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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Jeder von uns kann etwas tun, selbst auf einem kleinen Balkon″
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Insektenschwund immer dramatischer″ (Ausgabe vom 19. Oktober).

Aufgrund der Auswertung von Messstellen einer Forschungsinitiative hat sich ergeben, dass sich das Insektensterben in den letzten 27 Jahren auf 75 Prozent der Population belief. Kein Wunder, dass wegen des Insektenschwunds auch Vögel aussterben die sich ja wesentlich von Insekten ernähren und zwar allein 12, 7 Millionen Brutpaare oder 15 Prozent in den letzten zwölf Jahren. Beides kann nur als erschreckend bezeichnet werden. Wobei sich die Messstellen in Naturschutzgebieten befinden. Auf sozusagen normalen Flächen dürfte die Situation noch dramatischer sein. Zu berücksichtigen ist in diesem Kontext auch, dass Insekten und hier nicht nur Bienen als Bestäuber unserer Ernährungspflanzen eine wesentliche Rolle spielen. Es ist nicht übertrieben anzumerken, dass hierdurch eines Tages unsere Versorgung mit Lebensmitteln gefährdet sein könnte.

Als Auslöser für die katastrophalen Zustände werden allgemein die intensivierte Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat und Neonicotinoiden angesehen. Glyphosat soll eigentlich der Vernichtung von Unkraut dienen. Mit Neonicotinoiden wird Saatgut gebeizt, um es gegen Schädlinge zu schützen. Es kann aber auch später auf Raps und andere Feldfrüchte aufgesprüht werden. Beide Mittel dringen auch ins Erdreich ein und töten hier Bodenlebewesen. Wobei 90 Prozent der Spritzmittel innerhalb von 48 Stunden verdunsten, deswegen keine Wirkung zeigen, aber sehr wohl auf Menschen und Tiere krankmachend wirken.

Als weiterer Auslöser für das Insektensterben werden Stickstoffverbindungen angesehen, die durch Überdüngung auf die Felder gelangen. Ein wesentlicher Grund für die heutige besorgniserregende Situation ist, dass Herr Seehofer 2004 als Bundeslandwirtschaftsminister die offiziellen Meßstellen abgeschafft und die Grenzwerte in Lebensmitteln für über 400 Pestizide raufgesetzt hat (im selben Zuge hat er übrigens den Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser von 20 auf 50 Milligramm je Liter erhöht). Helfen kann eigentlich nur die Biolandwirtschaft, da hier die gefährlichen Spritzmittel nicht nötig sind. Bekannt geworden ist, dass die Umstellung auch bei kleineren Betrieben inzwischen wirtschaftlich funktioniert, auch weil die Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln ständig steigt.

Ein Lichtblick ist, dass der Umweltausschuss des Europaparlaments soeben mit großer Mehrheit gegen die Verlängerung der Zulassung des umstrittenen Pflanzenvernichtungsmittels Glyphosat über den 31. Dezember 2017 hinaus gestimmt hat. Die Mehrheit kam zustande durch die Stimmen von Sozialdemokraten, Grünen, Linken, einem Teil der Liberalen und gegen Rechtskonservative, andere Liberale. Die Christdemokraten haben sich überwiegend enthalten, statt den Schutz von Umwelt und Verbrauchern nach vorne zu stellen. Trotzdem: Das ist ein großer Erfolg - auch für die Kampagne der Zivilgesellschaft gegen Glyphosat! Dass die EU-Kommission die Zulassung trotzdem noch um fünf bis sieben Jahre verlängern will (ursprünglich waren zehn Jahre vorgesehen), obschon das EU-Parlament maximal bis 2022 mit Auflagen für eine Zulassung eintritt und das Expertengremium aktuell sogar eine Entscheidung vertagt hat, kennzeichnet die Verunsicherung in Brüssel.

Es bleibt zu hoffen, dass man sich eines Besseren besinnt und die Zulassung jetzt wirklich auslaufen lässt.″

Rolf Brinkmann

ecovillage e. V.

Osnabrück

Niemand wird ernsthaft behaupten, dass nur eine einzige Ursache für das unbestreitbare Artensterben verantwortlich ist. Erste Reaktionen zeigen bereits, dass zum Beispiel der Deutsche Bauernverband reflexartig weitergehende Untersuchungen fordert, anstelle zu erkennen, dass die Landwirte am eigenen Ast sägen. Da nicht zu erwarten ist, dass sich dies kurzfristig ändert, stellt sich die Frage, was jeder Einzelne von uns für die Insekten und weitere Kleintiere tun kann.

Auch in unseren Städten gibt es dramatische Veränderungen: Abgesehen vom enormen Anstieg des motorisierten Verkehrs sehen die meisten Gärten ganz anders aus als noch vor 20, 30 Jahren. Statt Gemüse , Blumen und , Unkrautecken′ überwiegen , englische′ Rasenflächen. Das Laub der Bäume bleibt nicht mehr über Winter in Haufen liegen, sondern wird häufig durch Laubbläser beseitigt oder gar geschreddert. Statt Rückzugsort und Winterquartier für Kleintiere wie Igel und Insekten werden Letztere auch noch klein gehackt

Wenn wir Städter ehrlich sind, ist für uns die Herausforderung ebenso groß (wie für Landwirte), das , Unkraut′ in Teilen unserer Blumenbeete , wild′ wachsen zu lassen oder einen Teil des Rasens nicht mehr zu mähen, also zu einer , wilden Wiese′ verkommen″ zu lassen.

Aber genau das ist erforderlich: Laubhaufen im Garten oder in Hecken als Winterschutz für Insekten und Kleinlebewesen, gestapelte Zweige (, Benjes-Hecken′) als Rückzugsort und Nisthilfen für Vögel, , Unkrautinseln′ statt , englischem Rasen′, deren Blüten lebenswichtig für Insekten sind. Einfache Insektenhotels, Winterfütterung für Singvögel, Verzicht auf Pestizide im Garten, kein Einsatz von Laubbläsern und - häckslern mehr . . . Blühstreifen mit Wildkräutern, die eine ganzjährige Lebensgrundlage für Tiere bieten all das geht auf wenigen Quadratmetern. Ja, jeder von uns kann etwas tun, selbst auf einem kleinen Balkon. […]″

Alex Deitermann

Osnabrück

Bildtext:
Der Insektenschwund, zum Beispiel bei Bienen (Bild), ist immer dramatischer.

Foto:
dpa
Autor:
Rolf Brinkmann, Alex Deitermann


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