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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Leuchter kehrt zurück zu den Nachfahren
Zwischenüberschrift:
Besitz der jüdischen Familie Flatauer aus dem verlassenen Haus in der Herderstraße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Artikel über das verlassene Haus in der Herderstraße und seine ermordeten Erbauer zieht weiter Kreise. Nun ist ein altes Artefakt aus dem Besitz der Familie Flatauer aufgetaucht und soll bald seinen Weg nach Israel zu den Nachfahren finden.

Osnabrück. Mehr als 60 Jahre befindet sich die Menora, so der korrekte Name für den siebenarmigen Leuchter, im Besitz der Familie der Osnabrückerin Roswitha Baumeister. Doch nun soll sie an die Nachfahren der einst in Osnabrück ansässigen Familie Flatauer gehen, der sie davor gehörte.

Zur Vorgeschichte: Am 9. November erschien die Geschichte unserer Redaktion über ein seit Jahren leer stehendes Haus an der Herderstraße 22 in Osnabrück. In den späten 1920er-Jahren hatte es das jüdische Ehepaar Raphael und Alma Flatauer erbaut. In der NS-Zeit musste es das Prachtanwesen im Bauhausstil verlassen und zu einem Spottpreis verkaufen. Raphael und Alma Flatauer wurden 1943 in Auschwitz ermordet.

Die heutige Besitzerin des Hauses ist eine Nachfahrin der damaligen Käufer. Die einst wertvolle Villa lässt sie verfallen.

Der Enkel der Flatauers, Guri Palter, besuchte jüngst Osnabrück, um aufgrund unseres Artikels seine Familiengeschichte zu erforschen. Er brachte ein altes Fotoalbum mit, mehr war den Nachfahren nicht von den einstigen Besitztümern der Familie geblieben, dachte er.

Doch Guri Palter irrte. Mein Großvater Heinrich Grunge war befreundet mit der Familie Flatauer″, erzählt seine Enkelin Roswitha Baumeister. Die Flatauers kauften das Grundstück in der Herderstraße 22 im März 1929 von dem Tischlermeister, wie den Grundbuchakten zu entnehmen ist. Mein Großvater wollte sein Geschäft in der Katharinenstraße vergrößern und brauchte dafür wohl das Geld″, vermutet Baumeister.

Mit den Käufern habe mehr als ein normaler Geschäftskontakt bestanden, erzählt sie weiter. Es sei gut vorstellbar, dass einige der Bauhausmöbel in der Villa an der Herderstraße von Grunge gefertigt wurden. Er war Bau- und Möbeltischler, spezialisiert auf Innenausstattung. Vielleicht hat er ja sogar das Fischgrätparkett aus der Villa in der Herderstraße gezimmert, von dem die späteren Mieter so geschwärmt haben.″

Sicher sei jedoch, dass Grunge für Kurt Flatauer in den 1930er-Jahren mehrere Holzkisten hergestellt hat, in die der Sohn von Raphael und Alma seine Habseligkeiten für die Auswanderung nach Palästina verstaute. Zum Dank dafür, oder vielleicht auch zum Abschied, schenkte Kurt meinem Großvater den siebenarmigen Leuchter.″ Kurt verließ seine Heimat, um sich in Palästina ein neues Leben in einem Kibbuz aufzubauen und änderte seinen Nachnamen später von Flatauer zu Palter.

Heinrich Grunge starb 1942 aus Kummer, weil zwei seiner drei Söhne im Krieg fielen. Einem Krieg, den er immer abgelehnt hat″, erzählt seine Enkelin. Es überlebten nur Baumeisters Vater und dessen Schwester Frida. Bei dieser stand der Leuchter über 40 Jahre in der Wohnung an der Lotter Straße″, erinnert sich Baumeister.

Tante Frida erzählte mir auch auf Nachfrage die Geschichte des Leuchters, der das Geschenk einer befreundeten jüdischen Familie war.″ Als die Tante starb, erbte Roswitha Baumeister die Menora und benutzte sie oft in den vergangenen 20 Jahren.

Baumeister will den siebenarmigen Leuchter nun nach Israel zu Guri Palter schicken. Für ihn hat der Leuchter bestimmt noch mehr Erinnerungswert als für mich, schließlich wird er eines der wenigen Stücke sein, die von den Dingen der Familie noch existieren″, ist sie sich sicher.

Guri Palter, dem wir von der Menora und dem Angebot berichten, ist gerührt: Mir kommen die Tränen. Es wäre das einzig greifbare Erinnerungsstück, das mir und meinen Verwandten von unserer Familie bleibt″, schreibt er per E-Mail.

Unklar ist jedoch nach wie vor, was aus dem verlassenen Haus in der Herderstraße wird. Die Stadt Osnabrück hat Kontakt zu der Besitzerin aufgenommen, die will sich laut Oberbürgermeister Wolfgang Griesert über das Haus jedoch nicht äußern.

Nachbar Hartmut Böhm hat derweil eine Petition gestartet, um dem Haus Denkmalschutz zu verleihen. Die Zettel liegen an dem Haus in der Herderstraße 22.″ Die ersten Unterschreiber waren Guri und Aviva Palter

Bildtext:
Roswitha Baumeister besitzt eine Menora, die der Familie Flatauer in der Herderstraße gehörte.

In den 1940er-Jahren erbte Heinrich Grunges Tochter Frida den siebenarmigen Leuchter.

Fotos:
Michael Gründel
Autor:
Corinna Berghahn


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