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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Boris, Steffi und wir
 
RAF-Terror hält Deutschland in Atem
 
Radioaktive Verseuchung durch Kernschmelze
 
Die Varusschlacht: Ein Indizienprozess
 
Vom Mauerfall zur deutschen Einheit
 
Fremdenhass eskaliert in Deutschland
 
Ein Qualitätsversprechen
 
Vom Zauber der Momente
 
Vom Schneechaos kalt erwischt
 
Anschläge vom 11. September als Zäsur
 
Islamistischer Terror erreicht Europa
 
Till und seine Freunde
 
Wie Reisschnaps das Schreiben beschleunigt
 
Dem Terror auf der Spur
 
Leser helfen den Flutopfern in Südindien
Zwischenüberschrift:
Nach dem Sensationssieg von Becker in Wimbledon brach ein Tennis-Boom in Deutschland aus
 
1977–1981: Auf Schleyer-Entführung folgen sechs Wochen Schrecken – Dreipäpstejahr, Olympia-Boykott und Golfkrieg
 
1982–1986: Reaktorkatastrophe in Tschernobyl verunsichert Europa – Kohl folgt auf Schmidt – Becker siegt in Wimbledon
 
Wie die Archäologie in Kalkriese einem 2000 Jahre alten Rätsel auf der Spur ist
 
1987–1991: DDR und Bundesrepublik werden eins – Bestürzung wegen Gladbecker Geiseldrama und Barschel-Affäre
 
1992–1996: Rechtsradikale töten Ausländer in Mölln und Solingen – Völkermord in Ruanda – Gründung der EU
 
Das Video-Team und die Fotografen der Neuen OZ berichten über ihre Lieblingsbilder
 
Nach langem Warten in der richtigen Sekunde präsent
 
Wintereinbruch im November 2005 – 14 Monate später legt Kyrill ganze Wälder flach – Rückblick auf zwei Naturkatastrophen
 
1997–2001: Islamisten töten in den USA 3000 Menschen – Kohl verliert Wahl und während der Spendenaffäre an Ansehen
 
2002–2006: Anschläge in Madrid und London mit vielen Toten – Ein Deutscher wird Papst – Begeisterndes Sommermärchen
 
68 Jahre alt und kein bisschen gealtert –Wer steckt hinter der Lokalspitze?
 
Von Selbstmordattentätern und Geiselnehmern im Irak und in Afghanistan
Artikel:
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Originaltext:
In der Bundesliga wurden Spiele verlegt, um der Konkurrenz großer Daviscup-Matches auszuweichen, und auf den Titelbildern der Sportzeitungen ja, sogar auf einigen des Fußball-Fachblattes Kicker″ waren ein rotblonder Jüngling mit geballter Faust oder eine scheu lächelnde junge Frau zu sehen. Wir waren Boris, wir waren Steffi.

Die Begeisterung war nicht stetig gewachsen, sondern explosionsartig ausgebrochen. Der Zeitpunkt lässt sich genau bestimmen: 7. Juli 1985, 17.26 Uhr. Die meisten Menschen, die damals zuschauten, als Boris Becker zum ersten Mal das Tennisturnier in Wimbledon gewann, können heute noch sagen, wo sie damals waren. Tage, an denen die ewigen Helden der deutschen Sportgeschichte geboren werden, graben sich ein ins kollektive Gedächtnis und in das jedes Einzelnen.

Noch nie hatte ein Deutscher das berühmteste Turnier der Welt gewonnen. Noch nie hatte dort ein ungesetzter Spieler triumphiert. Noch nie war ein Wimbledon-Sieger jünger gewesen. Aber diese Superlative allein hätten nicht ausgereicht, um diese Begeisterung um einen 17 Jahre alten Jungen aus dem badischen Leimen auszulösen. Es grenzte an Hysterie, und oft wurde diese Grenze überschritten.

Es war wie ein Rausch. Nur ein paar Experten kannten seinen Namen, als das Turnier begann. Die Siege gegen die Amerikaner Hank Pfister und Matt Anger lassen aufhorchen. Beim Drittrundensieg gegen Joakim Nyström verfallen die ersten diesem leidenschaftlichen Kämpfer, der zwei Matchbälle abwehrt, der leidet und jubelt, der die Faust ballt nach wichtigen Points, der zetert, schreit, gestikuliert. Er lebt Tennis, und er zeigt es in jeder Sekunde eines Matches, und mit jeder Faser seines Körpers.

