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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Herbstgespräch im November
 
Meine Zeitung und ich
 
Deutschland ist ein Zeitungsland
 
Meine Zeitung und ich
 
Orkane im Universum des Internets
 
Den Andruck im Nacken
 
Meine Zeitung und ich
 
Wenn der Leser das Wort hat
 
Sagen Sie mal …
 
Die 27 Jahre alte Schreibmappe ist immer dabei
 
Per Rad durch die Hauptstadt
 
Ein Kugelschreiber fürs Leben
 
Mit der Zweittastatur alles im Griff
 
Ohne Mobiltelefon läuft nichts
 
„Lügen wie gedruckt″
 
Wer Sprache liebt, lässt sie leben
 
„Journalismus wird immer wichtiger″
 
In 30 Monaten zum Nachrichtenprofi
 
„Bin ich Opa, gibt es Print nicht mehr″
 
So arbeitet die Redaktion für die Region
 
Am Windrad: Held mit Herz in der Hose
 
Allein unter Rockern und Polizisten
 
„Hallo, ich bin die von der Lügenpresse″
 
Von der Faszination des Druckens
 
Meine Zeitung und ich
 
Näher an den Leser herangerückt
 
Was lesen Sie? Was liest Du?
 
Wenn der Roboter das Beben meldet
 
Extrablatt nach Nachtschicht
 
Schatten über Stuttgart Oder: Bambi mag nicht tanzen
 
Auf einen Kaffee mit den Reichsbürgern
Zwischenüberschrift:
Neue Osnabrücker Zeitung lädt seit 2006 jährlich zum Gedankenaustausch nach Berlin
 
Täglich elf Millionen Exemplare für Abonnenten – Eine feste Größe gedruckt und digital
 
Die „fünfte Gewalt″: Wie Medienforscher Kommunikation in der digitalen Ära sehen
 
Wie Blattmacher und Redaktionsassistenten dafür sorgen, dass auch späte Ereignisse ins Blatt gelangen
 
Leserbriefe haben in der NOZ einen festen Platz – Böse Zuschriften landen nicht im Papierkorb, sondern auf der Bühne
 
Üblicherweise sind Redakteure diejenigen, die die Fragenstellen. Hier ist es mal andersherum. Sechs Fragen an fünf Redakteure der Neuen OZ von Osnabrück über Lingen bis Berlin.
 
Wilfried Hinrichs ist Leiter der Redaktion Stadt Osnabrück
 
Berlin-Korrespondentin Beate Tenfelde
 
Stefan Alberti kennt sich in der Showbranche aus
 
Mike Röser ist stellvertretender Leiter der Lokalredaktion in Lingen
 
Svenja Kracht arbeitet in der Digital-Redaktion
 
Wahrheit oder Lüge? – Sprichwörtliche Redensarten verraten viel über die Einstellung zum Gedruckten
 
Das Korrektorat ist bei der Neuen Osnabrücker Zeitung die höchste Instanz bei Rechtschreibung und Grammatik
 
Zeitungsforscher Günther Rager: Leser kaufen Zeitung im Vertrauen auf geprüfte Qualität
 
Volontariat bei der Neuen Osnabrücker Zeitung: Wie die Redaktion ihren journalistischen Nachwuchs ausbildet
 
Nachwuchsjournalist Henning Hünerbein aus Bissendorf über Videodays, Youtuber und die Zukunft der Medien
 
Wie Texte und Bilder in die Zeitung, auf noz.de und in die Apps kommen – Einblick in den Arbeitsalltag von 5 Uhr bis nach Mitternacht
 
Als sich 400 Outlaws heimlich im Schützendomizil einmieteten
 
NOZ Druckzentrum investiert laufend in Technik – Interview mit Geschäftsführer Jens Masur
 
Warum immer mehr Abonnenten neben der Printausgabe auch die digitalen Angebote nutzen
 
Wie Redakteure die Nachrichten für die digitalen Kanäle auswählen – und warum wir die Leser mal siezen, mal duzen
 
Innovationen und Technik-Trends wirken immer stärker auf den digitalen Journalismus ein
 
Ohne Schlaf und mit Chili aus der „Ranch″: Sonderausgabe zum VfL-Aufstieg 2000
 
Vom traurigsten Dreikönigstreffen aller Zeiten
 
Begegnung mit Gruselfaktor
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Originaltext:
HERAUSGEBER:

Verlag Neue Osnabrücker Zeitung GmbH & Co. KG., Breiter Gang 10–16, 49074 Osnabrück, Telefon 05 41/ 310-0

REDAKTION:

Neue Osnabrücker Zeitung GmbH & Co. KG

V.i.S.d.P.:

Ralf Geisenhanslüke

KONZEPTION:

Berthold Hamelmann, Julia Kuhlmann

AUTOREN:

Stefanie Adomeit, Constantin Binder, Josef Eitsch, Martina Grothe, Berthold Hamelmann, Bastian Klenke, Michael Krechting, Anne Krum, Julia Kuhlmann, Stefan Lüddemann, Thomas Niemeyer, Harald Pistorius, Kathrin Pohlmann, Katharina Ritzer, Claudia Sarrazin, Melanie-Heike Schmidt, Carmen Vosgröne, Stefanie Witte

FOTOGRAFEN:

Axentis, Wolfgang Borrs, Colourbox, David Ebener, Michael Gründel, Berthold Hamelmann, Swaantje Hehmann, Liesa Johanssen, Helmut Kemme, Dieter Kremer, Julia Kuhlmann, Georg Lopata, Hermann-Josef Mammes, Jörn Martens, Julia Mausch, mct consulting, Svea Pietschmann, Wilfried Roggendorf, Claudia Sarrazin, Andreas Schoelzel, Ali Varli, Gert Westdörp, Uwe Westdörp, Jochen Zick

ART DIRECTOR:

Matthias Michel

GRAFIK/ LAYOUT:

Birgit Brockschmidt, Reiner Stroeve

ANZEIGEN-/ WERBEVERKAUF:

MSO Medien-Service GmbH & Co. KG, Große Straße 17–19, 49074 Osnabrück, Postfach 29 80, 49019 Osnabrück, Telefon 05 41/ 310-500, Geschäftsführer: Sven Balzer, Sebastian Kmoch (V.i.S.d.P.), Verantwortlich für Anzeigen-/ Werbeverkauf: Sven Balzer

TECHNISCHE HERSTELLUNG:

Druckzentrum Osnabrück, Weiße Breite 4

JUBILÄUMSAUSGABE

50 Jahre Neue OZ

GESTERN HEUTE MORGEN

Verlagsbeilage für die Region Osnabrücker Land, Teil 2

Das Gute liegt manchmal so nahe. Warum haben wir eigentlich die Idee nicht eher umgesetzt?″, fragten sich 2006 die Verantwortlichen.

Redaktion und Verlag freuten sich wieder einmal über die Anerkennung, die der Zeitung zuteilgeworden war. Anhaltend hohe Zitierquoten, die auf einer ausgezeichneten politischen Berichterstattung fußten, brachten eine hohe Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Das eigene Korrespondentenbüro, das kurz nach der Jahrtausendwende in Berlin eröffnet worden war, lieferte hervorragende Arbeit. Was lag näher, als auch in der deutschen Hauptstadt die Präsenz nach außen zu verstärken?

Das Ergebnis war Ende November 2006 das erste Herbstgespräch″. Eine illustre Gästeschar fand gleich bei der Auftaktveranstaltung den Weg ins Haus der Bundespressekonferenz am Schiffbauerdamm 40.

Das Protokoll registrierte beispielsweise Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, den designierten EU-Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering und den frischgebackenen Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius.

Viele der Gäste kamen in den folgenden Jahren immer wieder gerne vorbei oft in anderer Funktion oder neuem Amt.

Die gelöste Atmosphäre, der zwanglose Plausch über Parteigrenzen hinweg, lockte auch hochrangige Vertreter aus Verbänden, Institutionen und der Wirtschaft. Selbst der Name Herbstgespräch″ für eine Veranstaltung im November etablierte sich ruckzuck. Und mit den Jahren wuchs die Zahl der Anekdoten. Irgendwo zwischen Landes-, Bundes- und Europapolitik war etwa beim Auftakt 2006 plötzlich Christians Wulffs neue Frisur ein Thema.

Unvergessen auch der Auftritt von Jürgen Großmann: 2009 kam der damalige RWE-Vorstandsvorsitzende mit einem dicken Packen Kopien unterm Arm, deponierte sie zum Erstaunen aller im Eingangsbereich.

Der Redner des Abends lieferte die Erklärung gleich nach. Er habe verabredungsgemäß einen Vortrag vorbereitet, finde aber andere Aspekte interessanter. Wer wolle, könne seine alte Rede ja nachlesen. Einer der Kernsätze des Top-Managers: Klimaschutz ist eine wahre Jobmaschine.″

2010 stand plötzlich ein überdimensionaler Teller im Mittelpunkt. Der Präsident des Fußballvereins Borussia Dortmund, Reinhard Rauball, brachte in seiner Eigenschaft als Präsident des deutschen Ligaverbandes eine originalgetreue Kopie der Meisterschale mit nach Berlin. Sie bildete die perfekte Kulisse für den Fußball-Talk. Wer es eben schaffte, ließ sich mit der Salatschüssel″ fotografieren. Selbst das Küchenpersonal nutzte diese Chance, ein bisschen Bundesliga″ in den Händen zu halten.

2017 steht eine organisatorische Veränderung an. Erstmals findet der traditionelle Neue OZ-Herbstempfang in der gemeinsamen Landesvertretung von Niedersachsen und Schleswig-Holstein in Berlin statt. Dies versteht der Verlag als ein Zeichen neuer norddeutscher Verbundenheit: Denn unter dem Dach von NOZ Medien vereint, erreichen die Neue Osnabrücker Zeitung mit ihren Regionalausgaben und die Titel der 2016 erworbenen mh: n-Gruppe mit ihren publizistischen Flaggschiffen, dem Flensburger Tagesblatt″ und der Schweriner Volkszeitung″, etwa 460 000 Abonnenten.

Bildtexte:
Munterer Start im Haus der Bundespressekonferenz: Jürgen Wermser (NOZ-Chefredakteur 2003 bis Mai 2010) plaudert charmant mit Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen.
Heimspiel: Ewald Gerding (NOZ-Chefredakteur 2003 bis Mai 2010) begrüßt in Berlin den gekürten Osnabrücker OB Boris Pistorius (l.) und den emsländlischen Landrat Hermann Bröring (r.)

Ich war 42 Jahre bei der Polizei Niedersachsen und bin nun seit vier Jahren pensioniert. Ich sammle seit 40 Jahren Sachen von der Polizei aus der ganzen Welt. Ich habe eine Art Polizeimuseum zu Hause in Hasbergen. Manchmal bekommt man ein besonderes Stück, wie im Juni 2008 eine Generalsmütze von der Polizei Afghanistan. Vermittelt wurde die Aktion durch den damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Schwanholz. Er hat seinen Parteifreund und damaligen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gebeten, auf einer Dienstreise nach Afghanistan eine hochrangige Polizeimütze für mich mitzubringen. Das hat dann geklappt, und die NOZ hat am 14. Juni 2008 von der Übergabe berichtet.″

Heinz Gausmann
Hasbergen

Ohne Ihre Zeitung schmeckt uns das Frühstück nicht gut.″

Waltraut und Fritz Westmeyer

Dissen

Laut der aktuellen Erhebung des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) punkten die regionalen Tageszeitungen beim Thema Glaubwürdigkeit″ und Objektivität″. Vom großen Weltgeschehen in Politik, Wirtschaft und Sport bis hin zum lokalen Leben in der eigenen Nachbarschaft begleitet die Tageszeitung ihre Leser. Kein anderes Medium bildet die Welt der Leser so hautnah ab.

Selbst in den Zeiten des digitalen Wandels, in Zeiten von Smartphones, Websites und ePaper, erscheinen jeden Tag in Deutschland 333 Tageszeitungen mit einer gedruckten Gesamtauflage von 15, 3 Millionen Exemplaren. Zusätzlich erscheinen vier Millionen Wochen- und Sonntagszeitungen und 86, 9 Millionen Anzeigenblätter.

Deutsche Zeitungen haben treue Leser: Knapp 11 Millionen Exemplare werden täglich für Abonnenten bis an die Haustür gebracht. Zusätzlich gehen 500 000 Exemplare pro Tag in den rund 111 000 Verkaufsstellen über die Theke. Die überregionalen Zeitungen verkaufen knapp 700 000 Zeitungen täglich im Abonnement und weitere 100 000 Exemplare im Einzelverkauf.

Über 41 Millionen Männer und Frauen, mehr als die Hälfte der Einwohner der Bundesrepublik, lesen regelmäßig eine gedruckte Tageszeitung. Dabei liegt die Anzahl der weiblichen Leser leicht vor der der männlichen.

Zusätzlich
erschließen die Verlage offensiv die digitalen Märkte und entwickeln online und mobil zusätzliche Angebote für Leserinnen und Leser. So werden die Internet-Angebote der Zeitungen täglich von 35, 5 Millionen Besuchern aufgerufen.

Hinzu kommen zehn Millionen Nutzer, die sich mindestens einmal pro Woche via Smartphone- oder Tablet-App beziehungsweise über eine mobile Website informieren. Waren im Sommer 1996 nach einer Zählung des BDZV erst 41 Zeitungen neben der gedruckten Ausgabe auch online aktiv, so gibt es heute 692 verschiedene Zeitungswebsites.

Egal ob die gedruckte Zeitung oder eine Website, lesen fordert Zeit und Konzentration. Anders als bei Fernsehen oder Radio kann sich der Leser nicht einfach berieseln lassen, sondern investiert selbst: Zeitungsleser verbringen täglich im Schnitt eine gute halbe Stunde mit ihrer Lektüre, am Wochenende oft sogar eine Dreiviertelstunde. Dabei nehmen sich Männer laut BDZV mehr Zeit als Frauen für die Zeitung, und die über 50-Jährigen lesen deutlich länger als die 14- bis 29-Jährigen.

