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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Platz da für den Jürgensort!
Zwischenüberschrift:
Der „Thor′sche Durchbruch″ sollte die Verkehrsführung in der Innenstadt erleichtern
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Abrisssanierung ist keine Erfindung der 1970er-Jahre. 1926 schuf der Architekt und Bauunternehmer Robert Thor Fakten, indem er die zuvor von ihm erworbenen Häuser Große Straße 64 und 65 abreißen ließ und so eine neue Straßenverbindung zum Kamp einleitete. Das war die Geburtsstunde des Jürgensorts.

Osnabrück. Thor hatte vermutlich nicht in erster Linie das Interesse der Stadtplanung im Kopf, die südliche Große Straße, den Neumarkt und den Neuen Graben vom zunehmenden Verkehr zu entlasten. Er witterte vielmehr lukrative Aufträge für schöne große Geschäftshäuser, so wie er sie schon in der erbreiterten″ Georgstraße geschaffen hatte.

Projektentwickler Thor wurde 1925 zum Stadtgespräch. Eine Flut von Leserbriefen und Sachverständigenurteilen beschäftigte sich mit der für damalige Verhältnisse durchgreifenden Veränderung des Stadtbildes. Museumsdirektor Rolf Spilker hat die Diskussion im Begleitband zur kürzlich beendeten Ausstellung Waren, Welt und Wirtschaftswunder Die Große Straße um 1900″ ausführlich wiedergegeben.

Stadtbaurat Friedrich Lehmann gehörte demnach zu den Befürwortern. Sein Masterplan Verkehr″ ging sogar noch weiter. Er favorisierte eine Entlastungsverbindung vom Hannoverschen Bahnhof über Schillerplatz, Georgstraße, ein kurzes Stück Große Straße, dann die neue Durchlegung zur Katharinenkirche und weiter bis zur Martinistraße. Kritiker bezweifelten indessen, dass sich eine wirksame Entlastung bemerkbar machen würde.

Architekt Fritz Hammersen kam zu dem Ergebnis, dass Thors Initiative einzig ein geschäftliches Unternehmen″ sei. Die Osnabrücker Ortsgruppe des Bundes der Architekten forderte den Magistrat auf, sich nicht auf eine passive Einstellung zu beschränken, sondern aktiv einzuschreiten.

Es blieb aber letztlich bei einer eher passiven Rolle der Stadt. Die große Linienführung kam nicht zustande, der Thor′sche Durchbruch″ endete am Kamp. Die gerade Verbindung auf die Katharinenkirche zu entstand erst mit der Nordverschiebung der Straße Osterberger Reihe und der Schaffung des Adolf-Reichwein-Platzes im Jahr 1983 freilich nicht mit dem Ziel, Straßenverkehr aufzunehmen, sondern als Ergänzung des Fußgängerbereichs.

Ein Name für den Straßenstummel war bald gefunden. Jürgen ist eine niederdeutsche Form des Vornamens Georg. Und auf dem Jürgensort stand bis ins 16. Jahrhundert die St.-Georgs-Kapelle. Sie hat auch der Georgstraße zu ihrem Namen gebracht. Der Standort des Gotteshauses war etwa dort, wo heute unter der Hausnummer 67 die WMF-Filiale ansässig
ist.

Die Kapelle markierte die Sprengelgrenze zwischen St. Johann und dem Dom. Sie wurde 1530 bei einem großen Brand vernichtet und nicht wieder aufgebaut. Die Stadt kaufte die Trümmerreste und errichtete dort ein Steingebäude, das in seiner Geschichte verschiedenen Zwecken diente. Erst war es eine Rüstkammer, in der die Kriegsgerätschaften der Bürger wie Spieße, Hellebarden oder Morgensterne verwahrt wurden.

Als durch veränderte Waffentechnik kein eigener Raum mehr dafür benötigt wurde, fungierte es nacheinander als Gefängnis, Armenhaus und Quartier für Besatzungstruppen. Das Jürgenshaus″, wie es im Volksmund in Erinnerung an die alte Kapelle hieß, war lange Zeit das Spinnhaus″, das Armen Arbeit bot und sie so von der Straßenbettelei abhalten sollte.

1810 kam Oberlandbaumeister Hollenberg zum Zuge. Sein prächtiger klassizistischer Neubau diente in den Folgejahren als Uhrengeschäft, Spiegelfabrik und ab 1905 als Laden des Textilhändlers Lomnitz. Später gab es hier Eis in Tüten, für das der Eiskonditor Opitz mit seiner großen Eismaschine sorgte.

Bildtext:
Zwei Jahre zuvor standen die Häuser noch. Rudolf Lichtenberg hielt im Auftrag der städtischen Bauverwaltung den Altzustand im Jahr 1924 fest.

Zwei Häuser der Großen Straße mussten 1926 weichen, um einen Durchstich zum Kamp zu schaffen. Im Hintergrund ist der Turm von St. Katharinen zu sehen.

Der Jürgensort ist heute integrierter Bestandteil des Fußgängerbereichs Große Straße/ Kamp.

Fotos:
Archiv Museum Industriekultur, Rudolf Lichtenberg, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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