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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Drei Engel für den Nikolaus
Zwischenüberschrift:
Der Domhof im Dezember 1949
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
In grauer Vorzeit, als noch nicht jede Mutti ein Smartphone hatte, mit dem sie die süßen Kleinen in jeder Lebenslage ablichten konnte, schickten manche Fotogeschäfte Nikoläuse auf die Straße mit einem Fotografen im Schlepptau. Am nächsten Tag konnten sich die Mütter die Bilder im Fotoladen abholen.

Osnabrück. In vielen privaten Fotoalben dürften sich derartige Fotos finden. Manchmal schickte man auch in ähnlicher Absicht einen Eisbären″ auf die Straße, der mit Vorliebe junge Damen in den Arm nahm. Hier haben wir es aber eindeutig mit dem Nikolaus zu tun, der im Dezember 1949 drei noch viel jüngere Damen vor dem Theater abpasste. Das Foto hat uns unsere Leserin Renate Erdbrink zur Verfügung gestellt. Sie ist einer der Zwillinge links im Tandem-Kinderwagen, ihr gegenüber sitzt Ursula. Dahinter steht die große″ Schwester Almuth, die damals schon drei Jahre alt war.

Alle drei hörten damals noch auf den Namen Dahrenmöller. Ihr Vater war der Tiefbauamtsleiter Heinrich Dahrenmöller. Der kam von den Eisenbahnpionieren, war dann Bauführer bei der Militärregierung und anschließend Leiter eines Bauzuges bei der Bundesbahn. 1947 begann er seine Karriere als Angestellter bei der Stadt und arbeitete sich rasch zum Leitenden Baudirektor hoch. Unter seiner Ägide wurde die Infrastruktur der total zerstörten Stadt unterhalb des Pflasters wiederhergestellt: Entwässerung, Kläranlagen, Kanalunterhaltung, Fuhrpark, Straßenbau, Brücken- und Wasserbau gehörten zu seinen Aufgaben. Im Alter von nur 58 Jahren starb er 1971 plötzlich und unerwartet an Herzversagen.

Renate Erdbrink erinnert sich noch genau an die Patchwork-Häkeldecke, unter der sie und die Zwillingsschwester es im Kinderwagen schön warm und gemütlich hatten. Die Decke war das Geschenk eines Bekannten der Familie aus den USA. Er schickte auch regelmäßig Windeln, Kaffee, Schokolade und andere knappe Güter.

Hinter dem Nikolaus erkennt man die Südwestecke der Domanbauten. Es handelt sich um das dreigeschossige Haus der Domkapitulare, das Dombaumeister Alexander Behnes 1892/ 94 im Zuge der gesamten Neugestaltung des südlichen Dombezirks im neuromanischen Stil geschaffen hatte.

1944 zerstörten Sprengbomben Teile des Kreuzgangs und der Nebengebäude. Die äußeren Umfassungsmauern blieben aber stehen, wie hier zu sehen ist.

1961 wurde, was heute kaum verständlich erscheint, der Westflügel abgerissen und durch einen schlichten Standardbau ersetzt. Den Ersatzbau für das Haus der Domkapitulare schmückte man mit der klassizistischen Fassade des Bürgerhauses der Fabrikantenfamilie Hammersen. Das musste an seinem alten Standort Johannisstraße 19/ 20 weichen, weil es der Straßenverbreiterung im Wege stand. Im Dombezirk sorgte es nun leider für einen Stilbruch. Mittlerweile hat sich das Auge daran gewöhnt, aber der Bruch wird wieder bewusst, wenn man daran erinnert wird, was früher war.

Neben der Nikolausmütze sieht man geschlagene Tannen an das Gebäude gelehnt ein Hinweis auf den Tannenbaumverkauf, der im Advent regelmäßig auf dem Domhof stattfand.

Aus dem Ruinenfeld der Kleinen Domsfreiheit kommt ein Pferdefuhrwerk auf den Domhof zugerollt, dahinter ein Lastwagen. Der relativ schmale Bildausschnitt verschweigt, dass rechts außerhalb des Bildes gleich die Stufen zum alten Foyer des Stadttheaters beginnen. Das war 1949 noch eine Ruine. Der letzte Großangriff Palmsonntag 1945 ließ bis auf die Umgänge, das Foyer und ein paar Büroräume alles zerstört und ausgebrannt zurück. Als Ersatzspielstätte hatte man den Saal des Gasthauses Blumenhalle″ hergerichtet. Erst im September 1950 erlebte das wiederaufgebaute Theater eine rauschende Neueröffnung mit Calderóns Über allem Zauber Liebe″.

Bildtext:
Der Nikolaus traf 1949 auf dem Domhof auf drei kleine pausbäckige Engel. Der Blick geht in die kriegszerstörte Kleine Domsfreiheit.

Im Advent 2017 pulsiert an gleicher Stelle der Weihnachtsmarkt. Links der Domanbau, im Hintergrund die Ursulaschule, rechts das neue Theaterfoyer.

Foto:
Renate Erdbrink, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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