWh, Euro 4: 3, 5 g/ kWh, Euro 5: 2, 0 g/ kWh, EEV: 2, 0 g/ kWh, Euro 6: 0, 46 g/ kWh.Zum Vergleich: Ein seit diesem Jahr mit SCR-Technik nachgerüsteter Dieselbus der Stadtwerke Osnabrück (Euro 5/ EEV) stieß bei Testfahrten im Realbetrieb durchschnittlich 0, 19 g/ kWh Stickoxid aus. Ohne eine solche Abgasnachbehandlung waren es noch 4, 78 g/ kWh gewesen. Das entspricht einer Verringerung des Stickoxid-Ausstoßes um 95 Prozent.

Kommentar
Mehr Druck

Die dreckigen Dieselbusse müssen raus aus der Innenstadt. Darüber herrscht über alle Parteigrenzen hinweg Einigkeit. Die Frage ist nur: Wie schnell ist dieses Ziel umsetzbar?

Die Möglichkeiten der Stadtwerke, den Modernisierungsprozess voranzutreiben, sind begrenzt. Denn der größere Teil der in Osnabrück verkehrenden Busflotte ist in Besitz privater Unternehmen. Auf den Umweltstandard dieser externen Fahrzeuge haben die Stadtwerke unmittelbar keinen Einfluss. Druck ausüben kann nur die Politik, wie sie es zum Beispiel mit der Einführung der Umweltzone getan hat. In der Folge haben die privaten Fuhrunternehmen mehr als 50 Millionen Euro in moderne Fahrzeuge investiert, wie das städtische Umweltamt 2016 feststellte.

Auch bei den nächsten Schritten von der Filternachrüstung bis zur Elektrifizierung mögen die Stadtwerke den Takt vorgeben. Doch wenn die privaten Partner nicht einbezogen werden, wird die entlastende Wirkung für die Innenstadt insgesamt begrenzt bleiben.
Autor:
Sebastian Stricker


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