Und er siegt weiter, auch gegen Tim Mayotte, gegen Henri Leconte und im Halbfinale gegen Anders Jarryd. Einige Male steht er am Abgrund, er verletzt sich am Sprunggelenk, will schon aufgeben, quält sich zurück auf den Court. Und wenn nichts mehr geht, erwischt er einen Ball im Hechtsprung und schreit danach seinen Jubel heraus. Auf den Tribünen kreischen die Damen, und in Deutschland beginnt die Tagesschau mit Wimbledon.

Doch das ist alles nur die Vorstufe zu dem Hype, der nach dem Finalsieg gegen Kevin Curren ausbricht. Über zwölf Millionen schauen in der alten Bundesrepublik zu, sie verschlingen danach jede Zeile. Wenn die Boulevard-Presse stammelt Boooooris Du bist der Wahnsinn!!!″, dann stammeln viele mit.

Millionen stellen sich den Wecker, wenn Becker zur deutschen Nachtzeit in Amerika aufschlägt, und schalten den Fernseher ein. Die bunten Blätter spekulieren über das Privat- und Liebesleben des Jünglings. Selbst die intellektuelle Wochenzeitung Die Zeit″ kommt nicht am Thema vorbei, hebt es auf die Titelseite unter der Schlagzeile Matchball in den siebten Himmel″.

Der Empfang in seiner Heimatstadt Leimen wird live im Fernsehen übertragen, der Bürgermeister begrüßt in seiner Rede gleich mal die Zuschauer in aller Welt″. In den Standesämtern schießt Boris″ in die Spitzengruppe der Liste mit den beliebtesten Vornamen. 92 Prozent aller Deutschen kennen ihn jetzt, 87 Prozent finden ihn sympathisch.

Im Aktuellen Sportstudio″ sitzt Becker an der Seite von Richard von Weizsäcker und plaudert unbefangen mit dem Bundespräsidenten. Er weiß noch gar nicht, wie ihm geschieht, dabei steckt er schon mitten drin in einem Leben aus ewiger Popularität und weltweiter Prominenz. Ein Reporter der Washington Post″ nähert sich dem Phänomen und notiert einen einfachen, klugen Satz: Vielleicht war er zu jung, um zu wissen, dass er zu jung war, um Wimbledon zu gewinnen.″

Und das war erst der Anfang. Becker löste einen Tennis-Boom in Deutschland aus, der über Jahre trug. Das ganze Land fieberte mit, wenn Boris zusammen mit Michael Westphal, Andreas Maurer, Charly″ Steeb, Eric Jelen oder Michael Stich um den Daviscup spielte. Er waren epische Duelle mit Schweden oder den USA, die Fernsehprogramme sprengten und einmal sogar einige Fußballbundesligisten zwangen, ihre Anstoßzeiten zu verändern.

Als dann 1987 ein junges Mädchen namens Stefanie Maria Graf in die Weltspitze im Tennis vorstieß, bekam Boris sein weibliches Pendant Steffi stieß auf eine vergleichbare Begeisterung, doch weil sie kühler und distanzierter war als Becker, blieb sie von manchem Ausschlag auf der Skala des nationalen Sport-Hypes verschont.

Doch als 1989 die beiden Tennis-Wunderkinder in Wimbledon gewannen, hatte die Sportnation ein Traumpaar. Es war eine grandiose Epoche für das deutsche Tennis, zwei Weltstars machten aus einem wunderschönen Sport eine Massenfaszination.

Das konnte nicht von Dauer sein, denn die beiden Jahrhunderttalente hatten Maßstäbe gesetzt, die ihre Nachfolger erdrückten. Und ohne Boris und Steffi wurde Tennis wieder eine ganz normale Sportart, die im Schatten des Fußballs leben muss.

Und Boris und Steffi? Leben noch immer so verschieden, wie sie es schon immer waren. Becker nach wie vor unter dem Brennglas der Öffentlichkeit, mal weltmännisch, mal chaotisch, irgendwie unzähmbar, aber authentisch und nicht mehr zu erschüttern. Graf ganz zurückgezogen in Las Vegas, mit Ehemann André Agassi und zwei Kindern; wohl dosiert sind ihre Auftritte in der Öffentlichkeit.

Sie sind lebende Legenden, und ihre Geschichte wird noch in Jahrzehnten erzählt werden. Sie haben uns große Sportmomente geschenkt wünschen wir ihnen, dass der Preis, den sie dafür zahlen mussten, nicht zu groß war und sie mit sich im Reinen sind.

