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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Inklusionsschulen gehören abgeschafft″
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zu den Leserbriefen von Sonja Wielebinski und Martin Negel Falscher Eindruck der Inklusion? (Ausgabe vom 15. November).

Kürzlich von Berlin nach Bramsche umgezogen, habe ich in Berlin als langerfahrener Jugendarzt an einem Programm der Ärztekammer: , Ärztliche Begleitung von Schulklassen′ teilgenommen und folgende Erfahrungen gemacht:

1. Über zwei Jahre eine 7.–9. Klasse einer (Vorzeige-) Hauptschule: Die Klasse bestand aus 15 Schülern: sechs deutsche, davon drei intelligente ehemalige Gymnasiasten, die wegen Verhaltensstörungen über die Realschule zur Hauptschule , durchgereicht′ wurden, zusammen mit drei sehr willigen Lernbehinderten Jugendlichen, die zur Integrierten Hauptschule , hochgestuft′ wurden. Letztere wollten gern und unbedingt etwas lernen. Diese sechs Deutschen zusammen sinnvoll zu unterrichten, ist eine massive Herausforderung, sollen alle auf ihre Kosten kommen: kaum zu leisten. Aber: Diese sechs Jugendlichen waren zusammen mit neun Migrantenkindern aus acht verschiedenen Nationen, von denen ein Schüler ausreichende Deutschkenntnisse hatte.

Fazit: Zwei Lehrer pro Stunde erreichten praktisch nichts. Herausgeworfenes Geld. Die Hauptschulen waren dem Staat circa dreimal so teuer wie Gymnasien. Sinn?

2. Berlin hat dann die Hauptschulen in ihren massiven Problemen einfach aufgelöst und mit den Realschulen fusioniert als , Gemeinschaftsschulen′. Die Realschüler, so wurde ideologisch argumentiert, sollten die Hauptschüler anregen und ihnen helfen. Das Gegenteil wurde der Fall. Nun bereiteten auch die Realschüler massivere Probleme und lernten wesentlich weniger als zuvor, was den Schulsenat nicht oder kaum interessierte, Hauptsache, , das Problem Hauptschule war auf dem Papier und in der Statistik beseitigt′. Der reinen Ideologie war Genüge getan.

3. Einladungen als Arzt in die 9. Klassen einer Inklusionsschule zwecks dringend notwendiger Sexualaufklärung. (Die Kenntnisse auf diesem Gebiet sind übrigens auch in Oberstufenkursen bis in Bio-Leistungskurse von Gymnasien katastrophal schlecht. Das dürfte im Osnabrücker Land aus meiner neuen Erkenntnis nicht besser sein. Interessiert das aber irgendjemanden? In dieser Schule saßen unterschiedlich bis hochintelligente Schüler/- innen mit körperlich wie geistig behinderten Schülern/- innen vereint.

Weder hatten die geistig Behinderten (in einem Fall drei ganz liebe, hoffnungslos überforderte, aber durchaus gut förderungsfähige Kinder mit Downsyndrom) eine reale Chance, noch die hochintelligenten, ihren Gaben entsprechend gefördert zu werden. […] Als Arzt hat mich dort die Wut über so viel Unverstand der verantwortlichen Politiker wie auch Lehrer gepackt. Frage an Herrn Negel in Ihrem Beitrag vom 15. November, ob er jemals an Inklusionsschulen selbst unterrichtet hat? Es ist kaum denkbar, sonst würde er nicht in offensichtlich absoluter Unkenntnis der Lage der Lehrer derart törichtes Zeug zusammenschreiben. Wie sollen Lehrer bei dieser Besetzung auch noch Sonderförderungen schaffen? Ideologisch theoretisiert lässt sich alles verkünden. Wir brauchen aber Sachverstand. Die Lehrerin Sonja Wielebinski lässt mit jedem Satz Sachverstand erkennen. Aber wer hört auf sie? Chancengleichheit bedeutet: Förderung möglichst individuell gemäß gegebener Begabung. Dass wir davon extrem weit weg sind mit unseren personell wie einrichtungsrelevanten Ausstattungen der Schulen, bezweifelt kein echter Pädagoge.

Der Wunsch nach besserer Förderung sozialer Kontakte der behinderten mit nicht behinderten Kindern (Schüler/- innen) ist natürlich gut und sehr berechtigt, kann doch aber unmöglich in rein kognitiven Fächern erfolgen. Dort fördert er viel mehr den Unwillen intelligenter Unbehinderter gegen besonders die geistig Behinderten, weil sie von denen naturgemäß ständig beeinträchtigt werden. Förderung sozialer Kontakte lässt sich durchaus erreichen in praktischen Fächern wie Sport und Spiel oder Musik und Kunst, in Bio-Gärten etc. Sie kann aber unmöglich im normalen Schulbetrieb erfolgen, allenfalls bei geschickten und vor allem auch spezifisch ausgebildeten Pädagogen mit sehr kleinen Klassenfrequenzen.

Auch dies liegt sehr im Argen, weil unter vielen Dozenten der Hochschulen (im Gegensatz zur früheren DDR, ich selbst bin ein Wessi!) viele sind, die keinerlei eigene Unterrichtserfahrung in Schulen haben, diese also auch höchstens theoretisch weitergeben können, was natürlich viel Unsinniges beinhaltet. Wenn man dann noch bedenkt, dass durch die föderale Kleinstaaterei 16 verschiedene Schulbildungssysteme existieren, fragt man sich, wo die Schulpolitiker eigentlich ihre Verantwortungsfähigkeit entsorgt haben […], um statt Ideologien Sachverstand zugunsten der Kinder und Jugendlichen walten zu lassen. Fazit: Inklusionsschulen gehören sofort abgeschafft!

Dr. med. Christoph Hilsberg

Bramsche

Bildtext:
Förderung sozialer Kontakte der behinderten mit nicht behinderten Kindern ist gut und sehr berechtigt.

Foto:
dpa
Autor:
Christoph Hilsberg


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