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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadtwerke bleiben der Kohle treu
 
Stadtwerke halten an Kohlestrom fest
Zwischenüberschrift:
Kraftwerksanteile „optimiert″ – Millionenverlust realisiert
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Stadtwerke Osnabrück setzen weiter auf Kohlestrom und schichten ihre Kraftwerksbeteiligungen um. Stadtwerke-Chef Christoph Hüls spricht von einem guten Geschäft″, den Grünen missfällt die ganze Richtung.

Die Stadtwerke Osnabrück setzen weiter auf Kohlestrom und schichten ihre Kraftwerksbeteiligungen um. Wirtschaftlich sinnvoll, politisch umstritten.

Osnabrück. Zum Jahresende lösen sich die Stadtwerke vollständig von allen Bindungen an das Pannenkraftwerk Gekko in Hamm. Gleichzeitig erhöht die städtische Tochtergesellschaft ihren Anteil am Kohlekraftwerk in Lünen von bisher 4, 22 Prozent auf 5, 28 Prozent. Stadtwerke-Chef Christoph Hüls spricht von Optimierung″ der Kraftwerksbeteiligungen und erwartet ein sehr gutes Geschäft″. Selbst Kritiker halten die Umschichtung unter rein betriebswirtschaftlicher Betrachtung für sinnvoll, politisch jedoch für ein falsches Signal. Im Aufsichtsrat stimmten die beiden Grünen-Vertreter gegen ein weiteres Kohle-Engagement – „ auch wenn sich die Stadtwerke das gut bezahlen lassen″, wie Grünen-Ratsherr Volker Bajus unserer Redaktion sagte.

Den Ausstieg aus dem Gekko-Kraftwerk, an dem die Stadtwerke bis 2015 mit 1, 96 Prozent beteiligt waren, kostet die Stadtwerke 20 Millionen Euro. Die Stadtwerke hatten 2015 ihre Gesellschaftsanteile an Gekko Hamm zurückgegeben, verpflichteten sich aber, für 20 Jahre Strom aus dem Steinkohlekraftwerk zu festgelegten Preisen zu beziehen. Diese Strombezugsverpflichtung lösen die Stadtwerke nun auf. Die Verluste werden realisiert, das Geld ist weg. Die Stadtwerke wirft das nicht um, denn sie haben genau für diesen Fall Rücklagen von über 30 Millionen Euro gebildet.

Das Steinkohlekraftwerk in Hamm ist ein Projekt von RWE und 23 Stadtwerken. Die Stadtwerke Osnabrück steckten neun Millionen Euro Eigenkapital und 40 Millionen Euro Fremdkapital in das Skandalkraftwerk. Block E des Steinkohlemeilers ging 2014 mit zweijähriger Verspätung ans Netz, der Block D ist nach Pannen und Baufehlern nie fertig geworden. RWE lässt Block D jetzt zerlegen und die Einzelteile in aller Welt verkaufen. Branchenkenner schätzen, dass sich so vielleicht 50 Millionen Euro erlösen lassen. Die Investitionssumme betrug 552 Millionen Euro. 2015 verabschiedeten sich 19 Stadtwerke unter hohen Verlusten aus dem Projekt. Die Stadtwerke Osnabrück wählten mit drei weiteren Partnern (Troisdorf, Leverkusen und Hamm) den weichen Ausstieg mit einem 20-jährigen Stromliefervertrag, wobei den Stadtwerken eine dreijährige Ausstiegsoption blieb. Diese Option ziehen die Stadtwerke jetzt.

Im Gegenzug erhöhen die Stadtwerke Osnabrück ihre Anteile am Steinkohlekraftwerk in Lünen. Die Stadtwerke Jena und eine schweizerische Gesellschaft stoßen aus politischen Gründen ihre Kohlebeteiligungen ab. Dafür nehmen sie sogar wirtschaftliche Nachteile in Kauf. Konkret bedeutet das: Die Stadtwerke Osnabrück bekommen von den bisherigen Anteilseignern Geld für die Übernahme der Strombezugsverpflichtungen. Über die Höhe der finanziellen Gegenleistung haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Im schlimmsten Fall wird das für uns ein Nullsummenspiel″, sagt Stadtwerke-Vorstand Hüls. Im Normalfall wird es ein sehr gutes Geschäft.″ Mit der Umschichtung bleibt der Kohleanteil an der Gesamtstromerzeugung der Stadtwerke unverändert. Perspektivisch″, so Hüls, bestehe die Möglichkeit, den Anteil am Kraftwerk Lünen auf maximal sieben Prozent zu erhöhen.

Die Vorteile

Die Trennung vom Gekko-Kraftwerk reduziert die wirtschaftlichen Risiken, denn niemand kann verlässlich voraussagen, ob das Kohlekraftwerk Hamm in einigen Jahren überhaupt noch am Netz ist. Verringertes Risiko bedeutet auch, dass die Stadtwerke ihre Risikorücklagen schrittweise verringern können also mehr Geld zur Verfügung haben. Hüls spricht von einer sechsstelligen Summe″, die jährlich frei werde, etwa für zusätzliche Investitionen in die Digitalisierung oder erneubare Energien.

Dem Steinkohlewerk in Lünen traut Hüls eine wichtige Rolle in der Übergangszeit zu, bis die Energieversorgung komplett auf regenerative Quellen umgestellt ist. Lünen gehöre zu den modernsten Kohlekraftwerken in Europa mit einem hohen Wirkungsgrad. Deshalb werde es als Garant für Versorgungssicherheit beim Umbau des Energiesystems benötigt″, so Hüls. Er erwartet, dass Lünen nach Abschalten des letzten deutschen Kernkraftwerks 2020 in der Übergangsphase gutes Geld verdienen werde.

Volker Bajus genügt dieses Argument nicht. Der Grünen-Ratsherr kritisiert die politische Richtung: Die Stadtwerke haben jetzt ein Interesse daran, dass die Kohle als Energieträger möglichst lange bleibt.″

Die Stadtwerke sind noch an einem zweiten Kraftwerk beteiligt, am Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) in Lünen. Der Gesellschaftsanteil beträgt 2, 45 Prozent (2, 1 Millionen Euro).

Bildtext:
Ausstieg aus dem Steinkohlekraftwerk Hamm, mehr Anteile in Lünen: Durch Umschichtung der Kraftwerksanteile verschaffen sich die Stadtwerke finanzielle Spielräume.

Foto:
dpa

Kommentar:

Im Sog der Politik

Neun Millionen Euro Eigenkapital, 40 Millionen Fremdmittel und jetzt noch mal 20 Millionen für den Ausstieg aus dem Stromliefervertrag: Das Gekko-Abenteuer ist für die Stadtwerke ein wirtschaftliches Desaster.

Die Verantwortung trägt aber nicht der Vorstand, sondern die große Politik, die durch mehrfache Energiewenden und eine Fehlsteuerung beim Handel mit Verschmutzungsrechten dieser Langfristinvestition den wirtschaftlichen Boden entzog. Der Preis für die CO2-Zertifikate ist europaweit viel zu niedrig, sodass ausgerechnet die alten Dreckschleudern unter den Kohlekraftwerken die rentabelsten sind.

Die Stadtwerke halten an der Kohle fest in der Erwartung, dass nach dem Ende der Kernkraft ab 2020 und durch eine Verteuerung der CO2-Zertifikate die modernen Kohlekraftwerke für eine Übergangszeit unentbehrlich werden. Das setzt voraus, dass, erstens, die Politik nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht, und, zweitens, der Fortschritt der erneuerbaren Energien dieses Kalkül nicht überholt.
Autor:
hin


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