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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
„Einer von uns″ fiel tief
 
Finanzkrise schüttelt Europa
 
Flüchtlinge als internationale Herausforderung
 
Plaudern mit den Promis
 
„Exklusivität, Seriosität, Aktualität″
 
Kohls Karnevalsflucht nach Osnabrück
 
Willkommen in der Bleizeit
 
Wie war noch gleich der Doppelname?
 
Ronald Reagan und ich
 
Knie an Knie mit Karasek auf der Buchmesse
 
Der „Männekesmaler″ Fritz Wolf
 
Dithard von Rabenau
 
Christoph Härringer
 
Karl-Heinz Schoenfeld
 
Burkhard Mohr
 
Klaus Stuttmann
 
Kostas Koufogiorgos
 
Gerhard Mester
 
Mario Lars
Zwischenüberschrift:
Die Affäre Wulff: Zeitungsleser zeigen sich als verlässliche Seismografen der öffentlichen Meinung
 
2007–2011: Banken brauchen Hilfe, Griechenland steht vor dem Bankrott – Arabischer Frühling führt zu Syrienkonflikt
 
2012–2017: Millionen Menschen fliehen vor Krieg und Verfolgung – Terroranschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt
 
Topstars treffen sich mit Redakteuren unserer Zeitung zum bunten Interview
 
Der langjährige Chefredakteur Franz Schmedt über Interviews und Kommentare als Markenzeichen
 
Erinnerungen an Begegnungen mit Politikern: Mit Schmidt im Sonderzug – DDR-Spion begleitete Brandt zur Neuen OZ
 
Aufwendig und anstrengend: So wurde vor 50 Jahren die Neue OZ produziert
 
Erst die große Rede am Brandenburger Tor, dann Gespräche im Polizeikessel
 
Genscher adelt Osnabrücker Karikaturisten: „Spitze Feder wichtiges Element der demokratischen Gesellschaft″
 
Dithard von Rabenau legt großen Wert auf Szenen aus dem täglichen Leben
Artikel:
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Originaltext:
Der 30. Juni 2010. 365 Kilometer Luftlinie von Osnabrück entfernt, wählt in Berlin die Bundesversammlung den Christdemokraten Christian Wulff zum Bundespräsidenten. Die Region Osnabrück/ Emsland ist stolz wie Bolle. Ein Osnabrücker in Schloss Bellevue″ vermeldet die Neue Osnabrücker Zeitung nachrichtlich nüchtern in einer Sonderbeilage.

Stadt und Landkreis Osnabrück verpacken ihre Glückwünsche zum neuen Amt sogleich in eine feinsinnige Werbebotschaft: Mit einem Osnabrücker lässt sich immer Staat machen″. Und eine Osnabrücker Kanzlei, in die das frischgebackene Staatsoberhaupt schon 1990 als Rechtsanwalt eingetreten war, sinnierte über den Fortbestand des Kanzlei-Türschildes: Christian Wulff. Übt seinen Beruf z. Zt. nicht aus″ stand dort seit Langem als werbewirksamer Zusatz am Eingang.

Das Gefühl, als Staatsoberhaupt protokollarisch die Nummer eins zu sein, ein Volk von über 80 Millionen nach innen und außen zu repräsentieren, muss ein besonderes sein. Für jeden, der das damit verbundene Leben und die Aufgaben mag, die dieses Amt mit sich bringt. Und Wulff mochte.

Dies ließ er seine Umgebung spüren. Für ihn war der Sprung vom niedersächsischen Ministerpräsidenten in den deutschen Politik-Olymp ein Traum der allerdings zum Albtraum wurde.

Nach 598 Tagen war alles vorbei. Am 17. Februar 2012 trat Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurück, begründete dies mit geschwundenem Vertrauen. Einen Tag zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung seiner Immunität wegen des Verdachts der Vorteilsannahme beantragt.

Es war der entscheidende Einschlag in die Trutzburg Schloss Bellevue″, in die sich Wulff verschanzt hatte, um dem Kritiksturm der Medien und der Öffentlichkeit standzuhalten. Durch eigenes schlechtes Krisenmanagement habe er sich in eine Sackgasse manövriert, aus der es keinen Ausweg mehr gebe. Er trete nur der Not gehorchend und aus der Einsicht zurück, dass ein Präsident nicht tragbar sei, gegen den staatsanwaltliche Ermittlungen anstünden, kommentierte die Neue Osnabrücker Zeitung den alternativlosen Rücktritt″.

Als Präsidentenkiller″ gilt bis heute der Oberstaatsanwalt in Hannover, der im Oktober 2011 die Zentralstelle Korruptionsbekämpfung übernommen hatte.

Seine Entscheidung, die Aufhebung der Wulff′schen Immunität zu beantragen, zwang den zehnten Präsidenten der Bundesrepublik praktisch zum Rücktritt. Die staatsanwaltschaftlichen Ergebnisse waren phänomenal, was die Menge der gesammelten Daten betrifft. Bis zu 24 Staatsanwälte beschäftigten sich zeitgleich mit der Spurensuche.

Als geradezu armselig müssen die Ergebnisse auf die mit der Urteilsfindung betrauten Richter gewirkt haben: Es gibt schlicht keine schlagkräftigen Beweise gegen den Angeklagten″, erklärte der Vorsitzende Richter der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Hannover im Februar 2014 den Freispruch im Korruptionsprozess. Wulff habe weder Vorteilsannahme noch eine Unrechtsvereinbarung mit dem ebenfalls angeklagten Filmunternehmer Groenewold nachgewiesen werden können.

Danach hieß es Wunden lecken. Für den zurückgetretenen Bundespräsidenten war der Freispruch später Trost und stiller Triumph. Der Richterspruch brachte ihm Amt und Ansehen nicht zurück. Und er steht weiter im Fokus der Öffentlichkeit.

Journalisten, die durch ihre investigativen Bemühungen bei der Aufdeckung eines vermeintlichen Korruptionsskandals letztlich eine mediale Stampede der Nichtigkeiten auslösten, kamen ins Grübeln, hinterfragten (manchmal) ihr Tun. In den Augen der Öffentlichkeit hat die Berichterstattung im Fall Wulff die Glaubwürdigkeit eines ganzen Berufsstandes nicht gerade gestärkt.

Wulff benennt in seinem Buch Ganz oben Ganz unten″, das 2014 die Bestsellerlisten eroberte, Gegner: Die Amtszeit ist durch die 67 Tage am Schluss, als ich mich in einer von der Bild Zeitung am 12. Dezember 2011 eröffneten, über zwei Monate dauernden Treibjagd zum Rücktritt gezwungen sah, in den Nebel gerückt.″

Eigenlob stinkt. Und doch darf hier auf die Einschätzung verwiesen werden, wonach die Neue Osnabrücker Zeitung in der Affäre Wulff differenziert″ berichtet habe. Recherchieren, Fakten sammeln, einordnen und bewerten, die Öffentlichkeit mit seriösen Informationen zu versorgen, die zur Meinungsbildung beitragen dies alles führt zu einer fundierten Berichterstattung, die Qualitätsmedien liefern sollten. Eher also eine Selbstverständlichkeit, nicht der Rede wert. Wie der Treffer eines Mittelstürmers, der Tore schießen muss, will er nicht ausgewechselt werden. Bemerkenswert nur, wer dieses Urteil abgab: Es war Christian Wulff.

Reisen, Anerkennung, Bewunderung. Wulff war überzeugt, dass er dies verdient hatte″, urteilte 2012 ein enger Weggefährte des einstigen CDU-Superstars. Er teilt die politische Entwicklung Wulffs nach dessen Wahlsieg über Siegmar Gabriel 2003 in drei Abschnitte ein: In seiner ersten Amtszeit als niedersächsischer Ministerpräsident verbreitete er echte Aufbruchstimmung. Da hat er angepackt.″ Mit dem Themenfeld VW/ Karmann habe Wulff in seiner zweiten Amtszeit deutliche Akzente gesetzt. Aber wo wollen Sie bei fehlendem Geld in den Kassen als Landesvater noch richtig punkten? Die Lust am Regieren könne einem Ministerpräsidenten da schon vergehen, so der Wulff-Intimus. Als Kanzlerin Angela Merkel nach dem Rücktritt von Horst Köhler am 31. Mai 2010 einen neuen Bundespräsidenten suchte, habe ihr Anruf bei Wulff für diesen fast den Charakter eines Lottogewinns gehabt″. Doch der entpuppte sich letztlich als Niete.

Zeitungen sind Spiegel der Alltagswelt, gedruckte Archive der Lebenswirklichkeit, für jedermann zugänglich, hervorragend geeignet, Entwicklungen nachzuvollziehen. Wie im Fall Wulff.

Zeitungsleser erweisen sich dabei immer wieder als hervorragende Seismografen der öffentlichen Meinung. Niemals in den 50 Jahren ihres Bestehens erlebte die Neue Osnabrücker Zeitung ein größeres Feedback auf ein politisches Thema als im Fall Wulff, der in seiner Heimatregion lange höchste Anerkennung genoss.

Ein Beispiel für Leserreaktionen: Frust und Enttäuschung dominierten das Ergebnis eines Aufrufs der Neuen Osnabrücker Zeitung vor der offiziellen Verabschiedung des Bundespräsidenten aus dem Amt.

Statt Polemik gab es auf die Frage Was Sie Herrn Wulff noch sagen wollten…″ durch die Bank hundertfach fundierte, abgewogene Statements. Eine Kostprobe: Mit sich beginnen, aber nicht bei sich enden, bei sich anfangen, aber sich nicht selbst zum Ziel haben″, dieses Zitat von Martin Buber gab ein Kritiker dem Bundespräsidenten mit auf dem Weg.

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Ein Bild aus guten Zeiten: Im März 2011 besuchte Christian Wulff als Bundespräsident seine Heimatstadt Osnabrück. Hier lernte er das politische Handwerk von der Pike auf.

E Orkan Kyrill

Der Orkan Kyrill fegt am 18. Januar über Europa hinweg. In Deutschland sterben 13 Menschen.

E Eisbärbaby Knut

Das im Dezember 2006 geborene Eisbärbaby Knut ist der Star des Zoologischen Gartens Berlin. Da seine Mutter ihren Nachwuchs nicht annimmt, kümmert sich der Tierpfleger Thomas Dörflein intensiv um das Jungtier. Die
Medien begleiten die Aufzucht Knuts auf Schritt und Tritt, ab dem 24. März können die Besucher ihn in seinem Gehege sehen.

E Finanzkrise erreicht Europa

Der Deutsche Aktienindex verliert am 21. Januar innerhalb eines Tages mehr als 500 Punkte und fällt um 7, 2 Prozent. Dies ist der höchste nominelle Tageseinbruch seit Bestehen des DAX. Auslöser ist wie auch in anderen Ländern die Angst vor einer Rezession der US-Wirtschaft. Seit Sommer 2007 bahnt sich in den USA eine Finanzkrise an, da das Platzen der Immobilienblase Banken in Bedrängnis bringt. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht die Krise, als die US-Großbank Lehman Brothers am 15. September Insolvenz anmeldet.

