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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
1800 Unterschriften für zwei Lehrerinnen
 
Was Sprachlernklassen leisten
Zwischenüberschrift:
Sprachförderunterricht für Migranten an den Gymnasien Rats und EMA auf der Kippe
 
Unterricht am Ratsgymnasium bald ohne Fachkraft?
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Lehrer, Schüler und Eltern protestieren: Zwei Sprachförderlehrerinnen am Ratsgymnasium und am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium bangen um ihren Job, weil ihre Verträge nicht verlängert wurden.

Osnabrück. Den Schülern am Osnabrücker Rats- und am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium reicht es. Sie haben 1800 Unterschriften für ihre Lehrerinnen Bianca Mischnick (Rats) und Katja Gromes (EMA) gesammelt, die sie unbedingt an ihren Schulen behalten wollten.

Die beiden Lehrerinnen unterrichten seit zwei Jahren an ihren jeweiligen Schulen Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Dort sind sie hoch anerkannt, denn sie leisten wertvolle Integrationsarbeit, auf die weder ihre Kollegen noch die Schüler und Eltern verzichten wollen. Der Haken: Die Arbeitsverträge der beiden sind befristet, die Befristung läuft am 30. November (Mischnick) und am 17. Dezember (Gromes) aus.

Das Ratsgymnasium, an dem Bianca Mischnick eine Sprachlernklasse unterrichtet, weiß bis heute nicht, was es ab dem 1. Dezember mit den 14 Schülern machen soll, denen Mischnick Deutsch beibringt. Genehmigt ist die Sprachlernklasse bis zum Ende des Schuljahres im kommenden Sommer. Am Freitagnachmittag teilte das Niedersächsische Kultusministerium unserer Redaktion auf Anfrage immerhin mit, dass in Mischnicks Fall eine Einstellung als Quereinsteigerin möglich sei. Sie könne aufgrund ihres im Ausland absolvierten Lehramtsstudiums unbefristet weiterbeschäftigt werden als Deutschlehrerin, wenn bestimmte Studienleistungen nachgereicht werden.″ Aber was passiert in der Zwischenzeit mit ihrer Klasse? Diese Frage blieb offen.

Im Fall von Mischnicks Kollegin Katja Gromes, die zugewanderten Schülern am EMA Sprachförderunterricht erteilt, wollte sich Niedersachsens Landesvater bereits im Frühsommer höchstselbst für eine Weiterbeschäftigung einsetzen. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), am Mittwoch frisch im Amt bestätigt, war schon am Rande der Preisverleihung zum Deutschen Schulpreis von EMA-Schulleiter Hartmut Bruns auf den Fall der DaZ-Lehrerin angesprochen worden. Laut Bruns sicherte Weil seinerzeit zu, sich um den Fall zu kümmern. Seitdem sind eine Landtagswahl und Koalitionsverhandlungen ins Land gegangen aber noch keine abschließende Antwort aus der Staatskanzlei hat das EMA erreicht.

Schüler setzen sich ein

Um Schwung in den Prozess zu bringen, haben Schüler, Elternvertreter und Rektoren von Rats und EMA am Freitagvormittag in der Landesschulbehörde eine Unterschriftenliste übergeben. Etwa 1800 Unterschriften hatten die Schüler gesammelt. Wir hoffen, dass Sie sich für Katja Gromes einsetzen werden″, sagte Eike Freisel, Schülersprecher am EMA. Es ist dringend erforderlich, dass Frau Mischnik bleibt″, betonte Christoph Ellrich, Schülervertreter des Ratsgymnasiums.

Wir wissen auch, dass die Sprachförderung wichtig ist″, sagte Silvia Pünt-Kohoff von der Regionalabteilung der Landesschulbehörde, die die Unterschriften entgegennahm. Es ist enorm, was in den Schulen geleistet wird, und auch von diesen beiden Mitarbeiterinnen.″ Aber: Es ist hochschwierig und nicht einfach. Wir sind an die Gesetze gebunden.″ Den Schülern riet sie, sich weiterhin zu engagieren.

Unserer Redaktion teilte das Kultusministerium am Freitagnachmittag dann mit, dass für Gromes unter den aktuellen Regelungen bedauerlicherweise keine Weiterbeschäftigung als Quereinsteigerin möglich″ sei, unter anderem, weil kein Lehramtsstudium vorliege. Das ist kein Ja, aber auch kein Nein: Die Landesschulbehörde wurde beauftragt, hier zu unterstützen, damit es zu einer positiven Lösung kommt″, heißt es weiter aus dem Kultusministerium. Alle Chancen zur Weiterbeschäftigung sollen genutzt werden. Aus Sicht des Landes besteht höchstes Interesse, dass gutes Personal an den Schulen verbleibt.″ Die neue Landesregierung wolle Möglichkeiten aufzeigen, wie der Quereinstieg besser und schneller gelingen und gleichzeitig die Qualität gesichert werden kann.″

Die Große Koalition aus SPD und CDU hatte schon in ihrer Koalitionsvereinbarung den Willen bekundet, die bereits geschaffenen rund 1000 Stellen für die Sprachförderung [zu] entfristen. Bis zum Erreichen einer auskömmlichen Unterrichtsversorgung wollen SPD und CDU so viele Lehrkräfte einstellen wie möglich.″

Osnabrück. Als 2015 Hunderte Flüchtlinge nach Osnabrück kamen, wurden für die Kinder an verschiedenen Schulen Sprachlernklassen eingerichtet. Einige sind mittlerweile wieder aufgelöst worden, die am Ratsgymnasium besteht weiterhin wer sie ab dem 1. Dezember unterrichten soll, ist allerdings unklar.