Denn Legenden sind auch nur Menschen.

Bildtexte:
Große Sportmomente: Auf dem Weg zu seinem legendären ersten Sieg in Wimbledon erwische Boris Becker manchen Ball im kühnen Sprung der Becker-Hecht und die Becker-Faust wurden weltberühmt. Vier Jahre später der deutsche Triumph auf heiligem Rasen: Boris und Steffi Graf gewannen die Einzelfinals in Wimbledon.
Foto:
dpa (2), imago/ Sven Simon

E Raumsonde Voyager 1

Die Nasa schickt die Raumsonde Voyager 1 am 5. September auf ihre Reise ins All. Die Sonde ist heute fast 21 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt . Auf einer Datenplatte sind Bild- und Audio-Informationen über die Menschheit gespeichert, falls Außerirdische auf die Sonde stoßen sollten. Zudem befindet sich eine Karte darauf, die die Position der Sonne im All zeigt.

E Deutscher Herbst

RAF-Terroristen entführen am 5. September den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und fordern die Freilassung weiterer RAF-Mitglieder. Bundeskanzler Helmut Schmidt lehnt ab. Mit der RAF verbündete Terroristen der Volksfront zur Befreiung Palästinas entführen daraufhin am 13. Oktober die Lufthansa-Maschine Landshut″, um den Druck zu erhöhen. Das Spezialeinsatzkommando GSG 9 stürmt das Flugzeug am 18. Oktober in der somalischen Hauptstadt Mogadischu und befreit alle Geiseln. Am selben Tag wird Schleyer erschossen. Zudem begehen die in Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe Selbstmord. Der sogenannte Deutsche Herbst gilt als eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Bundesrepublik.

E Der letzte deutsche VW Käfer

Der letzte in Deutschland gebaute VW Käfer läuft am 19. Januar in Emden vom Band.

E Historische Bergbesteigung

Die Bergsteiger Reinhold Messner und Peter Habeler erklimmen am 8. Mai als erste Menschen den Gipfel des Mount Everest ohne Sauerstoffgerät.

E Dreipäpstejahr

Nach dem Tod von Papst Paul VI. am 6. August wählt das Konklave am 26. August Albino Luciani zu seinem Nachfolger. Johannes Paul I. stirbt allerdings am 28. September mit 65 Jahren nach nur 33 Tagen im Amt. Die Todesursache ist unklar, eine Obduktion wurde von seiner Familie und vom Vatikan verweigert. Der Pole Karol Wojtyla (Johannes Paul II.) wird am 16. Oktober zum neuen Pontifex Maximus gewählt.

E Islamische Revolution

Am 16. Januar verlässt Schah Mohammad Reza Pahlavi den Iran, dafür kehrt der schiitische Ajatollah Khomeini am 1. Februar nach 15 Jahren im Exil wieder zurück. Am 1. April ruft Khomeini die Islamische Republik Iran aus: Die Monarchie wird zu einem islamischen Gottesstaat.

E Frieden in Nahost

Israel und Ägypten beenden unter US-amerikanischer Vermittlung ihren seit 1947 andauernden Kriegszustand. Im israelisch-ägyptischen Friedensvertrag vom 26. März erkennen sie sich gegenseitig an. Zudem beginnt Israel mit dem Rückzug von der seit 1967 besetzten Sinaihalbinsel.

E Thatcher übernimmt

Margaret Thatcher wird von Königin Elizabeth II. am 4. Mai zur neuen britischen Premierministerin ernannt. Sie ist die erste Frau in diesem Amt.

E Spektakuläre Flucht

Zwei Familien gelingt am 16. September mit einem selbst gebauten Heißluftballon eine spektakuläre Flucht aus der DDR nach Westdeutschland.

E Atomwaffen in die BRD

Die Nato-Mitgliedstaaten verabschieden am 12. Dezember den sogenannten Nato-Doppelbeschluss und beschließen unter anderem die Stationierung neuer US-Atomwaffen in Westeuropa.

E Afghanistankrieg

Die Sowjetunion beginnt am 2. Januar eine militärische Großoffensive in Afghanistan, um die von ihr eingesetzte kommunistische Regierung gegen Widerstandskämpfer zu unterstützen. Vor allem die USA statten den von islamistischen Gruppen dominierten Widerstand mit Waffen aus. 1988 und 1989 ziehen die Sowjets ihre Truppen wieder ab.

