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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wasserstoffzug fährt ab 2018 durchs Land
 
„Genauso sicher wie ein Dieselzug″
Zwischenüberschrift:
Erste serienreife Wasserstofflok kommt aus Niedersachsen
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Salzgitter. Kommendes Jahr soll es so weit sein: In Niedersachsen soll der erste mit Wasserstoff betriebene Passagierzug im Schienennahverkehr rollen eine Weltpremiere. Im Interview äußert sich Jens Sprotte von Hersteller Alstom zu Vorteilen aber auch Problemen der neuen Technologie. Der Leiter des Geschäftsbereichs Stadtverkehr und Infrastruktur betont zudem: Wir sind sicher, dass dieses System genauso sicher ist wie ein normaler Dieselzug.″ Sprotte sagt, die Reichweite der neuen Züge liege bei 800 bis 1000 Kilometern. Das Interview stammt aus der aktuellen Ausgabe von Die Wirtschaft″, die ab jetzt am Kiosk erhältlich ist. Neben innovativen Zügen finden sich darin auch Texte zu neuen Produktionsmethoden von Fleisch, die ganz ohne das Schlachten von Tieren auskommen, oder aber die steigenden Krankheitskosten für Firmen in der Region

Es ist eine Weltpremiere: Zum ersten Mal soll im kommenden Jahr ein serienreifer Regionalzug mit Wasserstoff im Tank fahren und zwar in Niedersachsen.

Salzgitter. Die Idee entstand 2012. Schon vier Jahre später stellte Hersteller Alstom einen Prototyp aus seinem Werk in Salzgitter vor. Anfang kommenden Jahres soll der Zug regulär auf der Strecke von Buxtehude über Bremerhaven bis Cuxhaven eingesetzt werden. Ein Interview mit dem Leiter des Geschäftsbereichs Stadtverkehr & Infrastruktur, Jens Sprotte:

Woran wird ein Fahrgast merken, dass er in einem Wasserstoffzug sitzt?

Das ist ganz einfach zu beantworten: Das Fahrzeug ist 60 Prozent leiser als ein Dieselfahrzeug und im Fahrverhalten deutlich dynamischer. Ansonsten ist es ein ganz normaler Zug.

Was macht den Wasserstoffzug attraktiv?

Das Wichtigste ist, dass das Fahrzeug lokal emissionsfrei ist. Es entsteht nur Wasserdampf. Wir können hier endlich zwei Sektoren koppeln, nämlich die Mobilität mit dem Energiesektor. Somit können wir zum Beispiel Windenergie direkt emissionsfrei in Wasserstoff speichern und dann direkt für die Mobilität nutzen. Grundsätzlich haben wir uns vorgenommen, Weltmarktführer bei emissionsfreien Antrieben zu werden. Dazu haben wir uns angeschaut, welche Technologie auf der Schiene für die Zukunft am vielversprechendsten ist. Wir gehen davon aus, dass es die Verbindung von Brennstoffzelle und Batterie sein wird.

Für den Laien: Wie funktioniert eine Brennstoffzelle?

Wasserstoff aus Tanks an Bord verbindet sich mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft und liefert dabei elektrische Energie. Diese Energie wird in Lithium-Ionen-Batterien gespeichert, wenn sie nicht für den Antrieb oder die Bordsysteme benötigt wird. Wenn der Zug bremst, wird die dadurch entstehende kinetische Energie ebenfalls gespeichert.

Wie gefährlich sind Wasserstoff und Batterien bei einem Zugunglück?

Dieses Medium ist absolut sicher für den Fahrgast. Wasserstoff kommt schon in U-Booten und Nutzfahrzeugen zum Einsatz. Trotzdem machen wir viele Tests, um zum Beispiel zu simulieren, was passieren kann, und um gefährliche Situationen auszuschließen.

Die Tanks befinden sich auf dem Dach. Inwieweit sind sie gesichert?

Das sind carbonverstärkte Komponententanks mit Sicherheitsventilen. Im Falle eines Lecks lässt der Tank sofort seinen Wasserstoff ab. Anders als Benzin ist Wasserstoff ja innerhalb von Millisekunden verschwunden. Entzünden kann er sich nur, wenn unter Druck Funken dazukommen. Die Verkettung unglücklicher Umstände müsste schon extrem sein. Wir sind sicher, dass dieses System genauso sicher ist wie ein normaler Dieselzug.

Woher kommt der Wasserstoff?

Wir gehen zwei Wege: Zum einen nutzen wir Bestandswasserstoff. Der kommt als Abfallprodukt zum Beispiel in großen Raffinerien und der chemischen Industrie vor. Außerdem gibt es aktuell ganz viel Windenergie, die nicht genutzt werden kann. Wir sehen das als ideale Möglichkeit, diese Energie in Elektrolyseure umzuleiten, also den Strom zur Gewinnung von Wasserstoff zu nutzen.

Wie hoch sind die Kosten im Vergleich zu Diesel?

Zurzeit schauen wir alle nur auf den Preis. Perspektivisch ist aber auch die Vermeidung von CO2 ein wichtiger Faktor. Und da würde ich mir schon mehr Fingerspitzengefühl der Politik wünschen. Ein Beispiel: Wenn man jetzt direkt 15 von unseren Coradia iLints einsetzen würde, würde man über 11 000 Tonnen CO2 im Jahr sparen. Das entspricht etwa 6000 Pkw. Das ist eine Reduzierung, die sie in keiner Ausschreibung wiederfinden.

Wie groß ist die Reichweite?

Das kommt auf die Fahrweise und die Streckenprofile an. Im Schnitt sind es 800 bis über 1000 Kilometer pro Tankfüllung. Der Tankprozess ist an die Dieselvariante angelehnt. Das Fahrzeug fährt zur Tankstelle, und dort werden ganz normale Tankrüssel angedockt. Der gesamte Tankvorgang dauert etwa eine Viertelstunde.

Zuerst hieß es, der Zug solle im Dezember 2017 regulär fahren, dann ist es Anfang 2018 geworden. Wann geht′s los?

Wir sind gerade noch in Gesprächen mit der Landesnahverkehrsgesellschaft, wie wir diese beiden Prototypen in den Betrieb einspielen. Da muss ein Teil der Werkstatt umgerüstet werden, ein Teil der Triebfahrzeugführer wird geschult, und außerdem warten wir auf die Zulassung vom Eisenbahnbundesamt, die Ende des Jahres kommen soll.

Wirtschaft der Region und darüber hinaus im Fokus der neuen Ausgabe Die Wirtschaft″ ab jetzt am Kiosk.

Bildtexte:
Von außen sieht er aus wie ein ganz normaler Zug. Dennoch handelt es sich beim iLint um eine Weltneuheit: Der Regionalzug soll bald im ganz normalen Personenverkehr eingesetzt werden.
Jens Sprotte, Leiter des Geschäftsbereichs Stadtverkehr & Infrastruktur.
Fotos:
Alstom/ Michael Wittwer
Autor:
Stefanie Witte


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