Zum Vergleich: Der tägliche Fernsehkonsum betrug in Deutschland im Jahr 2015 223 Minuten.

Am meisten interessieren sich die Leser dabei für lokale Nachrichten. Für über 80 Prozent sind laut der BDZV-Studie die Nachrichten aus der Region am wichtigsten. Auf den folgenden Plätzen in der Beliebtheitsskala folgen politische Meldungen und Berichte aus Deutschland sowie dem Ausland.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland der größte Zeitungsmarkt in Europa und der fünftgrößte der Welt.

An circa 5000 Absatzstellen wird zusätzlich internationale Tagespresse angeboten; dabei setzen Bahnhöfe und Flughäfen mit ihren rund 450 Verkaufsstellen weit über die Hälfte der internationalen Presseerzeugnisse ab.

Auch die erste Zeitung der Welt und älteste Tageszeitung der Welt kommen aus Deutschland: Die Einkommenden Zeitungen″ erschien erstmals am 1. Juli 1650 in Leipzig und wurde vom Drucker und Verleger Timotheus Ritzsch sechs- bzw siebenmal pro Woche herausgegeben.

Bereits 45 Jahre früher, am 21. Dezember 1605, publizierte der deutsche Drucker, Buchbinder und Verleger Johann Carolus die Wochenzeitung Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien″ in Straßburg. Die Relation″ erschien bis 1659 und wird vom Weltverband der Zeitungen als erste Zeitung der Welt anerkannt.

Grafik: Colourbox.de

Ich wurde als Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte St. Marien verabschiedet. Meine Schulfreundin, die als Ordensschwester im Senioren heim St. Clara tätig war, sah die Fotos von der Verabschiedung in der Zeitung. Wir hatten uns nach der Schulzeit aus den Augen verloren. Sie rief bei mir an. Leider ist Schwester Maria Elisabeth nach Haren versetzt worden . Aber wir haben, dank der NOZ, uns nach 40 Jahren wiedergesehen und unterhalten regen Kontakt. Ökumene geht immer!

Inge Mallok
Osnabrück

Noch heute haben wir die Anzeige, die am 24. November 1990 in der NOZ erschien und Grundstücke in Voxtrup anbot. Wir erwarben ein Grundstück, bauten ein Haus und genießen auch heute noch das Wohnumfeld, die netten Nachbarn und die Nähe zur Innenstadt. Ohne die damalige Anzeige in der NOZ wäre das Leben unserer Familie anders verlaufen.

Helga Jerosch
Osnabrück

Foto: privat

Die Konjunkturkurven von Nachrichten in klassischen Medien wie der Tageszeitung nehmen sich harmlos aus im Vergleich zu den Fieberstößen, die durch das Netz jagen, wenn ein Thema die digitale Arena aufpeitscht. Die Struktur der Öffentlichkeit ändert sich gerade grundlegend″, sagt Annie Waldherr. Die Juniorprofessorin für Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster vermisst dieses zunehmend vage Terrain in empirischen Studien. Ihr Fazit im Schnelldurchgang: Themenkarrieren beschleunigen sich rapide, Reaktionszeiten schrumpfen bestürzend schnell zusammen, die tradierten Rollenmodelle von Medienmachern kommen dramatisch unter Druck.

Solche Umbrüche und die von ihnen ausgehende Unruhe fordern die Diagnostiker des Zeitgeistes heraus. Einer von ihnen ist der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Mit dem Stichwort der fünften Gewalt″ hat er bezeichnet, was viele Nutzer fasziniert und manche Beobachter beunruhigt die Formierung einer medialen Öffentlichkeit, die sich in den Mustern ihrer Reizbildungen und Reaktionsweisen den Standards klassischer Medien nicht mehr fügt. Pörksen, Professor an der Universität Tübingen, definiert die fünfte Gewalt″ als die vernetzten Vielen des digitalen Zeitalters″. Das klingt nach Basisdemokratie und Schwarmintelligenz, nach dem Aufbruch in ein allgemeines Gespräch vieler Menschen, die sich von der Vormundschaft weniger Mandarine der Medien und ihrem Agenda-Setting endlich befreit haben.

Und vor allem nach einer Neuauflage jener vierten Gewalt″, die etablierte Medien sein sollen. Tageszeitung, Radio, Fernsehen: Sie liefern geprüfte Information, mit denen sich der mündige Bürger in einer pluralen, demokratisch verfassten Gesellschaft orientieren und an der politischen Willensbildung mitwirken kann. So lautet die klassische Rollenbeschreibung für Medien, deren Akteure sich als Kontrolleure der politischen Macht verstehen. Aber sehen das Mediennutzer auch so? Dieses klassische Rollenverständnis ist in den letzten Jahren erodiert. Pörksen konstatiert eine seit Jahren im Geheimen wachsende Medienverdrossenheit. Journalisten werden demnach als zu mächtig und eindeutig manipulativ eingeschätzt, fokussiert der Medienforscher seine Diagnose. Haben die Medien den Politiker Christian Wulff fair behandelt oder seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten nicht herbeigeschrieben? Und war die Berichterstattung über die Ukraine-Krise ausgewogen oder nicht doch zu sehr an der Sicht des Westens orientiert? Zwei Beispiele für einen schleichenden Vertrauensverlust.

Die fünfte Gewalt″ verspricht eine Gegenöffentlichkeit, die sich auf unübersehbar viele Informationen stützen und mit unterschiedlichen Meinungen vielstimmig äußern kann. Manipulation soll so ausgeschlossen sein. Viele Menschen misstrauten den etablierten Medien und hätten Angst, wichtige Informationen zu verpassen, bemerkt Annie Waldherr. Das Internet verspreche Gegenfakten″. Junge Leute informierten sich ohnehin nur noch über soziale Netzwerke. Aber reicht das aus?

Nicht jeder ist sofort ein Journalist″, hält Steffen Burkhardt, Professor für Medienwissenschaften an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, dagegen und fordert Qualität ein. Die Resultate, die die fünfte Gewalt″ hervorbringt, fallen in der Tat verwirrend gegensätzlich aus. Sicher, der Plagiatsskandal um die Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg wurde 2011 von den Autoren der Netzseite GuttenPlag Wiki aufgedeckt. Das Internet hat nicht nur in diesem Fall für Faktentransparenz gesorgt und so aufklärerisch gewirkt. Die Hasstiraden der Shitstorms und die automatisierten Wortmeldungen der Social Bots verweisen hingegen auf die dunkle Seite eines Internets, das Mobbing und Manipulation ein perfektes Spielfeld bietet.

Verheddert im sozialen Netz? Unter diesem Titel diskutieren Medienexperten im Oktober 2017 in der Evangelischen Akademie Loccum die medialen Auswüchse des Internets. Stichwörter wie Fake News, Social Bot oder Populismus bilden ein Netz der Aspekte, die immer wieder in einer bangen Frage zusammenlaufen: Wie ist vertrauensvolle Kommunikation im Netz möglich? Wo bleiben Authentizität und Wahrhaftigkeit der Verständigung? Vor allem die Aussicht, dass digitale Medien und soziale Netzwerke einen zunehmenden Einfluss auf Wahlen gewinnen, bietet nach den Worten von Albert Drews Grund zur Sorge. Es geht darum, das Konzept des mündigen Bürgers auf die digitale Welt zu übertragen″, sagt der Tagungsleiter und Referent für Politische Kultur an der Akademie in Loccum.

Drews votiert deutlich für die klassischen Medien. Diese Medien reflektieren und filtern das Informationsangebot″, sagt der Mitarbeiter der Akademie. Nach seiner Meinung bieten sie sogar im Vergleich zum Internet das weitere Spektrum an Meinungen und Informationen. Das Netz-Problem: Im Internet bewegen sich viele Nutzer in einer Blase. Die Algorithmen des Netzes spielen ihnen gezielt jene Informationen zu, die zu ihren Vorlieben passen. So entsteht ein geschlossener Raum der Selbstbestätigung. Menschen gewöhnen sich daran, nur noch jene Meinungen zur Kenntnis zu nehmen, die zu ihren Ansichten passen. Ihr Horizont verengt sich. Das bringt auch Journalisten in Gefahr. Journalisten greifen Themen, die im Internet kursieren, oft zu schnell und zu unreflektiert auf″, bemängelt Steffen Burkhardt und nennt das Beispiel der Flüchtlingsdebatte mit ihren Polemiken und Einseitigkeiten.

Der amerikanische Philosoph Jason Brennan geht das Problem noch grundsätzlicher und gleichzeitig radikaler an. Wir entscheiden uns für das Medium, das unsere Ansichten bestätigt, und behandeln Andersdenkende wie Ungläubige″, beschreibt der Denker von der Georgetown University den Schließungsmechanismus des Internets. Seiner Ansicht nach rutschen damit weite Kreise der Bevölkerung in den Status der Uninformiertheit ab. Brennan sieht damit die Grundlage von sinnvollen Entscheidungen von Wahlen gefährdet. In seinem Buch Gegen Demokratie″ votiert er dafür, in Reaktion auf die von digitalen Medien veränderte Öffentlichkeit das Wahlrecht einer gut informierten Elite vorzubehalten. Uninformiert wählen zu gehen ist moralisch schlecht″, sagte der Professor im August 2017 in der Sendung Sternstunde Philosophie″ des TV-Senders 3sat. Gut informierte Wähler seien in der Lage, die Perspektive zu wechseln. Sie unterstützten, wie Studien zeigten, häufiger den freien Handel, die diplomatische Lösung von Konflikten, die Rechte von Minderheiten. Führt das Internet am Ende zu einem Abschied von der auf dem allgemeinen Wahlrecht basierenden Demokratie? Der Populismus nimmt zu. Das ist gefährlich″, sagt jedenfalls Jason Brennan.

So radikal wie ihr amerikanischer Kollege wollen deutsche Wissenschaftler nicht denken. Allerdings sind auch sie der Meinung, dass der offene Diskurs und die freie Information Basis der pluralen Gesellschaft seien. Nach Ansicht von Steffen Burkhardt leisten klassische Medien gerade in dieser Hinsicht einen unverzichtbaren Dienst an der Gesellschaft. Journalisten könnten angesichts der unüberschaubaren Informations- und Meinungsfülle des Internets nicht mehr Gatekeeper sein, die Informationen auswählten und der Öffentlichkeit mitteilten, verabschieden Burkhardt und seine Kollegin Waldherr das überkommene Rollenmodell. Die Rolle des Journalisten besteht heute eher im Gatewatching″, sagt die Münsteraner Juniorprofessorin. Sie plädiert ebenso wie Burkhardt und Drews dafür, den Bürger durch verbesserte Medienkompetenz zu einem sinnvollen Umgang mit dem Internet anzuleiten.

Bernhard Pörksen hatte mit dem Stichwort von der fünften Gewalt″ die Debatte um das Netz und den rapiden, bisweilen chaotischen Wandel der Öffentlichkeit auf den Begriff gebracht. Sosehr Pörksen diese neue Medienwelt bisweilen auch zu feiern scheint, so sehr stellt er zugleich die Frage, wie die Netzwelt zu zähmen wäre. Anders gesagt: Wie kann das Vertrauen in Kommunikation auch im Internetzeitalter hergestellt werden? Annie Waldherr empfiehlt, auf die Nutzer des Netzes zuzugehen, ja keinen Abstand zwischen ihnen und den Medienmachern entstehen zu lassen. Steffen Burkhard empfiehlt Journalisten, eine Kultur des Faktenchecks zu entwickeln und das mediale Gespräch lieber zu moderieren, als zu dominieren. Albert Drews sieht die Bildungspolitik gefordert. In einem sind sich aber alle einig: Die schnelle Antwort hat niemand. In dieser Frage gibt es nur langfristige Strategien″, so Wissenschaftlerin Waldherr.

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Soziale Netzwerke wie Facebook sorgen für eine Flut an Informationen, die sie nach den Interessen der Nutzer filtern.

Montag, 19. Dezember 2016, 20.43 Uhr. Die Zeitungsseiten für die Dienstagsausgabe sind weitgehend fertig, nur hier und da feilen die Mantel-Blattmacher im Newsroom noch an Überschriften und Bildtexten. Da poppt im Agentureingang eine Eilmeldung der Deutschen Presseagentur dpa auf: Polizei geht von Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt aus.″ Von da an muss alles neu gedacht werden. Nicht nur in Öffentlichkeit, Politik und Behörden, auch in der Redaktion.

Und dort besonders schnell: Denn um 21.30 Uhr ist Andruck, dann müssen die ersten Seiten gedruckt werden, um eine reibungslose Produktion zu gewährleisten. Zwar können im Laufe des Abends einzelne Ausgaben aktualisiert werden idealerweise sollen aber alle Zeitungstitel so aktuell wie möglich sein.

Die Blattmacher am Print-Desk Mantel″, zuständig für die überregionalen Seiten wie Politik, Wirtschaft, Kultur und Weltspiegel, schmeißen an diesem Abend die Seiten 1 und 3 um; Berlin-Korrespondentin Beate Tenfelde liefert kurzfristig ein Feature , Chefredakteur Ralf Geisenhanslüke steuert einen Kommentar bei. Doch die Aktualisierungen haben einen Dominoeffekt: Was vorher auf den Seiten 1 und 3 stand, muss nun anderswo untergebracht werden, sodass auch dort neu geplant werden muss.

Von den sieben Blattmachern, die im Schichtbetrieb am Print-Desk arbeiten, sind die ersten um diese Zeit bereits zu Hause; für die anderen ist an Feierabend nicht mehr zu denken. Denn nicht nur die Hauptausgabe der NOZ muss ständig aktualisiert werden auch mehrere Partnerverlage im Nordwesten Deutschlands beziehen ihre Mantelseiten aus Osnabrück. Und auch die haben einen Anspruch auf die jeweils neueste Fassung.