E Jahrelang eingesperrt

Der Inzestfall Josef Fritzl kommt am 26. April ans Licht, als er eine kranke Tochter ins Krankenhaus bringt. Fritzl hatte im niederösterreichischen Amstetten seine Tochter rund 24 Jahre lang in einer unterirdischen Wohnung gefangen gehalten. Während dieser Zeit vergewaltigte er sie mehrfach und zeugte mit ihr sieben Kinder, von denen er drei normal aufzog und drei ebenfalls im Keller einsperrte. Eins starb bei der Geburt. Der Öffentlichkeit hatte er stets erklärt, seine Tochter sei zu einer Sekte geflohen. Fritzl wird 2009 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

E Der erste schwarze Präsident

Der Demokrat Barack Obama wird am 4. November als erster Afroamerikaner zum Präsidenten der USA gewählt. Er setzt sich gegen den Republikaner John McCain durch.

E Internationale Finanzkrise

Die Folgen der Finanzkrise werden deutlich: So fällt der Ölpreis am 16. Januar auf 33 US-Dollar je Barrel und damit auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Am 1. Juni meldet der US-Autobauer General Motors Insolvenz an. Zudem bereitet der Bund am 5. Oktober die Verstaatlichung der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate vor.

E Amoklauf von Winnenden

Ein ehemaliger Schüler erschießt am 11. März an der Albertville-Realschule im baden-württembergischen Winnenden drei Lehrerinnen und neun Schüler. Während seiner Flucht vor der Polizei tötet der 17-Jährige drei weitere Menschen und schließlich sich selbst. Die Tatwaffe nahm er aus dem unverschlossenen Kleiderschrank des Vaters, der Sportschütze war. Das Motiv ist bis heute unklar.

E Schweinegrippe

Die Weltgesundheitsorganisation warnt am 27. April vor der Ausbreitung des H1N1-Virus, der sogenannten Schweinegrippe. In Deutschland werden dem Robert-Koch-Institut von April 2009 bis August 2010 insgesamt 226 000 bestätigte Fälle der Grippe übermittelt, darunter 258 Todesfälle.

E Höchstes Gebäude der Welt

Der Wolkenkratzer Burj Khalifa wird am 4. Januar in Dubai eröffnet. Mit 828 Metern ist es das höchste Gebäude der Welt. Die Bauarbeiten dauerten sechs Jahre.

E Katastrophe in Haiti

Bei einem Erdbeben in Haiti sterben am 12. Januar nach offiziellen Angaben 316 000 Menschen. Andere Schätzungen gehen von 100 000 Todesopfern aus.

E Aschewolke vernebelt Europa

Nach einem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island am 14. April zieht eine Aschewolke über Europa. In vielen Staaten müssen Flugzeuge am Boden bleiben: wegen schlechter Sicht und Gefahren für die Triebwerke durch die Aschepartikel.

E Griechenlandkrise

Griechenland steht vor dem Staatsbankrott, weil fällige Kredite nicht zurückgezahlt werden können. Am 23. April bittet Premierminister Giorgos Papandreou daher die Europäische Union und den Internationalen Währungsfonds um Hilfe. Die Institutionen schnüren zunächst ein dreijähriges Hilfspaket mit einem Volumen von 110 Milliarden Euro. Griechenland wird im Gegenzug dazu verpflichtet, rigoros zu sparen.

E Unser Star in Oslo

Lena Meyer-Landrut gewinnt mit ihrem Lied Satellite″ am 29. Mai in Oslo für Deutschland den 55. Eurovision Song Contest.

E Unglück bei der Loveparade

Wegen fehlgeleiteter Besucherströme kommt es am 24. Juli bei der Loveparade in Duisburg an einer Engstelle des Zugangsbereichs zu einem Gedränge. 21 Menschen sterben, mehr als 500 werden verletzt.

E Arabischer Frühling

Schon seit 2010 demonstrieren Menschen in der arabischen Welt gegen die autoritären Regime. Am 14. Januar flieht das tunesische Staatsoberhaupt Zine el-Abidine Ben Ali aus dem Land, am 11. Februar tritt Husni Mubarak als ägyptischer Präsident zurück. Zudem wird das libysche Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi entmachtet. Auch im Jemen, in Jordanien, Algerien und Bahrain kommt es zu Protesten. In Syrien entwickelt sich aus den friedlichen Protesten gegen den Präsidenten Baschar al-Assad ein blutiger Bürgerkrieg. Bis heute sind schätzungsweise 400 000 Syrer gestorben, mehr als fünf Millionen sind aus dem Land geflohen.

E Fukushima und die Folgen

Nach einem Erdbeben und Tsunami am 11. März kommt es im japanischen Kernkraftwerk Fukushima zu einer folgenschweren Unfallserie in mehreren Reaktorblöcken. Todesopfer gibt es keine, die Folgen für die Gesundheit der Menschen in der Umgebung sind umstritten. Die Regierung Merkel beschließt daraufhin, den Atomausstieg zu beschleunigen.

E Bin Laden ist tot

US-Spezialeinheiten erschießen am 2. Mai Osama bin Laden, den Anführer der Terrororganisation Al-Kaida, bei der Erstürmung seines Anwesens in Pakistan.

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Stürmische Zeiten: Die US-Investmentbank Lehman Brothers meldet Insolvenz an.
Katastrophale Unfälle und schwere Störfälle haben das Kernkraftwerk im japanischen Fukushima zerstört. Die Nuklearkatastrophe wurde von einem Erdbeben und einem Tsunami ausgelöst.

E Wulff-Affäre

Bundespräsident Christian Wulff tritt am 17. Februar nach nur eineinhalb Jahren im Amt zurück. Er begründet den Schritt mit dem geschwundenen Vertrauen der Bürger. Ihm wird vor allem Vorteilsnahme in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident vorgeworfen. Vor Gericht wird Wulff 2014 freigesprochen.

E Papst Benedikt tritt zurück

Papst Benedikt XVI. tritt am 28. Februar im Alter von 85 Jahren freiwillig zurück. Er habe nicht mehr genug Kraft. Zum Nachfolger wählt das Konklave am 13. März den Argentinier Jorge Mario Bergoglio (Franziskus) .

E NSU-Prozess beginnt

Vor dem Oberlandesgericht München beginnt am 6. Mai der NSU-Prozess. Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten Beate Zschäpe vor, an den Taten der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund beteiligt gewesen zu sein. Diese hatte zwischen 2000 und 2006 neun Migranten ermordet.

E NSA-Skandal

Edward Snowden, ehemaliger Mitarbeiter des US-Geheimdienstes National Security Agency, enthüllt Journalisten ab dem 1. Juni, dass die USA seit spätestens 2007 die Telekommunikation und das Internet weltweit verdachtsunabhängig überwachen.

E Ukraine-Krise

Ab dem 18. Februar eskaliert die Gewalt zwischen Polizei und Regierungsgegnern auf dem Maidan-Platz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, es sterben mehr als 80 Menschen. Am 22. Februar setzt das Parlament den Präsidenten Viktor Janukowitsch ab. Die Unruhe nutzen Separatisten dazu, um mit der Unterstützung Russlands die Halbinsel Krim zu besetzen. Bei einem umstrittenen Referendum entscheidet sich am 16. März eine Mehrheit für die Wiedervereinigung der Krim mit Russland.

E Der IS breitet sich aus

Nach der militärischen Eroberung von Gebieten in Irak und Syrien verkündet die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat am 29. Juni die Gründung eines Kalifats auf diesem Territorium.

E Deutschland ist Weltmeister

Deutschland wird am 13. Juli in Brasilien zum vierten Mal Fußball-Weltmeister: nach einem 1: 0-Sieg im Finale gegen Argentinien.

E Je suis Charlie″

Zwei Al-Kaida-Terroristen töten am 7. Januar bei einem Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris zwölf Personen. Als Grund gelten die im Heft erschienenen Mohammed-Karikaturen. Die Solidarität unter dem Motto Je suis Charlie″ ist groß.

E Germanwings-Katastrophe

Auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf bringt der Co-Pilot eine Maschine am 24. März absichtlich über den französischen Alpen zum Absturz. Er tötet damit alle 150 Insassen. Der Co-Pilot hatte zuvor die anderen Crewmitglieder aus dem Cockpit gesperrt.

E Flüchtlingskrise

Millionen Menschen flüchten aus ihren Heimatländern nach Europa. Gründe sind vor allem staatlicher wie islamistischer Terrorismus und mangelnde wirtschaftliche Perspektiven. Im September spitzt sich die Situation zu: Tausende Flüchtlinge sitzen am Budapester Bahnhof fest. Am 4. September entscheidet Kanzlerin Angela Merkel mit ihrem österreichischen Pendant Werner Faymann, die Grenzen zu öffnen. Im Gesamtjahr 2015 kommen rund 900 000 Flüchtlinge nach Deutschland, vor allem aus Syrien, Albanien und dem Kosovo.

E Terroranschläge in Paris

Terroristen töten am 13. November in Paris 130 Menschen, 352 werden verletzt. Die Angriffe finden unter anderem während des Fußballspiels Frankreich - Deutschland und bei einem Rockkonzert im Bataclan-Theater statt. In einer Erklärung nennt der Islamische Staat Paris eine Hauptstadt der Unzucht″.

E Terror in Brüssel und Nizza

In Brüssel töten Terroristen am 22. März 35 Menschen, 300 werden verletzt. Am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, fährt ein Terrorist in Nizza in einem Lkw in eine Menschenmenge und tötet 86 Personen. Auch hier werden 300 verletzt. Zu beiden Anschlägen bekennt sich der Islamische Staat.

E Brexit überrascht Europa

Bei einem Referendum im Vereinigten Königreich stimmen am 23. Juni 51, 89 Prozent der Wähler für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Gründe der Gegner sind Zuwanderungsfragen und vermeintliche finanzielle Lasten.

E Putschversuch in der Türkei

Teile des türkischen Militärs versuchen am 15. Juli, die Regierung und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zu stürzen. Der Putsch scheitert jedoch am Widerstand der Bevölkerung und anderer Militärmitglieder. Mehr als 290 Menschen sterben bei Auseinandersetzungen. In der Folge baut Erdogan die Türkei zu einem autoritären Staat um.

E Trump wird Präsident

Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA gewinnt der Immobilienmogul Donald Trump am 8. November für die Republikaner gegen Hillary Clinton die Wahl. Trump hatte einen sehr aggressiven Wahlkampf geführt.

E Terroranschlag in Berlin

Ein Attentäter steuert am 19. Dezember einen Lkw in eine Menschenmenge auf dem Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Elf Besucher sterben, 55 werden verletzt. Zur Tat bekennt sich der Islamische Staat. Der Täter, ein 24-jähriger Tunesier, wird am 23. Dezember in Italien von einer Polizeistreife erschossen.

E Die Ehe für alle

Der Bundestag beschließt am
30. Juni die Einführung der Ehe für alle″. Damit dürfen fortan auch Schwule und Lesben heiraten; zudem dürfen homosexuelle Paare gemeinsam ein Kind adoptieren.

E Helmut Kohl stirbt

Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl stirbt am 16. Juni im Alter von 87 Jahren und wird als erster Europäer mit einem Europäischen Staatsakt geehrt.

