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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Dem Drahtwurm zu Leibe rücken
Zwischenüberschrift:
Versuchshof der Osnabrücker Hochschule: 55 Hektar für die Wissenschaft
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
45 Kartoffelsorten hat Hubertus Wallenhorst in diesem Jahr angebaut. Das dürfte einsamer Rekord sein, kommt aber nicht von ungefähr. Der 52-Jährige ist Leiter des Öko-Versuchsbetriebs Waldhof der Hochschule Osnabrück. 45 Hektar Ackerfläche sind neben 10 Hektar Grünland sein Tätigkeitsfeld.

Wallenhorst. Der landwirtschaftliche Betrieb der Hochschule (HS) widmet sich seit mehr als 25 Jahren dem Bioanbau, arbeitet seit einem Vierteljahrhundert nach den Richtlinien des Öko-Siegels Bioland und ist jetzt auch zertifizierter Hof des Naturland-Verbandes.

Bei der Übergabe des Zertifikates machte Naturland-Repräsentant Harmen Gehrke, selbst Absolvent der HS Osnabrück, deutlich: Die Kooperation ist ein Meilenstein für die Praxisforschung in Niedersachsen. So können wir die Öko-Betriebe in unserer Region mit fundierten wissenschaftlichen Ergebnissen unterstützen.″ Professor Dieter Trautz, der für den Versuchsbetrieb zuständige Hochschullehrer, umriss die Erwartungen: Wichtig ist für uns, dass wir auf dem Waldhof die Fragestellungen aus der Praxis bearbeiten und die Ergebnisse über die Beratung zurück in die Betriebe gelangen.″

Kartoffelanbau

Fragen aus der Praxis liegen zuhauf auf dem Tisch. Hubertus Wallenhorst hat sich mit seinem Team ein anspruchsvolles Programm aufgestellt. Ein Beispiel liefert der Kartoffelanbau. Da geht es nicht nur um Sortenversuche für das Bundessortenamt, sondern auch darum, wie Schädlinge auf natürliche Weise verhindert werden können, weil der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Bio-Anbau untersagt ist. Wie also rückt Wallenhorst dem Drahtwurm zu Leibe, der sich in Kartoffeln hineinfrisst? Die Larve des Schnellkäfers verursacht millimeterkleine Löcher an der Oberfläche, im Innern aber tiefe Gänge. Damit ist die tolle Knolle nicht mehr zu verkaufen.

Ein Rezept gegen Drahtwürmer kann die Verlängerung der Fruchtfolge sein. Bislang ist die Regel, dass auf den Kartoffelanbau auf einem Acker erst in vier Jahren das nächste Mal Erdäpfel wachsen sollen. Diese viergliedrige Fruchtfolge könnte schon bald von einem Sieben-Jahres-Rhythmus abgelöst werden. Damit haben die Bodenorganismen drei Jahre mehr Zeit, sich zu regenerieren und damit stark genug für die natürliche Abwehr der Drahtwürmer zu werden.

Ein weiterer Schwerpunkt im Versuchsanbau, der in Zusammenarbeit mit der Versuchsstation Astrup der Landwirtschaftskammer erfolgt, sind Untersuchungen unterschiedlicher Getreidesorten und Leguminosen wie Erbsen, Bohnen und Lupinen, die als Stickstofflieferanten einen überragenden Wert im Biolandbau haben. Auf vier Hektar verteilt, finden sich vier Versuchsparzellen mit der gleichen Sorte, nicht nebenan, sondern möglichst weit entfernt, um schädliche oder positive Einflüsse richtig bewerten zu können.

Der Waldhof dürfte als einziger Betrieb Braugerste anbauen, natürlich um die hochschuleigene Versuchsbrauerei mit Rohstoff zu versorgen. Ebenfalls selten im Osnabrücker Land ist der Anbau von Backweizen. Beide Getreidesorten, aber mit gänzlich anderen Kohlehydrat- und Eiweißanteilen, haben in unserer Region als Futtergetreide eher einen hohen Stellenwert, das aber zum Brauen und Backen nicht taugt.

Auch der Anbau der Sojabohne auf dem Waldhof steht im Fokus der Wissenschaft. Boden und Klima sind nicht unbedingt ideal in unseren Breitengraden. Zur Keimung benötigt die Sojasaat eine Bodentemperatur von etwa 10 Grad, hat bis zur Reife einen hohen Wärme- und Wasserbedarf. Wie sich unterschiedliche Sojasaaten auf den Böden des Waldhofes entwickeln, die Wallenhorst als sandigen Lehm bis lehmigen Sand″ beschreibt, hat eine HS-Absolventin in ihrer Masterarbeit analysiert. Während der 160-tägigen Wachstumsphase hat sie die unterschiedlichen Sorten bewertet, um Unterschiede im Reifeprozess herauszufinden.

Tierzucht

Auf dem Waldhof widmen sich die Wissenschaftler aber auch der Tierzucht. Neben Hühnern hat Hubertus Wallenhorst eine Rinderherde unter seine Fittiche genommen. Den irischen Dexterrindern, ursprünglich mit Hörnern ausgestattet, soll durch Kreuzung mit verwandten Rassen wie Galloways das Hornwachstum ausgetrieben werden.

Der Grund ist simpel: Die friedlichen Rinder können durch eine schnelle Kopfbewegung zur Abwehr von Fliegen beispielsweise auch den Menschen neben ihnen treffen und damit schmerzhafte Verletzungen auslösen.

Bildtext:
Hubertus Wallenhorst hat die Betreuung der Dexterherde unter seinen Fittichen. Sie steht zwölf Monate auf Grünland und entwickelt sich prächtig.

Foto:
Harald Preuin
Autor:
Harald Preuin


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