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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Über die Einstellung der Bewohner hinaus relevant
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel „, Vergangenheit hin oder her′ Viele Anlieger der Carl-Diem-Straße wollen Straßennamen behalten″ (Ausgabe vom 4. November).

Zweierlei war mindestens auffällig bei der von der Stadtverwaltung in sehr kompetenter und umfassender Weise durchgeführten Informationsveranstaltung zur Frage der Umbenennung der Carl-Diem-Straße im Stadtteil Wüste.

Auffällig war einerseits, wie gering das Interesse der Bürger/- innen aus der Straße, dem Stadtteil und der Stadt Osnabrück war. Es waren im Wesentlichen nur Ablehner und sie waren wortführend in der Tat überwiegend männlich der Umbenennung anwesend, die sich in teilweise schon grenzwertiger Form in die Diskussion einbrachten. Auch die Ratsparteien schienen an der Thematik kein sonderliches Interesse zu haben.

Carl Diem war in der NS-Zeit ein führender Sportfunktionär, der maßgeblich für die nahtlose Eingliederung der bis dahin eher demokratischen Sportstrukturen in die autoritäre obrigkeitshörige NS-Struktur verantwortlich war. Weiterhin war er kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges im Olympiastadion in Berlin noch der Redner, oder sollte man besser sagen , Antreiber′, für den , letzten Volkssturm′, bestehend aus alten Menschen und Jugendlichen zur Verteidigung von Hitler und Nazi-Deutschland.

Wenig vorbildhaft ist weiterhin [. . .] die wendehälsische Fähigkeit, sich als Sportfunktionär an die jeweiligen politischen Verhältnisse von der Kaiserzeit über Weimarer Republik in die Nazi-Zeit und dann in die Bundesrepublik anzupassen und einzufügen.

Bei der Diskussion in der Informationsveranstaltung war erschreckend, dass dies den anwesenden Teil der Bewohner/- innen der Carl-Diem-Straße mit einer expliziten Ausnahme (bezeichnenderweise dann eine jüngere Frau) scheinbar nicht sonderlich störte.

Mit den Argumenten, dass man dies ja schon gewusst hätte, eigentlich auch nicht sonderlich interessiert und man lieber aus Bequemlichkeit den alten Namen beibehalten wollte, weil man sich an ihn gewöhnt habe, wurde sich gegen eine Umbenennung ausgesprochen. (Das sonst in diesem Zusammenhang immer wieder vorgebrachte finanzielle Argument spielte erstaunlicherweise in dieser Veranstaltung nur eine untergeordnete bis keine Rolle.)

Da half es auch nicht, wenn sich ein Teilnehmer noch als scheinbarer Vertreter des SPD-Ortsvereins darstellte und ob die CDU gut beraten ist, sich hier darauf zu beziehen, dass das Votum der Betroffenen ihnen wichtig ist, sei in Frage gestellt. Eine inhaltliche Bewertung sollte über die Einstellung der Bewohner/- innen der betroffenen Straße hinausgehend von Relevanz sein.

Die Carl-Diem-Straße liegt im Stadtteil Wüste, und in der direkten Nähe befinden sich eine Grundschule, ein Gymnasium, ein Landesgehörlosenzentrum, eine Universitätseinrichtung (Sportinstitut) und ein großer Sportverein. Bis auf die Grundschule dürften alle diese Einrichtungen mit ausländischen Schüler-ni-nnen, Studierenden, Sportlern/- innen etc. im Rahmen von Kontakten und Austausch zu tun haben. Wie will man diesen Menschen die Benennung einer Straße im direkten Umfeld dieser sozialen und pädagogischen Eineinrichtungen nach einer im Sportbereich führenden Stütze des NS-Regimes erklären? Diese Frage betrifft nicht nur die Bewohner der direkt betroffenen Straße, sondern den ganzen Stadtteil. […]″

Thomas Müller

Osnabrück
Autor:
Thomas Müller


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