E Terroranschläge in Europa

Bei einem Selbstmordattentat auf ein Konzert in Manchester sterben am 22. Mai 23 Menschen, 116 werden verletzt. In Barcelona fährt am 17. August ein Terrorist mit einem Lieferwagen durch eine Menschenmenge auf dem Boulevard La Rambla. 14 Menschen werden getötet, mindestens 118 verletzt. Zu den Anschlägen bekennt sich der Islamische Staat.

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Flüchtlinge warten in einem Schlauchboot vor der italienischen Insel Lampedusa darauf, gerettet zu werden.
Erdogan-Anhänger schwenken türkische Nationalflaggen auf dem Taksim-Platz in Istanbul.

Das politische Interview ist gute alte Tradition aber auch die bunten Interviews sorgen seit Jahrzehnten bundesweit für Aufsehen. Seit 2002 sind sie immer samstags ganzseitig im Blatt vertreten. Und die Liste der Namen ist schier endlos sie reicht von A wie Mario Adorf bis Z wie August Zirner.

Wir haben mit Weltstars wie Geraldine Chaplin, Christo, Roger Federer, Lang Lang, Roger Moore, Dirk Nowitzki, Carlos Santana und Christoph Waltz gesprochen, haben Legenden wie Harry Belafonte, Boris Becker, Karlheinz Boehm, Alice Cooper, Bruno Ganz, Johannes Heesters, Hardy Krüger, Paul Kuhn, James Last, Reinhold Messner und Oleg Popov interviewt. Deutschlands Filmstars wie Barbara Auer, Senta Berger, Iris Berben, Moritz Bleibtreu, Matthias Brandt, Daniel Brühl, Maria Furtwängler, Götz George, Christiane Hörbiger, Charly Hübner, Burghart Klaußner, Sebastian Koch, Joachim Król, Manfred Krug, Nina Kunzendorf, Gudrun Landgrebe, Heiner Lauterbach, Jan Josef Liefers, Heike Makatsch, Elyas M′barek, Richy Müller, Caroline Peters, Franka Potente, Axel Prahl, Jürgen Prochnow, Armin Rohde, Tom Schilling, Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Edgar Selge, Ulrich Tukur und Jürgen Vogel standen uns ebenso Rede und Antwort wie das Who′s who der deutschen Rockmusik: Bela B., Bushido, Campino, Jan Delay, Hartmut Engler, Judith Holofernes, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Klaus Meine, Marius Müller-Westernhagen, Nena, Wolfgang Niedecken und Farin Urlaub. Und natürlich war auch der Schlager vertreten: Costa Cordalis, Nino de Angelo, Helene Fischer, Die Flippers, Roland Kaiser, Nicole, Š emino Rossi und Hein Simons alias Heintje. Nicht fehlen durften natürlich Bestsellerautoren wie Cornelia Funke, Nadine Gordimer, Elke Heidenreich, Donna Leon, Henning Mankell, Rosamunde Pilcher, Frank Schätzing, Peter Scholl-Latour, Günter Wallraff, Martin Walser und Klaus-Peter Wolf.

Auch First Ladys wie Christina Rau, Bettina Wulff und Daniela Schadt plauderten mit Mitgliedern unserer Redaktion. Bekannte Journalistenkollegen wie Tom Buhrow, Gerhard Delling, Giovanni di Lorenzo, Maybritt Illner, Claus Kleber, Fritz Pleitgen, Rolf Töpperwien, Marcel Reif, Gerd Ruge waren ebenso dabei wie die Moderatoren Reinhold Beckmann, Alfred Biolek, Alexander Bommes, Rudi Cerne, Sabine Christiansen, Peter Hahne, Dieter-Thomas Heck, Eckart von Hirschhausen, Peter Kloeppel, Ina Müller, Jörg Pilawa, Johannes B. Kerner, Florian Silbereisen, Marietta Slomka, Caren Miosga, Max Moor, Judith Rakers, Thomas Roth und Barbara Schöneberger.

Nicht zu vergessen die Regisseure Fatih Akin, Doris Dörrie, Roland Emmerich, Dominik Graf, Tom Tykwer und Wim Wenders, der Kameramann Michael Ballhaus, die Tenöre José Carreras und Jonas Kaufmann, Polarforscher Arved Fuchs, der unvergessene Joachim Fuchsberger, Volksmusiklegende Heino, der Kabarettist Dieter Hildebrandt, die Geigerin Anne-Sophie Mutter, der Profiler Axel Petermann, der Astronaut Thomas Reiter, die Komiker Olli Dittrich, Otto und Helge Schneider, der Koch Tim Mälzer, der Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg, der Tierfilmer Heinz Sielmann, der Cartoonist Uli Stein, der Nagelkünstler Günther Uecker, die Festspielleiterin Katharina Wagner und Entertainer Roger Willemsen,

Und last but not least steuerte der Kollege Harald Pistorius 2004 ein fiktives Interview mit dem DFB-Pokal bei ähnlich lesenswert wie Daniel Benedicts Gespräch mit Bernd dem Brot von 2006. Für Letztere haben wir eine Ausnahme von der Regel gemacht und auf ein persönliches Treffen zum Interview verzichtet.

Schuhe sind doch was Wunderbares. Ich denke immer, mit einem Schuh kauft man sich auch gleich ein neues Leben. Ein neuer Schuh bedeutet für mich einen neuen Stil, eine neue Philosophie, ein neues Styling. Ich kaufe auch gern extreme Sachen und trage sie dann gerne in der Talkshow, weil ich da sitze und nicht den ganzen Abend drauf stehen muss… Ich verschenke Schuhe auch nach einer Weile. Vier Monate finde ich sie super und dann auf einmal ganz nuttig dann frage ich mich: Warum hatte ich bloß orange Lackschuhe? Ist ja ekelhaft.″ Moderatorin Barbara Schöneberger im Gespräch mit Joachim Schmitz, Juni 2012.

Ich finde Gewalt ekelhaft. Aber natürlich werde ich oft gefragt, warum meine Verbrecher so außerordentlich brutal sind. Ich antworte immer nur: In der Realität gibt es Gewalt; und ich schreibe über die Realität. Die Wirklichkeit ist immer uneinholbar viel schlimmer. Das können Sie und ich uns gar nicht ausdenken.″ Bestsellerautor Henning Mankell im Gespräch mit Daniel Benedict, Mai 2009.

Dass ich zum Kritikerliebling werde, wird mir wohl nicht mehr passieren. Oder aber erst, wenn ich sehr alt oder schon gestorben bin. Das ist ähnlich wie bei Bernd Eichinger, über den sie heute auch sagen: Eigentlich hat er ganz schön viel erreicht. Oder denken Sie nur an Clint Eastwood, den deutsche Kritiker ganz lange in der Fascho-Ecke hatten. Das hat sich ja auch erst in den letzten Jahren geändert, seit er als Regisseur arbeitet. Mittlerweile feiern ihn die Leute, als hätte er nie etwas anderes gemacht.″ Schauspieler Til Schweiger vor seinem ersten Tatort″ im Gespräch mit Joachim Schmitz, Oktober 2012.

Ich war ein paar Mal im Krankenhaus, und der Notarzt wurde zu meinem ständigen Berater. Irgendwann dachte ich: Das kannst du der Welt nicht antun, Trauerwellen und Selbstmordwellen würden das Land überziehen, wenn ich abdanke. Die Nachtigall muss den Leuten noch ein bisschen erhalten bleiben. Ich hab den Entgiftungstropf abgemacht und bin wieder aufgestanden.″ Rockstar Udo Lindenberg im Gespräch mit Joachim Schmitz, Juni 2014. Unser Bild stammt von der ersten Begegnung der beiden Anfang der Achtzigerjahre.

Erst später in New York habe ich gemerkt, welche völlig banalen Dinge ich nie habe machen können. Einfach mal durch die Straßen laufen, auf den Verkehr aufpassen, Klamotten kaufen, zur Bank gehen, sich selbst ernähren. Diese ganz normalen Dinge des Alltags habe ich nie erlebt. Ich bin in Aachen aufgewachsen, aber bis ich 17 war, bin ich höchstens 30-, 40-mal in der Stadt gewesen.″ Star-Geiger David Garrett im Gespräch mit Marcus Tackenberg auf einem Cessna″-Flug nach Friedrichshafen, Juni 2009

Wenn man sich die heutigen Krisen anschaut, dann könnte ich viele der frühen Songs gestern geschrieben haben. Ich bräuchte nicht mal die Worte ändern, sie gelten heute noch. Ich verstehe nicht, wo all die jungen Bands wie damals die Sex Pistols, Boomtown Rats und The Clash heute sind, wenn ich sehe, dass 54 Prozent der Jugendlichen in Spanien keinen Job haben.″ Musiker und Live-Aid-Organisator Sir Bob Geldof im Gespräch mit Marcus Tackenberg im Osnabrücker Rathaus, Juni 2013.

Natürlich ist Kunst nutzlos. Kunst ist vollkommen irrational, und es gibt auch keinen guten Grund für sie zu existieren. Ich bin absolut der Meinung, dass jederlei Kunst, in der eine sogenannte Message″ steckt, im wesentlichen Sinne Propaganda ist. Ich bin aus einem kommunistischen Land geflohen, genau aus diesem Grund.″ Verhüllungskünstler Christo im Gespräch mit Joachim Schmitz in seinem New Yorker Atelier, September 2012.

Ich wollte einfach nicht, ich hätte nicht gewusst wohin. Ich hätte mich nicht wirklich zu Hause fühlen können. Ich stamme nun mal aus Wien, und da herrscht ein ganz anderer Tonfall als in Deutschland. Ich will jetzt gar nicht sagen, dass dieser Tonfall besser ist, aber es ist derjenige, den ich verinnerlicht habe. Der Austausch unter den Menschen ist sehr höflich und freundlich. Dass die Realität das genaue Gegenteil ist, kann mich als gebürtigen Wiener nicht erschüttern ich weiß es ja. Der treue deutsche Michel, der nach Wien kommt, ist dagegen entsetzt, dass er, sobald er den Rücken kehrt, in diesen auch das Hackerl hineingehauen bekommt.″ Der spätere Oscar-Preisträger Christoph Waltz auf die Frage von Joachim Schmitz, warum er nicht in Deutschland leben mag, Mai 2004.

Ich habe meinen Lebensweg auch ohne Abitur gemacht, und ich bin auch mal sitzen geblieben. Ganz wichtig ist, dass man im Elternhaus einen Halt bekommt. Wichtig sind die Gespräche, um herauszufinden, woran es gelegen hat: War ich einfach nur eine faule Sau? Bin ich überfordert gewesen? Brauche ich Hilfe? Oder ist mein Weg vielleicht ein anderer? Mit 18 oder 19 wissen viele doch noch nicht wirklich, was ihre Leidenschaft ist und in welche Richtung es einmal gehen soll. Es wird ein ganz ungesunder Druck auf junge Menschen aufgebaut wie sollen sich da Kreativität, Träume und Leidenschaft entwickeln? Warum ist Scheitern so ein negativ besetztes Wort?″ – Schauspielerin Iris Berben im Gespräch mit Joachim Schmitz, August 2015

Ich bin total verrückt und übervorsichtig, was meine Hände angeht. Handwerkliche Arbeiten fallen da flach. Ständig passe ich auf, dass ich nicht in die Verlegenheit komme, etwas zu riskieren. Meine Kollegen waschen ab oder machen andere Hausarbeiten. Wahrscheinlich bin ich auch etwas zu faul dafür.″ Star-Pianist Lang Lang im Gespräch mit Marcus Tackenberg in der Hamburger
Laeiszhalle, Dezember 2006.