Hier den Überblick zu behalten ist schon unter regulären Umständen kompliziert: Den Mordfall in Aurich, der als Meldung auf der Seite Nordwest″ erscheint, behandeln die Kollegen der Ostfriesischen Nachrichten in ihrem Lokalteil. Die Nachricht im Mantel muss dort also durch ein Austauschstück ersetzt werden. Gleiches gilt für lokale Nachrichten aus Osnabrück oder dem Emsland mit dem Effekt, dass zuweilen nicht einmal alle Ausgaben in einem Landkreis die gleichen Mantelseiten haben.

Während Reporter, Korrespondenten und freie Mitarbeiter Artikel, Kommentare und Interviews liefern, die in der Regel zuerst im Internet erscheinen, sind die Blattmacher ausschließlich für die Produktion der gedruckten Zeitung zuständig: Überschriften, Untertitel, Bildauswahl und - zuschnitt. Ihr wichtigster Job aber ist die kritische Bearbeitung der Texte, das Redigieren.

Unterstützt werden die Blattmacher von den Redaktionsassistenten: Mediengestaltern, die die technischen Aspekte der Zeitungsproduktion im Blick behalten. Sie prüfen, ob die Texte die richtigen Abstände haben, die Bildausschnitte richtig gewählt sind oder die Seitenverweise auf der Titelseite stimmen. Erst wenn sie keine Fehler mehr sehen, senden sie eine Seite ans Druckzentrum. Und das bei jeder Aktualisierung erneut.

Bildtexte:
Qual der Wahl: Am Nachmittag sichten die Blattmacher des Print-Desk Mantel mit Teamleiter Marcus Tackenberg (vorne) die Karikaturen.
Starke Optik: Die Redaktionsassistenten um Matthias Michel erstellen unter anderem ansprechende Grafiken.

Es muss im Mai 1982 gewesen sein, da wurde ich Objekt einer Glosse in der Neuen Osnabrücker Zeitung, und das kam so: Einige wenige Verantwortliche von Behinderteneinrichtungen oder - verbänden aus Osnabrück fanden sich zusammen, um das Behindertenforum Osnabrück zu gründen . Zu diesen Leuten gehörte auch ich als damaliger Leiter des späteren Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte. Bei der konstituierenden Versammlung hatten wir uns darauf geeinigt, für jede bestimmte Gruppierung von Menschen mit Behinderungen jeweils einen Sprecher zu wählen. Für die Gruppe Blinder und Sehbehinderter schlug ich als rheinische Frohnatur als Sprecher jemanden mit der Begründung vor, er trage schließlich eine Brille. Prompt war ich am folgenden Tag Gegenstand einer in Ansätzen sicher bissigen Glosse in der NOZ. Sie trug den Titel: Die Brille macht′s′. Die Redakteurin ergänzte auch noch, dass die anderen Sprecher ebenfalls gewählt wurden, darunter für Gehörlose und Schwerhörige auch ich das Glossenobjekt. Ich habe der NOZ die Glosse nie verübelt, schließlich war und bin ich ja ein humorvoller Rheinländer, der im Osnabrücker Land geblieben ist.″

Johannes Michels
Georgsmarienhütte

Sie müssen Ihre Leser lieben.″ Dieser Satz ist das Mantra, mit dem angehende Redakteure im Volontariat auf den Beruf vorbereitet werden. Die Liebe zum Leser, zu den Menschen der Region, in der und über die man schreibt, ist unabdingbar, um guten Journalismus zu machen vor allem bei einer Regionalzeitung wie der NOZ mit ihren Lokalausgaben. Was treibt die Menschen um? Welche Sorgen und Nöte, welche Bedürfnisse haben sie? Wo engagieren sie sich, wie verbringen sie ihre Freizeit? Was wird in politischen Gremien entschieden, und welche Auswirkungen hat das auf den Lebensalltag? Diesen und vielen anderen Fragen gehen Redakteure jeden Tag nach und schreiben darüber.

Über das, was dann in der Zeitung oder auf der Webseite im Internet erscheint, reden und diskutieren die Adressaten. Neuigkeiten sind Gesprächsstoff, im Positiven wie im Negativen. Denn in manchen Berichten fehlen den Lesern Aspekte, zu manchen haben sie eigene Erlebnisse oder Gedanken hinzuzufügen. Das gilt umso mehr im Fall von Kommentaren, der journalistischen Form, in der Redakteure ihre eigene Meinung kundtun. Sie stoßen oft auf Zustimmung, reizen aber mindestens ebenso oft zu Widerspruch. Und das wollen selbstbewusste Leser ihrer Zeitung auch mitteilen.

In der NOZ erscheinen Leserbriefe fast täglich auf der Seite Dialog″. Jeder Absender wird auf Echtheit geprüft, jeder Brief von der Chefredaktion gelesen und gegebenenfalls gekürzt es sollen schließlich viele verschiedene Leser zu Wort kommen. Was auch der Grund dafür ist, dass nicht jeder Beitrag von fleißigen Schreibern den Weg ins Blatt findet.

Manche Zuschriften aber, egal ob sie per Post oder per E-Mail kommen, wandern direkt in die Ablage. Ihre Redaktion ist ein verkrüppelter Rentnerhaufen″; Schmierblatt!″; „ Den Kopf sollte man dir vom Rumpf trennen!″– wer so schreibt, hat nicht nur die sachliche Diskussionsebene ver-, sondern auch die Regeln der Höflichkeit und des Respekts weit hinter sich gelassen. Solche Beleidigungen und Hetze können nicht veröffentlicht werden.

Andererseits sind diese Briefe in ihrer Deftigkeit und Absurdität auch durchaus unterhaltsam. Deshalb haben NOZ-Redakteure beschlossen, diese Hasspost doch zu veröffentlichen: in einem Bühnenprogramm mit dem Titel Hate Slam. Zwei solcher Veranstaltungen fanden im vergangenen Jahr statt, eine in Osnabrück und eine in Lingen. Vorgetragen wurden Leserbriefe und Anmerkungen zu Online-Berichten, Facebook-Kommentare und Whatsapp-Nachrichten. Teilweise über Jahre gesammelt, teilweise ganz frisch zu aktuellen Themen wie der Flüchtlingskrise und der Berichterstattung über die AfD.

Gerade bei diesen beiden Themenkomplexen scheinen die Schleusen für Hass und Wut aber weit geöffnet zu sein. Die Beschimpfung der Lügenpresse″ ist offensichtlich salonfähig geworden. Eine Basis für eine sachliche Diskussion bieten diese Zuschriften nicht mehr. Aber man kann sich gemeinsam darüber amüsieren selbst wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Auch in diesem Jahr organisieren NOZ-Redakteure wieder zwei Hate Slams: Am 8. November in der Osnabrücker Lagerhalle und am 15. November in der Markthalle Delmenhorst. Karten gibt es in den Geschäftsstellen und unter noz.de/ tickets.

Bildtext:
Bei manchen Leserbriefen stockt Redakteuren der Atem, so viel Wut und Hass sprechen daraus. In der Zeitung landen diese Zuschriften nicht, aber auf der Bühne: Beim Emsland Hate Slam im November 2016 in Lingen lasen Julia Mausch (von links), Katharina Ritzer, Benjamin Havermann, Maike Plaggenborg, Gerd Schade, Hermann-Josef Mammes und Mike Röser die bösen Briefe vor.

Meine Schreibmappe. Klein, handlich, praktisch, zäh und 27 Jahre alt. Ich gebe zu: Die Mappe war 1989 ein billiges Werbegeschenk eines großes Energieversorgers, aber ohne Werbeaufdruck und deshalb alltagstauglich. Als Volontär dachte ich, die reicht fürs Erste. Heute kann ich mich nicht von ihr trennen. Sie hat viel durchgemacht. Ich hätte sie fast einmal im russischen Schnee und unter einem chinesischen Hotelbett verloren. Puh. Klebeband muss sie zusammenhalten. Mindestens bis zur Rente.

Stolz? Na ja, ganz zufrieden bin ich mit unserer journalistischen Begleitung der Bürgerbefragung über die Westumgehung 2014. Damals kochten die Emotionen so hoch, wie ich es in einem Wahlkampf nie zuvor erlebt hatte. Unserer Redaktion ist es, so glaube ich, gut gelungen, in dieser aufgeheizten Stimmung kühlen Kopf zu bewahren und auf allen Kanälen und mit ungewöhnlichen Formaten den Wählern Orientierung zu bieten. Fair, sachlich, objektiv. Mit reinem Gewissen.

Gefühlt ist das zwanzig Jahre her. Es war eine Geschichte über eine junge Bäuerin aus Georgsmarienhütte. Das Thema: Wie ergeht es einer jungen Frau in einem von Männern dominierten Berufsfeld? Michaela war ihr Name und wie nenne ich sie im Bildtext? Michael! Ich schäme mich noch heute. Das hat sie mir zu Recht auch übel genommen.

Es waren mehrere. Bei meinem ersten Besuch im Osnabrücker Hospiz kurz nach dessen Erweiterung saßen wir bei Kaffee und Kuchen beisammen: Ich, der noch relativ junge Redakteur mit großen Lebensplänen, und drei oder vier nur unwesentlich ältere Menschen, die dem Tod ins Auge sahen. Ich hatte Angst vor diesem Termin, habe aber selten im dienstlichen Einsatz so viel gelacht und so viel über das Leben gelernt.

Die Annahme, Lokaljournalisten dürften aus Rücksicht auf Anzeigenkunden oder die örtliche Honoratiorenschaft nicht alles schreiben und würden Nachrichten unterdrücken. Falsch, falsch, falsch.

weil es jemanden geben muss: der die ganze Wahrheit erzählt, der Schwieriges verständlich erklärt, der hohlräumige Bürokratensprache in einfaches Deutsch übersetzt, der den Mächtigen auf ihre (schmutzigen?) Finger klopft, der Schwachen eine Stimme gibt, der Großes groß und Kleines klein macht. Eine Twitter-Demokratie wird sich irgendwann verzwitschern, weil keiner mehr dem anderen zuhört oder glaubt.

BiU Porträt aus dem Archiv: Wilfried Hinrichs ist seit XXXX Jahren leitender Redakteur der Lokalredaktion der Stadt Osnabrück. Foto:

BiU mit Till u. Leser: Als Lokalredakteur ist Wilfried Hinrichs dicht dran, an den Osnabrückern und hat dennoch stets die nötige Distanz, um den Finger in die Wunde legen zu können. Foto: Michael Gründel

BiU Arbeitsgerät: Nicht ohne meine Mappe: Wilfried Hinrichs hängt an seiner Schreibmappe, einem alten Werbegeschenk.

- Foto fehlt noch, ist aber angefragt -

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Als Lokalredakteur ist Wilfried Hinrichs dicht dran an den Osnabrückern, hier ist er mit Maskottchen Till unterwegs.

Das Fahrrad und das Handy. Am liebsten gleichzeitig.

Auf die tolle Gemeinschaftsarbeit mit den Osnabrücker Kollegen und die Story über den spätabendlichen Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt im letzten Dezember. Als eine von wenigen Zeitungen haben wir am nächsten Morgen einen Text vom Tatort auf der Seite 3 veröffentlicht

Flops? Was ist das? :–)

Wolfgang Schäuble, ein Mann mit Biss, aber ohne Bitternis. Jedenfalls habe ich ihn so erlebt. Und vor Jahren Teddy Kollek, der frühere Bürgermeister von Jerusalem. Ein großer Mann in einem kleinen, bescheidenen Büro.

Mich nervt, dass mancher Vorwurf stimmt. Zum Beispiel der des Rudelverhaltens.

... sie im idealen Fall durch ihre Kontrollfunktion Schaden abwenden können.

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Aus Berlin berichtet Beate Tenfelde seit 2006. Fahrrad und Mobiltelefon sind ihre Begleiter.

Ja. Ohne diesen Kugelschreiber gehe ich nicht aus dem Haus und das seit 15 Jahren. Dieses Schreibgerät ein Geschenk meiner Frau benötige ich zwingend in der Redaktion und bei Terminen, um eine mentale Grundzufriedenheit herzustellen. Komischerweise wurde dieser Glücksbringer immer wiedergefunden, wenn ich ihn irgendwo verlegt hatte.

Keine Story, sondern gleich ein ganzes Buch, das ich als Projekt des Hauses realisieren durfte: die Autobiografie des Show-Dinos und Entertainers Howard Carpendale. Das Buch Das ist meine Zeit″ hielt sich einige Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste. Und der Show-Dino? Ein Kumpeltyp, Teamplayer und akribischer Arbeiter: Die ungezählten Stunden mit Howard Carpendale werden mir unvergesslich bleiben.

Zum Valentinstag habe ich für die Zeitungsleser einen Kuss zum Ausschneiden kreieren lassen. Für die Dame und den Herrn, versteht sich. Im Nachhinein betrachtet, waren die ausgewählten Kussmünder eher suboptimal. Glücklicherweise liegt diese Affäre″ schon mehr als zehn Jahre zurück.

Joachim Blacky″ Fuchsberger, der inzwischen leider verstorben ist. Was für ein weiser und großer Mann. Die Gesprächstermine mit ihm waren nie unter vier Stunden erledigt. Stunden, in denen ich an seinen Lippen klebte, wenn er aus seinem Leben erzählte. Mit dabei war meistens seine Ehefrau Gundel, die er liebevoll als seine Regierung″ bezeichnete.

Ich kann das Wort Lügenpresse″ nicht mehr hören leider steht es jetzt auch schon im Duden.

weil sie die Anwälte der Bürger″ sind und in dieser Funktion dafür sorgen, dass manche unliebsame Themen an die Öffentlichkeit gelangen.

BU Porträt: Nach Jahren in verschiedenen Lokalredaktionen kreierte Stefan Alberti für die Neue Osnabrücker Zeitung einige Projekte in der Showbranche, bevor er 2016 dort seine Arbeit aufnahm, wo alles begann: im Sport. Foto: Gert Westdörp

BU mit Engler: Stefan Alberti, hier neben anderen mit Hartmut Engler (links), dem Frontman der Band Pur. Für ein Magazin-Projekt begleitete Alberti mehrere Wochen lang die Band. Foto: Gert Westdörp

BU: Ohne seinen Kugelschreiber, ein Geschenk seiner Frau, geht Stefan Alberti seit 15 Jahren nicht aus dem Haus.

