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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein Heim für Waisenkinder
Zwischenüberschrift:
Das Renthe-Fink-Haus an der Knollstraße erlebte nach 1948 auch unrühmliche Zeiten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/ 71 hinterließ viele Kriegerwitwen und - waisen, für die sich der Deutsche Kriegerbund verantwortlich fühlte. Unter der Schirmherrschaft der Kaiserin Auguste Victoria baute er in mehreren deutschen Städten Kriegerwaisenhäuser, so in Osnabrück das Renthe-Fink-Haus.

Osnabrück. Der seltsame Name geht zurück auf den preußischen Generalleutnant Cécil von Renthe-Fink (1845 bis 1909), der als erster Vorsitzender des Kriegerbundes entscheidenden Anteil an der Gründung der Waisenhäuser hatte. Dem Magistrat der Stadt Osnabrück kam der Bau des Waisenhauses auf dem Königshügel an der Knollstraße sehr gelegen, entlastete es ihn doch von sonst fälligen eigenen Fürsorgeleistungen.

Die Stadt kaufte der Klosterkammer eine Fläche von 12 Morgen Land (30 000 Quadratmeter) ab und schenkte diese dem Kriegerbund, der das Heim 1898/ 99 bauen ließ und anschließend unterhielt. Unterstützt wurde er unter anderem von den Krieger-Fechtvereinen, die fleißig Spenden für die Kriegswaisen sammelten.

Mehr als die Hälfte des Geländes wurde für den Anbau von Kartoffeln, Gemüse und Obst verwendet. Neben dem Hauptgebäude stand ein kleineres Gebäude für den Hauswart und mit Vorrats- und Kleiderräumen sowie einer Tischler- und einer Schusterwerkstatt. In den Ställen waren Schweine und ein Pferd untergebracht. Außerdem gab es einen Sportplatz.

Die Erstbelegung am 4. Oktober 1899 bestand aus 37 Jungen und zwölf Mädchen. In der Spitze konnten bis zu 120 Kinder aufgenommen werden. Je nach Kriegsgeschehen schwankte die Zahl. Mitte der 1920er-Jahre sank sie beträchtlich, da inzwischen der Militärdienst besser besoldet wurde und auch die Witwen-Pensionen es zuließen, Halbwaisen selbst zu versorgen.

Prügelstrafen regierten

Nach dem letzten Krieg übernahm 1948 der Verein Evangelisches Waisenhaus das weitgehend unzerstört gebliebene Kriegerwaisenhaus. Die Belegung ging steil nach oben, 180 Kinder mussten versorgt werden. Eine wenig ruhmreiche Zeit für das Haus begann. Zur materiellen Not der Nachkriegsjahre gesellten sich schlecht ausgebildete Erzieherinnen in zu geringer Anzahl, die häufig überfordert waren und mit Härte und Prügelstrafen reagierten. Ihr Kinderlein, kommet″ lautete damals die Inschrift an einer Jesus-Figur in der Eingangshalle. Doch wer eine Atmosphäre der Nächstenliebe, von Geborgenheit und Wärme erwartete, sah sich bald gründlich getäuscht. Frühere Insassen des Renthe-Fink-Heims brachten ihre Erinnerungen auch am Runden Tisch Heimerziehung″ in Berlin vor, der sich ab 2009 bemühte, damals begangenes Unrecht aufzuarbeiten und zu entschädigen.

1957 zog die Einrichtung in das Haus Neuer Kamp″ an der Sutthauser Straße um, wo bessere Zeiten für die Heimkinder anbrachen. Das Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerk (OKD, jetzt KME) kaufte den Altbau an der Knollstraße im Hinblick auf zukünftige Expansionsüberlegungen. Diese Phase währte jedoch nur kurz. Denn bald wurde das Land Niedersachsen durch ein Tauschgeschäft Eigentümer. Das Land trat dafür das Gebäude der Provinzial-Hebammenlehranstalt Knollstraße 16 an das OKD ab. Das ehemalige Kriegerwaisenhaus zerfiel, die Fenster waren eingeschlagen, die Fußböden für andere Bauzwecke ausgeraubt. 1959 begann die Renovierung im Dienste des Niedersächsischen Landeskrankenhauses, das hier alte und psychisch kranke Patienten unterbrachte.

Heute befinden sich die Stationen P1 und A4 der Allgemeinen Psychiatrie III des Ameos-Klinikums im alten Renthe-Fink-Haus. Hinter dem Haus liegt der öffentlich nutzbare Sinnesgarten″. Er gehört zwar zum Ameos-Gelände, aber alle Spaziergänger sind ausdrücklich eingeladen, sich hier zu entspannen und ihre Sinne zu erproben. Echorohr, Hörrohre, Summstein, die drehbare Rieselscheibe und eine Spirale führen zu überraschenden sinnlichen Wahrnehmungen, in der Schule des Gehens″ (Barfußpfad) lässt sich der Gleichgewichtssinn trainieren. Möglich wurde dieses Projekt mit seinen zahlreichen Stationen durch die Unterstützung des Rotary Clubs Osnabrück-Süd.

Bildtexte:
Das Kriegerwaisenhaus, auch Renthe-Fink-Haus genannt, auf einer Postkarte aus der Sammlung Helmut Riecken. Für das Foto hat man alle Waisenkinder antreten lassen, die Jungen in dunklen Anzügen, die Mädchen in weißen Schürzenkleidern.

Das Ameos-Klinikum mit der Gerontopsychiatrie ist heute Hausherr. Die Gebäudehülle hat Krieg und Modernisierungen relativ unbeschadet überstanden.

Sandsteinschmuck über dem Haupteingang.

Fotos:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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