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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neumarkt: Bibliothek statt Center?
 
Neues Quartier am Neumarkt?
Zwischenüberschrift:
Private Planungsgruppe stellt Alternative zum Einkaufscenter vor
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Plan B für den Neumarkt könnte eine Stadtbibliothek für alle Generationen und ein Automuseum beinhalten. Drei Varianten für das Areal zwischen Johannisstraße und Lyrastraße hat die private Planungsgruppe um Reinhart Richter am Donnerstagabend im NOZ-Medienzentrum vorgestellt. An dieser Stelle soll nach aktueller Planung ein Einkaufscenter entstehen.

40 Amateur- und Profiplaner haben über einen Zeitraum von drei Monaten Ideen gesammelt, wie die Fläche weiterentwickelt werden könnte. Was an den Ausarbeitungen der Architekten Bernd Dälken und Stephan Zech auffällt: Die Flächen für den Einzelhandel, rund 6000 Quadratmeter, nehmen sich gegen die auf 14 000 Quadratmeter verteilten Wohnungen in den oberen Stockwerken klein aus.

Was passiert am Neumarkt, wenn das Einkaufszentrum nicht gebaut wird? Eine private Initiative hat sich darüber Gedanken gemacht und die Ergebnisse am Donnerstagabend präsentiert. Es könnte ein neues Stadtquartier entstehen zum Wohnen, Einkaufen, Arbeiten, Lernen und Lesen.

Osnabrück. Reinhart Richter, früherer Leiter des Kulturamtes der Stadt und jetzt Kommunalberater, hat eine Gruppe von 40 Amateur- und Profistadtplanern um sich geschart und mit ihnen drei Monate Ideen gesammelt, abgewogen und zu Ende gedacht. Das Ergebnis des bürgerschaftlichen Planungsprozesses ist ein neuer Stadtteil mit vielen Wohnungen unterschiedlicher Kategorien, Einzelhandel, Büroarbeitsplätzen, Hochschuleinrichtungen und einer Stadtbibliothek neuer Prägung. Wichtig war den Teilnehmern, die aus eigenem Antrieb und ohne Entgelt an diesem Plan B für den Neumarkt arbeiteten, dass das Konzept wirtschaftlich tragfähig ist. Ziel waren realisierbare Objekte, keine Luftschlösser, die kein Investor mit klarem Verstand anpacken würde.

Es geht um das Areal, auf dem der Centerentwickler Unibail Rodamco ein Einkaufszentrum bauen will, aber bisher nicht so recht in Gang kommt. Auf etwa 9000 Quadratmeter Grundfläche vom Neumarkt bis zur Großen Rosenstraße will der französische Konzern eine Shoppingmall mit zunächst 16 500 Quadratmeter Verkaufsfläche schaffen.

Offene Bauweise

Die Richter-Initiative setzt dem geschlossenen Centerbaukörper eine offene Bauweise mit eigenem Charakter entgegen. In allen drei Varianten, die die Architekten Bernd Dälken und Stephan Zech am Donnerstagabend im NOZ-Medienzentrum vorstellten, bleibt die Seminarstraße offen. Die Variante B sieht eine zusätzliche Gasse parallel zur Johannisstraße vor, die Neumarkt und Seminarstraße verbindet und eine Brücke zur Kamp-Promenade schlägt. Damit würde an der Ecke Johannisstraße (wo heute das grüne Kachelhaus steht) ein solitärer Bau ermöglicht zum Beispiel für Einzelhandel und Wohnungen. Oder für die Neue Bibliothek, ein Lieblingsprojekt von Reinhart Richter.

Dieses Kulturzentrum („ Bildungscampus″) soll kein Bücherbunker sein, sondern ein moderner Neubau mit Räumen für die Volkshochschule, für kulturpädagogische Angebote und Künstlerateliers. Hier sollen sich alle Generationen treffen. Hier soll laut Richter-Konzept ein Ort der demokratischen Stadtgesellschaft″ entstehen, ein Ort der Information, des gegenseitigen Zuhörens, des organisierten oder spontanen Treffens. Die Neue Bibliothek solle von morgens bis abends belebt sein, sieben Tage die Woche. Vorbild ist die Bibliothek in Aarhus (Dänemark). Als besonderen Clou kann sich die Planungsgruppe ein Automuseum mit der Karmann-Sammlung vorstellen, die heute nicht öffentlich zugänglich ist. Auch die Universität soll in dem Quartier Platz finden.

