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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück zu unsicher für Radfahrer
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zu den Artikeln Radfahrerin wird in Hellern von Lkw überrollt″ (Ausgabe vom 17. Oktober) und Lkw-Fahrer übersah Radlerin beim Rechtsabbiegen″ (Ausgabe vom 18. Oktober).

„[...] Aufgrund der unverantwortlichen stadtplanerischen Defizite der letzten Jahre [...] ist es erneut zu einem Todesfall einer Radfahrerin gekommen. Wie viele Menschen müssen eigentlich noch sterben, bis die Stadt begreift, dass es schon weit über der Zeit ist, für Radfahrer eine angemessene Infrastruktur zu schaffen?

Wie viele weiße Räder müssen noch als Mahnmal aufgestellt werden? Lassen wir mal den Feinstaub weg. Ja, auch Radfahrer verhalten sich nicht immer richtig, und ja, Autoverkehr muss, wenn auch nicht in diesen Dimensionen [...], auch sein. Aber: Es geht um das Überleben von Verkehrsteilnehmern, die jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit, in die Stadt oder wohin auch immer in Osnabrück der Waffe Auto ungeschützt ausgeliefert sind.

Jede Rechtfertigung, warum bisher nichts geschah, klingt in den Ohren der Angehörigen wie ein Hohn! Apropos: Neulich fuhr ich als Radfahrer auf der Lotter Straße. Ich überlebte, wenn auch knapp. Bis zum Klinikum gab es drei gefährliche Situationen. Aber laut Stadt ist die Lotter Straße ja sicher, denn es sind ja Rad-Piktogramme auf die Fahrbahn gemalt worden, die a) man vom Steuer aus sehr schlecht sehen kann (bei Regen gar nicht!), b) durch den Radabtrieb immer weiter verblassen und c) völlig unnütz sind, da sie zum Schutz der Radfahrer überhaupt nicht taugen.

Entweder gibt es solch lächerliche Rechtfertigungsmaßnahmen, überhaupt keine oder 80 Zentimeter breite (!) Radwege wie auf dem Remarque-Ring und anderswo, auf denen ich meine Kinder nie fahren lassen würde und selbst jeden Morgen froh bin, wenn ich unverletzt in die Bramscher Straße einbiegen kann, wo sich im Übrigen keiner an die Geschwindigkeitsbegrenzung 30 hält und die Fahrradwege zugeparkt sind oder sich auf der rechten Seite des Radweges Parkflächen befinden, was zu lebensgefährlichen Situationen führt, wenn die Fahrertür aufgerissen wird. Münster, Oldenburg, Regensburg, Oslo, Kopenhagen, Amsterdam die Liste mit Städten unterschiedlicher Größe, die es geschafft haben, den Radverkehr mit einer sicheren Infrastruktur auszustatten und nebenher die Feinstaubemissionen extrem zu reduzieren, ist lang.

Es gibt für Osnabrück keine Entschuldigung! Es ist für die Verantwortlichen eine Schande, dass bisher nichts Wesentliches ich wiederhole –, nichts, aber überhaupt nichts Wesentliches zur Verbesserung der beschämenden Situation für Radfahrer geschehen ist. Es ist eine Schande für Osnabrück, dass aufgrund der städtebaulichen Ignoranz der Verantwortlichen immer wieder Menschen sterben müssen! Es ist eine Schande für diese Stadt, dass moderne, einfache und damit kostengünstige Rad-Verkehrskonzepte, wie sie massenweise anderorts umgesetzt wurden und werden, völlig ignoriert werden! Es ist eine Schande für diese Stadt, wenn unsere Kinder weiterhin unter gesundheitsgefährdenden Feinstaubwerten leiden und nichts dagegen unternommen wird. Die vergangene und gegenwärtige Untätigkeit ist die größte Schande für diese Stadt! [...]″