E Sommerzeit ist wieder da

Die Bundesrepublik und die DDR führen nach der Abschaffung im Jahr 1949 zum 6. April die Sommerzeit wieder ein. Dadurch soll Energie gespart werden.

E Länder boykottieren Olympia

In Moskau beginnen am 19. Juli die Olympischen Sommerspiele. 65 eingeladene Nationen nehmen nicht teil die meisten boykottieren die Spiele wegen der Afghanistankrise. Unter ihnen befinden sich die Bundesrepublik, Kanada und die USA.

E Jerusalemgesetz

Das israelische Parlament verabschiedet am 30. Juli das Jerusalemgesetz und erklärt Jerusalem zur untrennbaren Hauptstadt Israels ein Haupthindernis für die Palästinenser auf dem Weg zum Frieden. Der UN-Sicherheitsrat verurteilt am 20. August das Gesetz.

E Erster Golfkrieg

Mit Bombardements auf iranische Flughäfen eröffnet der Irak am 22. September den bis 1988 dauernden Ersten Golfkrieg. Der irakische Präsident Saddam Hussein möchte seine Macht am Persischen Golf vergrößern.

E Oktoberfestattentat

Ein Rechtsradikaler verübt am 26. September auf dem Münchner Oktoberfest einen Bombenanschlag. 13 Menschen sterben, mehr als 200 werden verletzt. Das Motiv ist bis heute umstritten, seit 2014 laufen wieder Ermittlungen.

E Attentat auf den Papst

Der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Agca verübt am 13. Mai auf dem Petersplatz in Rom ein Pistolen-Attentat auf den Papst. Johannes Paul II. überlebt schwer verletzt.

E Attentat in Ägypten

In Ägypten wird Präsident Anwar as-Sadat am 6. Oktober ermordet. Vizepräsident Husni Mubarak übernimmt.

E Friedensdemo in Bonn

Zur Friedensdemonstration im Bonner Hofgarten kommen am 10. Oktober rund 300 000 Menschen, um etwa gegen den Nato-Doppelbeschluss zu protestieren. Es ist die bis dahin größte Demonstration in der Bundesrepublik.

E Aids wird zum Problem

Eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums erkennt die Immunkrankheit Aids am 1. Dezember erstmals als eigenständige Krankheit. Bis heute sind etwa 35 Millionen Menschen an Aids gestorben.

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RAF-Foto des am 5. September 1977 entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer.
Schwer verletzt bricht Papst Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom zusammen.

E Ein bisschen Frieden

Die deutsche Sängerin Nicole gewinnt im englischen Harrogate am 24. April mit dem Lied Ein bisschen Frieden″ die 27. Auflage des Eurovision Song Contests.

E Attentat auf den Papst

Ein spanischer, ultrakonservativer katholischer Priester geht am 12. Mai mit einem Bajonett auf Papst Johannes Paul II. los, der den portugiesischen Wallfahrtsort Fátima besucht. Das Attentat scheitert an dessen Leibwächtern.

E Regierung Schmidt zerbricht

Die vier FDP-Minister der sozial-liberalen Koalition unter Kanzler Helmut Schmidt (SPD) treten am 17. September zurück. Zum Bruch kommt es unter anderem wegen unterschiedlicher Ansichten zum Nato-Doppelbeschluss und weil die SPD die Forderungen von Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, zu deregulieren und die Kosten des Sozialstaats zu verringern, nicht für hinnehmbar hält. Schmidts Kanzlerschaft endet am 1. Oktober nach einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen ihn. Mit den Stimmen von CDU, CSU und der Mehrheit der FDP-Fraktion wählt der Bundestag am selben Tag Helmut Kohl zum Nachfolger.

E Hitler-Tagebücher

Die Zeitschrift Stern″ gibt am 25. April exklusiv den Fund der Hitler-Tagebücher bekannt. Sie werden wenige Wochen später als Fälschung Konrad Kujaus enttarnt, der 9, 3 Millionen D-Mark vom Magazin erhalten hat.

E Das erste Handy

Das 800 Gramm schwere Mobiltelefon Motorola DynaTAC 8000X wird am 21. September in den USA als weltweit erstes Handy zugelassen.