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Für ein Magazin begleitete Stefan Alberti die Band Pur mit Frontmann Hartmut Engler (links). Heute arbeitet er im Ressort Sport.

Meine Zweit-Tastatur: Damit bediene ich einen dritten Groß-Monitor, auf dem ich Termine für die Redaktion verwalte und einen Blick darauf werfe, wie Artikel online laufen.

Als Volontär durfte ich eine Nachtschicht mit der Polizei in Gelsenkirchen schieben das waren unvergessliche Eindrücke, die ich meines Erachtens gut in der Reportage umsetzen konnte.

Als Sportredakteur ließ ich einen Fußballtrainer sitzend auf der Bank sitzen″ das Resultat eines schnellen Umschreibens, als die Andruckzeit bereits verstrichen war. Dem Magazin Spiegel″ gefiel das so gut, dass ich damit im Hohlspiegel″ landete.

Die Soziologin Necla Kelek interviewte ich zu Parallelgesellschaften in Deutschland nach ihren Büchern Die fremde Braut″ und Die verlorenen Söhne″ es war beeindruckend, mit welcher Inbrunst sie sich für das Thema Integration einsetzte.

Mich nerven Vorwürfe, Berichterstattung würde von oben″ gesteuert oder sei beispielsweise mit Anzeigenschaltung verknüpft. Das habe ich in 20 Jahren Journalismus bei den Verlagen, für die ich gearbeitet habe, noch nicht einmal ansatzweise erlebt.

... weil sie an die Öffentlichkeit bringen, was andere gerne hinter der verschlossenen Tür lassen würden zum Nachteil der Gesellschaft.

BiU Porträt: Mike Röser war bei der NOZ unter anderem Sportredakteur in Meppen, bevor er 2011 zur Lokalredaktion der Lingener Tagespost ging, deren stellvertretender Leiter er seit 2016 ist. Foto: Julia Mausch

BiU: Alles im Blick und im Griff hat Mike Röser mit seiner Zweit-Tastatur und dem dritten Groß-Monitor auf seinem Schreibtisch. Foto: Julia Mausch

BiU: - liegt bisher nicht vor, frage Frank mal -

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Den Überblick über Termine und Themen der Lingener Redaktion hat Mike Röser.

Das Handy so bin ich am schnellsten über alles Aktuelle informiert und kann gleichzeitig unsere Social-Media-Kanäle bedienen.

Nach wochenlanger Recherche habe ich es geschafft, alle notwendigen Stimmen für den Artikel über den Jahrestag eines explodierten Hauses zusammenzubekommen. Das war zwar mühselig, aber am Ende war die Geschichte rund, und keiner der Beteiligten wurde übergangen, wie beispielsweise in anderen Medien zuvor.

Ich wurde von den Menschen, die ich fotografieren sollte, darauf hingewiesen, dass die Schutzkappe noch auf dem Objektiv war, ein Klassiker.

Zu einem Interviewtermin mit einem bekannten Musiker bin ich mit dem Vorurteil hingefahren, dass dieser wegen seines plötzlichen Erfolgs wahrscheinlich abgehoben und unnahbar ist. Mir wurden vorher von seiner Pressesprecherin maximal 15 Minuten Interviewzeit gegeben. Im Endeffekt ist er einer der sympathischsten Interviewpartner gewesen, und wir haben uns eine Dreiviertelstunde bei einer Apfelschorle alleine in seinem Tourbus unterhalten.

Schreiben kann ja jeder.

sie einordnen und einen Überblick in einer oft chaotischen Welt geben.

BiU Porträt aus dem Archiv: Seit 2016 arbeitet Svenja Kracht in der Online-Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Foto:

BiU Handy: Das Handy ist für Svenja Kracht ein wichtiges Arbeitsgerät, um auf dem Laufenden zu bleiben und Social Media Kanäle zu bedienen. Foto: Michael Gründel

BiU Arbeitssituation: Onliner″ wie Svenja Kracht sind bei der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) über die verschiedenen Social Media Kanäle wie Facebook und Twitter ständig mit den Lesern in Kontakt, steuern die Inhalte von www.noz.de und schreiben eigene Artikel für die verschiedenen NOZ-Portale.

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Das Handy ist für Digitalredakteurin Svenja Kracht ihr wichtigstes Arbeitsgerät.

Wahrheit oder Lüge? Diese Frage treibt Menschen um, entscheidet der Wert einer Information doch im Extremfall über Leben und Tod, über Erfolg oder Misserfolg. Im heutigen Sprachalltag finden sich viele Redensarten, die hierauf Bezug nehmen.

Der lügt ja wie gedruckt.″ Eine Hammeraussage! Die Redensart bezieht sich auf das Misstrauen gegenüber Gedrucktem. Der Grund ist klar: Der Autor, der Verfasser ist nicht leibhaftig anwesend, um für die Wahrheit seiner Worte zu bürgen. Die Redensart ist ein bitterböser Vorwurf des Volksmunds gegen Bücher und alles Gedruckte. Sie stammt aus der Zeit nach Johannes Gutenberg (ca. 1400–1468). Der Erfinder des modernen Buchdrucks mit beweglichen Lettern (ca. 1450) und der Druckerpresse revolutionierte die Informationsverarbeitung. Schriften und Bilder konnten plötzlich in großer Zahl reproduziert werden.

In Europa waren diese Aufgaben bis dahin echten Spezialisten vorbehalten, insbesondere den gebildeten Mönchen und Nonnen in den Skriptorien der Klöster.

Das Abschreiben von Hand und der damit verbundene exklusive Schlüssel zur Verteilung von Wissen und Informationen verlor massiv an Bedeutung. 1997 wählte das US-Magazin Time-Life Gutenbergs Buchdruck zur bedeutendsten Erfindung des zweiten Jahrtausends.

Durchaus getrieben vom wirtschaftlichen Erfolgsstreben, produzierte der gelernte Mainzer Goldschmied Gutenberg um 1450 beispielsweise Ablassbriefe und Einblattdrucke.

Als sein Meisterwerk gilt aber eine in Latein gedruckte Bibel. Etwa 180 Exemplare, die eine Handschrift imitierten, sollen produziert worden sein, davon etwa 150 auf Papier und 30 Ausgaben auf Pergament.

Mit dem Buchdruck und der Druckerpresse verhält es sich so wie mit vielen Erfindungen: Fluch und Segen liegen eng beieinander. Medienwissenschaftler sehen in der Mitte des 15. Jahrhunderts den Beginn der Demokratisierung einer neuen Informationsgesellschaft. Erstmals war eine massenhafte Verbreitung von Wissen, Nachrichten und Meinungen frei von Kontrolle durch Kirche und Obrigkeiten möglich.

Doch Gedrucktes war und ist anfällig für Zensur, Fälschung und Propaganda. Eine Unwahrheit ist schnell zu Papier gebracht. Das Misstrauen gegenüber Druck-Erzeugnissen ließ nicht lange auf sich warten.

Erstmals schriftlich belegt ist die entsprechende Redensart beim um 1546 in Straßburg geborenen Schriftsteller Johann Baptist: Der Lügen ist getruckt, darum ist sie geschmuckt.″

Die beispielsweise auch von Gutenberg gedruckten Ablassbriefe waren ein wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zur Reformation. Denn für Martin Luther waren Ablassbriefe einer der Hauptkritikpunkte an der katholischen Kirche, die ihn letztlich zur Verfassung der 95 Thesen veranlassten. Sowohl die Anhänger der Reformation (ab 1571) als auch die Parteigänger der katholischen Kirche sahen die jeweils andere Seite als irrgläubig″ an. Die logen sogar in Druckwerken, also wie gedruckt″.

Redensarten, die sich thematisch mit Lügen″ beschäftigen, werden gerne mit einem Zusatz verstärkt. Lügen, dass sich die Balken biegen″ ist wohl eine der bekanntesten. Sie geht dabei von der Vorstellung aus, dass Lügen eine moralische Last sind. Die seit dem Mittelalter belegte Redensart stellt gleichzeitig eine Warnung dar: So wie die Balken eines Hauses, die die Last des Daches tragen, beim Biegen oder Brechen den Einsturz des Hauses verursachen, verliert derjenige, der lügt, das Vertrauen des Belogenen.

Im Laufe der Zeit änderte sich die Einstellung zum Gedruckten. Heute, in unserer schnelllebigen Medienwelt, ist all das, was man schriftlich hat, eine eher verlässliche Sache. Über den Wahrheitsgehalt sagt das zwar noch nichts aus. Anders aber als das gesprochene Wort, etwa im Rundfunk oder TV-Beiträgen, das vergänglich ist wie Schall und Rauch″, kann das Gedruckte stets und überall hinterfragt werden.

Als prominenter Protagonist dieser These kann der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) gelten. So lässt er den Schüler in Faust 1 sprechen: Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.″

Otto von Bismarcks (1815– 1898), erster Reichskanzler des Deutschen Reiches, lag mit Zeitungen durchaus über Kreuz, hatte die vaterländische Hetzpresse″ im Visier: Wir haben uns gegen die Autorität des Gedruckten erst allmählich abstumpfen können,[...] Bis dahin hatte für einen großen Teil der Bevölkerung alles Gedruckte seine besondere Bedeutung. Jeder, der auf dem Lande nur das Amtsblatt las, von der Bibel und dem Gesangbuche nicht zu reden, hielt das Gedruckte für wahr, weil es gedruckt war.″

Seine weiteren Überlegungen hätten ihn fast noch zum Vater einer neuen Redensart werden lassen. Anstelle von Lügen wie gedruckt″ sinnierte Bismarck über Lügen wie telegraphiert″ nach.

Die Telegrafie war damals die technisch schnellste Form der Informationsübermittlung, die auch, so Bismarcks Sorge, für Falschmeldungen hätte missbraucht werden können: Denn gegen den Missbrauch, der mit diesem Beförderungsmittel getrieben wird, sind bisher die wenigsten Leute noch auf der Hut. Sie denken nicht an den Reichtum von Geldmitteln, der es jemandem möglich macht, zum Telegraphieren aller in drei bis vier Sprachen übersetzten Tendenzlügen in verschiedenen Weltstädten Lektoren zu bezahlen, die nur damit beschäftigt sind, Zeitungen durchzulesen und zu sehen, ob sich eine Alarmnachricht findet. Findet er keine, so hat er sie zu machen und telegraphiert sie nun als aufregendes Symptom an verschiedene ausländische Blätter.″

Otto von Bismarck besaß Weitsicht. Er spricht in seinem Statement übertragen auf die heutige digitale Zeit von Fake News, Propaganda, gesteuerten Informationen, Presseabteilungen, Lobbyisten. Bleibt die Frage: Was lehrt uns der Blick in die Geschichte?

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Hier fand eine Revolution statt: In dieser rekonstruierten Werkstatt soll Johannes Gutenberg (das kleine Foto zeigt eine zeitgenössische Darstellung) gearbeitet haben.

Zwei Frauen und drei Männer nehmen Tag für Tag in den Redaktionsräumen der Neuen OZ am Breiten Gang ihren Kampf gegen den Fehlerteufel auf. Das Wissen, ihn nie endgültig besiegen zu können, kann sie nicht entmutigen. Das schnelllebige Nachrichtengeschäft ist generell nichts für Perfektionisten. Das rechtfertigt aber nicht, das Streben nach Fehlerfreiheit aufzugeben″, sagt Teamleiter Edmund Lorey.

Diese Einstellung des studierten Theologen und Gymnasiallehrers für Deutsch und Philosophie deckt sich mit der Vorgabe der Herausgeberfamilien Elstermann und Fromm: Wir sind eine Qualitätszeitung, die gute journalistische Leistungen liefert. Dazu gehört dann auch eine möglichst fehlerfreie Orthografie.″

Mit der Hauptausgabe, den Lokalteilen für Melle, Bramsche, Bad Essen und Quakenbrück sowie den emsländischen in Lingen, Meppen und Papenburg, mit sublokalen Wechselseiten, Sonderbeilagen wie dieser Jubiläumsausgabe, der Wirtschaftszeitung, den Reportage- und Hintergrundseiten und den Mantelseiten für die Partnerverlage kommen die fünf Korrektoren zusammen auf einen Tagesschnitt von mehr als 100 Seiten. Da jedoch selten alle fünf am Start sind, kommt einer schon mal auf 50 Seiten an einem Tag.

Wer diese Leistung einschätzen möchte, sollte versuchen, eine durchschnittliche NOZ-Ausgabe mit 32 Seiten in fünf Stunden komplett durchzulesen. Nicht durchzublättern! Das ist eine Sache höchster Konzentration″, weiß Edmund Lorey. Doch bei den Rechtschreibprofis hat sich über die Jahre eine Routine eingestellt, ohne die das nicht zu schaffen wäre. Wenn bei uns mal jemand aushilft, braucht er für eine Seite weitaus länger als wir.″ Jeder von ihnen habe hochempfindliche Sensoren für Fehler entwickelt.

Allerdings geben sich die Korrektoren nicht mit der Orthografie zufrieden. Grammatik, Ausdruck und inhaltliche Richtigkeit haben sie beim Lesen ebenso im Blick. Das setzt hohe sprachliche Kompetenz und eine breite Allgemeinbildung voraus. Ihre Bildungsgänge sprechen für sich: So hat Edmund Lorey im Theologiestudium auch Latein, Alt-Griechisch und Hebräisch erlernt. Christine Lahrmann ist Diplom-Sozialwirtin und Schriftsetzermeisterin. Claudia Quidenus hat ein Diplom als Übersetzerin für Englisch und Spanisch. Peter Thomas ist Deutschgymnasiallehrer und Schriftsetzer. Michael Schmidt schließlich hat Latein studiert und in Geschichte promoviert. Dagegen ist jedes Korrekturprogramm chancenlos.

