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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Friedhöfe werden zum Millionengrab
 
Friedhöfe werden zum Millionengrab
Zwischenüberschrift:
Veränderte Bestattungskultur treibt in Osnabrück die Gebühren in die Höhe
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Originaltext:
Osnabrück. Die Friedhöfe in der Stadt drohen zu einem Millionengrab zu werden. Weil sich immer mehr Menschen nach dem Tod einäschern lassen, wird das Gebührenloch jährlich größer. 2018 steigt das Defizit auf 1, 2 Millionen Euro.

Die Friedhöfe in Osnabrück drohen zu einem Millionengrab zu werden. Weil sich immer mehr Menschen nach dem Tod einäschern lassen, wird das Gebührenloch jährlich größer. Im kommenden Jahr steigt das Defizit auf 1, 2 Millionen Euro.

Osnabrück. Die klassische Erdbestattung kommt aus der Mode. Immer mehr Menschen wählen für sich oder ihre verstorbenen Angehörigen die Einäscherung im Krematorium. Der Trend ist eindeutig″, sagte Axel Raue, Leiter des Osnabrücker Service-Betriebs (OSB), in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses. Vor fünf Jahren seien noch etwa 50 Prozent der Verstorbenen kremiert worden, aktuell liege der Anteil bei über 70 Prozent. Ein Grund dürfte sein, dass Einäscherung und Urnenbestattung deutlich weniger kosten als eine Erdbestattung und die anschließende Grabpflege.

Hinzu kommt die Konkurrenz von außen. In den Umlandgemeinden liegen die Friedhofsgebühren deutlich niedriger als in der Stadt, was manche Angehörige dazu veranlasst, ihre Lieben außerhalb der Stadtgrenzen zu Grabe zu tragen. Urnenbestattungen unter Bäumen sind auf Osnabrücker Friedhöfen möglich. Aber auch in Bramsche, Bad Essen und Bissendorf-Holte entstanden in den vergangenen Jahren Friedwälder, wo Urnen naturnah beigesetzt werden können. Auch das Kolumbarium in der ehemaligen Kirche zur Heiligen Familie auf dem Schölerberg ist stark nachgefragt.

In Zahlen: Jährlich sterben etwa 1650 Menschen in Osnabrück (ein Prozent der aktuellen Einwohnerzahl). Die Anzahl der jährlichen Bestattungen auf städtischen Friedhöfen liegt nach Angaben des OSB bei rund 1500 und ist in der Tendenz weiter abnehmend.

Die Gebühreneinnahmen decken die tatsächlichen Kosten bei Weitem nicht. Die Lücke schließt die Stadt aus ihrem Kernhaushalt. Vor fünf Jahren lag der städtische Zuschuss bei knapp 700 000 Euro, sank danach auf unter 500 000 Euro. Ab 2015 stieg die Kurve wieder steil an und überschritt im vergangenen Jahr erstmals die Millionengrenze. 2018 wird der Steuerzahler das Gebührendefizit mit 1, 2 Millionen Euro ausgleichen müssen.

Wollte der Service-Betrieb kostendeckende Friedhofsgebühren erheben, müssten diese für Urnenbestattungen um 48 Prozent und für Erdbestattungen um 55 Prozent steigen. Das kann keiner von uns hier ernsthaft wollen″, sagte SPD-Fraktionschef Frank Henning im Finanzausschuss. Und die anderen Ausschussmitglieder nickten. OSB-Chef Raue äußerte die Befürchtung, dass mit einer Gebührenerhöhung eine Spirale in Gang gesetzt würde. Der Abwanderungstrend nähme zu, die Einnahmen würden weiter sinken.

Mehr Platz zum Wohnen?

CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde regte an, erneut alle Friedhofserweiterungsflächen in der Stadt in den Blick zu nehmen und zu prüfen, ob sie als Bauland vermarktet werden könnten. Am Waldfriedhof Dodesheide und in Eversburg hat die Stadt dadurch Platz für Wohnungen gewonnen. Stadtbaurat Frank Otte sieht kein weiteres Potenzial: Ich habe mir mit Herrn Raue die Friedhöfe angeschaut, aber da gibt es aus unserer Sicht nichts mehr.″ OSB-Chef Raue sagte, er halte es auch für denkbar, ehemalige Friedhofsflächen langfristig in Bauland zu verwandeln. In Berlin gebe es solche Modelle.

Bildtext:
Die Erdbestattung wird in Osnabrück zum Auslaufmodell. Das hat Folgen für die Gebührenordnung und die Friedhöfe selbst.

Foto:
David Ebener

Kommentar:

Tabu brechen

Die Politik nimmt es offenbar als gegeben hin, dass Jahr für Jahr mehr Geld aus dem Haushalt ins Friedhofswesen fließt. In der Tat sind ihre Handlungsmöglichkeiten begrenzt. Welche Antwort soll sie also geben auf den Trend weg von der Erdbestattung und hin zur Einäscherung: Die Gebühren erhöhen? Das würde die Abwanderung zusätzlich verstärken. Den Pflegestandard senken? Das würden die Friedhofsbenutzer nicht akzeptieren.

Herkömmliche Instrumente greifen nicht, denn was hier passiert, ist ein tiefer Umbruch in der Bestattungskultur, der die Friedhöfe in allen Kommunen dramatisch verändern wird. Aus Friedhöfen werden Parks, aus Erweiterungsflächen Bauplätze. Und auch der nächste Schritt muss ernsthaft zu Ende gedacht werden: die Bebauung früherer Bestattungsflächen. Heute noch ein Tabu, in zehn Jahren vielleicht gesellschaftlich akzeptiert.

Sicher ist: Die Kommunen müssen kreativ werden oder immer tiefer in die Tasche greifen.
Autor:
hin


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