E Heißer Herbst

Mehr als 500 000 Menschen demonstrieren am 22. Oktober deutschlandweit für Frieden und gegen die Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen im Zuge des NATO-Doppelbeschlusses. Zwischen Stuttgart und Neu-Ulm bilden mindestens 250 000 Personen eine 108 Kilometer lange Menschenkette. Es ist der Höhepunkt der westdeutschen Friedensbewegung, auch Heißer Herbst″ genannt. Dennoch billigt der Bundestag am 22. November die NATO-Beschlüsse.

E Händedruck in Verdun

Auf dem Soldatenfriedhof von Verdun gedenken am 22. September der französische Präsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl
mit einem als historische Geste gewürdigten Händedruck gemeinsam der Opfer beider Weltkriege.

E Attentat auf Gandhi

Zwei ihrer Leibwächter erschießen am 31. Oktober die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi. Die Täter gehören der Religionsgemeinschaft der Sikhs an, deren Nationalheiligtum, der Goldene Tempel in Amritsar, im Juni von Regierungstruppen erstürmt worden war.

E Selbstschussanlagen

An der innerdeutschen Grenze bauen DDR-Soldaten am 30. November die letzten Selbstschussanlagen ab. Seit 1970 sollten die Anlagen DDR-Bürger von der Flucht abhalten; das Regime versuchte die Existenz der Tötungsautomaten geheim zu halten. Schätzungsweise zehn Menschen wurden von den Selbstschussanlagen getötet.

E RAF-Terroristen verurteilt

Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart verurteilt am 2. April die führenden RAF-Terroristen Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt unter anderem wegen der Beteiligung an neun Morden zu lebenslanger Freiheitsstrafe.

E Tag der Befreiung″

Bundespräsident Richard von Weizsäcker hält am 8. Mai im Deutschen Bundestag eine weltweit stark beachtete Rede anlässlich des 40. Jahrestags der Been-
digung des Zweiten Weltkriegs. Darin bezeichnet er den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft″ und löst in der Bundesrepublik eine neue Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit aus.

E Beckers Wimbledon-Triumph

Tennisspieler Boris Becker gewinnt am 7. Juli im Alter von 17 Jahren als erster Deutscher und als jüngster Sieger aller Zeiten das Grand-Slam-Turnier von Wimbledon. Im Finale bezwingt er den Südafrikaner Kevin Curren mit 3: 1 Sätzen.

E Entdeckung der Titanic

Die Forscher Jean-Louis Michel und Robert Ballard entdecken am 1. September im Atlantik vor Neufundland in einer Tiefe von 3800 Metern das Wrack der Titanic. Das Passagierschiff war 1912 nach der Kollision mit einem Eisberg gesunken.

E Challenger-Katastrophe

73 Sekunden nach dem Start vom Weltraumstützpunkt Cape Canaveral bricht am 28. Januar das Space Shuttle Challenger der NASA in etwa 15 Kilometer Höhe auseinander. Dabei sterben alle sieben Astronauten. Es ist der bis dahin schwerste Unfall in der Raumfahrtgeschichte der USA.

E Glasnost und Perestroika

Auf einem Parteitag der KPdSU fordert der hochrangige sowjetische Politiker Michail Gorbatschow am 25. Februar Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umstrukturierung) für sein Land. Am 11. März wird er zum Generalsekretär der Partei gewählt und beginnt mit dem Reformprozess.

E Tschernobyl-Katastrophe

Im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl kommt es am 26. April in Block 4 zu einer vollständigen Kernschmelze und anschließenden Explosionen. Vor allem Teile Weißrusslands, Russlands und der Ukraine werden radioaktiv verseucht. Rund sieben Millionen Menschen leben 1986 in den kontaminierten Gebieten. Zwei Arbeiter sterben direkt bei der Explosion, 28 weitere Personen sterben in den Wochen danach an der akuten Strahlenkrankheit. Die Zahl der Menschen, die im Laufe der Jahre an den Folgen der Katastrophe gestorben sind, wird kontrovers diskutiert. Die Weltgesundheitsorganisation hält weltweit 4000 Opfer für möglich.

E Der doppelte Kohl

Bei der Ausstrahlung der Neujahrsansprache von Bundeskanzler Helmut Kohl zeigt das Erste Deutsche Fernsehen am 31. Dezember die Ansprache aus dem Vorjahr. Die korrekte Fassung läuft am folgenden Tag.

Bildtexte:
Blick auf den zerstörten Reaktor des Atomkraftwerkes Tscher- nobyl in der Ukraine im Mai 1986.
Der 17-jährige Boris Becker nach dem Sieg im Wimbledon-Finale am 7. Juli 1985.