Und zählen können sie auch. Viele Redakteure erhielten von ihnen schon Anrufe nach dem Muster: Auf dem Foto sind sieben Köpfe; aber es stehen nur sechs Namen drunter.″

Längst lesen die fünf nicht mehr ganze Seiten auf Papier″. Am Vormittag bereits beginnt der Erste, holt sich am Computer vom Redakteur als Bereit zur Korrektur″ markierte Artikel, bearbeitet sie und gibt sie frei.

Wenn der Andruck näher rückt, greifen sie sich in der Computerübersicht die von der Redaktion abgeschlossenen Seiten. Dort achten sie besonders auf Titel, zur Auflockerung der Optik eingebaute Zitate und Bildunterschriften. Der Griff zum Duden bleibt bei alledem die Ausnahme: Das müssen wir einfach draufhaben″, so Edmund Lorey.

Wie die Kollegen in der Redaktion wissen, haben sie es drauf. Und so klingelt häufig das Telefon, weil einer der Schreiberlinge nicht weiterweiß und den Duden nicht findet. Aber auch, um sich bei einem schrägen Satzbau, bei Zweifeln im Ausdruck oder etwa auch bei Sprichwörtern und Metaphern beraten zu lassen.

Trotz alledem: Völlig fehlerfrei ist zum Leidwesen aller Beteiligten keine einzige Ausgabe dieser Zeitung. Wir sind ja auch nur Menschen, und Menschen machen Fehler″, sagt Edmund Lorey. Doch selbst wenn sie keine machen würden, wäre die perfekte Rechtschreibung nicht möglich. Dafür sorgt der alltägliche Spagat zwischen Aktualität und Perfektion.

Wird beispielsweise das Fußballspiel in der Champions League erst im Elfmeterschießen entschieden, ist es beinahe Mitternacht. Zu der Zeit liefert US-Präsident Donald Trump auch gerne noch weltbewegende Botschaften, die in der Politik nachgeschoben″ werden. Die Technik drängelt, denn die Druckmaschine müsste längst laufen, um den Zustellern rechtzeitig die Zeitungen zu liefern, die auf dem Frühstückstisch landen sollen. Diese auf den letzten Drücker verfassten Stücke bekommt kein Korrektor mehr in die Finger. Da müssen die Leser einen eiligen Tippfehler hinnehmen. Hauptsache gewonnen!

Bei Lesern, die Zeitungsinhalte inzwischen überwiegend online auf ihrem Laptop, Tablet oder Handy konsumieren, war die Fehlertoleranz zunächst höher als bei den Printlesern. Mit Einführung der Bezahlschranke hat sich das aber erledigt. Wer dafür bezahlt, hat auch Anspruch auf Qualität″, äußert der Chef der Korrektoren Verständnis. Dennoch sei es für sie nicht zu schaffen, auch die digitalen Kanäle auf Fehler zu prüfen. Dort werden die Berichte ständig aktualisiert, um immer auf dem neuesten Stand zu sein. Und die digitalen Korrekturprogramme sind letztlich dumm, können nicht mitdenken.

Manche Leserbeschwerde kommt am nächsten Morgen auch bei Edmund Lorey an. Einige, die besonders aufmerksam lesen, kenne ich inzwischen vom Telefon schon ganz gut″, lacht der 61-Jährige. Er nimmt sich gerne die Zeit, im Einzelfall auch einmal zu erläutern, dass der vermeintliche Fehler gar keiner ist, da man beispielsweise heute Delfin″ wirklich mit f″ schreibt, raue″ Zeiten ohne h″, aufseiten″, mithilfe″ in einem Wort geschrieben werden im Gegensatz zu des Öfteren″.

Die Sprache lebt und verändert sich″, stellt Edmund Lorey fest. So wurden in der neuesten Ausgabe des Dudens 5000 neue Wörter aufgenommen, dafür aber andere gestrichen. Nicht jede Veränderung gefällt ihm: Man muss es nur lange genug falsch machen, wie etwa den Dativ nach der Konjunktion wegen, dann setzt sich das irgendwann durch, auch im Duden.″ Doch letztlich sieht er das unideologisch: Wer die Sprache liebt, muss sie eben auch leben lassen.″

Das Bekenntnis zum regionalen Qualitätsjournalismus halten die Herausgeber der Neuen OZ weiter hoch. Das sichert nicht nur den Redakteuren, sondern auch den Korrektoren die Arbeitsplätze. Und das sorgt in der Branche, in der vielerorts diese Spezies längst ausgestorben ist, sowohl für Neid als auch für Bewunderung.

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Ihre Sensoren für Fehler sind stark ausgeprägt: das Team des Korrektorats mit Peter Thomas, Dr. Michael Schmidt, Claudia Quidenus, Edmund Lorey und Christine Lahrmann (von links). Die Kolleginnen und Kollegen lesen alle Texte, die in der Zeitung erscheinen.
Mit diesen Korrekturzeichen arbeiten die Korrektoren immer dann, wenn sie Texte auf Papier lesen. Der überwiegende Teil der Texte aus dem Redaktionssystem wird aber am PC gelesen.

Zeitungen beobachtet Professor Günther Rager schon sehr lange und damit auch den Wandel, dem sie unterliegen. Ein Gespräch mit dem renommierten Zeitungsforscher über Veränderungen, Kontinuitäten, Aufgaben und Herausforderungen im Journalismus angesichts der ständigen Verfügbarkeit von Nachrichten in den digitalen Kanälen.

Herr Professor Rager, welche Auswirkungen hat die zunehmende Digitalisierung auf den Journalismus heute?

Journalismus wird in Zeiten der Allverfügbarkeit von Informationen noch wichtiger, als er innerhalb unserer Gesellschaftsordnung schon immer war. Er wird noch schneller und muss mit immer mehr Konkurrenz um Aufmerksamkeit kämpfen.

Was macht Qualitätsjournalismus aus angesichts dieser All-verfügbarkeit von Nachrichten?

Das betrifft den Kern journalistischer Arbeit: gute Recherche, allgemein verständliche Darstellung der Sachverhalte, kritische Distanz zu den Quellen und vielfältige Inhalte. Und zuverlässige Auswahl relevanter Inhalte und Einordnung der Information wird wegen der zunehmenden Informationsflut wichtiger. Dieser Kern journalistischer Arbeit wird für die Entwicklung der Zeitungen noch wichtiger. Die Leser bezahlen schließlich für diese Inhalte Geld.

Was muss eine Zeitung garantieren, damit ihre Leser weiterhin Geld für die journalistischen Leistungen bezahlen?

Die Leser müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Zeitungs-Marke ein Qualitätssiegel ist. Wenn Neue OZ″ draufsteht, soll sichergestellt sein, dass sie den Informationen und der Auswahl vertrauen können. Ihre Leser kaufen ja täglich ein neues Produkt unter derselben Markenbezeichnung im Vertrauen darauf, dass es sich um ein Produkt hoher, geprüfter Qualität handelt. Sonst würden sie nicht dafür bezahlen. Wir müssen die Menschen weiterhin davon überzeugen, dass seriöser Journalismus geprüfte Qualität liefert. Das gilt für alle Veröffentlichungskanäle, auch für die digitalen. Und unterscheidet ihn von anderen Anbietern im Internet.

Die Lügenpresse-Vorwürfe der jüngsten Zeit zeigen, dass dieses Vertrauen nicht mehr überall vorausgesetzt werden kann. Was können Journalisten tun?

Der Kampfbegriff Lügenpresse ist nicht gerechtfertigt. Er unterstellt absichtliche Fehlinformation, das ist abwegig. Dass er trotzdem gewissen Anklang findet, deutet auf Vertrauensverlust hin, der vielleicht damit zusammenhängt, dass die Leser zu wenig von dem angeboten bekommen, was sie für wichtig halten. Wir brauchen gutes Qualitätsmanagement, um unsere Glaubwürdigkeit zu stärken. Dazu gehört auch ein enger Kontakt zu den Lesern, um zu erfahren, welche Themen sie bewegen. Dann hören wir auch, wenn Leser meinen, dass ihnen etwas vorenthalten würde, und können drauf reagieren. Darüber hinaus müssen wir offen zu Fehlern stehen und sie korrigieren. Diese Transparenz dürfen die Leser erwarten.

Wie können wir darüber hinaus Menschen von seriösem Journalismus überzeugen?

Ich erwarte von seriösem Journalismus kritische Distanz zu allen politischen Entscheidungen, übrigens auch zu den guten. Selbst wenn ich als Journalist etwas für richtig halte, müssen andere zu Wort kommen, die sich zu diesem Thema kritisch verhalten. Das ist demokratisch. Journalisten müssen sich auch mit Minderheitsmeinungen befassen. Konkret: Ich muss in der Zeitung auch den Standpunkt von demjenigen lesen können, der AfD wählt. Diese Konfliktsensibilität ist ein zentraler Punkt. Und da muss der Journalismus selbstkritisch feststellen, dass gewisse Sichtweisen in manchen Medien nicht oder nicht angemessen vorkamen. Ganz neu ist das nicht. Ich erinnere mich daran, dass es Zeitungen gab, in denen nichts von den Grünen zu lesen war, als diese Partei sich etablierte.

Sehen Sie uns Journalisten heute in einem Dilemma zwischen dem Anspruch, schnell zu sein, und dem Versprechen an unsere Leser, korrekt und ausgewogen zu berichten?

Das ist durchaus ein Dilemma, aber auch hier hilft Transparenz in der Berichterstattung. Vor allem im Online-Journalismus. Wenn Sie schnell berichten und dazu bekannt geben, welche Quellen Ihnen zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung gestanden haben, wird es für den Leser und User nachvollziehbar. Und sobald Sie mehr oder anderes wissen, aktualisieren Sie und sagen auch hier wieder, was dazu geführt hat, dass sich der Bericht weiterentwickelt hat. Bei der Zeitung erwarte ich, dass im Zweifel Richtigkeit vor Schnelligkeit steht. Das schafft Vertrauen.

Welchen Stellenwert haben lokale und regionale Berichterstattung?

Sie sind für die Kommunikation in ihrem Verbreitungsgebiet sehr wichtig, egal ob online oder gedruckt. Im besten Fall informieren sie über alles, was für die Gemeinde wichtig ist, üben Kritik und Kontrolle aus und liefern Gesprächsstoff für die Gemeinde. Wir haben in zahlreichen Studien gesehen, dass das den Lesern wichtig ist und darüber entscheidet, ob eine Lokal- oder Regional- Zeitung abonniert wird. Ich warne aber davor, allein im Lokalen und Regionalen das Allheilmittel zu sehen und dabei den überregionalen Teil der Zeitung zu vernachlässigen. Viele unserer Leserbefragungen haben gezeigt, dass viele Leser auch eine qualitativ hochwertige überregionale Berichterstattung erwarten.

Welche Zukunft hat die gedruckte Zeitung in Zeiten des digitalen Wandels?

Ich glaube, dass wir gedruckte Zeitung noch sehr lange haben werden, auch wenn ihr schon früh ein baldiges Ende vorausgesagt wurde. Der Zeitungswissenschaftler Robert Brunhuber hat schon 1907 die These aufgestellt, es sei eine vorübergehende Erscheinung, dass die Zeitung gedruckt werde. Wir hören in Leserforschungsprojekten aber oft, dass Menschen es genießen, angesichts der erheblichen Zeit, die sie vor Computerbildschirmen verbringen, ein Print-Produkt zur Hand zu nehmen. Weil die Zielgruppe, die das tut, aber kleiner wird, wird die gedruckte Zeitung wohl zu einem Produkt für Menschen, die sich das leisten können. Es wird damit schwer, die Redaktionen zu finanzieren. Es ist für die Verlage eine große Herausforderung, Qualitätsjournalismus finanziert zu bekommen. So neu ist das allerdings nicht, denn Leser haben Zeitungsjournalismus noch nie komplett bezahlt. Er wurde immer durch Werbung subventioniert, und die meisten Internetangebote der Zeitungen werden bisher durch das Printprodukt finanziell unterstützt.

Welches sind die Vorteile der gedruckten Zeitung, die bei fortschreitender Digitalisierung Bestand haben?

Das Haptische, der Überblick über die ganze Seite und nicht zuletzt die Gestaltung. Ihre Zeitung hat längst die Zeichen der Zeit erkannt und legt Wert auf eine ästhetische und leserfreundliche Gestaltung des Produktes. Und dann soll es ja sogar Leute geben, die den Geruch von Druckerschwärze mögen. In einer Zeit, in der uns ständig Informationen auf den verschiedensten Wegen erreichen, ist es auch ein Vorteil, dass eine Zeitung einen Anfang und ein Ende hat, ein abgeschlossenes, begrenztes Produkt ist. Diese Auswahl haben Journalisten verantwortlich vorgenommen und enthält täglich auch Inhalte, von denen ich erst beim Lesen merke, dass sie für mich wichtig sind. Und ebenso wichtig ist, dass heute immer noch sehr viele Menschen lange Lesestücke″ lieber auf Papier lesen.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, junge Menschen als Zeitungsleser zu gewinnen?

Seitdem ich mich erinnern kann, haben junge Menschen weniger Zeitung gelesen als Ältere. Als sie in die Familiengründungsphase kamen, hat sich das aber geändert. Familiengründung findet seltener und später statt. Die sogenannten Digital Natives haben weniger Affinität zu Papier und viele Informationsquellen im Internet. Daher besteht die Aufgabe für die Verlage, zumindest auf den digitalen Kanälen Themen aus den Lebenswelten dieser Altersgruppen zu behandeln. Das ist erfahrungsgemäß nicht die Gemeinderatssitzung. Aber weil dort Dinge entschieden werden, die auch für diese Zielgruppe wichtig sind, müssen sich Journalisten etwas einfallen lassen, damit diese Inhalte wahrgenommen werden. Sie müssen eine Mischung aus Informationen anbieten, die diese Zielgruppe ohnehin interessiert, und solchen, die für sie wichtig sind, auch wenn sie das vorher nicht wussten. Und zwar an Plätzen, wo diese Zielgruppe sich im Netz aufhält im Bereich der Social Media.

Wie können Zeitungen sich jungen Menschen als zuverlässige Quelle empfehlen?