Meine Zeitung und ich

Eine Anzeige in der NOZ Mitte Januar 1975 sicherte meine Existenz in meiner Vaterstadt Osnabrück. Mein Chef in einer großen Osnabrücker Papierfabrik hatte mir geraten, mich nach einem neuen Job umzusehen, da Massenentlassungen bevorstanden. Meine Frau und mich warf diese Nachricht zu Boden. Wir hatten drei kleine Kinder. Controller gesucht für städtische Betriebe′, lautete die Anzeige. Meine Frau riet mir trotz meiner Zweifel zum Versuch. Als einige Tage nach dem zweiten Vorstellungsgespräch der Anruf kam, dass ich am 1. April anfangen könne, war unser Jubel groß. Ich verdanke dem Blick in die NOZ 22 schöne Jahre bei der Stadt Osnabrück.″

Wilfried Meyer-Koop

Osnabrück

Die Schule in Lindloh wurde aufgelöst. Das Foto ist nach der Übersiedlung nach Rütenbrock entstanden. Ich sitze vorne links , mit den dunklen Haaren. Ich war ganz stolz, in der ersten Reihe in der Zeitung zu stehen. Die Seite habe ich heute noch.″

Monika Cordes

Haren

Foto: Claudia Sarrazin

Eingeleitet und geprägt hat diese Entwicklung Franz Schmedt, NOZ-Chefredakteur von 1968 bis Ende 2002, der Hunderte von Interviews geführt hat. Aus Anlass des 50. Geburtstages der Neuen Osnabrücker Zeitung stellt sich der 85-Jährige einmal selbst zum Interview.

Aus zwei mach eins. Osnabrücker Tageblatt und Neue Tagespost fusionierten 1967 zur Neuen Osnabrücker Zeitung, in der Zeitungsbranche ein nicht alltäglicher Vorgang. Welche journalistischen Herausforderungen brachte 1967 diese Vereinigung mit sich?

Es war eine schwierige Operation. Eine Zeitung musste entworfen werden, die Elemente beider Blätter enthielt, aber weder vom Tageblatt noch von der Tagespost inhaltlich oder optisch dominiert wurde. Dieses Ziel wurde im Wesentlichen erreicht. Bald zeigte sich, dass die Gewöhnung an die neue Zeitung schneller einsetzte als erwartet. Dazu trug vor allem bei, dass die journalistische Qualität durch das Zusammenwirken von Kolleginnen und Kollegen aus beiden Häusern spürbar gesteigert werden konnte.

Also eine Erfolgsgeschichte?

Ja. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass diese Fusion eine sehr kluge Entscheidung war, denn sie bewirkte, dass auswärtige Verlage, die schon ihre Fühler ausgestreckt hatten, den Osnabrücker Zeitungsmarkt nicht übernehmen konnten. Zudem wurde so eine hohe Zahl an Arbeitsplätzen gesichert. Und natürlich gab auch die positive Entwicklung der NOZ den Geburtshelfern recht.

Exklusive Interviews mit hochrangigen Politikern wurden schnell zum Markenzeichen der neuen Zeitung und sind es bis heute geblieben. Was war das Erfolgsgeheimnis hinter Ihrer Idee, die bundesweit Nachahmer fand?

Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, ein Markenzeichen für die NOZ zu schaffen. Das erreichten wir vor allem durch aussagestarke Interviews mit unterschiedlichsten Gesprächspartnern, denen wir oft noch in den Abendstunden unsere Fragen stellten, um Reaktionen auf den letzten Stand einer Nachrichtenlage einholen zu können. Unser Motto war: Exklusivität, Aktualität, Seriosität. Der Vertrauensbildung diente, dass jedem Partner die Zusammenfassung seiner Äußerungen vor der Veröffentlichung übermittelt wurde. Im Übrigen wirkte sich positiv aus, dass wir unsere Aktivität auf Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und andere Institutionen ausweiteten.

Das alles gelang sicher nicht von heute auf morgen ...

Keineswegs. Wir brauchten einen langen Atem, bis anerkannt wurde, dass auch in der sogenannten Provinz journalistische Qualität geboten wird.

Immer wieder staunten die Leser, wenn Interviews unserer Zeitung zu Spitzenmeldungen in der Tagesschau wurden. Und oft wurden Sie gefragt: Wie machen Sie das bloß? Was haben Sie geantwortet?

Wir versuchen halt, das Beste aus unserem Beruf zu machen Wir haben uns über solche Reaktio-
nen gefreut, sie waren für unsere Redaktion Motivation und Ansporn.

Gab es Interviews, die international Resonanz fanden?

Ja, durchaus. Wir waren mit Arbeitsminister Norbert Blüm zu einem exklusiven Telefoninterview während seines Besuchs in Chile verabredet. Nicht einfach war es jedoch, die Verbindung herzustellen und zu halten. Frau Blüm gelang es aber, über eine Stunde die Leitung zu sichern, bis der Minister von einem Empfang eintraf. In dem Interview forderte er die Freilassung der aus politischen Gründen vom brutalen Pinochet-Regime zum Tode verurteilten Chilenen und die grundsätzliche Anerkennung der Menschenrechte. Dieser mutige Auftritt im Schatten des skrupellosen Diktators fand internationale Resonanz und wurde in zahlreichen Ländern positiv registriert.

Die Meinungsfreude der Zeitung war für Sie stets ein hohes Gut. Die Neue OZ war die erste Regionalzeitung, die täglich vier politische Kommentare im Blatt hatte; ein Merkmal, das die Zeitung bis heute prägt. Welchen Stellenwert haben Kommentare für Sie heute?

Sie haben einen hohen Stellenwert. Belegt wird dies dadurch, dass neben der Politik auch
die Ressorts Wirtschaft, Sport und Feuilleton kommentieren. Mut zur Meinung war und ist bei der Neuen OZ stark ausgeprägt und regt immer wieder die Leser zur eigenen Meinungsäußerung an. Das ist eine der besonders wichtigen Funktionen der Pressefreiheit.

Auch die Kommentare wurden bereits in den Anfangsjahren regelmäßig in Auszügen in vielen Medien zitiert, die Neue OZ war bald Stammgast in Presseschauen aller Art und ist es bis heute geblieben. Wie wichtig ist diese Art der Wahrnehmung für Redaktion und Zeitung?

Wie gesagt: Der Kommentar ist und bleibt sehr wichtig, er prägt ganz besonders das Profil einer Zeitung. Er regt an, dem Autor in seiner Argumentation zu folgen oder sie abzulehnen. So dient er der eigenen Urteilsbildung. Dass die Kommentare so häufig zitiert werden, war und ist zunächst eine Anerkennung der journalistischen Leistung der gesamten Redaktion. Es hat uns darüber hinaus gerade in den Anfangsjahren geholfen, dass wir bundesweit wahrgenommen und anerkannt wurden.

Als Sie 1968 in die Chefredaktion berufen wurden, wurden die Artikel noch in Blei gegossen, die Bilder in Metallplatten geätzt. Es gab nur Schwarz-Weiß-Fotos. Als Sie Ende 2002 in den Ruhestand traten, gab es Redaktionssysteme, und auch die NOZ hatte zum 1. Januar 2000 den Sprung ins Internet vollzogen. Haben Sie da das Gefühl gehabt, dass sich neben der technischen Revolution auch inhaltlich, publizistisch etwas verändern könnte?

Im Detail ja, in der Gesamtheit nein. An den Grundsätzen, die Qualitätsjournalismus im Kern ausmachen, wird sich nichts ändern.

Als erster Privatsender mischte Sat.1 ab Januar 1984 im TV-Geschäft mit, die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten bekamen plötzlich massive Konkurrenz und haben bis heute ihre Programme stark regionalisiert. Haben Sie das Fernsehen als Konkurrenz empfunden?

Natürlich hat das Fernsehen genau wie inzwischen das Internet die Medienlandschaft verändert. Unverändert haben jedoch Tageszeitungen die höchsten Werte bei der Glaubwürdigkeit sie bleibt unser höchstes Gut.

Sie haben sich immer für einen späten Andrucktermin der Tageszeitung starkgemacht, der lange bei 23.30 Uhr lag. Warum war das für Sie so wichtig?

So war es uns möglich, auch Ereignisse nach der Tagesschau noch in Interviews und Kommentaren aufzugreifen und in eine brandaktuelle Nachricht umzusetzen, die dann besonders starke Resonanz fand zum Beispiel in den Frühsendungen des Fernsehens. Gerade im Sport war der späte Andruck ein Garant für eine hochaktuelle Berichterstattung. So konnten wir bei wichtigen Fußballspielen Verlängerungen und Elfmeterschießen in der gesamten Auflage berücksichtigen. Auch im Internet-Zeitalter ist Aktualität für Tageszeitungen Pflicht.

Trotz aller Veränderungen gibt es im Journalismus Regeln,
die Bestand haben sollten. Dazu zählen etwa die professionelle Recherche, Auswahl, Gewichtung und Bewertung von Nachrichten. Stimmt Sie das hoffnungsfroh oder sehen Sie die Branche auf dem Abstieg?

Ich sehe das optimistisch und erwarte, dass diese journalistischen Regeln gültig bleiben. Jede Redaktion, jeder einzelne Journalist kann dazu beitragen jeden Tag, bei jedem noch so kleinen Text.

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Zeitzeuge der Osnabrücker Zeitungsgeschichte: Franz Schmedt, von 1968 bis 2002 Chefredakteur der Neuen OZ, blättert in dem Buch, das ihm seine Redaktion zum Abschied in den Ruhestand geschenkt hat. Darin sind Dokumente, Nachdrucke und Fotos aus der Geschichte der NOZ und ihrer Vorläufer-Zeitungen gesammelt.

Franz Schmedt

Geboren 1932 in Hunteburg. War schon während der Schulzeit am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Osnabrück freier Mitarbeiter der Neuen Tagespost und des Tageblatts. Studierte nach dem Abitur 1952 Publizistik in Münster. Absolvierte anschließend ein Volontariat bei der Neuen Tagespost. War danach als Politikredakteurund als stellvertretender Chefredakteur für die NT tätig. Wurde Anfang 1968, kurz nach der Fusion der beiden Osnabrücker Zeitungen zur Neuen OZ, zum Chefredakteur berufen. Prägte mit exklusiven Interviews und bundesweit beachteten Kommentaren das Profil der Neuen OZ, die zu einer der angesehensten und meistzitierten Zeitungen Deutschlands wurde. Ging Ende Dezember 2002 als damals dienstältester Chefredakteur einer deutschen Tageszeitung in den Ruhestand. Bekam aus diesem Anlass das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. War zuvor mit der Justus-Möser-Medaille der Stadt Osnabrück (1983) und mit dem Publizistikpreis des Niedersachsenpreises ausgezeichnet (1987) worden.

