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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Goldschmuck gebührt dem Vaterlande
Zwischenüberschrift:
November 1917: Kochkiste, Eiserne Waschfrau und Liebesgaben für die Soldaten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zu Beginn des vierten Kriegswinters bedrückt die Menschen neben dem täglichen Kampf um Nahrungsmittel auch die Sorge um ausreichendes Heizmaterial. Der Osnabrücker Hausfrauenbund für Stadt und Land veranstaltet im Großen Klub seinen zweiten öffentlichen Frauenabend, in dem sich alles um Energiefragen dreht.

Osnabrück. Der Abend wird unsere Frauen über brennendste Fragen aufklären″, kündigt das Osnabrücker Tageblatt″ an. Direktor Schwers vom Städtischen Kohlenamt versucht, beruhigende Nachrichten über die Kohlenversorgung zu verbreiten, wobei er die selbstverständlichen Mahnungen zu sparsamstem Gebrauch nicht auslässt. Hanna Wolff von der städtischen Gasberatungsstelle Bielefeld spricht über Einsparmöglichkeiten beim Gasverbrauch. Besondere Berücksichtigung findet dabei die Kochkiste, die trotz aller Mahnungen und Belehrungen immer noch nicht allgemein in unseren Haushaltungen eingeführt ist″, wie die Zeitung kommentiert. Frau Wolff führt mit geschickten Händen durch Ausstopfen mit Holzwolle und Zeitungspapier″ die Selbstanfertigung so einer Kochkiste vor. Das stundenlange Kochen auf Gas kann und muss aufhören, wenn sich nur jede Hausfrau dazu entschließt, das Weiterkochen auf diese leicht zu erlernende Weise zu besorgen″, mahnt die Zeitung.

Die Städtischen Kollegien bewilligen 20 000 Mark für Weihnachtspakete an die rund 5000 im Felde stehenden Soldaten aus Osnabrück. Das Rote Kreuz gibt noch einmal 15 000 Mark dazu. Die Liebesgaben für ein recht hübsches und zweckmäßiges Weihnachtspaketchen für jeden Feldgrauen″ sind überwiegend bereits besorgt. Mangel besteht nur an Zigarren, Zigaretten und Tabak. Oberbürgermeister Julius Rißmüller bittet die Osnabrücker Einwohnerschaft, Rauchmaterial zu spenden, Abgabe beim Vaterländischen Frauenverein, Bierstraße 17.

Weiterhin sagen die Kollegien mehr Geld für Kinderhorte und Kleinkinder-Bewahranstalten zu. Die haben unter dem Einfluss des Krieges ihr Tätigkeitsfeld nämlich nicht unwesentlich erweitern müssen: Sie betreuen die Kleinen von 6 bis 19 Uhr, um so den Müttern freie Hand für den Erwerb, insbesondere in der Munitionsherstellung, zu gewähren.

Die Reichsbekleidungsstelle hat ein Verbot von Tischwäsche und Stoff-Mundtüchern in Gastwirtschaften verhängt. Hintergrund ist ein extremer Mangel an Leinenstoff und Wolle. Der Bedarf der Militärverwaltung und speziell der Lazarette kann offenbar anders nicht gedeckt werden. Die Benutzung von Tischtüchern aus Web-, Wirk- oder Strickwaren ist generell verboten. Eine Ausnahme lässt man nur bei solchen Tischen gelten, die eine rohe Oberfläche haben, sodass sie nur mit einer Auflage aus Filz oder Tuch benutzbar sind, und die auch schon vor dem 1. August 1917 eine solche Auflage hatten.

Goldschmuck tragen ist keine Zierde mehr, klärt das Tageblatt″ auf: Das Gold gebührt dem Vaterlande! Es dient der finanziellen und der kriegswirtschaftlichen Rüstung. Jedes Gramm Gold wird in der Goldankaufstelle im Rathaus, Zimmer 27, bar bezahlt. Bei der Gelegenheit wiederholt die Zeitung die schon oft gehörte Mahnung Fort mit den Ohrringen! und führt dazu aus: Jetzt bietet sich die Gelegenheit, diesen mehr als überflüssigen Schmuck, gegen den auch vom Kulturstandpunkt schwere Bedenken geltend gemacht werden, ehrenvoll auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern. Und hoffentlich für immer. Denn dieser Schmuck, zu dessen Anbringung das Ohrläppchen durchbohrt werden muss, ist ein Überbleibsel aus grauer Vorzeit. Er erinnert an Gewohnheiten fremder Völkerschaften, die bei der Verwendung von Schmuck ihren Leib verunstalten.

Ein 15-Jähriger aus Borgholzhausen hat in der Nähe einer 10 000-Volt-Hochspannungsleitung einen Drachen steigen lassen, dessen Schnur in Ermangelung von Bindfaden aus feinem Draht bestand. Als Letzterer mit der Überlandleitung in Berührung kommt, wird der Junge von einem Starkstromschlag getroffen. Er überlebt, aber der linke Arm muss ihm abgenommen werden.

Im Hotel Germania findet ein einmaliges Schauwaschen mit der Eisernen Waschfrau″ statt. Das Inserat verspricht: Waschen ohne Seife. Billigste Waschmaschine der Welt, nur 10, 50 Mark. Jede Hausfrau von Osnabrück und Umgegend ist freundlichst eingeladen. Schmutzige Wäsche, auch Kragen, Manschetten, Blusen usw., bitte mitbringen! Die eiserne Waschfrau wäscht mit Pressluft und Saugkraft. Sie wäscht in fünf Minuten einen Kübel Wäsche sauber, ohne scharfe Mittel und Reibung, ist daher außerordentlich schonend. Die schmutzigste Arbeiterwäsche wird wie neu hergestellt! Über 100.000 im Betriebe! J. Rosenberg, Magdeburg. Niemand versäume, diesem hochinteressanten Schauwaschen beizuwohnen.″

Ein warnender Aufruf: Immer wieder versuchen unserer Feinde, durch Flugschriften- und Brieftaubenballone mit sinnreichen Einrichtungen zum Abwerfen der Flugblätter und Brieftauben die innere Geschlossenheit des deutschen Volkes zu gefährden. Gefundene Gegenstände müssen restlos und in unverändertem Zustande zur Polizei gebracht werden. Man lasse sich nicht durch irreführende Aufschriften wie Deutscher Ballon darf nicht vernichtet werden′ täuschen.″

Bildtext:
Wer seinen Goldschmuck zugunsten des Vaterlandes abgibt, erhält im Gegenzug patriotisch korrekten Eisenschmuck. Für diese Aktion wirbt das Plakat von Julius Gipkens (Druck: Hollerbaum & Schmidt, Berlin).
Quelle:
Niedersächsisches Landesarchiv, Standort Osnabrück, Slg. 66, Nr. 355 a. H.
Autor:
Joachim Dierks


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