Viele Verlage engagieren sich schon seit Jahrzehnten, um im Schulunterricht die Medienkompetenz zu stärken. Sie ist Voraussetzung, um zu erkennen, was journalistische Qualität unterscheidet von beliebigen Medienangeboten, zum Beispiel der Influencer. Diese sehr langfristige Strategie zeigt durchaus Erfolge: Die Schüler lernen die Aufgaben der Medien in unserer Gesellschaft kennen und sehen, ob und wie die Medien sie erfüllen. Und sie lernen auch das Engagement des Verlags kennen. Wenn dann noch passende Angebote für die Zielgruppe gemacht werden, besteht durchaus eine Chance, sie zu erreichen.

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Guten Kontakt zu Lesern und kritische Distanz zu allen politischen Entscheidungen fordert Zeitungsforscher Prof. Günther Rager von seriösem Journalismus.

Günther Rager

Günther Rager (74) forschte und lehrte als Professor für Journalistik an der Technischen Universität (TU) Dortmund über die Rezeptionsbedingungen von Hörfunk, Print- und Onlinemedien. Er leitete zahlreiche Zeitungsforschungs-Projekte mit dem Schwerpunkt auf jugendlichen Lesern und Nichtlesern. Im Jahr 1993 gründete er die mct media consulting team GmbH. Das Beratungsunternehmen mit Sitz in Dortmund entwickelt Kindergarten-, Schul- und Azubi-Projekte für Verlage und betreibt Leserschaftsforschung.

Der klassische Einstieg in den Beruf des Redakteurs ist in Deutschland das sogenannte Volontariat, eine redaktionsinterne Ausbildung, bei der die Nachwuchsredakteure das journalistische Handwerkszeug erlernen. Nicht nur bei der NOZ werden hierfür journalistische Erfahrung, etwa durch freie Mitarbeit oder Praktika, und ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorausgesetzt. Was genau ein Volontär studiert hat, spielt eine untergeordnete Rolle wichtiger sind Neugier, gute Allgemeinbildung, Sprachfertigkeit und Begeisterung für den Journalismus.

Bei der NOZ dauert das Volontariat 30 Monate und ist crossmedial aufgebaut, das heißt, die Volontäre lernen neben der klassischen Zeitung vor allem das digitale Publizieren kennen. Die ersten zwölf Monate absolvieren sie in einer der Lokalredaktionen in Osnabrück, Bad Essen, Delmenhorst, Papenburg oder Meppen; weitere Stationen sind die Mantelressorts Politik und Wirtschaft, Kultur und Service und Sport sowie die Onlineredaktion und das digitale Projektmanagement, in dem neue Formate und Produkte entwickelt werden. Auch beim Fernsehsender ev1.tv in Lingen und in der Videoabteilung am Standort Osnabrück werden Volontäre eingesetzt. Insgesamt hat die NOZ 15 Volontäre.

Einmal im Monat kommen die Volontäre zu einem Volo-Tag″ zusammen. Dann schulen erfahrene Kollegen sie in einem journalistischen Format wie etwa Nachricht, Kommentar oder Interview. Außerdem besuchen die Volontäre regelmäßig andere Abteilungen und Firmen der NOZ Medien, aber auch Feuerwehr, Polizei oder Gericht. Zudem absolviert jeder Volontär einen vierwöchigen Kurs an der Akademie für Publizistik in Hamburg, bei dem renommierte Journalisten auch überregionaler Medien ihr Wissen vermitteln. Nicht zuletzt führen die Volontäre eigene Projekte durch. Der Podcast noz aufs Ohr″ beispielsweise, bei dem die Volontäre 2016 drei Monate lang zweimal täglich die wichtigsten Neuigkeiten als Whatsapp-Sprachnachricht verschickten, kam so gut an, dass es zur Bundestagswahl 2017 eine Neuauflage gab.

Die NOZ hat eine ausgesprochen hohe Übernahmequote . Das zeigt, dass die Ausbildung bei der NOZ die jungen Kollegen tatsächlich so gut auf den Beruf vorbereitet, dass sie prinzipiell überall in der Redaktion eingesetzt werden können und dass die Volontäre gerne bei der NOZ bleiben wollen.

Schon als Kind wusste ich, dass ich später recherchieren will da Detektiv aber ein schwieriges Berufsfeld ist, entschied ich mich nach dem Abitur für ein Journalismus-Studium. Danach hospitierte ich beim Westfalen-Blatt, bevor im Juli 2015 mein Volontariat bei der NOZ begann. Das Volo war genauso abwechslungsreich, wie ich es mir erhofft habe. Durch die Zeit in den verschiedenen Redaktionen habe ich nicht nur die Arbeit der Kollegen kennen- und schätzen gelernt, sondern auch meinen journalistischen Blick schärfen können. Der Austausch mit Menschen/ Lesern/ Kollegen ist das Spannende an unserem Beruf, den ich weiterhin mit Herzblut ausüben möchte.

Annalena Klein,
Volontärin seit Juli 2015

Bei der NOZ habe ich Einblicke in die unterschiedlichen Bereiche eines modernen Medienunternehmens erhalten. Dank des Vertrauens der erfahrenen Redakteure durfte ich abwechslungsreiche und verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen. So habe ich unter anderem Reportagen über Helden des Alltags geschrieben, vor laufender Kamera Interviews mit Verantwortlichen des VfL Osnabrück geführt und einen Kommentar auf der ersten Seite verfasst. Meine Kollegen haben mir dabei geholfen, meine Fähigkeiten als angehender Journalist zu verbessern.

Johannes Zenker,
Volontär seit Juli 2015

Beobachten, nachfragen und anschaulich erzählen das mag ich am Journalistenberuf. Im Volontariat kann ich die volle Themenbreite auskosten und mir Kniffe von Kollegen abgucken. Besonders mochte ich die Volo-Tage mit Ausflügen und Schulungen für uns Volontäre.

Lorena Dreusicke,
Volontärin seit Juli 2015

Ich bin per Zufall zum Journalismus gekommen und habe den Beruf lieben gelernt. Es ist einfach spannend, über das zu schreiben, was die Menschen bewegt. Die NOZ geht einen sehr modernen, offenen Weg. Daher wollte ich hier auch mein Volontariat machen, da ich glaube, hier den perfekten Feinschliff zu bekommen.

Mareike Bader,
Volontärin seit Juli 2017,
aktuell in Delmenhorst

Meinen ersten Artikel für die NOZ habe ich 2008 geschrieben als Schülerreporterin beim Ferienprogramm Action Sommer Spaß″. Seitdem hat mich der Journalismus nicht mehr losgelassen. Mit unterschiedlichen Menschen sprechen, ihre Geschichten hören und sie dann für andere zusammenzufassen ist einfach eine tolle Aufgabe. An der NOZ schätze ich besonders, dass die Redaktion so digital ausgerichtet ist und auch neue Erzählformate im Internet ausprobiert: nicht nur im Text, sondern auch mit Fotos, Videos oder allem zusammen.

Louisa Riepe,
Volontärin seit Juli 2017,
aktuell in Osnabrück

Schon als Kind habe ich alles ganz genau hinterfragt und wollte das erworbene Wissen möglichst schnell an meine Freunde weitergeben. Weil der Journalismus beides vereint, habe ich mich für ein Journalismus-Studium entschieden. Währenddessen absolvierte ich ein Praktikum beim Meller Kreisblatt und war danach weiter als freier Mitarbeiter im Einsatz. Damit stand für mich fest: Ich möchte ein Volontariat bei der NOZ. Es hat geklappt. Seit Juli 2017 bin ich Volontär bei der Meppener Tagespost.

Konstantin Stumpe,
Volontär seit Juli 2017,
aktuell in Meppen

Angefangen hat alles mit einem Youtube-Kanal, sagt Henning. Bei den Videodays wurde er angefixt. Damals war er zwölf Jahre alt. Er wollte das auch mal ausprobieren. Auf iTooXTV hat er Apps vorgestellt, Umfragen zu politischen Themen veröffentlicht und News verarbeitet. Der Name leitet sich ab von i für iPhone, T für Tool eine Website, die Henning programmiert hat. Das X kommt vom Apple Betriebssystem OS X. Man merkt schnell, hier kennt sich jemand mit Technik und Computern aus. Irgendwann sind mir aber die Ideen ausgegangen″, sagt Henning.

Kurzerhand gründete er World Wide Wissen. Da war er 13. Auch ein Blog mit Youtube-Kanal. Die Themen: Umfragen zu aktuellen Themen und Trends, Recht im Netz oder Experteninterviews. Im Frühjahr 2016 beendete er auch dieses Projekt. Die Branche ist kurzlebig. Heute ist er 15 Jahre alt und wirkt wie ein alter Hase im Web-Business. Er betreibt das Portal osna.live mit Youtube-Kanal, Facebook-Seite und passender App. Rund 1500 Leuten gefällt das, was er auf Facebook macht. Das macht einen schon ein bisschen stolz, wenn man die Zahlen so sieht″, sagt er. Auf der Seite geht es hauptsächlich um regionale Inhalte. Mitteilungen der Stadt Osnabrück, vom Zoo oder der Polizei veröffentlicht er dort. Selbst produzierte Videos, Webcams vom Marktplatz der Stadt oder das aktuelle Wetter sind eingebunden.

Mittlerweile hat er Unterstützung von drei freien Mitarbeitern. Allein würde er die ganzen Inhalte für seine Seite nicht produzieren können. Denn schließlich muss er noch Termine wahrnehmen. Das Festival Hütte rockt″ steht im Kalender oder die Feier zum 40-jährigen Bestehen der Domschule. Bei osradio 104, 8 steht er regelmäßig vor dem Mikrofon. Am Wochenende moderiert Henning im Bürgerfunk eine Sendung, und zusätzlich arbeitet er als freier Mitarbeiter. Er ist Mitglied der NOZ-Jugendredaktion und gelegentlich für die Junge Presse unterwegs.

Bleibt da eigentlich noch Zeit für die Schule? Ich habe mit meinen Eltern eine Vereinbarung. Wenn meine Noten konstant gut bleiben, dann ist das alles so in Ordnung″, erzählt Henning. Und warum tut er sich das alles an? Schließlich könnte er seine Freizeit auch einfach genießen, wie viele andere 15-Jährige. Er wolle schon immer was Eigenes machen, interessiere sich für Recht im Netz und für den Journalismus, erzählt er. Von den üblichen Youtube-Stars wie Bibi alias Bianca Heinicke mit ihrem Beauty Palace″, wo es Schminktipps aller Art gibt, oder den Lochis, zwei aufgedrehten Comedy-Brüdern, hält er wenig. Für so etwas würde ich mich nie einspannen lassen″, sagt er. Henning sieht diesen Trend kritisch. Unkenntlich gemachte Werbung gehe gar nicht. Das Product Placement, also die Werbung, die Youtuber für ihre Kanäle machen, bringt ihnen viel Geld. Nach Schätzungen des Manager Magazins verdient Youtuberin Heinicke rund 110 000 Euro monatlich. Davon kommen 50 000 Euro allein für Werbung auf ihrem Youtube-Kanal herein.

Da kommt Henning natürlich nicht heran das ist auch nicht sein Ziel, wie er sagt. Er will Journalismus machen. Die Leute informieren. Ich habe osna.live Anfang des Jahres ins Leben gerufen. In der Schule hatten wir das NFTE-Projekt. Da erarbeitet man in der Schule eine Geschäftsidee, die dann einer Jury aus Wirtschaftsexperten vorgestellt wird″, erzählt Henning. NFTE bedeutet Network For Teaching Entrepreneurship. Dahinter steht ein Verein, der den Unternehmergeist bei Schülern wecken will. Hennings Konzept ging auf. Sein Portal überzeugte, und er gewann den ersten Platz für Niedersachsen. Ende Oktober geht es zum Bundesentscheid nach Berlin.

Henning wohnt in Bissendorf, genauer gesagt Schledehausen. Idyllisch ist es hier. Seine Eltern betreiben ein Hotel. Eine Karriere in der Gastronomie kann er sich nicht vorstellen. Mein Bruder macht eine Ausbildung und will dann in der Hotellerie arbeiten. Ich aber nicht″, sagt er. Sein Berufsziel hat er schon vor Augen: Viele gute Moderatoren haben beim Radio angefangen.″ Aber erst mal heißt es für ihn weiter die Schulbank drücken. Denn ohne Abitur und Studium ist es schwer, eine Ausbildung zum Redakteur zu bekommen. Am liebsten würde er direkt durchstarten und gleich als Journalist arbeiten. Auf eine lange Ausbildung hat er eigentlich gar keine Lust. Schulalltag und osna.live das passt nicht zusammen.

Im digitalen Journalismus laufe vieles nicht rund, davon ist Henning überzeugt. Zu langsam, zu viel Werbung, komplizierte Bezahlschranken, nicht durchdachte Konzepte. Zeitungen dürfen aber nicht sterben. Wir leben im Internet in einer Blase. Da bekommen wir auf uns zugeschnittene Inhalte, die uns in unserer Meinung bestätigen. Da sehe ich eine Gefahr. Nur in Zeitungen lesen wir alle Inhalte, die nicht auf uns zugeschnitten sind″, sagt er. Interessant ist, dass er von Zeitung spricht und immer das digitale Produkt damit meint. Bedauerlich findet er, dass im Netz gute Geschichten wie Reportagen kaum wahrgenommen werden.

Für Osnabrück wünscht er sich einen regionalen Fernsehsender mit Bürgerfernsehen. So könnten sich vor allem junge Menschen in dem Bereich austoben. Es sei schwierig, ansonsten Kontakt zu der Sparte zu bekommen. Zur Zeitung aus Papier hat er eine klare Meinung: Wenn ich Opa bin, dann gibt es Print nicht mehr.″

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Henning Hünerbein mit seiner Ausrüstung, die ihn fast täglich begleitet.

Der Frühdienst der Digital-Redaktion beginnt mit der Arbeit im Newsroom der Redaktion am Breiten Gang. Heute hat Corinna Berghahn den Dienst für die Frühen unter den Frühaufstehern erwischt und checkt die Nachrichtenlage, aktualisiert die Homepage noz.de und prüft, was sich auf der Facebook-Seite der Neuen OZ getan hat. Dort postet sie die erste Nachricht des Tages mit einem Guten Morgen″.