Diese Interviews hatten natürlich einen ganz besonderen Reiz. Der langjährige Chefredakteur der Neuen OZ erinnert sich an Begegnungen mit…

Helmut Schmidt (SPD, Bundeskanzler von 1974 bis 1982): Jeder Politiker präsentierte sich in Interviews oder Hintergrundgesprächen auf seine eigene Art. So formulierte Helmut Schmidt in der Regel präzise und sachlich, konnte es aber auch deftig. Ich erinnere mich, dass er einem Kollegen, der die Umweltpolitik der Bundesregierung kritisierte, antwortete: Sagen Sie erst mal Ihrer Frau, dass sie immer das Licht ausmachen soll, wenn sie die Küche verlässt. Dann ist schon viel gewonnen.″ Den anderen″ Schmidt erlebte ich auf der Fahrt im Kanzlerzug den gab es einmal von Göttingen nach Osnabrück als in jeder Hinsicht verbindlich. Sein Interesse galt der politischen Meinung des Gesprächspartners ebenso wie der wirtschaftlichen Situation des Osnabrücker Landes.

Rudolf Seiters, CDU, Chef des Kanzleramts und Innenminister): Ihm wurde zu Recht nachgesagt, dass er eigentlich auch mit ebenso großem Erfolg wie in der Politik den Journalistenberuf hätte ergreifen können. So prägnant und sachgerecht formulierte er in den Interviews seine Meinung. Seiters wusste,
was Leser erwarten. Aber ein spezieller Coup, der in Erinnerung geblieben ist, gelang dem heutigen Emsländer und gebürtigen Osnabrücker schon vor Jahren. Seiters sagte damals das Ergebnis der Bundestagswahl 1969 so präzise voraus, dass die Demoskopen vor Neid erblassen mussten. Hier das frappierende Ergebnis:

Willy Brandt (SPD, Bundeskanzler von 1969 bis 1974): Willy Brandt zitierte schon mal aus vertraulichen Dokumenten natürlich stets unter 3″, was zu strenger Geheimhaltung verpflichtete. Wenn er Vertrauen gefasst hatte, war er ein besonders offener Gesprächspartner. Sein engster Mitarbeiter Günter Guillaume hatte im April 1974 einen von uns vorgeschlagenen Redaktionsbesuch des Bundeskanzlers vorbereitet und organisiert. Er kam mit nach Osnabrück und nahm an dem Treffen am 9. April teil. Nur zwei Wochen später wurde Guillaume als DDR-Agent enttarnt und löste damit den schwersten Spionagefall in der Geschichte der Bundesrepublik aus und Willy Brandt trat schon am 9. Mai von seinem Amt als Bundeskanzler zurück.

Hans-Dietrich Genscher (FDP, Minister und Vizekanzler von 1969 bis 1992): Er ließ es bei persönlichen Treffen gern auch menscheln. So mit der Enthüllung, er habe die besten Einfälle stets unter der Dusche. So sei ihm dort 1990 vor dem Treffen der Alliierten mit den beiden deutschen Staaten aufgefallen, dass die Kräfteverhältnisse nun umgekehrt dokumentiert werden müssten: 2+ 4 statt 4+ 2. Und so kam es auch.

Genscher pflegte einen subtilen Humor. So erzählte er mit ernster Miene, nicht verstehen könne er die Kritik an den DDR-Machthabern, weil sie die berühmte Dresdner Augustusbrücke in Dimitroff-Brücke benannt nach dem bulgarischen KP-Chef umbenannt hätten. In Wirklichkeit habe der Name einen sehr geschichtsträchtigen Hintergrund. Und der Minister weiter: Allgemein sei doch der Hang von August dem Starken zum weiblichen Geschlecht bekannt. So hätten die Dresdner Jungfrauen ihm bei seinen Kutschfahrten über die Brücke stets zujubeln müssen, und dies habe den Sachsenherrscher zu dem Ruf veranlasst: Die mit druff, die mit druff und die mit druff.″ Man müsse eben nur das nötige historische Verständnis haben…

Helmut Kohl (CDU, Bundeskanzler von 1982 bis 1998): Sonst durchaus robust, blieb er in Interviews stets gelassen und vertiefte gern die Diskussionen gern. Nur einmal erlebte ich ihn völlig aufgebracht, als er sich nach einer Frage, die sich auf interne Informationen bezog, laut empörte: Unerhört die NOZ hat einen Spion im Kanzleramt! Was nun doch ein wenig übertrieben war.

Für die größte Überraschung sorgte der Kanzler an einem Vorabend des Rosenmontags. Kurz erzählt: Anruf vom Kanzleramt, Herr Kohl möchte dem Karnevalstrubel in Bonn entfliehen und Ihre Redaktion am Rosenmontag um 11 Uhr besuchen. Ein guter Wein dürfe gern eingeschenkt werden. Nur für alles gelte strengste Verschwiegenheit. Und tatsächlich kam es zu diesem so überraschenden und diskreten Besuch in der NOZ-Redaktion allerdings ohne Interview, dafür aber in besonders guter Stimmung.

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Der Minister, bei dem es menschelte: Hans-Dietrich Genscher beim Interview in der NOZ-Redaktion mit Chefredakteur Franz Schmedt.
Im Sonderzug beim Interview mit Helmut Schmidt: Franz Schmedt (rechts).
Einweihung des Druckzentrums: Rudolf Seiters, Helmut Kohl und Franz Schmedt.

Zentnerweise Blei, gemischt mit Zinn und Antimon, war erforderlich, damit die Neue Osnabrücker Zeitung an sechs Tagen in der Woche erscheinen konnte. Die flüssige Legierung köchelte in speziellen Gießtöpfen an den Setzmaschinen bei Temperaturen um die 250 Grad Celsius. Der Dunst verbreitete sich in der Setzerei.

Hermann Jansing, langjähriger Betriebsleiter bei Meinders und Elstermann, kann sich noch gut an den markanten Geruch, das Geklapper und Gestampfe der
Linotype-Setzmaschinen erinnern, von denen zehn an der Großen Straße standen. In den Anfangsjahren der Neuen OZ wurde die Zeitung in beiden Stammhäusern sowohl bei M+ E als auch bei Fromm am Breiten Gang gesetzt und gedruckt. Die Maschinensetzer schrieben die Manuskripte aus der Redaktion ab immer akribisch darauf bedacht, keine Fehler zu tippen, Wörter korrekt zu trennen und genügend Zwischenräume zu haben.

Jede Zeile wurde mit der dampfenden Bleilegierung ausgegossen. Die zum Gießen der Zeilen benutzten Buchstabenmatrizen gelangten anschließend automatisch zurück ins Magazin der Maschine. Die Setzer konnten sie erneut verwenden. Insgesamt 6000 Matrizen standen zur Verfügung. Schlagzeilen wurden derweil per Hand gesetzt. Dazu war die Linotype-Maschine nicht in der Lage.

Die Zeilenblöcke aus dem Maschinensatz, Überschriften sowie Druckvorlagen für Fotos und Anzeigen wurden später zu Zeitungsseiten zusammenmontiert. Dabei mussten die Metteure auf den passenden Umbruch der Spalten achten. Zu den handwerklichen Fehlern zählten Schusterjungen und Hurenkinder. Eine einzelne Zeile eines neuen Absatzes durfte nicht am Fuß einer Spalte stehen (Schusterjunge). Noch weniger erlaubt war es, wenn eine Spalte mit der letzten einzelnen Zeile eines Absatzes (womöglich nur mit einem Wort) begann (Hurenkind).

Von der fertig umbrochenen Zeitungsseite prägten Mitarbeiter zunächst eine sogenannte Mater, die Kollegen in der Stereotypie mit der flüssigen Bleilegierung zu einer halbrunden Druckform für die Rotationsmaschine ausgossen. Während der Zeitungsdruck noch lief, begann die Arbeit in der Bleischmelze im Keller. Aus dem nicht mehr benötigten Material der Tagesproduktion entstanden in der Gießerei unter anderem die Stangen, die am Folgetag an den Setzmaschinen wieder zum Einsatz kamen.

Seit den Achtzigerjahren gehört die Bleizeit bei M+ E und Fromm der Vergangenheit an. Zunächst löste der Fotosatz die alte Technik ab. Heute erfassen Redakteure ihre Artikel direkt im System. Blattmacher layouten die Seiten am Computer und übermitteln sie digital ins Druckzentrum, wo sie direkt auf die Druckplatten belichtet werden.

Ein Bilderbogen vermittelt auf den folgenden drei Seiten einen Eindruck von der Zeitungsproduktion vor 50 Jahren.

Bildtext:
Bis zu 6000 Buchstaben konnte der Maschinensetzer (hier M + E an der Großen Straße) pro Stunde verarbeiten.

Linotype-Setzmaschine Motor des Fortschritts

Der deutsche Uhrmacher und Erfinder Ottmar Mergenthaler stellte 1886 die erste Linotype-Setzmaschine in den USA vor eine Innovation, die es in sich hatte. Schriftsetzer konnten mit der Maschine über eine Tastatur bis zu 6000 Buchstaben pro Stunde verarbeiten. Die aus speziellen Gussformen (Matrizen) zusammengesetzten Zeilen wurden mit flüssigem Metall ausgegossen. Dafür kam eine Legierung aus Blei, zwölf Prozent Antimon und fünf Prozent Zinn zum Einsatz, das sogenannte Letternmetall. Das chemische Element Antimon sorgte für die erforderliche Härte, durch das Zinn sank der Schmelzpunkt. Die Linotype-Setzmaschine galt als ein genial konstruiertes Produkt, dessen technisches Prinzip fast 100 Jahre Bestand hatte. Sie war Motor des Fortschritts und förderte die Massenproduktion von Druckerzeugnissen auch wenn die typografischen Anwendungsmöglichkeiten relativ begrenzt waren. Das Linotype-Unternehmen mit Produktionsstätten in den USA, England und Deutschland verkaufte die Setzmaschinen weltweit. Aus heutiger Sicht sind die Technik und der seit den Siebzigerjahren eingeführte Fotosatz ein Bindeglied zwischen dem von Johannes Gutenberg um 1440 entwickelten Handsatz und dem modernen Desktop-Publishing (DTP) am Computer.