Der Münzfund von Tony Clunn, Angehöriger der in Osnabrück stationierten britischen Streitkräfte und Amateur-Archäologe, war spektakulär. Er machte den Major zu einem Mitglied des Ordens des British Empire und Kalkriese zu einem Investitions- und Tourismus-Schwerpunkt des Landkreises.

Bis es so weit war, haben die Archäologen dem Kalkrieser Boden allerdings einiges mehr entlocken müssen. Erst als Clunn ein Jahr nach den Münzen drei Schleuderbleie fand, begannen die wissenschaftlichen Grabungen. Die Wurfgeschosse waren Hinweise auf kriegerische Handlungen.

Glücklicherweise hatte der damalige Stadt- und Kreisarchäologe Wolfgang Schlüter dem Amateur-Archäologen stets erlaubt, mit dem Detektor in Kalkriese zu suchen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es noch heute, Clunns Gerät sei so gut gewesen, dass es Funde sensibler angezeigt habe als die Sonden der staatlichen Archäologie.

Auf den größten aller Funde mussten die Kalkrieser Wissenschaftler nicht lange warten: Im Januar 1990 kam in einem gerade mal fünf Meter breiten Schnitt ein großer Rostklumpen aus der Erde. Es dauerte, bis klar wurde, was darin steckte: die gut erhaltene Gesichtsmaske eines römischen Reiterhelms, heute Wahrzeichen für Museum und Park in Kalkriese.

Das Interesse an diesem Fund war riesig. Heerscharen pilgerten zur Grabungsstätte, wo sich die Archäologen gegen Stöckelschuhe und Kinderwagen auf ihren Flächen kaum erwehren konnten, wie sich die leitende Archäologin Dr. Susanne Wilbers-Rost heute noch lebhaft erinnert. Die erste Knochengrube, die 1994 gefunden wird, zählt zu den weiteren Meilensteinen der Archäologie in Kalkriese. Etwas Glück war dabei, als ein Mitarbeiter am Rand eines Grabungsschnittes auf einen vermeintlichen Stein trat, dann aber feststellte, dass es ein Knochen war. In der Grube waren Knochen von Männern und Maultieren deponiert. Auffällig war, dass es keine vollständigen Skelette waren.

Uns war schnell klar, dass sie einige Jahre an der Oberfläche gelegen haben müssen″, sagt Wilbers-Rost. Und genau davon hatten die Quellen zur Varusschlacht berichtet. Der römische Feldherr Germanicus habe den Ort der Varusschlacht im Jahr 15 nach Christus zur Bestattung der Toten besucht. Acht solcher Knochengruben wurden bis zum Jahr 2008 in Kalkriese gefunden.

Großes Aufsehen erregten zwei freigelegte Maultier-Skelette, von denen eins erstaunlich gut erhalten war, weil Kalksteine über das tote Tier gerutscht waren und der Kalk über die lange Zeit dafür gesorgt hatte, dass sich das Skelett nicht weiter zersetzte. Zoologen fanden anhand von Isotopen in den Zähnen des Tieres heraus, dass es zuletzt im Herbst gefressen haben musste. Durch den Zahnschmelz gewannen sie Erkenntnisse über die Wege, die das Tier gegangen sein musste. Es waren weitere Indizien bei der Suche nach dem Ort der Varusschlacht, von der die Quellen berichten, sie habe im Herbst stattgefunden.

Die Kalksteine, denen die gute Erhaltung des Skelettes zu verdanken ist, ordnen die Wissenschaftler dem Wall zu, den die Germanen gebaut hatten, um die Römer aus seinem Schutz heraus anzugreifen.

Den Verantwortlichen in der Region Osnabrück reichte die Beweislage im Jahr 2002 für den Bau eines großen Museums mit umgebendem Park aus. Nicht nur mit der These, die Varusschlacht habe sich in der sumpfigen Kalkrieser Senke zugetragen, sorgten sie im Jahrhunderte währenden Streit um den Ort der Varusschlacht für Aufsehen, sondern auch mit dem preisgekrönten Konzept der Schweizer Architekten Anette Gigon und Mike Guyer für Museum und Park.