Berghahn bekommt Gesellschaft von Meike Baars, Morgen-Reporterin fürs Zeitgeschehen. Sie kümmert sich um aktuelle überregionale Nachrichten. Volontärin Nina Brinkmann nimmt bei den Kolleginnen Platz, sie ist heute für frühe sportliche Nachrichten zuständig.

In Osnabrück und in Meppen beginnen die Morgen-Reporter der Digital-Redaktion ihren Dienst. Harry de Winter kümmert sich um lokale Nachrichten von Lingen bis Papenburg, Conny Achenbach hat den Blick auf die Region Osnabrück.

Svenja Kracht, heute für Social Media zuständig, begrüßt die Freunde der Neuen OZ und ihrer Titel auf der Facebook-Seite mit den Nachrichten des frühen Tages. Sie versendet Nachrichten auch über Whatsapp, Instagram und Twitter.

Newsdesk-Leiterin Katharina Ritzer verstärkt das Team im Newsroom. Der Newsdesk ist die Nachrichten- und Steuerungszentrale der Redaktion. Fragen des Morgens: Welche Themen haben die Korrespondenten in Berlin und Hannover auf der Agenda? Womit sind die Lokalredakteure von Bad Rothenfelde bis Papenburg am Tage befasst? Was gibt es aus der regionalen Wirtschaft? Woran arbeitet die Sport-Redaktion? Der Newsdesk weiß es. Auch Nutzerbetreuer Bastian Klenke, Ansprechpartner für Fragen von Lesern auf den digitalen Veröffentlichungskanälen, startet in den Tag. Er hat ein Auge auf die Leser-Kommentare zu Beiträgen auf noz.de.

Der Dienst von Blaulicht-Reporter Sven Kienscherf beginnt. Er kümmert sich um Polizei- und Feuerwehrmeldungen, um Themen aus dem Bereich Kriminalität, aber auch um andere spannende Nachrichten und immer auch um die Geschichten hinter der schnellen Meldung.

Die Fotografen und das Video-Team schwärmen auch schon aus. Sie können um diese Zeit aber schon längst unterwegs gewesen sein, denn unplanbare Ereignisse halten sich bekanntlich nicht an Dienstpläne.

Im Newsroom findet die erste Konferenz des Tages statt. Die großen Themen des Tages werden festgelegt und geprüft, ob es Abweichungen von der Planung gibt. Geschichten werden an Reporter vergeben. Brauchen wir einen Liveticker, wer betreut ihn? Was wird das Thema der digitalen Abendausgabe noz Plus sein? Haben wir aktuell das richtige Thema oben auf der Internetseite noz.de? Auf welche aktuellen Themen reagieren wir auf welche Weise? Fragen wie diese werden geklärt.

Die Lokalredaktionen an den Standorten Osnabrück, Bramsche, Melle, Bad Essen, Quakenbrück, Lingen, Meppen und Papenburg beginnen mit ihrer Arbeit. Die Reporter sind draußen und recherchieren, bei den Blattmachern läuft alles Organisatorische zusammen. Sie gestalten die Zeitungsseiten mit den Texten und Fotos ihrer Kollegen.

Die Reporter der Themenbereiche Politik und Wirtschaft sowie Kultur und Service beginnen zu recherchieren und zu schreiben, Kollegen aus der Sport-Redaktion auch.

Frank Riehemann startet in den Arbeitstag. Der Archivar sitzt wie seine Kollegin Carmen Vosgröne inmitten der Redaktion. Sie unterstützen ihre Kollegen bei der Recherche. Kollegin Christiane auf dem Kampe ist Ansprechpartnerin für Fragen von Leserinnen und Lesern sowie für deren Besuche. Das NOZ-Archiv ist nach Anmeldung für Besucher geöffnet (Telefon 05 41/ 310 235).

Petra Boettcher aus dem Team der Redaktionsassistenten kommt, Spezialisten für Layout, Grafik und den Seitenumbau. Im Laufe des Tages füllt sich der Tisch im dritten Stock des NOZ-Gebäudes am Breiten Gang mit ihren Kollegen, die jeweils für bestimmte Seiten und Aufgaben zuständig sind.

Mark Otten, heute für das Abendmagazin der Neuen OZ die noz Plus verantwortlich, beginnt. Er sichtet die Themen aus dem gesamten Verbreitungsgebiet und verschafft sich einen Überblick über die überregionalen Themen, um zum Abend eine gute Mischung zusammenzustellen.

Edmund Lorey, Leiter des Korrektorats, fährt den Rechner hoch. Sein Team besetzt Dienste bis 22 Uhr und liest alle Beiträge des Tages Korrektur. Der Arbeitstag von Karsten Frei beginnt. Im Laufe des Tages bekommt der Blattmacher Gesellschaft von weiteren Kollegen und Kolleginnen am Blattmacher-Tisch. Das Team ist für die Produktion der Mantel-Seiten für alle Titel der Neuen OZ zuständig sowie für Seiten, die an Partnerverlage geliefert werden.

In der zweiten Konferenz des Tages geht es um die gedruckte Ausgabe von morgen. Welches sind die Aufmacherthemen? Hier werden die fünf täglichen Kommentare festgelegt und an Autoren vergeben. Zuvor haben Redakteurinnen und Redakteure aller Themenbereiche konferiert und stellen ihre aktuellen Beiträge vor. Gibt es Termine? Pressekonferenzen? Gerichtsverhandlungen? Welche Themen bearbeitet die Redaktion unabhängig von Terminen?

Die für die Themenbereiche verantwortlichen Redakteure und ihre Kollegen, die für die digitalen Veröffentlichungskanäle zuständig sind, besprechen mit der Newsdesk-Leitung die Top-Themen des kommenden Tages: Für die digitalen Kanäle geht der Blick auf morgen, für die gedruckte Zeitung schon auf übermorgen.

Ad-hoc-Besprechung der dreiköpfigen Newsdesk-Leitung mit Burkhard Ewert, stellvertretender Chefredakteur und heute Chefredakteur vom Dienst. Erhard Böhmer, Michael Clasen und Katharina Ritzer diskutieren mit ihm über den Aufmacher der Titelseite. Ewert wird am Abend dazu einen Kommentar schreiben.

Redaktionsschluss für das Abendmagazin noz Plus. Es wird pünktlich zu 18 Uhr zum Herunterladen bereitgestellt.

Holger Jansing, Regio-Chef für das Osnabrücker Land, hängt die ersten ausgedruckten Zeitungsseiten auf. Eine Runde aus Redakteuren für Stadt und Landkreis prüft sie und diskutiert ihre Qualität unter journalistischen Gesichtspunkten. Hermann-Josef Mammes, Regio-Chef für das Emsland, und sein Team machen gerade dasselbe in Meppen, die Kollegen an allen weiteren Redaktionsstandorten im Verbreitungsgebiet auch.

Der Spätdienst von David Ebener endet. Vielleicht hat der Fotograf jetzt frei, vielleicht aber auch nicht. Denn er hat in der Nacht Rufdienst. Was ihn da erwartet, weiß er nicht. Feuerwehr und Polizei werden es melden.

Dienstende für Gerhard Placke. Als Spätdienst der Blattmacher hat er die Wirtschaftsseiten gebaut. Auf den Seiten mit Beiträgen, deren Nachricht sich weiterentwickelt hat, hat er aktualisiert. Seit 19 Uhr hatte er die Nachrichtenführung am Blattmachertisch. Bevor er geht, hat er sich alle Mantelseiten noch mal genau angesehen. Besonders den Überschriften gilt das Interesse und der Frage, ob sie korrekt sind und die Nachricht genau treffen.

Feierabend für die letzten beiden Diensthabenden des Tages oder besser gesagt: der Nacht. Kim Gerecht verabschiedet sich von den Lesern mit einem letzten Post des Tages auf der Facebook-Seite der Neuen OZ mit guten Wünschen für die Nacht. Redaktionsassistent Michael Wilcke hat jetzt
auch frei. Alle Zeitungsseiten
sind belichtet und dem NOZ Druckzentrum übergeben. Dort geht die Arbeit jetzt erst richtig los.

Immer dann, wenn es um Fußballspiele und andere sportliche Ereignisse am späten Abend geht, besetzen die Kolleginnen und Kollegen der Sport-Redaktion einen Spätdienst, der bis nach Mitternacht arbeitet, damit wichtige Nachrichten am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen sind und noch in der Nacht auf noz.de.

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Guten Morgen! Corinna Berghahn ist um 5 Uhr die Erste im Newsroom.
Leben in Bildern: Fotograf David Ebener setzt die Arbeit der Tafel in Szene.
Draußen sein, mit Menschen sprechen: Lokalredakteurin Nina Strakejahn im Einsatz.
Geschichte zum Nachlesen: Archivar Frank Riehemann findet einfach alles.
Gute Nacht, Osnabrück. Im Newsroom ist aber noch lange nicht Feierabend.
Blattabnahme: Holger Jansing und Kollegen begutachten die Zeitungsseiten.
Konferenz: Kollegen beraten über die Themen des Tages.
Ganz nah dran: Selina Dey dreht im Tapirgehege im Zoo.

Dem Redaktör ist nichts zu schwör″, dachte ich mir, als ich vor recht genau 13 Jahren die Einladung erhielt, mit auf das Windrad am Halener Esch zu klettern, um eine Reportage über die Reparaturen an den Flügeln zu schreiben und aus 80 Meter Höhe spektakuläre Fotos des westfälischen Grenzgebietes zu Osnabrück zu schießen. Professionell durch ein Klettergeschirr aus Gurten, Rollen und Karabinerhaken gesichert, stieg ich in dem offenen Gitterturm zügig auf. In 62 Meter Höhe baumelte Frank Wesselkamp, ein Berliner Industriekletterer, zwischen mir und dem Horizont, während er seelenruhig einen der Windradflügel vor sich laminierte. Über ihm Seile, unter ihm eine winzige Sitzschale, 62 Meter Luft und ein Maisfeld. Ein irrer Anblick. Das musste mein erstes Foto werden. Um meine Fototasche von der Schulter zu bekommen und die Kamera herausnehmen zu können, hätte ich aber zumindest eine Hand von der Leiter lösen müssen. Es ging nicht. Ich habe keine Höhenangst, aber es ging einfach nicht. Gruselig, wa?″, begrüßte mich der frei schwebende Profi mit breitem Grinsen, in dem kein Spott lag. Ihm rutsche jedes Mal das Herz in die Hose, wenn er sich oben von der Gondel zur Arbeit am Flügel abseile, erzählte Frank, mit dem ich sofort per Du war. Unser Schwätzchen dauerte einige Minuten, brachte mein Herz aber wieder an den rechten Fleck, sodass ich sogar die Riesenniete in Franks linkem Ohr fotografieren konnte. Tolle Fotos, tolle Seite, toller Arbeitstag dem Redaktör gefiel es söhr.

Das Leben ist bunt, wenn man als Reporter arbeitet. Vor zehn Jahren bekamen wir in der Lokalredaktion in Bramsche mit, dass der Motorradclub Outlaw MC″ das Schützendomizil im idyllischen Bramscher Ortsteil Pente für ein Wochenende gemietet hatte. Nicht dass die Schützen ihr Vereinsgelände gerne einer Vereinigung überlassen hätten, die das Außergesetzliche schon im Namen trägt. Die Outlaws hatten es jedoch unerkannt für eine Privatfeier angemietet. Als herauskam, dass es sich bei den Gästen der Party um 400 Teilnehmer eines dreitägigen Treffens des Clubs handelte, der durch heftige Rivalitäten mit dem Motorradclub Bandidos auffiel, war es irgendwie zu spät.

Wenig Begeisterung rief die Veranstaltung bei der Polizei hervor. Unser Bericht über die heimliche Organisation der Veranstaltung wiederum hatte den Outlaws gar nicht so gut gefallen. Ein bisschen mulmig war mir also, als ich mich nach Pente aufmachte, schließlich sind die Outlaws selbst wohl die einzigen, die bestreiten, dass Mitglieder des Clubs in kriminelle Machenschaften verwickelt sind. Ich traf auf ein riesiges Polizei-Aufgebot und die nach und nach einrollenden Outlaws mit ihren schweren Maschinen und reich dekorierten Kutten. Die Polizei hatte Bereitschaftspolizisten von sonst wo hergekarrt.

Ich beobachtete, wie die Beamten jeden einzelnen Teilnehmer nach Waffen absuchten. Offensichtlich war ich die Einzige in der Versammlung, der hier irgendetwas befremdlich vorkam. Routiniert und höflich die Polizisten, ebenso gelassen die schwarz gekleideten tätowierten Jungs. Ach, heute das volle Programm″, kommentierte einer die Durchsuchungen. Das war alles.

Ein Polizist beklagte sich bei mir: Es ist doch ungerecht. Die trinken jetzt schön Bier, und wir müssen noch bis nächste Woche warten, bis wir eins bekommen.″ Der Rocker, den der Beamte eben abgesucht hatte, drehte sich zu ihm um, sah ihn mitleidig an und riet dem Uniformierten: Zieh dir was Anständiges an, kriegste sofort eins.″ Alles eine Frage der Perspektive.

Ich wunderte mich fortan über nichts mehr auch nicht darüber, dass die Motorradfahrer trotz nicht genehmigter Ausfahrt in einem riesigen Tross in Richtung Osnabrück rollten das eine oder andere Bier bereits intus, versteht sich.

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Ruhig sucht ein Bereitschaftspolizist ein Mitglied des Motorradclubs Outlaw MC″ nach Waffen ab, der das Prozedere mit ebenso großer Gelassenheit über sich ergehen lässt. Routine auf beiden Seiten offenbar.