Meine Zeitung und ich

Mich verbinden neben dem Frühstück , das ohne Zeitung undenkbar wäre, zwei Erlebnisse besonders mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. 1961 kaufte ich mir per Anzeige einen VW Käfer für 1000 Mark und verkaufte ihn ein Jahr später wieder für 2000 Mark. Und im vergangenen Jahr wurde mein Hobby in der Weihnachtsausgabe vorgestellt, denn ich schreibe akribisch die Weihnachtsgeschichte auf Weihnachtskugeln, deren Verkaufserlös wohltätigen Zwecken zukommt der Bericht war eine Riesenfreude für mich.″

Ursula Karnbrock
Lingen

Vor Jahren erschien ein Preisausschreiben in der Lingener Ausgabe. Es ging um einen Spruch, der mit der Zeitung in Verbindung stehen sollte. Meine Kinder und ich waren lange am Überlegen und kamen dann auf den Spruch Ein Tag ohne Zeitung ist wie ein Tag ohne Wissen′. Tage später war ich ganz überrascht, als jemand anrief und mir sagte, ich hätte den ersten Platz gemacht. Die Freude war natürlich groß, und ich bekam 100 DM dafür. Noch heute gilt für mich: Ein Tag ohne Zeitung ist wie ein Tag ohne Wissen. Ich bin mittlerweile 65 Jahre alt, habe sieben Kinder großgezogen und brauche immer noch zum Frühstück die Lingener Tagespost.″

Brigitte Bayer

Lingen

Foto: Eva Maria Riedel

Meine Zeitung und ich

Wir feiern am 3. November 2017 unser 50-jähriges Ehejubiläum. Seit diesem Datum sind wir Dauerleser Ihrer Zeitung. Ein Tag ohne EmsZeitung ist für uns ein verlorener Tag.

Gerhard und Helena Brinkmann
Papenburg

Was wird bei uns täglich mit Spannung erwartet?

Die Tageszeitung, bevor der Tag dann startet. Ein erster Blick in die Zeitung hinein, danach kann erst das Frühstück sein. Viel Neues, Wissenswertes wird man gewahr, ohne Zeitung mancher Termin vergessen sogar. Durch die Zeitung haben wir auch schon viel Freude gehabt, durch gewonnene Rätsel, die wir mal geknackt.

Franz-Josef undHildegard Wesselkamp
Bersenbrück

Foto: privat

Nein, ich habe nicht gedient. Für mich war die Bundeswehr lange Zeit ein Männerbund mit sonderbaren Ritualen. Ungetrübt von jeglicher Kenntnis der Dienstgrade, kam ich im August 1981 als junger Lokalredakteur mit der Truppe in Kontakt. Und blamierte mich bis auf die Knochen.

Vom Hauptbahnhof wurde gemeldet, dass zwei Soldaten einen jungen Mann an eine Bank gefesselt hätten. Mit Handschellen, in aller Öffentlichkeit. Eine Anti-Bundeswehr-Performance? Nein, Feldjäger, die einen Fahnenflüchtigen eingefangen hatten. Ich musste recherchieren. Und geriet an das Panzerbataillon 332 in Fürstenau. Für Presseauskünfte war der stellvertretende Bataillonskommandeur zuständig. Ich verbinde″, piepste es aus dem Hörer. Mit wem? Ich verstand nur Meyer-Völkel″. Dann hatte ich ihn an der Leitung. Meyer-Völkel″ dröhnte es in mein Ohr.

Der Haudegen gab bereitwillig Auskunft. Am Ende hatte ich alles im Block, vergaß aber, ihn nach seinem Namen zu fragen. Und seinem Dienstgrad. Am nächsten Tag war in der Zeitung zu lesen, der stellvertretende Bataillonskommandeur des Panzerbataillons 332, Meyer-Völkel, habe das ungewöhnliche Vorgehen der beiden Feldjäger gerechtfertigt.

Ein Doppelname, warum nicht? Ich kenne mich da aus. Schließlich bin ich schon mit dem Bindestrich zur Welt gekommen. Vielleicht hat Herr Völkel ja Frau Meyer geheiratet oder Frau Völkel Herrn Meyer. Falsch gedacht, ich hätte besser nachfragen sollen. Der Mann am Telefon war Major Völkel.

Großes Jubiläum, hoher Besuch, Tausende von Demonstranten, Hunderte von Randalierern: Die Stadt Berlin feierte am 12. Juni 1987 ihr 750-jähriges Bestehen und das gleich doppelt: in Ost und West. Hochrangiger Gratulant war unter anderen US-Präsident Ronald Reagan.

Reagan kam nur für fünf Stunden, aber die hatten es in sich, wie ich vor Ort miterleben durfte. Vom Berliner Reichstagsgebäude aus warf der Präsident begleitet von Kanzler Helmut Kohl und Bürgermeister Eberhard Diepgen mit ernster Miene einen Blick auf die Grenzanlagen. Vor dem Brandenburger Tor sprach er, die Mauer im Rücken, einen Satz, der um die Welt ging: Mr. Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor, Mr. Gorbatschow reißen Sie diese Mauer nieder.″

Dass der russische Präsident Michail Gorbatschow tatsächlich die Weichen für den Fall der Mauer stellen würde, war damals freilich nicht mehr als eine vage Hoffnung großer Optimisten. Wir Reporter auf der Besuchertribüne am Brandenburger Tor notierten den Satz als Reagans zentrale Aussage, doch dauerte es dann noch 881 Tage, bis sich die deutsch-deutsche Grenze öffnete und der Weg zur deutschen Einheit frei wurde.

Zurück zum 12. Juni 1987: Während Reagan im Herzen der geteilten Stadt unter tosendem Jubel bekannte: Ich habe noch einen Koffer in Berlin″, gehen andernorts Tausende auf die Straße, um gegen Reagan und die US-Politik zu demonstrieren. Nicht überall am Ku′damm, an der Gedächtniskirche und auf dem Tauentzien bleibt es freilich bei buntem und lautstarkem Protest. Hunderte von Autonomen haben die Polizei in Alarmstimmung versetzt. U-Bahn- und Buslinien sind für Stunden unterbrochen, Demos arten in Randale aus, die Polizei reagiert mit großer Härte ich mit Kamera und Notizblick immer mittendrin.

An der Ecke Tauentzien/ Nürnberger Straße kesselt die Polizei rund 500 Personen stundenlang ein. Ich zücke meinen Presseausweis, werde zu meiner Überraschung tatsächlich in den Kessel hineingelassen und kann mit den Demonstranten reden, die nicht verstehen, warum sie festgehalten werden. Das Berliner Verwaltungsgericht urteilt im Juli 1989, der Kessel sei rechtswidrig gewesen. Es fand keinen Beleg dafür, dass von den Demonstranten eine gegenwärtige erhebliche Gefahr″ ausging. Das war auch mein Eindruck.

Bildtext:
Mr. Gorbatschow, tear down this wall″: US-Präsident Ronald Reagan am 12. Juni 1987 bei seinem umjubelten Auftritt vor dem Brandenburger Tor, rechts neben ihm Bundeskanzler Helmut Kohl und Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (beide CDU).

Die Frankfurter Buchmesse ist großes Buch-Theater. Das liegt auch an uns Medienvertretern, für die jede Menge inszeniert wird. Die Verlagsstände mit ihren gefüllten Buchregalen sind prächtige Kulissen in den Hallen. Wer in dem Stimmengewirr in Ruhe mit einem Autor über sein Buch reden will, darf sich in ein Separee zurückziehen, zu erreichen durch einen versteckten Eingang. Das wirkt wie eine Geheimtür zu den Privatgemächern in einem Schloss, ist aber in der Realität so feudal und groß wie eine Telefonzelle. Hier können nur Kammerspiele stattfinden: So Knie an Knie kann der Autor kaum einer kritischen Frage ausweichen, der Journalist langweiligen Antworten aber auch nicht.

Ab und an sitzt man vor den Regalen. Bei meiner allerersten Buchmesse landete ich dort 1998 ungewollt auf einer Showbühne. Erst konnte ich mein Terminglück nicht fassen, die Erste auf der Messe zu sein, die mit dem Herbststar″ Hellmuth Karasek sprechen konnte. Da ahnte ich noch nicht, dass er mit gefühlten 50 Kamerateams um die Ecke des Stands biegen würde, die auch während des Gesprächs nicht von uns abließen. So schwitzten wir im Scheinwerferlicht um die Wette. Er nahm es locker. Er hatte das Problem ja in seinem Roman Das Magazin″ freizügig thematisiert. Mir blieb nichts anderes übrig, als den spöttischen Blick einer TV-Kollegin auf mein warmes Strickkleid auszuhalten. Karaseks Trostversuch, mir eine Schweißperlenträger-Solidargemeinschaft anzubieten, verschlimmerte die innere Angelegenheit nur.

Glück, Zufall, Schicksal? Der Neuen Osnabrücker Zeitung fiel der geniale Zeichner quasi in den Schoß. Fritz Wolf, geboren am 7. Mai 1918 als ältestes von sieben Kindern in Mühlheim an der Ruhr, kam eher zufällig 1949 nach Osnabrück. Als nach dem Zweiten Weltkrieg auch hier die Zeitungslandschaft wieder neue Blüten trieb, holte ihn Achilles Markowsky, der als Pionier beim Aufbau eines neuen Pressenetzes im norddeutschen Raum gilt, in die Hasestadt.

Der ehemalige Leutnant der Wehrmacht erinnerte sich an seinen Funker und Bataillonszeichner″ Fritz Wolf. Der heuerte für 500 Mark Monatsgehalt beim Neuen Tageblatt (Verlag Fromm) an, das am 22. Dezember 1950 in Neue Tagespost umbenannt wurde. Als Zeichner sollte Wolf Akzente in der nüchternen, damals optisch wenig ansprechenden Bleilandschaft einer Zeitung setzen.

Und seine Chefs forderten politische Karikaturen, mit denen Wolf so gar nichts am Hut hatte. Das kann ich nicht, das kann ich nicht″, soll er immer wieder gestöhnt haben. Also war Üben angesagt, auch für einen, der in Essen die Folkwang-Werkschule besucht hatte. Das Üben machte sich bezahlt. Ab 1952 lieferte Wolf politische Karikaturen, die schnell beim Publikum ankamen. Seine Abnehmer waren angesagte publizistische Adressen wie Die Welt″ und kurzzeitig auch Bild″. Viele andere buhlten um ihn, ob Rheinische Post″, Christ und Welt″ oder die Münchener tz″. Selbst aus Großbritannien sind Anfragen belegt: We all very much enjoy your drawings.″ Ab 1958 begann eine lange Zusammenarbeit mit dem Magazin stern″, die Wolf neben prominenten Zeichnern wie Loriot, Markus, Papan oder Tetsche beschäftigte.

Das Ruhrpottkind blieb trotz steigender Popularität seiner Wahlheimat Osnabrück treu.

1967 erlebte die Bundesrepublik Deutschland nach den Wirtschaftswunderjahren ihre erste ausgeprägte Rezessionsphase. In dieses Umfeld fiel im Oktober 1967 die Gründung der Neuen Osnabrücker Zeitung. In der Stadt konkurrierten zu der Zeit Wolfs Arbeitgeber, die eher dem katholischen Lager zuzuordnende Neue Tagespost und das eher evangelisch geprägte Osnabrücker Tageblatt (Verlag Meinders & Elstermann), um Leser und Kunden.

Die Fusion der beiden Blätter zur Neuen Osnabrücker Zeitung, die sich bis heute in Besitz der Gründerfamilien befindet, zahlte sich für Wolf aus er machte nochmals einen Popularitätssprung. Denn der neue Verlag startete in der Region Osnabrück/ Emsland im Oktober 1967 mit einer verkauften Auflage von 124 658 Exemplaren. Der Wolf aus der Zeitung und mein Frühstücksei, auf beides konnte ich nicht verzichten″, erklärte einmal einer seiner Bewunderer. Und die Leser liebten die Wolf′schen Karikaturen. Stets auf Seite zwei der Zeitung, die bis heute der großen Politik vorbehalten war, bildeten die unverwechselbaren Schwarz-Weiß-Zeichnungen nicht nur einen festen optischen Akzent sie waren Kommentare in Zeichenform.

