User Online: 2 | Timeout: 21:16Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Hasestraße ist etwas feiner geworden
Zwischenüberschrift:
Ein Jahr nach der Umgestaltung: Ein Quartier blüht auf
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Neues Pflaster, neue Leuchten, neue Geschäfte: Vor einem Jahr wurde die Hasestraße nach sechsmonatiger Umbauphase wieder freigegeben. Mit der behutsamen Runderneuerung hat sich einiges verändert. Ganz klar zum Besseren, wie Geschäftsleute und Passanten meinen.

Osnabrück. Aus dem einstigen Hinterhof der Innenstadt ist eine angesagte Adresse geworden. Ladenlokale, die jahrelang leer standen, werden von neuen Mietern schick herausgeputzt. Wer Espressomaschinen, Dampfer, also E-Zigaretten, Indie- oder Metal-Schallplatten in die Hand nehmen will, findet zwischen dem Löwenpudel und der Angers-Brücke das passende Fachgeschäft.

Auch gastronomisch blüht die Hasestraße auf. In der Nachbarschaft von Traditionsgaststätten wie Holling und dem Schmalen Handtuch werden französische Hausmannskost, chinesische Wokgerichte und Edelfritten angeboten. Und aus einem alten Supermarkt ist die Galerie hase29 geworden, ein Treffpunkt der Kunstszene.

Doch gleich offenbart sich ein letzter Schandfleck, der die überall spürbare Aufbruchstimmung bitter konterkariert. Die Eingänge der früheren Peepshow im Haus Nr. 31 sind noch immer mit groben Holzfaserplatten verrammelt, so als wolle sich der Inhaber vor einem Wirbelsturm oder Plünderern schützen. So sahen noch vor wenigen Jahren viele Fassaden aus. Es war die Zeit, als der Niedergang der Hasestraße nicht mehr aufzuhalten schien.

Ja, es gibt noch einzelne Leerstände zwischen dem Löwenpudel und der Angersbrücke, aber wer mit Maklern und Geschäftsleuten spricht, bekommt sofort zu hören, dass die Ladenlokale längst vermietet wären, wenn deren Eigentümer nur ein klitzekleines Fünkchen Engagement in ihre Immobilie gesteckt hätten.

Nicht alle zahlten

Immerhin hat sich das Engagement derer gelohnt, die sich vor einem Jahr an den Kosten der Umgestaltung beteiligt haben. Die Stadt ließ sich auf ein neues Betonsteinpflaster für die Gehwege und moderne LED-Leuchten anstelle der ungeliebten Kugellaternen ein, allerdings nur unter der Auflage, dass die Straßengemeinschaft die Hälfte der kalkulierten Kosten von 350 000 Euro übernimmt.

Die lokalen Vermieter und Inhaber der überwiegend kleinen Geschäfte kratzten das Geld zusammen, während sich die Eigentümer der größeren Immobilien und die Filialisten fein heraushielten. Dass der Umbau am Ende 100 000 Euro teurer wurde, nahm die Stadt auf ihre Kappe.

Mit ihrem neuen Gewand konnte die Hasestraße endgültig in ihre neue Rolle schlüpfen, dabei hatte die Wiederbelebung schon vorher eingesetzt. Es hat sich gelohnt″, sagt Mai Thi Xuan Vu, die vor einem Jahr ein kleines Nagelstudio eröffnet hat. Heute kämen mehr Passanten als vor der Umgestaltung. Zufrieden ist auch Thomas Bolte, der Inhaber vom Schuhhaus Sunderdiek. Nach der langen Bauphase habe sich das ganze Erscheinungsbild gewandelt, es sei schöner und moderner geworden. Und seitdem lasse sich auch mehr Kundschaft in der Hasestraße blicken.

Nicht nur die Frequenz hat Andrea Borgstädde, seit 37 Jahren Inhaberin des Salons Die Friseure″, im Blick. Nach ihrer Beobachtung ist das Publikum auch ein bisschen feiner geworden. Und das bekomme der Hasestraße gut. Was sie jetzt noch stört, ist das Dröhnen der Dieselbusse: Da wackeln schon mal die Kaffeetassen im Geschäft!

Ihr Nachbar Johannes Lessner, der den Kiosk Lucky-Shop″ betreibt, hat auch eine Lösung anzubieten: Die X-Busse könnte man außen rumfahren lassen, die halten hier gar nicht″. Wer nachfragt, bekommt weitere Kritikpunkte zu hören. Zum Beispiel, dass zu schnell gefahren werde, dass die hochgelobten LED-Leuchten nur ein schummriges Licht abgäben und dass die neuen Betonsteinplatten auf den Gehwegen an einigen Stellen arg verschmutzt seien.

Mit jedem Pflaster gebe es gelegentlich Probleme, räumt Jürgen Schmidt vom Fachdienst Straßenbau der Stadt ein. Getränke oder Pommes frites könnten hässliche Flecken hinterlassen, die der Regen aber wieder wegspüle. Er wünsche sich, dass die Gastronomiebetriebe stärker darauf achten. Und die LED-Leuchten? Die seien subjektiv dunkler, weil sie ein anderes Licht abgeben, meint der Fachmann. Aber die Ausleuchtung liege eindeutig über der DIN-Norm.

Total gedreht″

Bert Karrasch von der Werbe- und Interessengemeinschaft gibt sich damit zufrieden. Nach seiner Ansicht ist die Hasestraße mit der Umgestaltung zukunftsfähig geworden. Das Negativ-Image habe sich total gedreht, wie der bevorstehende Umzug des Friseursalons Pure Hair″ ins ehemalige Schuhgeschäft Goldbecker zeige. Eine klare Ansage sieht Karrasch auch darin, dass ein Maklerbüro von der Lohstraße an die Hasebrücke gezogen ist.

Maklerin Jana Hirschfeld bezeichnet die Hasestraße als eine der kreativen Straßen″ Osnabrücks. Hier seien die Mieten noch bezahlbar für kleine Modegeschäfte und Gewerbeeinheiten, die sich probieren″. So werde ein junges Publikum angezogen, das weniger wohlhabend und weniger konservativ, aber dafür individueller sei. Was sie stört, ist der Verkehr einschließlich der Busse. Die Hasestraße, meint Jana Hirschfeld, wäre das ideale Pflaster für Shared Space eine Zone, in der langsam und rücksichtsvoll gefahren wird, weil kein Verkehrsteilnehmer auf seine Vorfahrt pochen kann. Sondern die Verständigung mit den anderen suchen muss.

Bildtexte:
Es hat sich gelohnt″, sagt Mai Thi Xuan Vu, die vor einem Jahr ein Nagelstudio eröffnet hat. Heute kämen mehr Passanten in die Hasestraße als vor der Umgestaltung.

Die Eingänge der früheren Peepshow im Haus Nr. 31 sind noch immer mit groben Holzfaserplatten verrammelt, so als wolle sich der Inhaber vor einem Wirbelsturm oder Plünderern schützen.

Man sieht gar nicht, dass das eine Tempo-30-Zone ist″, kritisiert Alexander Schröder, der das Café bei Schock Records″ betreibt.

Fotos:
Michael Gründel
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste