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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Verdacht auf Blindgänger in der Innenstadt
 
Eine der größten Evakuierungen aller Zeiten
Zwischenüberschrift:
Verdacht auf Bombenblindgänger in der Innenstadt – 16 500 Anwohner wären betroffen
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. Ein möglicher Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg ist bei Sondierungen im Vorfeld der Bauarbeiten an der Bahnbrücke An der Petersburg″ entdeckt worden. Die Stadt bereitet eine Evakuierung für den 7. Januar 2018 vor. 16 500 Anwohner der Stadtteile Innenstadt, Gartlage, Schinkel, Fledder, Schölerberg, Kalkhügel und Wüste müssten ihre Häuser verlassen, wenn sich der Verdacht bei weiteren Sondierungen am 6. Januar erhärtet. Es wäre eine der größten Räumungen seit dem Jahr 2000. Auch der Bahnverkehr wäre massiv beeinträchtigt. Die größte Sorge bereitete den Planern die Lage des Marienhospitals im Evakuierungsgebiet. Kommt es zur Evakuierung, nimmt das Krankenhaus ab 9 Uhr keine Patienten mehr auf.

In Osnabrück ist unter einer Bahnbrücke ein möglicher Bombenblindgänger entdeckt worden. Die Stadt bereitet eine weiträumige Evakuierung für den 7. Januar vor. 16 500 Anwohner müssten ihre Häuser verlassen. Das wäre eine der größten Räumungen seit dem Jahr 2000. Auch der Bahnverkehr wäre massiv beeinträchtigt.

Osnabrück. Die Stadt Osnabrück bereitet eine der größten Evakuierungen ihrer jüngeren Geschichte vor. Sollte sich unter der dreigleisigen Bahnbrücke über die Straße An der Petersburg″ in der südlichen Innenstadt tatsächlich ein Blindgänger befinden, müssen am Sonntag, 7. Januar, ab 9 Uhr 16 500 Bewohner der Stadtteile Innenstadt, Gartlage, Schinkel, Fledder, Schölerberg, Kalkhügel und Wüste ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Das Marienhospital müsste mit massiven Maßnahmen geschützt werden. Der Bahnverkehr am Hauptbahnhof käme teilweise zum Erliegen.

Zum Hintergrund: Die Deutsche Bahn erneuert marode Bahnbrücken in Osnabrück. Bei Sondierungen im Vorfeld der Bauarbeiten an der dreigleisigen Bahnbrücke unweit des Güterbahnhofs entdeckten Fachkräfte unter dem Bahndamm einen möglichen Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Das teilte die Stadt am Freitagmorgen mit. Weil so viele Menschen betroffen sind, informieren wir die Bürger sehr viel früher als normalerweise über den Verdachtsfall″, erklärt Jürgen Wiethäuper, Leiter des Ordnungsamts der Stadt, der die Evakuierung koordiniert.

Am 6. Januar, einen Tag vor der geplanten Evakuierung, sollen die Experten weitere Sondierungen vornehmen, um den Verdacht zu erhärten. Wenn wir Hinweise auf einen Einschlagkanal oder das abgerissene Leitwerk der Bombe im Boden finden, haben wir es höchstwahrscheinlich mit einem Blindgänger zu tun″, so Wiethäuper. Der Fundort liegt rund drei Meter unter den Bahnschienen. Für die Messungen müssen die Arbeiter zwei der drei Gleise abbauen. Ab 0 Uhr seien diese deshalb nicht mehr befahrbar. Schon dann werde der Bahnverkehr beeinträchtigt, sagte der Ordnungsamtsleiter.

Bestätigt sich der Bombenverdacht nicht, könnten die Bahngleise zurückgebaut werden und der Schienenverkehr ab Sonntag wieder normal laufen. Sobald diese Information vorliegt, würden auch die Bürger unverzüglich informiert, hieß es bei der Stadt. Untermauern die Messungen den Verdacht, kommt ein weiträumiger Evakuierungsplan zum Tragen.

Problem Marienhospital

Die größte Sorge bereitete den Planern die Lage des Marienhospitals im Evakuierungsgebiet, erklärte Wiethäuper. Das Krankenhaus zeigt mit der Gebäude-Stirnseite in Richtung des Fundorts. Es soll aber nicht komplett geräumt werden. Um den Bettlägerigen und den Intensivpatienten die Risiken eine Klinikverlegung zu ersparen, bringen wir sie in anderen Gebäudeteilen unter, die vom Fundort abgewandt sind″, so Wiethäuper. Zum Schutz des Krankenhauses sollen im Ernstfall sieben Container auf Waggons geladen und auf das vordere Bahngleis gestellt werden. Sie enthalten riesige Wassertanks, die die Druckwelle Richtung Norden bei einer möglichen Explosion abfangen könnten.