Andreas Lehr

Osnabrück

Schon wieder hat ein Radfahrer sein Leben in Osnabrück verloren. Schon wieder hat ein Lkw das Leben einer Seniorin in den Osnabrücker Asphalt gedrückt. Schon wieder beim Rechtsabbiegen, und ja, schon wieder werden wir ein weißes Fahrrad als Mahnung erblicken müssen. Ich ertrage diesen Anblick nicht mehr. Ob auf der Bremer Straße, der Kommenderiestraße, am Wagnerplatz oder zuletzt nun in Hellern, die Freude an Osnabrück weicht purer Angst. Ich habe hier studiert, mich verliebt, ein Haus gebaut. Doch die Friedensstadt macht sich permanent des Totschlags mitschuldig: Sie bekommt die potenziell letale Streckenführung für Radfahrer in Osnabrück nicht in den Griff. Nicht etwa aus Ignoranz, nein, schlimmer noch, es ist die alles beherrschende Drittklassigkeit der politischen Begabungen, die leider glauben, sich im Stadtrat tummeln zu müssen. Osnabrück ist keine Friedensstadt, sie ist eine Friedhofsststadt. Daher mein Appell nach außen, an die Gewinner der Direktmandate der aktuellen Landtagswahl, Boris Pistorius und Frank Henning, nach Hannover: Setzt Euch für ein landesweites Infrastrukturprogramm ein, das Lkw aus den Städten verbannt. Zeigt die Koinzidenz Eurer Freude über ein wieder erstarktes sozialdemokratisches Selbstverständnis und die gebotene politische Begabung. Das unterscheidet Euch von den Lokalen hier.″

Dr. Gerhard Schmitt

Osnabrück

Als Helleraner Radfahrer weiß ich, dass diese Kreuzung in der schon lange andauernden Umbauphase hochkritisch ist; eine Patentlösung gibt es wohl nicht. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas passiert. Dass dieser Unfall tödlich endet, ist tragisch. […]″

Eduard Silkenbäumer

Osnabrück

„[...] Ich wohne in Hellern und muss den Kreuzungsbereich [Lengericher Landstraße/ An der Blankenburg; Anm. d. Red.] durchweg zweimal am Tag entweder mit dem Auto oder aber mit dem Fahrrad nutzen. Seit Beginn der Umbaumaßnahme , Bahr′ herrscht in diesem Kreuzungsbereich/ Abzweigung zum Hörner Weg verkehrstechnisches Chaos. Ständig manchmal sogar tageweise werden Fahrbahnen verändert, teilweise komplett geschlossen, Fahrwege verlegt.

Der jetzige Fahrradweg stadtauswärts verläuft zum Beispiel in Höhe , Bahr′ behelfsmäßig neben einer einspurigen, teilweise verschwenkenden Autospur, die auch von Lkws genutzt wird. Hier ist der nächste Unfall vorprogrammiert. Selbst wenn es zutreffen sollte, dass der fragliche Lkw-Fahrer die Fahrradfahrerin beim Abbiegen nicht wahrgenommen hat, so ist das meines Erachtens zu einem wesentlichen Teil der unübersichtlichen Verkehrsführung geschuldet. Dass in diesem Bereich nicht schon eher etwas passiert ist, kommt schon einem Wunder gleich. Nach meiner persönlichen Auffassung trifft die Stadt hier zumindest moralisch eine Mitschuld an diesem Unfall.

Seit Wochen und Monaten werden Tausende von Verkehrsteilnehmern, die diesen Kreuzungsbereich nutzen müssen, vor eine harte Geduldsprobe gestellt. Buslinien werden durch Wohngebiete mit enger Kurvenführung verlegt. Straßenführungen werden tageweise, teilweise auch länger komplett geschlossen. Und das alles nur, weil ein Vorhaben eines privaten Investors verwirklicht wird. Hätte man hier nicht besser Infrastruktur und eigentliche Umbaumaßnahme zeitlich entkrampfen sollen, selbst wenn das für den Investor einen späteren Eröffnungstermin bedeutet hätte? Jetzt ist das unglücklicherweise eingetreten, was eigentlich bei diesem Verkehrschaos zu erwarten war. [...]″

Hartmut Schröder

Osnabrück

Ich weiß, auch das Autofahren wird einem in Osnabrück verleidet, aber aus meiner Sicht wird immer noch viel zu wenig getan, um eine sichere Infrastruktur für die bewussten Pkw-Verzichtler herzustellen. Ganz im Gegenteil, es werden einem permanent nahezu unüberwindbare Hindernisse in den Weg gestellt. Ich fahre fast jeden Morgen um halb acht mit meinen beiden Töchtern, einem Kindergartenkind und einer Grundschülerin, aus Hellern in die Wüste. Aus Überzeugung. Schließlich wohnen wir in der Stadt. Die Wege sind kurz!

