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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück nun „fahrradfreundlich″
Zwischenüberschrift:
Land zertifiziert Stadt – Viele Radfahrer fühlen sich nicht sicher
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das Land Niedersachsen hat die Stadt Osnabrück am Donnerstag in Oldenburg als fahrradfreundliche Kommune bei der Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/ Bremen e. V. (AGFK) ausgezeichnet.

Osnabrück. Am Freitag präsentierten Stadtbaurat Frank Otte und Ulla Bauer, Radbeauftragte der Stadt, die Zertifizierung in Osnabrück, die sie am Donnerstag vom neuen Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Althusman in Oldenburg entgegengenommen hatten. Sie gilt für die Jahre 2018 bis 2022. Auch Hameln und Lingen wurden ausgezeichnet.

Nach der Bewerbung sei Otte sehr aufgeregt″ gewesen. Denn wir wollten ja, dass Osnabrück nicht nur besteht, sondern gut besteht. Die Stadt hat gut bestanden.″ In allen drei Städten finden Fahrradfahrer hervorragende Bedingungen″, hatte Althusmann gesagt.

Bei der Zertifizierung stehe in Städten der Alltagsverkehr im Fokus, insbesondere Sicherheit und Atmosphäre, sagte Otte. Die Sicherheit ist ein großes Problem nicht nur in Osnabrück.″ Dabei sei es oftmals nur ein subjektives Unsicherheitsempfinden, so der Stadtbaurat.

In Osnabrück fühlen sich viele nicht sicher auf dem Rad. Umfragen ergaben wiederholt dieses Bild. Beim Fahrradklima-Test 2016 hatten die Befragten der Sicherheit auf Osnabrücks Straßen als Radfahrer nur die Note 4, 7 gegeben. Insgesamt erhielt die Stadt die Schulnote 4, 2 nach einer 3, 9 im Jahr 2014 und einer 3, 74 im Jahr 2012. Immer mehr Menschen würden mit dem Rad fahren und mehr einfordern, erklärte Bauer die Diskrepanz. Die Kritikbereitschaft ist größer geworden.″

Allerdings würden sich auch viele Radfahrer nicht an die Regeln halten und etwa auf Gehwegen fahren, sagte Otte. Teilweise wichen sie dorthin aus, weil sie sich auf der Straße oder dem Radweg nicht sicher fühlten, ergänzte er. Zu tolerieren sei das dennoch nicht.

Bis zur Zertifizierung sei es ein langer Weg gewesen darin waren sich Otte und Bauer einig. Osnabrück galt lange als Autostadt, und in großen Teilen ist sie das immer noch″, sagte Otte. Am sogenannten Modal Split beträgt der Radanteil 23 Prozent. Bedeutet: Von zehn Fahrten im Stadtgebiet werden 2, 3 mit dem Rad erledigt.

Dieser Anteil will die Stadt bis 2030 auf 30 Prozent erhöhen. Kinder lernen das Radfahren und hören dann irgendwann wieder auf″, sagte Otte. Gefördert werde das unter anderem durch die Elterntaxis″ und die Mentalität: Es regnet, komm, ich bringe dich eben mit dem Auto.″ Dabei sind 60 Prozent aller zurückgelegten Wege in Osnabrück unter fünf Kilometer weit, wie eine Untersuchung aus dem Jahr 2013 ergeben hatte. In Osnabrück ist das Auto meist die erste Wahl. Das müssen wir umkehren, aber das ist ein weiter Weg″, sagte Otte.

Trotz der noch vielerorts vorhandenen Defizite für Radfahrer hat die Stadt in den vergangenen Jahren viel für sie getan. Sie entschärfte die Todeskreuzung an der Ecke Kommenderiestraße und Johannistorwall, legte beim Umbau der Bohmter Straße großzügige Fahrradwege an, änderte Ampelschaltungen für mehr Sicherheit, verlegte an zahlreichen Kreuzungen die Haltelinie für Autos hinter die der Radfahrer und etablierte dort ARAS rote aufgeweitete Radaufstellstreifen –, installierte viele (gesponserte) Spiegel an Kreuzungen für Lkw- und Busfahrer , nicht zu vergessen der Radschnellweg von Osnabrück nach Belm . Die B 68 will Otte für Lkw sogar zum Kreisverkehr machen, um tödliche Unfälle mit rechts abbiegenden Lastwagen zu verhindern. Wir haben uns sogar eine eigene Norm gesetzt: Neue Radwege sind mindestens zwei Meter breit, um sich auch als Radfahrer nebeneinander unterhalten zu können″, sagte Otte.

Die Jury zur Zertifizierung besteht aus Mitgliedern des AGFK, Verbänden wie dem ADFC sowie Landtagsabgeordneten. Sie bereist Bewerberstädte und bewertet unter anderem Maßnahmen und Investitionen für Radfahrer.

Bereits als Fahrradfreundliche Kommune 2017 bis 2021″ waren im vergangenen Jahr der Landkreis Grafschaft Bentheim, die Stadt und Region Hannover sowie die Stadt Oldenburg ausgezeichnet worden. Bad Rothenfelde möchte es vielleicht noch werden.

46 Kommunen sind der AGFK Niedersachsen/ Bremen angeschlossen. Osnabrück gehört zu den 24 Gründungsmitgliedern des vom Land geförderten Vereins. Am Donnerstag wurde Otte zum neuen Vorsitzenden der AGFK gewählt. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Axel Priebs hatte sich nicht zur Wiederwahl gestellt.

Otte war nicht Teil der Jury zur Bewertung Osnabrücks.

Bildext:
Fahrradfreundliche Kommune″: Ulla Bauer, Radbeauftragte der Stadt, und Stadtbaurat Frank Otte freuen sich über die Zertifizierung für die Jahre 2018 bis 2022.

Foto:
Elvira Parton
Autor:
Jörg Sanders


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