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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Wie dreckig ist denn die Hase eigentlich?
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Wie dreckig ist denn die Hase eigentlich?

Immer eindringlicher beschäftigen sich Bund, Länder und Kommunen mit den Fragen, die sich angesichts der von Jahr zu Jahr stärker verschmutzten Umwelt stellen. Abschreckende Beispiele wie das der " Kloake Rhein" sind in aller Munde. Laufend erreichen uns Nachrichten von der Luftvergiftung über Großstädten und Industriezentren. Aber wie steht es bei uns? Wir haben ein Teilproblem, die Wasserverschmutzung, herausgegriffen, und den Leiter der Osnabrücker Außenstelle des Niedersächsischen Wasseruntersuchungsamtes, Dr. Horst Neumann, nach seinen langjährigen Untersuchungsergebnissen gefragt. Seine Antworten lassen sich in dem Satz zusammenfassen: Auch bei größter Anstrengung können die anstehenden Probleme in absehbarer Zeit nicht gelöst werden.

Frage: Herr Dr. Neumann, wie dreckig ist denn die Hase eigentlich?
Antwort: " Auf unserer Gewässerkarte sieht man, daß sich die Hase in ihrem Lauf bis Osnabrück in einem befriedigenden Gütezustand befindet. Im Bereich der Stadt, bereits oberhalb des Einlaufs der Kläranlage, tritt die erste Verschlechterung ein. Sie ist dadurch bedingt, daß ein Teil des Abwassers direkt in die Hase einfließt. Allerdings wird der größte Teil des Abwassers in der hochmodernen Kläranlage der Stadt gereinigt.
Viele Schwierigkeiten hier beruhen auf der ungünstigen Lage der Stadt. Würde Osnabrück im unteren Bereich der Hase liegen, hätten wir diese Probleme so nicht, weil dort eine ganz andere Wasserführung besteht.
Wir haben festzustellen: Im Stadtgebiet gelangt durch Regenüberläufe Abwasser in die Hase. Dieses Mischwasser verschlechtert die Wassergüte erheblich. Bei Regenfällen gelangt nicht alles Abwasser in die Kläranlage. Hinzu kommen noch Industrieabwässer.
Aber es ist festzustellen, daß in den letzten 10 bis 20 Jahren im Raum Weser-Ems allerhand geschehen ist. Für Osnabrück gilt: Katastrophenalarm müssen wir nicht geben! Das heißt aber nicht, daß wir keine Probleme hätten. Wir haben Bedrohungen vor allem durch die Industrie und die landwirtschaftlichen Betriebe in der Stadt und im Regierungsbezirk."
Frage: Gelangen mit dem Regen und Industriewasser auch ausgesprochene Giftstoffe in die Hase?
Antwort: " Schmutzwasser plus Regenwasser: Da können durchaus noch giftige Substanzen wie etwa Mineralöle vom Asphaltbelag der Straßen vorhanden sein. Aber das muß nicht gleich zur Katastrophe werden. So viele Giftstoffe wie in Nordrhein-Westfalen haben wir hier nicht."
Frage: Das heißt aber doch, daß bei besonders starken Regenfällen giftige Abfallstoffe aus der Industrie in die Hase gelangen können, weil das Abwassersystem überlastet ist?
Antwort: " Wir haben hier oberhalb von Osnabrück zunächst die Papierfabrik Schoeller. Die Abwässer werden dort vorzüglich   gereinigt; wir überwachen das laufend. Diese Fabrik scheidet   als Giftstoffproduzent aus. Weiter: Klöckner, kabelmetal, Karmann - giftig wirkende Substanzen werden dort nicht   hergestellt. Das einzige, was theoretisch eine Rolle spielen   könnte, wäre der Kupfergehalt der kabelmetal-Abwässer. Dieses   Problem bestand vor 6 bis 8 Jahren; es ist inzwischen gelöst.   Bei Klöckner kann mineralölverschmutztes Wasser anfallen -   aber auch da gibt es seit Jahren keinen Ärger mehr. Karmann entwässert, soviel ich weiß, vollständig in das Kanalisationssystem der Stadt. Ebenso die Färbereien, die wir   hier haben. Von diesen Betrieben können natürlich bei   besonders starken Regenfällen Abwässer in die Hase gelangen -   aber die sind dann nicht mit ausgesprochen toxischen Stoffen   belastet.
Entscheidend für die Hase ist, daß sie weniger durch Giftstoffe belastet wird, sondern in erster Linie durch sauerstoffzehrende organische Schmutzstoffe. Der Sauerstoffhaushalt der Hase wird durch sie stark beansprucht -   und der Sauerstoffhaushalt eines Gewässers ist nun einmal ganz   entscheidend für seine Güte."
Frage: Wie kommen diese Stoffe in die Hase?
Antwort: " Sie kommen nicht nur durch den Regenwasserüberlauf hinein, sondern ständig über die Kläranlage in einem ganz bestimmten Umfang. Über jede Kläranlage gelangen organische Stoffe in die Gewässer. Die Anlagen vermögen in ihrem derzeitigen Zustand allenfalls 90 bis 95 Prozent der abbaufähigen biologischen organischen Stoffe zu eliminieren. Mit dem Rest von 5 Prozent muß das Gewässer selbst fertig werden.
