User Online: 3 | Timeout: 10:43Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neue Wege der Mobilität
Zwischenüberschrift:
Professor fordert bei OLB-Forum Abkehr vom Privatauto-Verkehr
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Das bisherige Autoland Deutschland weitgehend ohne privaten Pkw-Verkehr? Ist so eine Vision überhaupt denkbar? Dieser Frage stellte sich Rammler, der als Professor am Institut für Transportation Design an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig forscht, jetzt auf Einladung der Oldenburgischen Landesbank (OLB) in der Osnabrück-Halle. Den Rahmen bildete die Veranstaltungsreihe OLB-Forum Wissen und Zukunft″.

Ich freue mich, dass wir heute ein zukunftsweisendes Thema haben und neueste Forschungserkenntnisse zur Mobilität von morgen erfahren″, sagte OLB-Vorstandschef Patrick Tessmann zur Begrüßung.

Die Einblicke des renommierten Wissenschaftlers er ist Soziologe, Wirtschaftswissenschaftler und Zukunftsforscher überraschten dann doch viele Besucher. Klar ist für ihn, dass die Mobilität, wie wir sie heute kennen, an ihre Grenzen kommt. Nicht nur ökologisch, sondern auch aus soziologischer Sicht sei ein Weiter so″ mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung nicht denkbar.

23 Stunden ungenutzt

Die westliche Idee vom Pkw als Privateigentum sieht Rammler vor dem Aus. Allein das gebundene Kapital in einem Fahrzeug, das statistisch gesehen 23 Stunden am Tag steht, könne sinnvoller genutzt werden, so der Experte. Beim Auto sieht er wie in vielen anderen Bereichen auch das Teilen als die Strategie der Zukunft. Sharing wird sich zumindest in den Städten sehr bald durchsetzen″, zeigte sich Rammler sicher.

Sein Lösungsansatz beruht einerseits auf der Elektrifizierung der Fahrzeuge, andererseits auf einer völligen Veränderung des Mobilitätsgedankens. Besonders letzterer Punkt sei wichtig, wenn Mobilität auf breiter Basis in Zukunft noch gelingen solle, betonte Rammler.

E-Auto ist auch ein Auto

In diesem Zusammenhang sieht der Experte auch die aktuelle Entwicklung kritisch, lediglich herkömmliche Verbrennungsmotoren durch Elektroantriebe zu ersetzen. Das verlagere das Problem nur. Aus ökologischer Sicht seien die weiterhin vorwiegend von Einzelpersonen genutzten Elektromobile keine große Verbesserung. Mit diesen Fahrzeugen gehe kein grundlegendes Umdenken einher.

Nach Rammlers Vorstellung könnte vor allem die konsequente Nutzung der Vernetzung eine neue Art der Mobilität befördern. Eine nahtlose Verbindung aus ÖPNV, Fahrrad und Mietwagen sei zumindest in den Metropolen schon jetzt denkbar und werde auch sukzessive umgesetzt.

Besondere Bedeutung kommt in Rammlers Verkehrskonzept dem Fahrrad zu, gerade auch weil es dank der Elektrisierung für breite Gesellschaftsgruppen zugänglich werde. Forschungsergebnisse hätten bewiesen, dass Städte, die größtenteils auf Pkw-Verkehr verzichteten, keine Einbußen im Einzelhandel zu befürchten hätten. Ganz im Gegenteil, wie das Beispiel Kopenhagen zeigt.″

Für ländliche Regionen schlägt Rammler eine Übergangslösung vor. Hier könnte eine kombinierte Technologie zum Einsatz kommen: Ein Elektromotor mit Batterie und einem kleinen Verbrenner für die Reichweitenverlängerung.″ Die weitere Zersiedelung sollte laut Rammler dennoch eingeschränkt werden. Berufspendler und moderne Mobilität das sei nur schwer in Einklang zu bringen.

Büro auf der Straße

Keine Zukunft sieht Rammler für automatisierte Fahrzeuge für den Privatverkehr. Neben den vielen noch ungelösten technischen Problemen verändere sich hier ebenfalls nichts an der Mobilität an sich. Da wird dann das Büro auf die Straße verlagert, und die Menschen nehmen noch weitere Wege in Kauf.″ Eine wirkliche Chance für die Automatisierung gebe es im Bereich der Logistik.

Von Regierungsseite wünscht sich Rammler eine lenkende Funktion und den Willen und Mut zu einem Neuanfang. Die Digitalisierung lasse sich wie schon die industrielle Revolution Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr einfangen oder kontrollieren. Wir müssen lernen, diese Welle, die da auf uns zukommt, zu reiten.″

Bildtext:
Jeder Bürger fährt sein eigenes Auto? Geht es nach Professor Dr. Stephan Rammler, ist dieses Konzept überholt und sollte schleunigst ad acta gelegt werden.

Foto:
Robert Schäfer
Autor:
rs


Anfang der Liste Ende der Liste