Abgehoben unterwegs war Fritz Wolf nie, der am 22. Dezember 2001 an den Folgen einer Operation starb.

Der Männekesmaler″ blieb bodenständig, litt nie an Selbstüberschätzung, war gleichwohl ein Meister der Selbstironie. Ich würde mich bezeichnen als Zeitzeugen mit dem Zeichenstift. Mit der Zeichnung kann man den Betrachter zu einem Lächeln verleiten und dazu, die Politiker nicht zu ernst zu nehmen. Das ist alles, was man erreichen kann″, beschrieb er sich und sein Tun.

Es war ein feiner hintergründiger Humor, mit dem der gelernte Grafiker den Alltag begleitete. Er sticht mit der Feder, aber es fließt kein Blut″, heißt es in einen Artikel zur Ausstellung, mit der die Parlamentarische Gesellschaft in Berlin den Künstler posthum ehrte.

Wolfs Werke zeigen nicht nur die großen und kleinen Dinge aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dem Mann waren auch die kleinen Schwächen und Unzulänglichkeiten der Menschen im Alltag ein Anliegen.

Politischer Karikaturist das ist und war ein intellektueller Knochenjob. Stets das Weltgeschehen im Blick zu haben und dann schnell (immer den Redaktionsschluss im Nacken) eine zeichnerische Botschaft umzusetzen dies kann zu grauen Haaren führen.

Die Verzweiflung, die auch Fritz Wolf manchmal bei der Themensuche ereilte, illustriert die Titelseite einer opulenten Biografie, die 2008 erschien: Wolf sitzt am Schreibtisch, pinselt mit der rechten Hand Männeken″, während er telefonisch klagt: Chefredaktion den Rühe kann ich noch nicht, als Karikatur war mir Stoltenberg lieber.″ Aber darauf nahm der politische Alltag des Jahres 1992, der den Wechsel von Gerhard Stoltenberg zu Volker Rühe als Verteidigungsminister brachte, natürlich keine Rücksicht.

Politiker, die jetzt heranwachsen, sehen alle gleich aus″, stöhnte Wolf in einem Fernsehinterview der 90er-Jahre. Befragt zu niedersächsischen Politikgrößen, kam seine klare Einschätzung: Der Schröder ist immer noch leichter zu zeichnen als Wulff. Wulff ist schön, sieht gut aus. Aber das will ein Karikaturist nicht so gerne haben.″

Karikaturisten lieben Politiker mit Ecken und Kanten, mit Eigenarten, die leicht zu zeichnen sind und einen hohen Wiedererkennungswert besitzen, etwa die großen Ohren des 2016 verstorbenen ehemaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher.

Der große deutsche FDP-Politiker, auch in der Neuen Osnabrücker Zeitung oft Zielscheibe der Wolff′schen Zeichnungen, adelte Fritz Wolf 2010: Die spitze Feder ist ein wichtiges Element einer demokratischen Gesellschaft und Meister der spitzen Feder und Fritz Wolf gehört zu diesen Meistern haben mit einer Karikatur oft mehr ausgesagt als mancher Leitartikel mit 60 Zeilen.″ Genscher schätzte den Wert politischer Zeichnungen: Man nimmt Karikaturen ernst, weil sie unter Umständen Schwächen zeigen, die man noch nicht kennt.″

In der Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung ranken sich bei den älteren Kolleginnen und Kollegen viele Geschichten um den verstorbenen Karikaturisten. Wer bei Fritz Wolf um Zeichnungen für private oder halbdienstliche Zwecke anklopfte, sei es etwa für den Presseball, wusste um die Genießerqualitäten des Künstlers, der selbst gerne als Gourmet unterwegs war: Die Bezahlung erfolgte in Naturalien. Bevorzugt: guter Whiskey″, erinnert sich der heutige Neue-OZ-Sportchef Harald Pistorius.

15 000 Karikaturen bilden das zeichnerische (Zeitungs-) Lebenswerk in Osnabrück. Als Fritz Wolf den Rostocker Appell″ für die Ausgabe des 24. November 2001 lieferte, ahnte niemand, dass es die letzte Karikatur des begnadeten Zeichners sein würde,

Thema war der Parteitag von Bündnis 90/ Die Grünen in Rostock. Delegierte, deren Wurzeln bei der Parteigründung 1980 auch in der Friedensbewegung lagen, sitzen, mit Stricknadeln bewaffnet, im Saal. Gebannt lauschen sie ihrem grünen Obervater, dem amtierenden Vizekanzler und deutschen Außenminister Joschka Fischer, der sich mit Grundsätzlichem zu Krieg und Frieden beschäftigte. Der Rhetorikkanone gelang es, die zuvor in dieser Frage zerstrittene Partei auf Kurs zu bringen. Mit überwältigender Mehrheit stellten sich die Delegierten hinter ihre Führungsspitze und den Bundestagsentschluss zur Entsendung deutscher Bundeswehreinheiten in den Afghanistan-Krieg. Für Wolf war es der Rostocker Appell. Für die Grünen bedeutete es den Abschied von der friedensbewegten Gründerzeit. Nach den islamischen Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf amerikanische Ziele mit über 3000 Toten und 6000 Verletzten passte der alte Pazifismus nicht mehr zu den neuen Verhältnissen.

Die letzte Karikatur von Fritz Wolf ein Meisterwerk politischer Kommentierung.

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Schlitzohr Fritz Wolf: Als Siebenschläfer in seinem Wohnhaus ihr Unwesen trieben, fasste er seinen Ärger in einer Karikatur zusammen.
Der Rostocker Appell″ war die letzte Karikatur von Fritz Wolf. Sie erschien am 24. November 2001 in der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Dithard von Rabenau, geb. 7. Juli 1943 in Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt, ist ein deutscher Karikaturist. Er entstammt einer alten Adelsfamilie, welche ihre Ursprünge im 13. Jahrhundert in Rabenau (Sachsen) hat″, weiß das Online-Lexikon Wikipedia zu berichten.

Dafür könne er aber nichts, merkte der Zeichner in einem Interview einmal ironisch an. Seit dem 15. März 2006 bereichern Rabenaus wundersame Erlebnisse″ auch die Zeitungen des Verlags Neue Osnabrücker Zeitung. Immer auf Seite acht, wie der Wetterkasten.

Ein Mann mit dicker Knollennase und eine Frau mit zwei, drei Haaren sind die Helden der kurzen, prägnanten Bildergeschichten. Rabenaus Lebenspartnerin, die Illustratorin Arifé Aksoy, koloriert den Comic, der immer den ganz normalen Alltag abbilden will. Die Menschen sollen sich selbst, ja ihr eigenes Leben wiedererkennen können.″

Besondere Spezialthemen gibt es nicht, wohl aber ein recht häufig gewähltes. Beziehungen sind doch ein ganz wesentlicher Teil des Lebens.″ Daneben hat es Dithard von Rabenau der große Bereich der Arbeitswelt angetan.

Namen besitzen die Hauptfiguren im Comic nicht: Ein Name macht eine Figur immer niedlich, tapfer oder sonst wie. Bei mir soll es aber eine Figur sein, die im Alltag lebt und nicht eine Fiktion beschreibt.″

Im Alltag des Zeichners führten die Comic-Figuren zu einer Veränderung: Als ich noch politische Zeichnungen gemacht habe, war der Tenor, das Feedback, oft böse. Wie können Sie nur? Was bilden Sie sich ein? Heute sind die Reaktionen eher sehr lieb. Die Botschaft für mich ist klar: Die Leser identifizieren sich viel mehr mit meinen Zeichnungen als mit politischen Karikaturen.″

Das Künstlerpaar Dithard von Rabenau und Arife Aksoy schuf zum 50-jährigen Bestehen des Verlags Neue OZ ein besonderes Jubiläumsposter (s. rechte Seite). Es kann zusammen mit einem motivgleichen fünfteiligen Postkartenset in allen Geschäftsstellen der Neuen OZ für 5, 00 Euro erworben werden. Der Erlös geht an terre des hommes.

koloriert. Die Helden des Alltags Zeichnung: Arife Aksoy

Die ersten Comics schickte er von Spanien aus. Nicht vom Strand, nein. Auch in Barcelona arbeitete Christoph Härringer stets an seinem Schreibtisch. Die wenigsten Ideen kommen einem unter der Dusche″, sagt der Comic-Zeichner.

Von Montag bis Freitag brütet er nun seit einigen Jahren in seinem Berliner Büro über den Ideen für seine Spottschau″, die mittlerweile jeden Samstag in über 80 deutschen Zeitungen erscheinen. Viele Ideen werden wieder verworfen. Denn Aktualität ist eines der Markenzeichen der frechen Strips.

Schauplatz ist die Fußballszene auch wenn das runde Leder nur selten zu sehen ist. Härringer, der so alt ist wie die Bundesliga, widmet sich in seinen kleinen Geschichten lieber den Geschehnissen abseits des Rasens den kleinen Missgeschicken und den großen Verfehlungen. Und das sowohl liebevoll als auch mit dem Holzhammer. Das ist mein Humor″, sagt er, nicht hintergründig, sondern sofort erkennbar.″

Eines seiner Lieblingsopfer: Uli Hoeneß. In einem Spiegel″-Interview gestand der Bayern-Präsident sogar, selbst über den Comic Eine schrecklich nette Familie″ gelacht zu haben. Der Zeichner kann das nur noch selten. Das passiert vielleicht fünfmal im Jahr″, sagt der gebürtige Freiburger.

Seine Fans lachen da öfter. Auch deshalb ist die Spottschau″ seit 2005 fester Bestandteil des Sportteils der Neuen Osnabrücker Zeitung in den Anfangsjahren noch unter der Überschrift Nachgetreten″. Was sich seitdem verändert hat? Zeichnerisch ist sie nicht gerade schlechter geworden″, sagt Härringer bescheiden. Am Anfang hatte ich mit einigen Gesichtern noch so meine Schwierigkeiten selbst mit Uli Hoeneß.″ Nicht nur den hat er mittlerweile drauf.

Ich bin Jahrgang 1928 Rente? Was ist das? Vielleicht hätte der 88-jährige Karikaturist Karl-Heinz Schoenfeld auf seine Mutter hören sollen. Die soll ihm geraten haben, etwas Ordentliches″ zu machen. Stattdessen entschied sich der Sohn nach dem Abitur zwar zuerst für eine solide Ausbildung in einer Kamerafabrik, machte nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch weiter mit einem Kunststudium und konzentrierte sich sechs Semester lang aufs Pressezeichnen″, eine Ausbildung, die es heute eigentlich gar nicht mehr gibt. Früher, als es noch schwieriger war, Fotos in Zeitungen abzudrucken, hielten Illustratoren Aktuelles im Bild fest. Heute ist diese Technik höchstens noch aus dem Gerichtssaal bekannt.

