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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadtwerke rüsten alte Dieselbusse um
 
Stadtwerke rüsten 37 Dieselbusse nach
Zwischenüberschrift:
Alte Fahrzeuge erhalten Stickoxidfilter für saubere Luft – Schätzkosten von 650 000 Euro
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Stadtwerke Osnabrück statten mehrere Dutzend alte Dieselbusse nachträglich mit speziellen Abgasreinigungsanlagen aus. Auf diese Weise soll vor allem der Ausstoß gefährlicher Stickoxide auf ein Minimum reduziert werden. Mit der schätzungsweise 650 000 Euro teuren Nachrüstung werde zeitnah ab dem kommenden Jahr″ begonnen, teilte der Verkehrsbetrieb auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Bis zum zweiten Quartal 2019 sollen dann 37 Fahrzeuge über die notwendige Technik verfügen. Vorausgegangen waren Messfahrten im August 2016 und Oktober 2017.

Schluss mit den Stinkern im öffentlichen Nahverkehr: Die Stadtwerke Osnabrück lassen 37 alte Dieselbusse mit Stickoxid-Katalysatoren nachrüsten. Tests zeigen, dass der Ausstoß dieser giftigen Gase dadurch fast vollständig vermieden werden kann.

Osnabrück. Mit dem Einbau soll zeitnah ab dem kommenden Jahr″ begonnen werden, teilten die Stadtwerke Osnabrück auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Pro Fahrzeug dauere eine Nachrüstung etwa zwei Wochen, deshalb kämen die Dieselbusse vor allem zu Ferienzeiten in die Werkstatt. Der laufende Betrieb soll dadurch natürlich nicht beeinflusst werden″, heißt es.

So werde es voraussichtlich bis zum zweiten Quartal 2019 dauern, bis die größten Dreckschleudern in der knapp 100-teiligen Stadtbusflotte eliminiert sind. Gegenwärtig laufe das Vergabeverfahren, und erste Angebote würden eingeholt. Wir rechnen mit rund 650 000 Euro Nachrüstkosten, hoffen aber auf eine entsprechende Förderung aus dem Dieselfonds″, sagte Kathrin Witte, Sprecherin des Verkehrsbetriebs. Gemeint ist jenes Milliardenpaket, das Bundesregierung und Autoindustrie gemeinsam zur Luftverbesserung in deutschen Städten schnüren.

Folgende Fahrzeuge werden in Osnabrück schrittweise mit Stickoxidfiltern ausgestattet: 20 Solobusse Baujahr 2007, sechs Gelenkbusse und sechs Solobusse von 2009, außerdem ein Gelenkbus und drei Solobusse aus 2011. Ein weiterer, sechs Jahre alter Gelenkbus wurde bereits 2017 erfolgreich umgerüstet.

Alle 37 Dieselbusse erfüllen laut den Osnabrücker Stadtwerken die Abgasnorm Euro 5/ EEV und behalten diese auch nach der Umrüstung. Die Abkürzung EEV (Enhanced Environmentally Friendly Vehicle) kennzeichnet dabei ein verbessertes umweltfreundliches Fahrzeug″. Nach Angaben des Bundesumweltamts von 2012 stellte dies seinerzeit den anspruchsvollsten europäischen Abgasstandard für Busse und Lkw″ dar. Seit Ende 2013 gilt in der Serienprüfung die Euro-6-Norm. Damit wurden die Grenzwerte für Lkw bei Partikeln um etwa 67 Prozent und bei Stickoxiden sogar um 80 Prozent gegenüber Euro 5 gesenkt.

In Osnabrück gingen der Entscheidung des Verkehrsbetriebs pro Filternachrüstung zwei Emissionsmessungen unter realen Bedingungen voraus: Erstmals drehte ein Diesel-Gelenkbus, testweise ausgestattet mit einer sogenannten SCR-Abgasnachbehandlung, im August 2016 auf der Linie 41 (Voxtrup–Haste) seine Runden, im Oktober 2017 dann ein weiteres Mal. Beide Messungen sind gut verlaufen″, fasst Witte zusammen. Die kritischen Luftschadstoffe Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) zusammen als NOx bezeichnet seien durch die Filter zu über 95 Prozent reduziert″ worden. Die Abgasmenge insgesamt habe sich durch die selektive katalytische Reduktion jedoch nicht verändert, weil auch der Dieselverbrauch nicht sinke.

Konkret ergaben die Messungen dies: Für die gut 25 Kilometer lange, viermal gefahrene Runde benötigte das Testfahrzeug vom Typ MAN A23 am 9. Oktober 2017 durchschnittlich 95 Minuten. Das entspricht einer mittleren Geschwindigkeit von 16 Kilometern pro Stunde. Dabei strömten durchschnittlich 0, 453 Gramm NOx pro Kilometer aus dem Auspuff, davon etwa neun Zehntel Stickstoffmonoxid und ein Zehntel Stickstoffdioxid. Zum Vergleich: Bei jeweils drei Runden, die der Bus am 16. und 17. August 2016 ohne SCR-Katalysator unter fast identischen Verkehrsbedingungen absolviert hatte, gelangten durchschnittlich 14, 172 Gramm NOx pro Kilometer in die Luft. Hier beträgt das Verhältnis von Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid etwa 3: 1.

Mit der Filternachrüstung im großen Stil erfüllen die Stadtwerke Osnabrück auch eine alte politische Forderung. Die CDU-Ratsfraktion hatte im März 2016 Dieselbusse als das ganz überwiegende Umweltproblem in der Innenstadt″ bezeichnet und vom Verkehrsbetrieb möglichst rasche Maßnahmen verlangt, um die Grenzwerte einzuhalten insbesondere bei NO2, dem größten Sorgenkind in der Osnabrücker Schadstoffbilanz.

Bildtext:
Die Ergebnisse von zwei Messfahrten im August 2016 und Oktober 2017 haben die Stadtwerke Osnabrück veranlasst, 37 alte Dieselbusse mit Katalysatoren zur Stickoxid-Reduktion nachzurüsten.

Foto:
NOZ-Archiv/ Jörn Martens

Kommentar:

Unter Druck

Eins vorweg: Nicht bedingungslose Liebe zur Umwelt, sondern drohende Fahrverbote für Diesel dürften den Osnabrücker Verkehrsbetrieb zur Nachrüstung spezieller Abgasreinigungsanlagen in 37 Bussen veranlasst haben. Schließlich gehören seine Fahrzeuge zu den größten Luftverschmutzern auf der Straße und würden möglicherweise lahmgelegt, sollten angekündigte Klagen gegen die Stadt wegen dauerhafter Grenzwertverletzungen Erfolg haben.

Nun aber soll es mithilfe teurer technischer Einbauten gelingen, den Ausstoß gefährlicher Stickoxide auf ein Minimum zu reduzieren. Zumindest bei einem Teil der Flotte. Beim Rest scheint dies entweder nicht notwendig, weil er bereits höheren Standards wie Euro 6 genügt. Oder nicht wirtschaftlich, weil er ohnedies bald vor der Ausmusterung steht Stichwort neues Elektrobussystem.

Rein ist die Luft damit aber noch lange nicht. Denn in Osnabrück sind ja nicht nur Stadtwerke-Busse unterwegs.
Autor:
sst


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