Im Marienhospital reagierten die Verantwortlichen erleichtert, dass das Krankenhaus nicht komplett geräumt werden muss. So wird es keine Einschränkungen in der Patientenversorgung geben″, sagte Ralf Döhr, Assistent der Klinikgeschäftsführung, der die Koordinierung mit der Stadt verantwortete. Im Evakuierungsfall nimmt das Krankenhaus ab 9 Uhr keine Patienten mehr an. Auch Besucher kommen dann nicht mehr ins Krankenhaus. Gleiches gilt für das Christliche Kinderkrankenhaus, in dem aber keine jungen Patienten in andere Gebäudeteile verlegt werden müssen. 2003 hatte das gesamte Marienhospital wegen eines Bombenfunds evakuiert werden müssen unter enormem Aufwand, der besonders für schwer kranke Patienten eine große Belastung darstellte, wie Döhr sich erinnert.

Als Sprengmeister übernimmt vermutlich Clemens Stolte vom Kampfmittelbeseitigungsdienst in Hannover, hieß es aus dem Ordnungsamt der Stadt. Stolte betreute schon zahlreiche Blindgängerfunde in Osnabrück. Wiethäuper, der ebenfalls über einen breiten Erfahrungsschatz an Evakuierungen verfügt, sieht die Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um einen Blindgänger handelt, bei 50 Prozent. Eine akute Gefahr gehe von der möglichen Bombe nicht aus. Wenn dort ein Blindgänger liegt, sind in den vergangenen Jahrzehnten täglich etliche Züge über ihn hinweggefahren.″ Da Bomben mit der Zeit jedoch labiler würden, gebe es zumindest zeitnah Handlungsbedarf″. Wegen der starken Auswirkungen auf Bürger, Verkehr, Bahn und Krankenhaus müsse die Evakuierung an einem Sonntag stattfinden. Auch wenn wir wissen, dass der letzte Tag der Ferien kein idealer Zeitpunkt ist. Aber die Kröte müssen wir schlucken″, sagte der Ordnungsamtsleiter. Die beiden letzten Sonntage 2017 sind Heiligabend und Silvester und kommen deshalb nicht infrage.

Die Straßen im Evakuierungsbereich sind ab 9 Uhr gesperrt. Betroffen sind wichtige Einfallstraßen wie die Sutthauser und die Hannoversche Straße sowie der südliche Bereich des Rings. Der Busverkehr des Verkehrsbetriebs läuft bis zum Abschluss der Evakuierung weiter. Ein Aussteigen im Evakuierungsbereich ist aber nicht mehr möglich. Für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger steht ein Evakuierungszentrum in der Gesamtschule Schinkel zur Verfügung.

Die Entschärfung des Blindgängers könne erst nach erfolgreicher Umsetzung aller Sicherheitsmaßnahmen erfolgen, betonte die Stadt. Sie bittet daher dringend darum, den Evakuierungsbereich bis 9 Uhr zu verlassen und den Anweisungen der Ordnungskräfte Folge zu leisten.

Der Bahnverkehr wird auf den Strecken Richtung Münster und Bielefeld am Samstag ab 0 Uhr eingeschränkt beziehungsweise eingestellt. Während der möglichen Evakuierung am Sonntag wird ab 9 Uhr auch der Hauptbahnhof gesperrt und der Verkehr auf den Strecken Richtung Hannover, Rheine und Oldenburg für die Dauer der Maßnahme eingestellt. Nähere Informationen über die Streckensperrungen, insbesondere über Ersatzverkehre, sind zu gegebener Zeit auf den Seiten der Deutschen Bahn beziehungsweise der anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen im Internet oder bei der Reisezugauskunft zu erhalten.

Krankentransport

Für bettlägerige oder kranke Personen, die im Evakuierungsbereich wohnen, bestehen Transportmöglichkeiten, die über die Regionalleitstelle Osnabrück unter Telefon 05 41/ 323-44 55 angefordert werden können. Notwendige Transporte können ab sofort, müssen jedoch unbedingt vor der Maßnahme angemeldet werden.

Die mögliche Räumung werde mehrere Stunden dauern, hieß es beim Ordnungsamt. Die Anwohner sollten daher notwendige Dinge (Medikamente, Säuglings- oder Spezialnahrung) sowie angemessene Kleidung mitnehmen. Die Stadt bittet darum, ältere und insbesondere auch ausländische Nachbarn über die Evakuierungsmaßnahme zu informieren. Für Fragen ist am Samstag, 6. Januar, von 8 bis 18 Uhr und Sonntag, 7. Januar, von 8 Uhr bis zum Ende der Maßnahme ein Bürgertelefon unter 05 41/ 323-44 90 geschaltet.

Bildtext:
Unter dieser Bahnbrücke entdeckten Arbeiter bei Messungen einen möglichen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg.

Foto:
David Ebener
Autor:
meba


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