Ohne Deutschkenntnisse dem normalen Schulunterricht zu folgen ist für Flüchtlingskinder kaum möglich. Sie müssen zuerst die Sprache lernen. Deshalb hat das Land vor zwei Jahren Sprachlernklassen an Grund- weiterführenden und Berufsschulen ins Leben gerufen.

Die Osnabrücker Sprachförderlehrerin Bianca Mischnick ist prädestiniert für den Job. In ihrer Heimat studierte die Ungarin Deutsch und Germanistik auf Lehramt und unterrichtete an einem Gymnasium. Das Leben führte sie 1999 nach Deutschland, wo sie zunächst noch ein BWL-Studium absolvierte und in der Marktforschung arbeitete. Als die Sprachlernklassen ins Leben gerufen wurden, war das ihre Chance, wieder in den Beruf zurückzukehren, den sie liebt. Sie übernahm die Sprachlernklasse, die am 1. Dezember 2015 am Ratsgymnasium eingerichtet wurde. Zurzeit unterrichtet sie 14 Kinder des fünften und sechsten Schuljahres. Die Mädchen und Jungen kommen unter anderem aus Syrien, Afghanistan und Bulgarien. Je nach Lernfortschritt nehmen sie in einzelnen Fächern wie Sport, Musik und Kunst, bereits teil am Regelunterricht. Nach einem bis anderthalb Jahren entscheidet sich, auf welche Schulform sie wechseln können. Einige blieben direkt am Rats.

Ich komme selbst aus einem anderen Land″, sagt Mischnick. Sie könne daher einerseits nachvollziehen, wie sich die Kinder und ihre Familien in Deutschland fühlen, andererseits bringt sie das didaktische Know-how mit. Ich habe da viel Herzblut hineingesteckt″, sagt die 44-Jährige.

Am 30. November endet Mischnicks Arbeitsvertrag, der bereits einmal verlängert worden war. Einer erneuten Verlängerung hat die Landesschulbehörde nicht zugestimmt. Für Mischnick begann das Hoffen und Bangen. Am Freitagnachmittag teilte das Niedersächsische Kultusministerium unserer Redaktion auf Anfrage schließlich mit, dass Mischnick dank ihres Lehramtsstudiums im Ausland die Chance bekomme, als Quereinsteigerin einzusteigen. Sie könne unbefristet weiterbeschäftigt werden als Deutschlehrerin, wenn bestimmte Studienleistungen nachgereicht werden.″

Wie wichtig Fachkräfte wie Mischnik für die Integration sind, weiß kaum einer so gut wie Gabriele Grosser. Sie ist bei der Stadt Osnabrück tätig für die RAZ, die Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien. Dorthin wenden sich Familien nach ihrer Ankunft in Deutschland, von dort aus werden die Kinder auf die Sprachlernklassen verteilt. RAZ, die Schulen und die Landesschulbehörde stimmen gemeinsam ab, wo die Klassen eingerichtet werden. Im November 2015 gab es in Osnabrück 23 Sprachlernklassen, in denen zwischen elf und 16 Schüler unterrichtet werden abgekoppelt vom Unterricht in den übrigen Klassen.

Das Land reduzierte wegen gesunkener Flüchtlingszahlen die Sprachlernklassen zum Beginn des Schuljahres 2017/ 18 von 700 auf etwa 330. In Osnabrück gibt es jetzt noch 15. Das korrespondiere durchaus mit den Flüchtlingszahlen, sagt Grosser. Kamen 2016 noch 456 Kinder neu in die Stadt, waren es in diesem Jahr bislang 268. Das bedeute aber nicht, dass der Bedarf an Förderunterricht in Deutsch als Zweitsprache (kurz: DAZ) sinke, betont Grosser. Denn die Kinder aus 2016 und 2015 (da waren es 350) sind ja immer noch da. Zusammengerechnet werden also mehr als 1000 Kinder an Osnabrücker Schulen unterrichtet, die nicht länger als drei Jahre im Land sind, rechnet Grosser vor und im Zuge der Familienzusammenführung dürften es demnächst noch mehr werden. Wir als Stadt sind überzeugt davon, dass Sprachlernklassen ein gutes Einstiegsszenario für Zuwandererkinder sind″, so Grosser.

Bildtext:
Sie wollen, dass ihre Sprachförderlehrerinnen bleiben: Die Unterschriften überreichen die Schüler des Rats- und Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums an Silvia Pünt-Kohoff von der Regionalabteilung der Landesschulbehörde.

Der Spracherwerb ist zentral für die Integration.

Foto:
Jörn Martens, dpa
Autor:
Dietmar Kröger, Sandra Dorn, Anne Köstner


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