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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Tonnenschwere Millimeterarbeit
Zwischenüberschrift:
Restaurierung der Osnabrücker Schinkellok macht Fortschritte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Man muss den Osnabrücker Dampflokfreunden einfach Respekt zollen: Mit ganz viel Einsatz und Geduld restaurieren sie die alte Schinkellok. Jetzt sind sie einen großen Schritt weitergekommen: Fahrwerksrahmen und Achsen sind wieder vereint.

Osnabrück. Der Hans, der kann′s.″ Der Sprüche werden viele geklopft an diesem verregneten Herbsttag auf dem Zechenbahnhof. Und natürlich bekommt auch Hans Meyer seinen Anteil am Männerhumor ab. Er steht auf einem improvisierten Podest, das an ein Dirigentenpult erinnert. Meyer muss zwei der Hubböcke bedienen, mit denen der Fahrgestellrahmen der Schinkellok auf die Achsen abgesenkt wird. Unter seinem roten Baldachin, der ihn, wahrscheinlich aber wohl eher die Technik, vor der Feuchtigkeit schützen soll, bedient er virtuos die Knöpfe der Hydraulik. Die entsprechenden Kommandos gibt Reinhard Rolf. Er hat an diesem Tag sozusagen als Intendant das Sagen über das Orchester der Dampflokfreunde. Mit seinem Zollstock überwacht er das Absenken des Rahmens.

Das ist Millimeterarbeit. Hans, eins und zwei fünf.″ Nicht verstanden? Übersetzt lautet die knappe Anweisung, dass die Böcke eins und zwei um jeweils fünf Millimeter abgesenkt werden sollen. Hans legt den Schalter um, drückt zwei Knöpfe nur für den Bruchteil einer Sekunde und der schwere Rahmen senkt sich für das Auge kaum wahrnehmbar wie gewünscht um fünf Millimeter.

Zwei Fernbedienungen

Rolf nimmt seinen Zollstock und läuft zum vorderen Teil des Rahmens, nimmt Maß und gibt ein neues Kommando. Diesmal ist es Bernhard Kovermann, dem der Zuruf gilt. Auch er hat zwei Fernbedienungen in der Hand, mit denen er den frisch im glänzenden Rot erstrahlenden Rahmen auf- und abfahren kann. Allerdings muss er im Gegensatz zu Meyer im Nieselregen ausharren. Aber der stört hier sowieso niemanden. Die gute Laune der Dampflokfreunde kann keine Himmelsfeuchtigkeit trüben, denn mit dem Aufsetzen des Rahmens auf die Achsen, auch Einachsen genannt, wächst im Zechenbahnhof zusammen, was zusammengehört. Die Dampflok 41 052, die die Osnabrücker besser unter dem Namen Schinkellok kennen, macht einen gewaltigen Restaurationsschritt nach vorne.

Das minutiöse Hin- und Herrangieren mit dem etwa 25 Tonnen schweren Rahmen und den mit ihren bis zu 3, 5 Tonnen Gewicht auch nicht gerade federgewichtigen Achsen ist vor allem dem Fehlen eines soliden Hallenkrans geschuldet, ja überhaupt einer Halle, in der man trockenen Fußes so eine Mammutaufgabe bewerkstelligen könnte. Außerdem fehlt dem Rahmen ohne seinen Kessel die Steifigkeit. Er muss also trotz seines massiven Aussehens ganz vorsichtig bewegt werden, weil anderenfalls Schäden erheblichen Ausmaßes die Folge wären. Nur so ist sichergestellt, dass die Achsen sauber in die Rahmenführungen rutschen.

Wenn sich da eine Achse verkeilt, ist das ein echtes Problem″, mag Rolf lieber nicht an einen Fehler denken. Also legte er mit seinem Zollstock einen sauberen Marathon neben das Arbeitsgleis am Zechenbahnhof. Im steten Pendelverkehr von vorne nach hinten, nur unterbrochen durch penibles Messen und knappe Kommandos, dürfte er mit seinem Zentimetermaß als Wanderstab an diesem Tag einen Streckenrekord im Gleisbettwandern aufgestellt haben.

Ein großes Stück des Einachsens ist an diesem Tag geschafft. Ein paar Zentimeter aber fehlen noch. Die Verbindungen zwischen Achsen und Rahmen müssen noch einander angepasst werden, bevor beide eine endgültige Verbindung eingehen können.

Die Osnabrücker Dampflokfreunde sind auf Frischluftarbeit und ein veritables Improvisationstalent angewiesen. Das aber haben sie zur Genüge, denn Not macht erfinderisch und spart vor allem Kosten. Denn der Verein stemmt die Renovierung der Lok mit Bordmitteln. Über 600 000 Euro wird es wohl kosten, die 41 052 wieder unter Dampf zu bekommen, nachdem sie über 20 Jahre bis 2001 als Denkmallok in Schinkel an der Buerschen Straße stand. Die Arbeitsstunden der Dampflokfreunde dürften wohl ebenfalls in die Tausende gehen, die, die schon geleistet wurden, aber wohl auch die Stunden, die noch anfallen, um das alte Dampfross wieder fahrtüchtig zu bekommen. Denn das ist das erklärte Ziel des Vereins, der dann einer der wenigen ist, die überhaupt noch eine 41 052 unter Dampf und für die Schiene zugelassen ihr Eigen nennen können.

Spenden erforderlich

Spenden sind da herzlich willkommen, zum Beispiel über die Bauteilpatenschaft, die der Verein initiiert hat. Wer helfen will, kann ein Bauteil der Schinkellok erwerben. Das Ungetüm der Eisenbahngeschichte bietet dank seiner unzähligen Einzelteile ein großes Spektrum an Spendiermöglichkeiten.

Infos zur Bauteilpatenschaft gibt es auf www.osnabruecker-dampflokfreunde.de.

Mehr Fotos auf www.noz.de / os

Bildtexte:
Lagebesprechung: Reinhard Rolf (rechts) und Kai Lindemann diskutieren die nächsten Schritte beim Aufsetzen des Rahmens auf die Achsen.
Immer wieder muss der Zollstock ran. Das Absenken des Rahmens auf die Achsen muss langsam und millimetergenau erfolgen.
Der Dirigent an seinem Pult: Hans Meyer (links) hat die Lizenz zum Heben und Senken der Böcke. Ralf Schlapberger assistiert.
Fotos:
Michael Gründel
Autor:
Dietmar Kröger


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