User Online: 2 | Timeout: 07:43Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Flüchtlinge mit großen Problemen
 
Viele Flüchtlinge drohen zu scheitern
Zwischenüberschrift:
Grund: Schlechte Deutschkenntnisse — Ein Fünftel der Ausbildungsverträge im Handwerk seit 2016 gelöst
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Mehr als 80 Prozent der Geflüchteten in der Region Osnabrück sprechen kein Deutsch. Von 159 Ausbildungsverträgen mit Flüchtlingen im Handwerk wurde seit August 2016 ein Fünftel wieder aufgehoben. Hauptgrund dafür sind schlechte Deutschkenntnisse.

Viele Flüchtlinge in der Region drohen bei der Berufsausbildung zu scheitern, weil ihr Deutsch insbesondere für den Unterricht in der Berufsschule noch zu schlecht ist. Die Handwerkskammer (HWK) registrierte etwa, dass von 159 Ausbildungsverträgen seit August 2016 ein Fünftel wieder gelöst wurden.

Osnabrück. Die HWK Osnabrück Emsland Grafschaft Bentheim vermutet, dass es sich bei diesen 159 Ausbildungsverträgen im Kammerbezirk um mit Flüchtlingen geschlossene Ausbildungen handelt, weil die Jugendlichen aus den acht häufigsten nicht europäischen Asylzugangsländern stammen. Exaktere Angaben zu Flüchtlingen liegen nicht vor. Als Gründe für das Aufheben des Ausbildungsvertrags nannten Betriebe, dass die Lehre entweder nicht angetreten oder in der Probezeit im beiderseitigem Einvernehmen gelöst wurde.

Der Willkommenslotse″ der HWK, Goran Miladinovic, konstatierte, dass zwischen Ausbildungsbetrieben und Flüchtlingen mitunter Ausbildungsverträge abgeschlossen werden, ohne die zu erwartenden schulischen Probleme hinreichend zu berücksichtigen. Oftmals wiesen diese Personen kaum oder nur geringfügige Sprachkenntnisse, besonders im schriftlichen Deutsch, auf. Der Sprachunterricht in der Berufsschule könne diesen Mangel nicht kompensieren. Die HWK sieht dadurch das zunehmende Problem, dass bereits nach wenigen Monaten Anträge auf Verlängerung der Berufsausbildungszeit im Ausnahmefall gestellt werden.

Sprecherin Julia Nickel betont: Es zeigt sich, dass ein zu frühes Einmünden in die Ausbildung nur dazu führt, dass eine Vielzahl der geflüchteten Menschen gleich zu Beginn ihrer Berufsausbildung mit fehlenden Grundlagenkompetenzen hinsichtlich Sprache und Mathematik zu kämpfen haben und zu scheitern drohen.″ Eine ausreichende Sprachbeherrschung mindestens des Sprachniveaus B2 sei für eine Ausbildung unabdingbar. Die HWK-Sprecherin stellt fest: Viele Geflüchtete verfügen weiterhin über völlig unzureichende Deutschkenntnisse.″

Zudem kritisierte sie eine Verzögerung beim Abschluss vor allem der Integrationskurse. Der Bedarf sei immer noch höher als das Angebot an Integrationskursen, was zu Warteschleifen führe. Außerdem gebe es eine hohe Wiederholerquote für den Integrationskurs. Als bestanden gelte der Kurs, wenn in der Prüfung das Sprachniveau B1 erreicht werde.

Neben den Deutschkenntnissen sei eine frühzeitige und gute Berufsorientierung von großer Bedeutung. Wenn eine Ausbildung abgebrochen werden müsse, sei das für den Auszubildenden und für den Betrieb ein riesiger Nachteil.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück Emsland Grafschaft Bentheim stellt fest, dass sich die Anzahl der Ausbildungsverträge mit Personen aus den häufigen Asylzugangsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien von 27 im Jahr 2016 auf aktuell 87 in diesem Jahr mehr als verdreifacht hat. Davon seien seit 2016 bisher fünf Verträge gelöst und zwei in Einstiegsqualifizierungen umgewandelt worden. Bei den Einstiegsqualifizierungen registrierte die IHK 31 Verträge. Bei der HWK wurden 113 Verträge über eine Einstiegsqualifizierung mit Jugendlichen aus diesen Ländern geschlossen. Auch der IHK-Integrationsmoderator Yunus Güngördü, der für die IHK seit Juli die Betriebe mit Flüchtlingen betreut, erklärt: Das größte Problem sind die sprachlichen Fähigkeiten. Das wird oft auch von den Flüchtlingen selbst unterschätzt.″ Bei den Schutzsuchenden gebe es sehr unterschiedliche Vorbildungen, gerade bei den mathematischen Kompetenzen. Defizite in der Allgemeinbildung lassen sich nur mittelfristig aufarbeiten″, stellt der 28-jährige Integrationsmoderator, der zuvor in der kommunalen Arbeitsvermittlung mit Geflüchteten gearbeitet hat, heraus. Hinzu kommt, dass die Flüchtlinge ohnehin einen ganzen Rucksack an Problemen haben. Neben den Sprachproblemen müssen sie sich oft um Wohnungs- oder Aufenthaltsangelegenheiten kümmern.″ Eine weitere Herausforderung sei, dass die Jugendlichen dabei nicht die soziale Infrastruktur wie deutsche Auszubildende vor Ort hätten. Daher sei es schwierig, das Sprachdefizit noch während der Ausbildung aufzuholen. Güngördü empfiehlt für eine Ausbildung daher das Sprachniveau B2 und für eine Einstiegsqualifizierung das Sprachniveau B1.

Aktuell sieht Güngördü bei der Mehrzahl der Flüchtlinge auch während der Ausbildung noch zusätzlichen Förderbedarf bei der Sprache. Eine sehr gute Vorbereitung seien Sprint-Dual-Klassen. In dem Sprach- und Integrationsprojekt bekommen geflüchtete Jugendliche parallel zu Sprachförderung und Unterricht gleichzeitig praktische Einblicke in einen Betrieb und das Berufsleben.″

Zuletzt konnten von 27 Teilnehmern der Sprint-Dual-Klasse 18 für das laufende Ausbildungsjahr eine Stelle bekommen, für das kommende Jahr sind es drei weitere, was einer Erfolgsquote von 78 Prozent entspricht.

Der Arbeitsagentur-Sprecher Volkmar Lenzen sieht mangelnde Deutschkenntnisse als größtes Hemmnis für eine Arbeitsmarktintegration: Über 80 Prozent der Geflüchteten haben keinerlei Deutschkenntnisse.

Bildtext:
Die Ausbildung von Flüchtlingen funktioniert in der Regel, wenn sie gut Deutsch sprechen. Der Hasberger Landmaschinenhersteller Amazone unterstützt Flüchtlinge in der Ausbildung zudem wie hier durch Azubi-Paten (r.).

Archivfoto:
Swaantje Hehmann
Autor:
jcf


Anfang der Liste Ende der Liste