Diese Restfracht ist im Gebiet von Osnabrück noch so groß, daß sie ausreicht, besonders bei Niedrigwasser die Hase in den nicht schönen Zustand der Güteklasse 3 zu bringen. Dabei muß noch einmal gesagt werden, daß in der vorzüglich geleiteten Osnabrücker Kläranlage in der Regel alles sehr gut läuft. Man muß sich vor Augen führen: Bei Niedrigwasser ist das Verhältnis von Abwasser aus der Kläranlage zum Vorlaufwasser der Hase wie 1: 1. Hier liegt das Problem, verursacht eben dadurch, daß Osnabrück im oberen Bereich der Hase liegt."
Frage: Was heißt Güteklasse 3?
Antwort: " Güteklasse 3 heißt: tagsüber kann durchaus Sauerstoff im Wasser enthalten sein, aber zu bestimmten Zeiten - besonders nachts - tritt dann Sauerstoffmangel ein. Für Fische ist das kein zuträgliches Gewässer."
Frage: Kann die Hase im Osnabrücker Bereich in die Güteklasse 2 gebracht werden?
Antwort: " Im Augenblick ist das nicht möglich. Die Technik schreitet zwar voran - man kann da einiges für die Zukunft erhoffen."
Frage: Ist wenigstens gewährleistet, daß die Hase nicht in die Güteklasse 4 absinkt?
Antwort: " Vor einigen Jahren bestand die Gefahr noch. Jetzt nicht mehr."
Frage: In welchem Zustand befinden sich die anderen Osnabrücker Gewässer?
Antwort: " Wir haben da im Süden noch einen schwerwiegenden Fall, das ist der Laerer Bach. Die Strecke von der Laerer Kläranlage bis zur Einmündung in die Bever gehörte bei unserer letzten Untersuchung in die Güteklasse 3 - 4.
Dann ist da noch ein sehr bekanntes Problem: die Nette. An diesem winzigen Gewässer liegt die Tierkörperverwertungsanstalt Icker. Zwar hat dieses Unternehmen die leistungsfähigste Abwasseranlage im ganzen Weser-Ems-Gebiet mit 99prozentiger Reinigungswirkung - aber selbst die geringe Endbelastung von 1 Prozent ist für die Nette zu groß. Bei geringer zusätzlicher Belastung kommt es hier immer wieder zu Schwierigkeiten, sprich Fischsterben."
Frage: Wie steht es mit der Düte?
Antwort: " Sie ist von Natur aus ein Fischgewässer. Merkwürdigerweise halten sich jedoch im mittleren und unteren Dütebereich die Fische nicht. Sie wandern ab. Der Sauerstoffhaushalt ist in Ordnung.
Meiner Vermutung nach enthalten die an sich gereinigten Abwässer der Georgsmarienwerke, die an der Düte liegen, noch Spuren von Stoffen, die die Fische nicht mögen."
Frage: " Was ist zu tun, um die genannten Gewässer in einen besseren Zustand zu bringen?"
Antwort: " Da muß man zunächst sagen, daß schon viel getan worden ist. Ein wesentlicher Schritt vorwärts wäre die sukzessive Sanierung des Entwässerungssystems der Stadt Osnabrück. Das aber läßt sich nicht von heute auf morgen machen: es wäre eine langfristige Aufgabe.
Im Falle Düte müßte noch einmal genau untersucht werden, welche Stoffe die Fische vertreiben - eher kann man dort nicht weiterkommen.
Was die Nette angeht, so müßte die Belastung durch die Kläranlage gesenkt werden. Auch an eine künstliche Flußbelüftung wäre zu denken: - man hat so etwas mit Erfolg schon im Ruhrgebiet praktiziert."
  Frage: " Wie aufwendig wäre eine solche Belüftungsanlage?"
Antwort: " Das ist gewiß nicht billig, vor allem die laufenden Betriebskosten sind sehr hoch. Aber wenn die Belastung unserer Gewässer noch weiter zunimmt, muß man auch an solche Lösungen denken. Und die Belastung wird zunehmen."
Frage: " Sind die Osnabrücker Gewässer in einem Zustand, der für Menschen gefährlich werden könnte, zum Beispiel für Badende?"
Antwort: " Zum Baden kommt generell kein Wasser in Frage, das als Vorfluter für Gemeinde oder Städte dient. Und ich muß auch hier wieder betonen: Grundsätzlich ist kein Wasser aus einer herkömmlich biologisch-mechanischen Kläranlage zum Trinken geeignet. Da sind große Teile der Bevölkerung immer noch falscher Ansicht!
Aber mit den herkömmlichen Klärmethoden kann man ein Gewässer auch nicht zum Baden geeignet machen. Was das Baden angeht, sehe ich auch für die Zukunft für die mittleren und kleineren Gewässer ganz schwarz. Allerdings wäre es technisch möglich, es wird auch verschiedentlich schon praktiziert, das Wasser der Kläranlage mit Chlor zu desinfizieren."
Frage: " Wie schneidet der Zustand der Osnabrücker Gewässer im Vergleich mit den Gewässern anderer Städte in Niedersachsen ab?" Antwort: " Was die Aufwendungen angeht, liegt Osnabrück im Gebiet Weser-Ems doch in der Spitzenregion. Wir stehen besser da als Hannover und Braunschweig beispielsweise. In Oldenburg sieht es schlechter aus. Wilhelmshaven etwa tut überhaupt nichts, Bremen nicht viel mehr." (Aufnahmen: Harms)


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