In den Erdgeschossen sind überall Ladenlokale vorgesehen. Etwa 6000 Quadratmeter stünden insgesamt für kleinteiligen Einzelhandel und Gastronomie zur Verfügung. Das wäre nicht einmal die Hälfte dessen, was die Bürgerplaner für Wohnungen reservieren wollen. In den oberen Etagen sollen auf 14 000 Quadratmeter bis zu 200 Wohneinheiten möglich sein. Richter erinnerte daran, dass sich die Stadt das Ziel gesetzt hat, bis 2020 den Bau von mindestens 3000 Wohnungen zusätzlich zu ermöglichen. Am Neumarkt, im Herzen der Stadt, sollen nach dem Willen der Bürgerplaner Wohnungen unterschiedlicher Komfortstufen angeboten werden: für Familien, Studenten, Senioren, Wohngemeinschaften, Singles. Wir wollen eine gute soziale Durchmischung″, sagte Stephan Zech. Die Planer wollen an Höhe gewinnen: Die Gebäude sollen bis zu sieben Geschosse haben, heute sind es vier. Direkt am Neumarkt sind Wohnungen nur möglich, wenn der Platz autofrei bleibt.

Wie wird das finanziert?

Ist das Ganze wirtschaftlich? Ja, sagten Fondsmanagerin Kathrin Rösner und Immobilienmakler Oliver Meyer-Leive, wenn das Projekt geteilt werde. Sie sprachen sich gegen eine Gesamtentwicklung durch einen Investor aus, stattdessen favorisieren sie eine Teilung nach Nutzungsarten. Die beiden Experten haben nach eigenen Angaben marktübliche Mieterträge zugrunde gelegt und kommen zu dem Ergebnis, dass die Zahlen für Investoren interessant sind. Meyer-Leive sprach von einem guten Ergebnis″, das Geldgeber erwarten dürften. Konkrete Zahlen nannte er nicht. Die Investitionssumme bezifferte er grob auf eine hohe zweistellige Millionensumme″.

Welche Chancen haben diese Ideen? Wenn es nach Michael Hartung, Entwicklungschef von Unibail Rodamco Deutschland, geht, gar keine. Denn der Centerentwickler ist weiterhin fest entschlossen, das Einkaufszentrum zu bauen. In einem Gespräch mit unserer Redaktion im September ließ Hartung aber durchblicken, dass er sich auch andere Nutzungen wie Wohnungen im Centerkomplex vorstellen könnte. Hartung kündigte an, mit der Richter-Planungsgruppe ins Gespräch zu treten. Zur Präsentation der Ergebnisse war er geladen, musste wegen dringender Termine aber absagen.

Als Ankermieter des Centers steht bisher nur Sinn-Leffers fest. Hartung hofft, dass er bis Ende des Jahres weitere Namen nennen kann. Der Bau werde erst beginnen, wenn die Normenkontrollklage vom Tisch sei. Ein Nachbar hat gegen den Bebauungsplan 600 Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht.

Das Engagement der Bürgergruppe stößt nicht überall auf Wohlwollen. Immobilienkaufmann Theodor Bergmann, der mehrere Grundstücke am Neumarkt besitzt und eine der treibenden Kräfte der Neumarkt-Entwicklung ist, sagte dem Stadtblatt″, das Vorgehen sei geeignet, die Reputation des Entwicklers und des Projektes zu unterminieren und letztlich auf eine nicht seriöse Art die Planung anderer Leute zu torpedieren″.

Bildtext:
Zwei von drei Varianten zur Nutzung des Centergeländes am Neumarkt. Der größte Unterschied: Konzept B sieht eine zusätzliche Gasse zur Seminarstraße vor. Am Übergang von der Großen Straße zur Johannisstraße ist der Neubau vor H& M („ Baulos 2″) bereits eingeplant. Links das Landgericht. Entwurf: Konzeptgruppe Plan B.

Kommentar:

Gravierender Fehler

Die private Planungsgruppe will Denkanstöße geben, die Entwicklung am Neumarkt positiv beeinflussen, den Stillstand aufbrechen. Das ist aller Ehren wert. Aber: Auch diese Initiative wird den Neumarkt-Prozess nicht beschleunigen können, weil die Stadt an einer Stelle einen gravierenden Fehler gemacht hat.

Der Durchführungsvertrag zwischen der Stadt und dem Investor nennt Fristen, bis wann der Bau des Einkaufszentrums begonnen haben muss und wann er fertig sein soll. Diese Fristen greifen bislang nicht, weil eine Normenkontrollklage anhängig ist. Ein Anlieger wehrt sich gegen den Eingriff städtischer Planer, die einen Teil seines Grundstücks für einen Wendehammer herangezogen haben. Eigentlich eine Kleinigkeit, die mit etwas gutem Willen auf beiden Seiten zu lösen wäre. Aber offenbar haben die städtischen Verhandlungsführer über Monate versäumt, dieses Randproblem rechtzeitig aus der Welt zu schaffen. Jetzt liegt die Entscheidung beim Gericht. Und das kann dauern. Das Fatale: Solange dieses Verfahren währt, hat die Stadt kein Druckmittel, um Unibail Rodamco zum Handeln zu zwingen.

Um den Stillstand am Neumarkt zu beenden, muss das Normenkontrollverfahren so schnell wie möglich vom Tisch. Doch bislang ist nichts durchgedrungen, was darauf schließen ließe, dass sich die Rathausspitze mit besonderem Engagement um die Lösung dieses Problems bemüht hätte.
Autor:
hin


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