Schoenfeld jedoch verlegte sich rasch aufs Karikieren und veröffentlichte seine erste Karikatur mit 23 Jahren in der Jungen Welt, mit der er sich 1947 überwarf. Anschließend zeichnete er für westdeutsche Zeitungen, vor allem für Regionalzeitungen. Warum dieser Job? Ich wurde in der Nähe des KZ Sachsenhausen geboren da bleibt man sensibel für dieses Gedankengut″, sagt Schoenfeld. Seine Themen wählt der Karikaturist nach Aktualität aus. Er stellt aber fest, dass wiedererwachte Sympathien für nationales Gedankengut″ vermehrt vorkämen.

Und wann ist eine Karikatur wirklich gut? Wenn sie mit möglichst wenig Text verstanden wird, sagt Schoenfeld. Er selbst bekommt das immer wieder hin. Beispiel: Ein korpulenter Anzugträger wirft achtlos etwas in die Schale eines Schwarzen, der auf einem Stück Land sitzt, auf dem 3. Welt″ steht. In die Schale purzeln die Buchstaben W-O-R-T-E″.

Eine aktuelle Karikatur von Burkhard Mohr zeigt eine kleine Justitia, die der amerikanische Präsident Donald Trump in eine Kiste mit der Aufschrift Ermittlungen″ zu sperren versucht. Die Waage der Göttin der Gerechtigkeit ragt heraus, und durch den Deckel hat sie ihr Schwert gestoßen, das den Präsidenten schmerzhaft an der Nase trifft. Trump sagt: Wer behindert hier wen??!″ Karikaturist Mohr bezeichnet Trump als seinen aktuellen Favoriten. Die größten Bösewichte sind des Karikaturisten liebste Zielscheiben. Wo der Schaden besonders groß ist, hat es die Karikatur am leichtesten.″

Der 58-jährige gebürtige Kölner hat Malerei und Bildhauerei in Deutschland und Frankreich studiert. Den Deutschen an sich hält er durchaus für humorvoll. Er sei nur etwas reservierter. Der Brite hat es mit dem schwarzen Humor, der Franzose mag es anarchisch und frivol. Unsere NS-Vergangenheit wirft einen langen Schatten″, sagt Mohr. Seine Karikaturen erscheinen in der Süddeutschen Zeitung, im Handelsblatt und regionalen Zeitungen.

Mohrs Mutter war Journalistin. Der Humor und das Talent kommen von der väterlichen Linie″, sagt der Karikaturist. Diese Einflüsse passten zusammen.″ Bei seiner Themenwahl orientiert sich Mohr an den Top-Meldungen des Tages. Manchmal bekomme er auch erwünschte Themen genannt. Wiederholen sich Inhalte über die Jahre? Das Karussell dreht sich, Probleme und Fehler wiederholen sich″, sagt der Karikaturist. Die Schandtaten sind immer die gleichen, nur die Machthaber wechseln irgendwann.″

Er zeichnet lieber als zu schreiben, und dass auf Wikipedia so viel über ihn steht, hätte Klaus Stuttmann gar nicht gedacht. Dabei ist er einer der bekanntesten Karikaturisten in Deutschland und wird immer wieder mit Branchenpreisen ausgezeichnet. Nicht nur die Neue Osnabrücker Zeitung, auch der Tagesspiegel, Leipziger Volkszeitung, TAZ und weitere Zeitungen drucken den 68-Jährigen regelmäßig ab.

Aufgewachsen ist Klaus Stuttmann in Stuttgart. Er studierte Kunstgeschichte erst in Tübingen und dann Berlin. Trotzdem betrachtet er sich weniger als Künstler, sondern mehr als Journalist, als Meinungsjournalist, dessen Werkzeug aber nicht das Wort, sondern die Zeichnung ist″, sagt Stuttmann. Das Handwerk brachte er sich selbst bei.

Wählerisch ist Stuttmann bei der täglichen Entscheidung für ein Thema nicht: Ich hab keine Lieblingsthemen″, sagt der Karikaturist, Merkel und Trump gefielen ihm als Figuren ganz gut. Stuttmann orientiert sich vielmehr an den täglichen Nachrichten. Ich gucke immer im Internet, was sich als das Thema auf den diversen Nachrichtenportalen durchsetzt.″ Der Leser soll wissen, worum es geht, und Anspielungen verstehen. Ein Tabu für mich ist, mich über Opfer, vom Schicksal Gebeutelte oder über unterdrückte Minderheiten lustig zu machen.″

Häufig kommt Stuttmann mit wenigen Worten aus. So etwa auf dem Höhepunkt der verbalen Krise zwischen Donald Trump und Kim Jong Un. Stuttmann zeichnete die beiden Machthaber, die sich gegenübersitzen jeder mit einem großen roten Knopf vor sich und der Überschrift 2 Männer sehen rot″.

Auf Erkundungstour in die deutsche Seele hat sich Kostas Koufogiorgos begeben. 1972 wurde der Karikaturist in einer griechischen Kleinstadt geboren. Nach dem Abi studierte er Wirtschaftswissenschaften und hielt sich von einer künstlerischen Ausbildung fern. Koufogiorgos brachte sich das Zeichnen lieber selbst bei und arbeitete schon während des Studiums als Karikaturist für ein politisches Magazin in Griechenland. Rund zwanzig Jahre nach Beginn seiner Karriere packte er die Koffer und wanderte aus nach Deutschland.

Seit 2008 lebt er hier. Am Anfang stand natürlich das Erlernen der Sprache″, sagt Koufogiorgos. Weil eine Karikatur ganz wesentlich aus Sprachwitz bestehe, sei es über das Basisvokabular hinaus wichtig gewesen, auch Sprichwörter und geflügelte Wörter zu erlernen. Die kann man aber nicht wie Vokabeln pauken, sondern besser durch direkte Gespräche oder auch durch genaues Zuhören aufnehmen″, sagt der Karikaturist.

Ganz wichtig sei auch die genaue Kenntnis der deutschen Geschichte und Kultur. Ich beobachte aufmerksam die Menschen in meiner Umgebung.″

Besonders häufig tauchen in Koufogiorgos′ Karikaturen Themen wie Ungerechtigkeit, Armut, Rassismus und Diskriminierung auf. Grundsätzlich könne man jedes Thema in einer Karikatur behandeln, sagt Koufogiorgos. Aber: Gewisse Themen verlangen sicher etwas mehr Fingerspitzengefühl als andere. Dazu gehören Religion, Trauer, Tod.″

Für ihn gelte: Ich drücke nur das in einer Karikatur aus, was ich dem Adressaten auch persönlich mitteilen würde.″

Umwelt, Kirche, Gerechtigkeit damit beschäftigt sich Gerhard Mester häufig. Das, was Gerhard Schröder , Gedöns nannte″, kommentiert der Karikaturist. Um gedruckt zu werden, müsse man aber vor allem aktuell sein, sagt er, denn was nicht aktuell ist, findet in der Tagespresse keinen Platz.″ Seine Bilder arbeitet Mester häufig liebevoll mit vielen Details aus. Beispiel: Auf dem Höhepunkt des Schulz-Hypes zeichnete der Karikaturist die Alte Tante SPD lächelnd mit Handtasche auf dem Schoß vor dem Schreibtisch des Papstes. Der hält ein Foto von Martin Schulz in der Hand. Die Frau sagt: Ich war mausetot und er hat mich wieder zum Leben erweckt!!″ Der Papst antwortet: Für eine Heiligsprechung brauchen wir mindestens zwei Wunder!

Zu seinem Beruf kam der freie Karikaturist mehr oder weniger zufällig. Mester hatte sich nach einer schweren Krebserkrankung gegen eine Ausbildung mit harter, körperlicher Arbeit entschieden und stattdessen Grafik-Design in Kassel studiert. Dort habe ich mein Interesse an der Karikatur entdeckt, und weil es bald auch erste Nachdrucke gab, bin ich dabei geblieben.″ Seitdem drucken mehrere Tageszeitungen und Zeitschriften seine Karikaturen ab. Für Mester gilt: Eine Karikatur soll nicht nur das Problem beschreiben, sie muss seinen Kern bloßlegen.″ Dazu kann sie witzig sein, muss es aber nicht. Ein wenig Erkenntnisgewinn sollte aber schon sein.″

Gibt es auch Tabuthemen? Schwache und Ohnmächtige kann man nicht ernsthaft karikieren″, sagt Mester. Auch Mohammed oder Jesus können nicht Ziel von Spott sein, wohl aber Mullahs und Kardinäle.″

Frage an den Autor des Buches Ossi & Wessi: Eine unendliche Liebesgeschichte″: Was unterscheidet ostdeutschen von westdeutschem Humor? Antwort: Es gibt keine Unterschiede. Nur das Hintergrundwissen ist jeweils anders. Im Westen weiß keiner was Sprelacart ist, und die Ossis kennen keine Bananen.″

Lakonisch und bissig kommentiert der Buchautor Regge vom Schulzenhof″ unter dem Pseudonym Mario Lars nicht nur die deutsche Teilung, sondern in täglichen Karikaturen auch das aktuelle politische Geschehen. Der Schweriner sagt: Ich gucke täglich, welche Würstchen in Deutschland und der Welt gebraten werden. Und dann gebe ich bei den dicksten meinen Senf dazu.″

Nach verschiedenen Jobs, zuletzt als Ressortleiter für Layout und Grafik, machte sich Mario Lars 2014 selbstständig und zeichnet seitdem freiberuflich. Ich wollte als Karikaturist stinkreich und berühmt werden, geblieben bin ich es, weil es immer noch nicht geklappt hat″, sagt er.

In seinen Karikaturen geht es um Erdogan, Merkel oder den Abgasskandal. Beispiel: Ein Chef zeigt am Ende eines Konferenztisches auf ein Whiteboard. Darauf steht das Wort Feinstaub″. Das I″ wurde durchgestrichen und durch ein E″ ersetzt. Der Chef fügt hinzu: Jetzt müssen wir nur noch Diesel in Einhornsaft umbenennen, und alle haben uns lieb.″

Sprelacart ist übrigens so etwas wie Resopal Platten, die mit Kunstharz in Schichten hergestellt werden. Heute werden unter dem Namen kratzfeste Küchenarbeitsplatten produziert. Und mit bürgerlichem Namen heißt Mario Lars alias Regge vom Schulzenhof Roland Regge-Schulz.
Autor:
Daniel Benedict, Constantin Binder, Michael Clasen, Janine Dahlweid, Ralf Döring, Burkhard Ewert, Ralf Geisenhanslüke, Jean-Charles Fays, Susanne Fetter, Dirk Fisser, Heinz Flock, Berthold Hamelmann, Wilfried Hinrichs, Holger Jansing, Michael Jonas, Johannes Kapitza, Bastian Klenke, Michael Krechting, Julia Kuhlmann, Rainer Lahmann-Lammert, Harald Pistorius, Joachim Schmitz, Claudia Sarrazin, Elke Schröder, Michael Schwager, Marcus Tackenberg, Carmen Vosgröne, Uwe Westdörp, Stefanie Witte, Johannes Zenker


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