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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nachbarn wehren sich gegen Neubau
Zwischenüberschrift:
Streit in der Heckerstraße über Bebauung des Pfarrgartens
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bewohner der winzigen Heckerstraße am Schölerberg sind empört, dass nebenan ein Haus gebaut wird. Das Beispiel zeigt: Nachverdichtung hat auch Schattenseiten.

Osnabrück. Sabine Münz ist die Wortführerin des Protestes gegen die Bebauung des früheren Pfarrgartens der Südstadt-Kirchengemeinde. Sie lebt seit vier Jahrzehnten in einem Reihenhaus, aus dem sie bislang einen freien Blick auf die kleine Oase″ hatte, wie sie sagt. Die Oase″ ist weg. Baggerfahrer haben vorige Woche die letzten Büsche beseitigt und das Baufeld vorbereitet. Sabine Münz wirft der Kirchengemeinde und der Stadt vor, die Bedürfnisse der Anwohner ignoriert und ein Bauprojekt in einem undurchsichtigen Verfahren durchgesetzt zu haben, das den Menschen in dem engen Quartier schweren Schaden zufüge. Betroffen seien auch die Kinder im benachbarten Familienzentrum. Eine nur 2, 50 Meter schmale Zuwegung, die enge Bebauung, der Autoverkehr zum Familienzentrum, der hohe Parkdruck, spielende Kinder und jetzt werde auch noch die letzte Freifläche zugebaut: Das zusammen ist für Sabine Münz und ihre Nachbarn unerträglich″ und unzumutbar″.

Das Grundstück des Pfarrhauses an der Heckerstraße am Schölerberg umfasst gut 1000 Quadratmeter. Das Pastorenehepaar, das das Pfarrhaus bewohnt, war gern bereit, auf einen Teil des Gartens zu verzichten. Und so entschied der Kirchenvorstand schon 2014, etwa die Hälfte des Grundstücks als Bauland zu verkaufen.

Der Fall zeigt exemplarisch den Zielkonflikt städtischer Baupolitik. Die Stadt will mehr Wohnbaugebiete ausweisen, um die Einwohnerzahl zu steigern und den Druck auf dem Wohnungsmarkt zu mindern. Dabei versuchen die Baupolitiker, zunächst innerstädtische Brachflächen zu erschließen, um ein weiteres Ausgreifen der Bebauung in die Landschaft am Stadtrand zu verhindern. Das Bauen in zweiter Reihe aber betrifft immer auch die Nachbarn, denen die freie Sicht oder eine grüne Insel genommen wird.

Die Polizei gerufen

So auch an der Heckerstraße. Als im Februar der Bauherr anrückte, um den Bewuchs zu entfernen, stellte sich ihm Sabine Münz in den Weg. Die Polizei musste kommen, damit der Konflikt nicht weiter eskalierte. Keine gute Voraussetzung für eine gedeihliche Nachbarschaft. In der vorigen Woche begannen die Bauarbeiten und der Konflikt kocht erneut hoch. Sabine Münz und ihre Nachbarschaft haben einen Anwalt eingeschaltet, der Widerspruch gegen die Baugenehmigung einlegte.

Anwalt Jan Kuhlmann sieht das Gebot der Rücksichtnahme″ massiv verletzt. Die Erschließung des neuen Einfamilienhauses über die schmale Straße würde in keinem normalen Wohngebiet zugelassen, sagt Kuhlmann. Es fehle der angemessene Sozialabstand″. Kuhlmann: Das ist eine extreme Enge, der Konflikt ist doch überdeutlich.″

Kuhlmann wirft der Stadt vor, die Bebauung in einem reinen Verwaltungsakt ohne Beteiligung der politischen Gremien ermöglicht zu haben. Angesichts der Schwere des Eingriffs hätte es eine Änderung des Bebauungsplans geben müssen.

Eine Bebauungsplanänderung setzt ein mehrteiliges Verfahren mit Auslegung der Pläne und Beteiligung der Öffentlichkeit voraus. In diesem Fall hat das Bauamt der Stadt die Änderungen in einem Verwaltungsakt bewilligt. Begründung: Die Gründzüge der Planung sind nicht gefährdet″, sagt Stadtbaurat Frank Otte. Das Gebiet sei durch Wohnen und kirchliche Nutzung geprägt. Das neue Wohngebäude verstoße daher in keinster Weise″ gegen den Charakter dieses Quartieres und die Gründzüge des Bebauungsplanes. Die Einwände der Nachbarschaft seien deshalb gegenstandslos″.

Anwalt Kuhlmann sieht das nicht so. Die im Bebauungsplan festgelegte Nutzung für den Gemeindebedarf″ in dieser klerikalen Insel″ hätte nicht ohne förmliches Bauleitverfahren aufgehoben werden dürfen. Es habe keine Abwägung zwischen dem Bedarf der Kirchengemeinde und dem der Nachbarschaft gegeben, so Kuhlmann. Über den Widerspruch gegen die Baugenehmigung entscheidet zunächst die Stadt. Sollte diese den Widerspruch abweisen was zu erwarten ist –, will die Nachbarschaft Klage beim Verwaltungsgericht erheben.

An diesem Dienstag trafen sich Sabine Münz und zwei weitere Nachbarinnen mit dem Leiter des Fachbereichs Städtebau, Franz Schürings, zum Gespräch. Es habe einen Austausch der Standpunkte, aber keine Annäherung gegeben, so Schürings. Inzwischen schreitet der Bau voran. Der Baukran steht schon.

Bildtext:
Sabine Münz setzt sich gegen die Bebauung des ehemaligen Pfarrgartens (im Hintergrund links) an der Heckerstraße zur Wehr.

Foto:
David Ebener
Autor:
Wilfried Hinrichs


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