Die schlichte Formsprache und die rostigen Stahlplatten, mit denen das Museum und ein 40 Meter hoher Turm verkleidet sind, schieden die Geister nicht nur in der Region. Die Architektur ist bewusst nicht belanglos″, sagt Dr. Joseph Rottmann, Geschäftsführer der von der Stiftung der Sparkassen im Osnabrücker Land und dem Landkreis Osnabrück getragenen gemeinnützigen Varusschlacht GmbH.

Die Fragen, ob das Metall bald noch gestrichen werde, sind heute verstummt, im Park steht die Welt betrachtet man sie aus dem Pavillon mit der Kamera obscura aber nach wie vor kopf. Wir befinden uns auf einem Schlachtfeld, dieses Bewusstsein wollen wir wachhalten″, sagt Rottmann.

Der Indizienprozess um die Entdeckung der Varusschlacht verlangte den Wissenschaftlern einiges ab. Anfangs dachten wir, Varus wolle gefunden werden″, blickt Wilbers-Rost auf die reichen Fund-Jahre unmittelbar nach Clunns Münz-Schatz zurück, aber danach hat er es uns ganz schön schwer gemacht″.

Es gab Jahre, in denen die Wissenschaftler nur Kleinteile fanden und lernen mussten, um die Ecke zu denken″, wie Wilbers-Rost es ausdrückt. Fragmente römischer Ausrüstung: verbogen, zerknüllt, abgerissen. Wir haben es hier mit einem geplünderten Schlachtfeld zu tun, denn die Germanen waren an Rohmaterialien als Beute interessiert.″

Im Juni 2016 blickte die Öffentlichkeit fasziniert nach Kalkriese. Ausrechnet bei der Planung einer Station, die Besuchern archäologische Arbeit erläutern soll, stießen die Forscher auf acht bestens erhaltene römische Goldmünzen. Sie wurden um die Zeit von Christi Geburt in Lyon geprägt und hatten damals den Wert eines Jahreseinkommens eines Soldaten.

Der wissenschaftliche Leiter der Grabungen Salvatore Ortisi, zu der Zeit Professor an der Universität Osnabrück, sah darin die Bestätigung, dass das Schlachtfeld aus der Zeit des Kaisers Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) stammen müsse. Anfang des Jahres 2017 trauten die Sondengänger in Kalkriese ihren Augen erneut nicht. Sie fanden 224 Silberdenare. Rottmann lacht heute noch, wenn er daran denkt, wie er aus dem Fenster schaute und sah, wie ständig jemand freudestrahlend Münzen hochhielt.

Der Rückenwind für Forschung und Ausstellung in Kalkriese kam genau zur rechten Zeit, da die Verträge mit dem Land Niedersachsen, das über die Universität Osnabrück die wissenschaftliche Leitung stellt, nach 20 Jahren gerade ausliefen. Ein neuer Vertrag sei nun auf bestem Weg, freut sich Rottmann. Für zwölf weitere Jahre wird die archäologische Arbeit in Kalkriese gesichert sein mit der Option auf weitere sechs Jahre.

Die Volkswagenstiftung unterstützt ein Forschungsprojekt zudem mit 435 000 Euro, verteilt auf drei Jahre. Mit größter Spannung werden die sogenannten metallurgischen Fingerabdrücke erwartet, die Materialkundler von den eisernen und kupfernen Fundstücken erstellen wollen. Wenn Varus′ Legionen in Kalkriese gekämpft haben, müsste sich das Erz von dem unterscheiden, das an Ausrüstungsteilen römischer Legionen analysiert wurde, die in England gefunden wurden. Zudem sollen zerknüllte Blechreste im Computertomografen aufgenommen und digital entfaltet werden, um auf ihre Funktion und Herkunft schließen zu können.

Die jüngsten Kalkrieser Funde haben für großes Aufsehen gesorgt. Besonders aufmerksam wird der Kalkrieser Indizienprozess wohl in Detmold verfolgt, wo das Hermannsdenkmal steht: Statue gewordener Anspruch aus dem Lippischen, die Varusschlacht habe hier stattgefunden. Im Jahr 2009, als sich die Varusschlacht zum 2000. Mal jährte, hatten sich mit Detmold, Haltern und Kalkriese zwar drei Orte mit diesem Anspruch zu einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt zusammengefunden. An dem durchaus erbitterten Streit um den Ort der Varussschlacht hatte das jedoch nichts geändert.