Meine Kinder müssen den Fußweg als Fahrspur nutzen. Wir wohnen in der Siedlung hinter dem ehemaligen Max-Bahr-Gebäude und mussten uns in den letzten Monaten quasi täglich unseren Weg in die Wüste erkämpfen. Egal, wo wir versuchten, eine geeignete Route zu finden, trafen wir auf Gefahren und Hindernisse, bei denen die Radfahrer und Fußgänger anscheinend hintangestellt wurden. Der Fußweg vor dem ehemaligen Baumarkt-Parkplatz ist seit Beginn der Bauarbeiten gesperrt, der Weg hinter dem Gelände völlig vereinnahmt von riesigen umherfahrenden Baustoff-Lkw und Baufahrzeugen. Der Gehweg beim Abzweig der Lengericher Landstraße in den Hörner Weg war auch immer mal wieder aufgerissen. Etwas weiter auf der Lengericher Landstraße stadteinwärts, kurz vor der Autobahnbrücke, wurde der Bürgersteig monatelang durch Handwerkerfirmen blockiert, welche den Neubau der Firma Team4Media errichteten. Der Fußweg gegenüber war wochenlang kaum passierbar, weil der Pflanzenbewuchs weit auf die Pflasterung ragte. Der Seitenwechsel bei Blumen Risse ist zudem gefährlich, weil die Linksabbieger von der Autobahn gleichzeitig grün haben und an dieser Stelle scheinbar nicht mit Fußgängern rechnen. Auf der Seite des Kaufland-Gebäudes kann man auch nicht bleiben, weil die Überquerung der Autobahnauffahrt über keine Ampel verfügt. Der Nordhausweg zwischen den Autohäusern von Porsche und Mercedes (über den Hörner Weg erreichbar) ist weder beleuchtet noch sicher. Die Löcher im Asphalt dort sind riesige, tiefe Krater, welche schon einen Sturz meiner Tochter verursachten. Die Verlängerung des Eselspatts, welcher in die Straße An der Blankenburg mündet, führt über den Parkplatz des Kaufland-Geländes, übrigens über einen nicht abgesenkten Bordstein. In den letzten zwei Monaten zwang uns dann auch noch eine Baustelle im Blumenhaller Weg kurz vor unserem Ziel erneut auf die Straße. Immer wieder musste ich mich deutlich sichtbar auf der Fahrbahn als lebende Bake positionieren, damit meine Töchter den blockierten Fußweg verlassen und somit das dort befindliche Hindernis über eine stark befahrene Straße umgehen konnten. Dabei gab es natürlich keine Warnschilder oder Hilfen zur Überwindung der hohen Bordsteinkanten. Zudem sind die Autofahrer genervt, gehetzt und unachtsam, da sie sich ja auch schon durch etliche Baken im Schneckentempo hindurchzwängen mussten.

Viele Eltern sprechen mich an, weil sie mich für , verrückt′ halten, dass ich diesen Weg mit zwei kleinen Kindern jeden Morgen mit dem Fahrrad fahre. Sie halten es für viel zu gefährlich und umständlich. Das ist genau der Grund, warum regelmäßig Artikel über die problematische Anzahl sogenannter Elterntaxis und die damit verbundenen chaotischen Verkehrslagen vor den Schulen erscheinen. Es wird einfach nicht für ausreichend sichere Radwege gesorgt. Wie sehr allein schon eine eigene Ampelphase die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer verbessern könnte! Oder eine räumliche Trennung von gepanzerten und schutzlosen Verkehrsteilnehmern, bei der man als Radfahrer kein Mountainbike mit extra breiter Bereifung benötigt!

Auch wenn die Umbauphase an der Kreuzung Lengericher Landstraße/ An der Blankenburg bald beendet ist, wünsche ich mir weiterhin ein generelles Umdenken der Verkehrsplaner. Bedankt Euch nicht nur mit riesigen Transparenten bei den Osnabrücker Radfahrern, schützt sie auch effektiver!

Birgit Schwetje

Osnabrück

Bildtext:
Nach dem tödlichen Unfall am 16. Oktober in Hellern ist eine Debatte über die Sicherheit des Radverkehrs in der Osnabrücker Innenstadt entbrannt.

Foto:
Michael Gründel
Autor:
Andreas Lehr, Gerhard Schmitt, Eduard Silkenbäumer, Hartmut Schröder, Birgit Schwetje


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