Eine Ausstellung zu Videokunst in den Hamburger Deichtorhallen. Im vorletzten Raum sitzen vier Besucher in einer dunklen Ecke. Worte wie gesteuert″, Tagespresse″ und manipuliert″ fallen. Der Älteste in der Runde raunt: Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir denen nicht glauben.″

Die Klimaanlage hat meine Lippen kalt gepustet. Mein Herz schlägt schneller. Bleiben oder gehen? In meinen Kommentaren fordere ich zu Zivilcourage auf, fühle mich persönlich angegriffen, wenn Menschen lieber Verschwörungstheorien glauben, als sich selbst ein Bild zu machen. Aber eine gegen vier?

Nach einigen Minuten vor einem Video von zwei Kindern, die durch einen Wasserfall laufen, mach ich einen Schritt auf die Gruppe zu und sage Hallo″. Die vier verstummen. Argwohn und Erstaunen in ihren Gesichtern. Ich gebe mich als Politikredakteurin der NOZ zu erkennen und biete an, von meiner Arbeit zu erzählen. Ich erkläre, wie wir morgens über Themen diskutieren und warum manchmal am nächsten Tag das gleiche Foto in vielen Zeitungen erscheint. Der Grund: nicht Systempresse, sondern Nachrichtenagentur. Die vier hören zu, halten ein wenig gegen, diskutieren. Eine Frau fragt: Bekommen Sie denn Vorgaben für das, was Sie schreiben? Ich erkläre ihr, dass ich in einem Kommentar nichts schreibe, was nicht meiner Meinung entspricht. Als ich mich verabschiede, lächeln die vier, bedanken sich für die Einmischung. Ich verlasse das Museum. Draußen wärmt die Sonne. Meine Lippen tauen wieder auf.

Vor acht Jahren hat der Verlag Neue Osnabrücker Zeitung für 20 Millionen Euro seine gesamte Druck- und Versandtechnik erneuert, danach wurde kontinuierlich weiter investiert. Ein Gespräch mit Jens Masur, Geschäftsführer des NOZ Druckzentrums.

Herr Masur, Sie gehören dem Haus NOZ Medien seit 25 Jahren an und haben selbst Drucker gelernt. Was macht für Sie die Faszination dieses Berufs aus?

Wir fertigen hier jede Nacht ein Produkt, das am frühen Morgen zu den Menschen in unserer Region gelangt. Das ist schon ein tolles Gefühl.

Wie ging es nach der Riesen-Investition in neue Druck- und Versandtechnik in den Jahren 2008 und 2009 weiter?

Damit hatten wir uns europaweit an die Spitze moderner Druck- und Versandtechnik gesetzt. Ich bin stolz, dass wir wirtschaftlich so gut aufgestellt sind, dass wir danach laufend weiter in neue Technik investiert haben. 2011 haben wir die gesamte Heiz-, Klima- und Lüftungstechnik erneuert, 2013 wurde das neue Logistikzentrum in Betrieb genommen, Ende 2015 die Fotovoltaikanlagen. Im letzten Jahr wurden die Plattenfertigungsstraßen erneuert. Seit Anfang dieses Jahres drucken wir vollautomatisch durch Farbregelanlagen in der Druckmaschine. Am Ende des Jahres werden wir unter anderem auch Zwischenformate produzieren und beispielsweise mit einem Umschlag versehen können.

Wie hat sich das Berufsbild des Druckers gewandelt?

Es hat sich stark gewandelt. Der Drucker bleibt weiter wichtig, er übernimmt heute aber vor allem Regel- und Überwachungsfunktionen und weniger handwerkliche Aufgaben. Es gibt eine hohe Technisierung. Deshalb benötigen wir auch Fachleute aus dem Bereich der Elektrotechnik. Wir bilden selbst Medientechnologen Druck aus, wie Drucker heute heißen. Viele unserer Mitarbeiter schließen noch eine Meister- oder Technikerausbildung an.

Drucken war immer Teamarbeit, ist das weiter so?

Oh ja. Jeder Einzelne muss alles beherrschen von der Plattenherstellung über die Rollenwechslersteuerung bis zum Druck und zur Qualitätssicherung. Das geht Hand in Hand. Ich bin stolz auf mein Team, in dem es so gut wie gar keine Fluktuation gibt. Wir bilden in der Regel für den Eigenbedarf aus.

Was wird alles im NOZ Druckzentrum gedruckt?

Neben unseren Tageszeitungstiteln werden Anzeigenblätter, Beilagen und Broschüren, Magazine, geheftete, geklebte und beschnittene Produkte, Pocketformate sowie Produkte mit Hochglanzumschlägen hergestellt. Dieser Anteil macht heute schon rund 25 Prozent des Gesamtdruckvolumens aus. Zudem werden pro Jahr rund 450 Millionen Beilagen in unsere Tageszeitungen und Anzeigenblätter eingelegt.

Welche Nachtschicht werden Sie nie vergessen?

Als ich mit der Ausbildung fertig war, durfte ich als gelernter Drucker auch Nachtschichten übernehmen. Ich wurde gleich als Maschinenführer eingeteilt. In der ersten Nacht lief alles bestens, aber in der zweiten Nacht geschah das Schlimmste, was einem Drucker passieren kann. Ich hatte den brutalsten Papierreißer seit Langem. Es gab einen gewaltigen Knall, und in der gesamten Druckhalle regnete es Papier. Ich bin bis zu den Knöcheln in Papier gewatet. So etwas kommt durchaus vor, aber ich erntete natürlich einigen Spott. Der Frischgeselle hatte den Papierreißer verursacht! Ein besonderer Moment anderer Art war die erste Produktion mit
der neuen Rotation im Jahr 2008. Wir hatten mit den Kollegen des Maschinenherstellers eine sehr kurze Aufbauzeit realisiert, die es zuvor noch nirgends gab. Das war extrem teamorientiert. In der Nacht, als wir zum ersten Mal damit druckten, waren wir etwa 20 Leute mit den externen Kollegen. Nie vergessen werde ich die letzte Vorbesprechung kurz vor dem ersten Andruck. Das war schon sehr emotional.

Ist die Zeitung jemals nicht erschienen?

Nein, das hat es nie gegeben. Sie ist immer erschienen.

Bei Ereignissen am späten Abend geraten Redaktion und Druckerei ganz schön unter Druck. Was ist die späteste Zeit für den Andruck der Ausgabe?

Bei wichtigen Ereignissen schieben wir den Andruck auf 23.30 Uhr. Das ist ein Riesenaufwand, aber wir schaffen das. Man darf nicht vergessen, dass wir einerseits das Ziel haben, wichtige Informationen mitaufzunehmen, und andererseits das Ziel, die Zeitung allerspätestens um 6.15 Uhr zuzustellen.

Wann verlässt die letzte Zeitung das Haus?

Um 4.45 Uhr. Wer eins dieser Exemplare bekommt, hat es noch druckwarm im Briefkasten.

Im NOZ Druckzentrum gab es schon früh den Ansatz, umweltverträglich zu arbeiten. Was gehört dazu?

Wir richten unsere Technik und Arbeitsweisen konsequent auf Nachhaltigkeit aus. Wir verfügen über ein Blockheizkraftwerk sowie über eine große Fotovoltaikanlage. Wir haben den Verbrauch von Farbe in den letzten fünf Jahren um 25 Prozent reduziert. Die Druckplatten aus Aluminium werden recycelt. Der Verbrauch von Waschmitteln beträgt nur noch zehn Prozent dessen, was vor acht Jahren eingesetzt wurde. Wir bereiten das Wasser mit einer eigenen Anlage vollumfänglich so auf, dass es absolut sauber unser Haus verlässt. Zudem haben wir es durch verbesserte Technik geschafft, bis zu 1000 Tonnen Papier pro Jahr einzusparen.

Wie funktioniert das?

Wir haben die Makulatur reduziert. So nennt man die Exemplare, die schlecht gedruckt sind, weil die Maschine hochfährt oder abbremst. Pro Sekunde geht eine Papierbahn von etwa 12, 5 Meter Länge durch die Maschine. Es gelingt uns nun, viel schneller gute Exemplare zu drucken.

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Mit Druckmaschinen kennt sich Jens Masur, Geschäftsführer des NOZ Druckzentrums, gut aus. Vor 25 Jahren hat er hier eine Ausbildung zum Drucker und später den Meister gemacht.

Als ich 1981 erfuhr, dass ich eine Lehrerstelle in Norden bekommen würde, brauchte ich dringend ein Auto, und zwar eines, das meinen noch schmalen Geldbeutel nicht zu sehr belastete. Tagelang durchforstete ich die Kfz-Verkaufsanzeigen in der NOZ, bis ich auf Florian′ stieß: So nannte ich meinen lindgrünen Golf, den ich über die Kontakt- Anzeige′ kennen und letztendlich auch lieben lernte. Er hat mich viele Jahre zuverlässig hin- und hertransportiert, und das jedes Wochenende. Der Abschied von Florian′ fiel mir dann auch dementsprechend schwer, als er endgültig in die ewigen Jagdgründe entschwand.″

Christiane Högermann
Osnabrück

Am 21. Februar 2005 hatten wir die Idee, auf dem Schinkelberg rodeln zu gehen. Als wir dort mit unseren Enkelkindern ankamen, waren wir enttäuscht, weil nicht mehr genug Schnee da war. Von dem Rest bauten wir einen Schneemann. Am nächsten Tag folgte dann die Überraschung, denn unser Schneemann stand in der Zeitung. Für unsere Enkelkinder war das eine riesige Freude und eine gute Entschädigung für das entgangene Rodeln.″

Elke Höricht
Osnabrück

1982 war ich Mitbegründer der Naturschutzgruppe im Kultur- und Heimatverein Westerkappeln. Habe mich dann sehr intensiv unter anderem mit dem Schutz und der Verbreitung des Steinkauzes beschäftigt. Dann, am 3. Februar 2001, blätterte ich in der Stadtausgabe Ihrer Zeitung bei meinen Schwiegereltern. Ich stieß auf den Artikel Der Totenvogel war früher weise′. Der Ornithologe Gerhard Kooiker berichtete von der erschreckenden Zahl von nur noch einem Brutpaar Steinkäuze im Stadtgebiet. Ich war wie elektrisiert. Da konnte ich nicht tatenlos zusehen. Schnell wurden Kontakte zu Kooiker und Frank Bludau, einem Mitarbeiter des Umweltamtes, aufgebaut. 2004 nahm ich die AG Natur des Gymnasiums Mettingen mit an Bord. Im Juli 2016 nahm das Bersenbrücker Kreisblatt mit mir Kontakt auf: Was für eine Eule brütet dort in Neuenkirchen in einem Garten im ausrangierten Waschkessel ? Es war ein Steinkauz. Sofort eine Pressekampagne gestartet. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung waren sehr vielversprechend. Die AG hat innerhalb weniger Monate 18 Nisthilfen aufgehängt. Der Bruterfolg dieser vom Aussterben bedrohten Eulenart war überwältigend. Wir haben zehn Brutpaare im Mai und Juni 2017 zählen können. Ihre Berichterstattung hat im entscheidenden Maß dazu beigetragen . ″

Friedhelm Scheel
Westerkappeln

Sie lesen jeden Tag die Zeitung? Warum sollten Sie dann zusätzlich die Webseite noz.de aufrufen oder die Apps der NOZ Medien auf dem Smartphone installieren? Die Antwort: Wenn Nordkorea in der Nacht erneut Raketentests durchführt, lesen Sie das morgens als Erstes auf unserer Homepage. Entscheidet der Stadtrat über den zentralen Bau eines Einkaufszentrums, können Sie den Verlauf der Debatte direkt auf Ihrem Smartphone mitverfolgen. Und spielt der VfL Osnabrück oder der SV Meppen am Samstagnachmittag, liefert Ihnen die Sportredaktion den Zwischenstand in Sekundenschnelle.

Die NOZ-Redaktionen informieren die Leser über das Wichtigste in der Region und in der Welt. Über die digitalen Kanäle können sie das jetzt noch sehr viel schneller und tiefer gehender tun: Früher mussten wir bis zum Erscheinen der Zeitung warten, ehe unsere Analysen, Kommentare und Hintergründe veröffentlicht wurden, heute haben wir das Handwerkszeug, mit dem wir fast in Echtzeit informieren können ein Traum für jeden Journalisten″, sagt Harald Pistorius. Er leitet die Sportredaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Pistorius hat die Arbeitsweisen zusammen mit seinem Team stark umgestellt. Die Sportjournalisten sind es gewohnt, unter enormem Zeitdruck die Analyse eines Champions-League-Spiels noch am späten Abend für den Andruck der Zeitung zu schreiben. Heute tritt allerdings einer der Kollegen schon um 6.30 Uhr wieder zum Dienst an, um etwa besonders strittige Szenen des Fußballspiels am Vorabend zu analysieren oder den anstehenden Trainingstag für die Drittliga-Mannschaften aus der Region aufzuschreiben. Innerhalb eines Jahres haben wir allein 900 Artikel geschrieben, die nur auf der Website noz.de und in unseren Apps veröffentlicht wurden″, sagt Pistorius. Nicht mitgezählt sind dabei unzählige Liveticker aus den Stadien und Videointerviews mit den Trainern und Spielern.

Auch in den Lokalredaktionen nutzen die Journalisten die digitalen Technologien, um die Leser besser zu erreichen. Sie produzieren zum Beispiel ein Livevideo vom Auftritt von Angela Merkel auf dem Lingener Marktplatz. Große Veranstaltungen in der Region begleiten die Reporter mit Livetickern, sodass sich die Besucher und Interessierte in Echtzeit ein Bild machen können.

Auch die Leser nutzen die Möglichkeit, sehr viel schneller und direkter mit den Redaktionen zu kommunizieren. Sie melden sich über die Kommentarfunktion auf noz.de, bei Facebook oder den Whatsapp-Kanal zu Wort. Sie fragen etwa, warum ein Hubschrauber über der Stadt kreist oder warum zahlreiche Sirenen zu hören sind. Oft lesen sie die Antwort nur Minuten später in den digitalen Produkten der NOZ. Wir sind jetzt viel dichter am Leser dran″, sagt Hermann Josef Mammes.

Für den Leiter der drei Emslandredaktionen heißt das aber