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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Dem Dünger auf der Spur
Zwischenüberschrift:
Die Hochschule Osnabrück betreibt in Belm ein Modellprojekt zur Senkung der Nitratwerte im Wasser
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
In einem Modellprojekt in Belm untersucht ein Team der Hochschule Osnabrück die Auswirkungen von Dünger auf den Nitratgehalt des Wassers.

Belm. Die Ackerkrume ist seifig, an manchen Stellen haben sich Pfützen gebildet. Kein Wunder, dass Insa Kühling und Hermann Siuts Gummistiefel angezogen haben. Die haben wir immer dabei″, sagen beide. Sie betreuen ein Modell- und Pilotprojekt zur Reduzierung der Stickstoffdüngung im Wasserschutzgebiet Belm-Nettetal. Es geht letztendlich um die Senkung der Nitratbelastung im Trinkwasser.

Das Projekt liegt mitten im 980 Hektar großen Wasserschutzgebiet, umfasst knapp einen Hektar Anbaufläche, die Landwirt Dirk Bringewatt zur Verfügung gestellt hat. Das Team der Hochschule Osnabrück um Dr. Insa Kühling von der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur hat hier 99 Parzellen angelegt, auf denen all das gesät wurde und wird, was die Bauern in der Region so anbauen . Immer zwei Parallelparzellen werden unterschiedlich gedüngt, einige gar nicht, andere mit Mineraldünger pur, andere mit Gülle und Mineraldünger, wieder andere mit Gülle pur.

Die Düngergaben richten sich nach der neuen Düngeverordnung. In Wasserschutzgebieten sind die zulässigen Gaben strenger und geringer als außerhalb . Das gilt nicht nur für die wissenschaftlichen Versuchsparzellen. Jeder Landwirt muss nach der Düngeverordnung die gesetzlichen Obergrenzen einhalten, die sich aus der Addition von Stickstoffvorrat im Boden und den Zugaben von Mineral- und/ oder Flüssigdünger ergeben.

Ob sich eine Beschränkung der Düngergaben tatsächlich auf den Nitratgehalt des Sickerwassers auswirkt, ist eine der offenen Fragen, die das Modellprojekt beantworten soll. Aber es geht letztendlich auch ums Geld. Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat eine trinkwasserschutzorientierte Düngung auf die Erträge , wie hoch müssen Ausgleichszahlungen sein, wenn die Ernteerträge zurückgehen?

Die Versuchsparzellen liegen in Sichtweite eines Trinkwasserbrunnens der Gemeinde Belm; das Wasserwerk ist 700 Meter entfernt. Hier wird das geförderte Trinkwasser zusammengeführt und auf die Nitratbelastung untersucht. Weil einige der elf Gemeindebrunnen immer noch den Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter überschreiten, muss das Trinkwasser gemischt werden, bevor es in Küchen und Badezimmer fließt, sodass in den Haushalten Trinkwasser in einwandfreier Qualität ankommt.

Der nächstgelegene Trinkwasserbrunnen fördert aus 40 Meter Tiefe. Wann das durch Düngegaben angereicherte Niederschlagswasser dort unten ankommt, bleibt wohl ein Geheimnis. Der geologische Unterbau unter den Parzellen besteht ab etwa vier Meter aus Festgestein, das aber rissig und klüftig ist, erklärt Hermann Siuts, Wasserschutzberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Das Oberflächenwasser kann also mal langsam sickern, mal schneller durchrauschen. Was aber weiter oben, in 80 Zentimeter Tiefe, ankommt, können die Wissenschaftler klar definieren.

Unter den Parzellen wurden für den Modellversuch 51 wasserdurchlässige keramische Saugkerzen installiert, verbunden mit einer 300 Meter langen Unterdruckleitung, mit der das Sickerwasser in Probenbehältern gesammelt wird, die in 17 Bodentonnen angeordnet sind. So können die einzelnen Parzellen auf Inhaltsstoffe analysiert werden. Alle 14 Tage tauscht das Team von Insa Kühling die Flaschen aus. Die Wassermengen schwanken je nach Jahreszeit. Bei gefrorenem Boden komme nichts an, beschreibt Kühling, im Sommer spiele der Verdunstungsgrad des Oberflächenwassers eine Rolle.

Das P rojekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Finanziell gefördert wird es von der EU und dem Land Niedersachsen mit 330 000 Euro. Allein die technische Einrichtung und deren Installation hat 45 000 Euro gekostet. Im Fachbereich Umweltschonende Landbewirtschaftung der Hochschule sind wissenschaftliche Mitarbeiter auf drei halben Stellen mit der Betreuung des Projektes betraut.

Bildtext:
Technik im Verborgenen: Hermann Siuts und Insa Kühling an einer Pumpstation für das Sickerwasser unter den Versuchsparzellen.

Foto:
Harald Preuin
Autor:
Harald Preuin


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