User Online: 1 | Timeout: 01:54Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Asbest-Baustelle wird gesäubert
 
Asbest: Wie das Teufelszeug vom Westerberg verschwindet
Zwischenüberschrift:
Transport des verseuchten Bauschutts ist teuer und kompliziert
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Sie tragen Schutzanzüge und dürfen ihren Arbeitsplatz nur durch eine Schleuse verlassen: Mitarbeiter eines Meller Abrissunternehmens haben mit dem Abtransport des verseuchten Bauschutts an der Muesenburg begonnen.

Vier Monate lang war der asbestverseuchte Bauschutt an der Muesenburg in Osnabrück nur provisorisch mit einer blauen Folie abgedeckt. Jetzt hat eine Spezialfirma mit dem komplizierten und teueren Abtransport begonnen.

Osnabrück. Eigentlich hätte das Grundstück am Westerberg längst abgeräumt sein sollen: Bereits im Juli begann an der Muesenburg der Abriss einer 50er-Jahre-Villa. Doch die Stadt Osnabrück legte die Arbeiten nach Hinweisen der Nachbarn kurzerhand still. Im Dämmmaterial des Baus fand die Behörde die krebserregende Faser Asbest. Anstatt die Teile fachgerecht zu entsorgen, hatte das beauftragte Abrissunternehmen aus Cuxhaven das Material einfach mit dem übrigen Bauschutt zusammengeschoben.

100 Säcke, 1000 Tonnen

Auf dem Gelände arbeiten jetzt Männer mit Atemmasken und in Schutzanzügen. Sie gehören zur Firma Wesseler aus Melle, die das Grundstücks vom Asbest säubern soll. Dazu werden der verseuchte Bauschutt und die oberen 15 Zentimeter des Erdreichs abgetragen, das ist die Vorgabe des städtischen Fachbereichs für Umwelt und Klimaschutz. Das Material wird in Container verladen, die mit verschließbaren Kunststoffsäcken, sogenannten Big Bags, ausgekleidet sind. Durch sie dringt keine Faser nach außen. Sie werden in eine Deponie in Nordrhein-Westfalen gebracht und dort endgelagert″, so Kogge.

Etwa 100 solcher Säcke, so schätzt er, wird er an der Muesenburg füllen. Das entspreche zwischen 800 und 1000 Tonnen Gewicht. Genau wird es Kogge aber erst wissen, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind. Deshalb will er sich auch bei der Bezifferung der Kosten für die Entsorgung nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Nur so viel: Wir werden die 100 000 Euro möglicherweise sogar noch überschreiten.″

Davon geht auch Detlef Gerdts vom städtischen Fachbereich für Umwelt und Klimaschutz aus. Nach seinen Angaben kommt der Osnabrücker Bauschutt ins Entsorgungszentrum Pohlsche Heide in Minden-Lübbecke. Laut der Internetseite sind dort allein für die Einlagerung asbesthaltiger Baustoffe 71, 40 Euro pro Tonne fällig. Dazu kommen ja noch die Arbeitskosten, der Transport und die eingesetzten Geräte″, weiß Gerdts. Im Vergleich zu einem normalen Abbruch steigen die Kosten da schnell um den Faktor zehn.″

Das liegt an dem enormen Aufwand, den die Firma Wesseler betreiben muss, um die eigenen Mitarbeiter und die Umwelt vor den Asbestfasern zu schützen: Alle Arbeiter müssen die Baustelle durch eine Schleuse betreten und verlassen. Sie ist in einem Container untergebracht, der in drei Kammern unterteilt ist. In der ersten legen die Arbeiter, die aus dem kontaminierten, sogenannten Schwarzbereich kommen, ihre verschmutze Kleidung ab. In der zweiten müssen sie duschen, in der dritten Kammer, der Schleuse in den Weißbereich, können sie sich saubere Kleidung anziehen und diese in die nicht-kontaminierte Umwelt verlassen.

Das Gewerbeaufsichtsamt hat die Schleuse vor Beginn der Arbeiten extra abgenommen. Auf der Baustelle wird ein spezieller Bagger eingesetzt, der den Fahrer in seiner Kabine mit Druckluft von den giftigen Fasern in der Umgebung abschirmt. Wenn die Arbeiten beendet sind, muss das Baufahrzeug wie der Schleusencontainer mit Wasser und einem Restfaserbindemittel vom Asbest befreit werden.

Wer bezahlt das?

Die Rechnung übernimmt vorerst der Bauherr und Besitzer des Grundstücks, der dort einen Neubau errichten will. Der IT-Unternehmer kündigte gegenüber unserer Redaktion an, dass er sich das Geld auf zivilrechtlichem Weg wieder zurückholen werde. Er wolle das Architekturbüro verklagen, das nach seiner Darstellung den unsachgemäßen Abriss zu verantworten hat. Und auch gegen das Abbruchunternehmen, das sich nicht an die Entsorgungsvorschriften gehalten hatte, werde er gerichtlich vorgehen.

Daneben könnte der Pfusch auch noch strafrechtliche Konsequenzen haben. Die Osnabrücker Polizei ermittelt in der Sache wegen des Verdachts der Baugefährdung 319 StGB). Im Fokus der Ermittlungen stehe derzeit der Abrissunternehmer aus Cuxhaven, bestätigte ein Sprecher unserer Redaktion. Derzeit vernehme die Polizei Zeugen und behalte sich auch vor, Verträge und Akten zu beschlagnahmen. Da die Ermittlungen noch laufen, sei nicht auszuschließen, dass auch der Bauherr noch belangt werde.

Und auch Detlef Gerdts sieht den Bauherrn in der Pflicht. Allgemein formuliert er: Eigentlich sollte ein Abrissunternehmen darauf schauen, ob in einem Gebäude Asbest verbaut wurde. Aber der Eigentümer kann sich nicht darauf verlassen.″ Eine Genehmigungs- oder Anzeigepflicht für Abrissarbeiten gebe es in Niedersachsen nicht. Oft erfahre seine Behörde deshalb nur durch Zufall, wenn ein Gebäude ohne Sicherheitsmaßnahmen abgerissen werde. Und es komme auch schon mal vor, dass Deponien die Lagerung von verseuchtem Bauschutt ablehnen. Ich rate Bauherren deshalb dringend dazu, auf Asbest zu achten″, so Gerdts. Sein Fachbereich stehe für Fragen zur Verfügung, außerdem fänden Bürger auf der Internetseite der Stadt dazu ein Merkblatt.

Für das Grundstück an der Muesenburg kommt dieser Appell zu spät. Bis Ende nächster Woche wollen Josef Kogge und sein Team die Baustelle sauber″ hinterlassen. Dann steht noch eine Abnahme durch das Umweltamt an. Dabei werden auch Proben genommen. Wenn die negativ ausfallen, kann der Abbruch der Villa fortgesetzt werden.

Bildtext:
Der asbestverseuchte Bauschutt an der Muesenburg wird aufwendig entsorgt.

Foto:
Michael Gründel
Autor:
lori/rll


Anfang der Liste Ende der Liste