Es geht nicht um hundertprozentige Sicherheiten, um ja oder nein, sondern immer um Indizien″, sagt Wissenschaftlerin Wilbers-Rost. Einen solchen Fundniederschlag, der mit der Varusschlacht verbunden werden könne, gebe es nirgendwo sonst, setzt sie hinzu. Wir stellen uns offen dieser Diskussion″, kündigt Geschäftsführer Rottmann weiter an.

Tony Clunn starb im Jahr 2014. Das Varusschlacht-Museum wird ihm, dem Auslöser des Kalkrieser Indizienprozesses, bald einen eigenen Raum widmen. Nein, hier wagt man sich ein Stückchen weiter vor: Es wird der Raum für den Entdecker der Varusschlacht.

Bildtexte:
Den Fund seines Lebens hielt der Amateur-Archäologe Tony Clunn in Kalkriese im Jahr 2007, 20 Jahre, nachdem er diese und weitere Münzen entdeckt hatte, noch mal in der Hand.
Metall-Fragmente: Zeichen für Plünderung.
224 Silberdenare kamen 2017 ans Licht.
Rostender Stahl symbolisiert Vergänglichkeit

E Rust landet in Moskau

Der 18-jährige Mathias Rust fliegt am 28. Mai mit einer Cessna von Helsinki nach Moskau. Dort landet der Deutsche nahe dem Roten Platz. Rust muss 14 Monate in ein Moskauer Gefängnis. Er habe ein Zeichen für Völkerverständigung setzen wollen, sagt er.

E Tear down this wall!

US-Präsident Ronald Reagan fordert am 12. Juni in einer Rede vor dem Brandenburger Tor den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow mit den Worten Tear down this wall! dazu auf, die Berliner Mauer niederzureißen.

E Barschel-Affäre

Einen Tag vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein meldet am 12. September das Nachrichtenmagazin Spiegel″, Ministerpräsident Uwe Barschel (CDU) habe den SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm bespitzeln lassen. Barschel bestreitet das, gibt aber am 25. September seinen Rücktritt bekannt. Er wird am 11. Oktober in einem Genfer Hotelzimmer tot in einer Badewanne gefunden. Laut offiziellen Angaben handelt es sich um Suizid, die Todesumstände werden jedoch immer wieder hinterfragt.

E Gladbecker Geiseldrama

Zwei Räuber überfallen am 16. August in Gladbeck eine Filiale der Deutschen Bank. Im Anschluss flüchten sie mit 300 000 D-Mark und Geiseln. Am 18. August beendet die Polizei die Geiselnahme auf der A 3 bei Bad Honnef. Während der beiden Tage töten die Täter zwei Geiseln, zudem stirbt ein Polizist bei einem Unfall. Während der Flucht führen Journalisten Interviews mit Geiseln und Verbrechern.

E Ende des Ersten Golfkrieges

Der 1980 vom Irak begonnene Erste Golfkrieg gegen den Iran endet am 20. August ohne Sieger mit einem Waffenstillstand.

E Graf im Tennisolymp

Die Tennisspielerin Steffi Graf gewinnt mit ihrem Sieg bei den US Open am 10. September gegen die Argentinierin Gabriela Sabatini als erste Deutsche und dritte Spielerin überhaupt alle vier Grand-Slam-Turniere.

E Tian′anmen-Massaker

Auf dem Tian′anmen-Platz (Platz des Himmlischen Friedens) in Peking schlägt das chinesische Militär am 4. Juni einen Volksaufstand nieder und damit seit Wochen dauernde Proteste überwiegend pro-demokratischer Studenten. Auf dem Platz selbst sterben keine Menschen, in anderen Teilen der Stadt kommen je nach Quelle zwischen mehreren Hundert und mehreren Tausend Personen ums Leben.

E Wir sind das Volk″

Die erste Montagsdemonstration mit 1200 Teilnehmern findet am 4. September in Leipzig statt. In den folgenden Monaten demonstrieren Woche für Woche Hunderttausende DDR-Bürger auch in weiteren Städten mit dem Ruf Wir sind das Volk″ gegen das SED-Regime, für Reisefreiheit und Demokratie. Die Demonstrationen sind Teil der friedlichen Revolution und enden im März 1990, als die ersten freien Volkskammerwahlen anstehen.

E Die Grenzen werden geöffnet

Mit den Worten Das tritt nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich! gibt Günter Schabowski, Sekretär für Informationswesen in der DDR, am 9. November auf einer Pressekonferenz bekannt, dass die Bürger der DDR von nun an direkt in die Bundesrepublik und nach West-Berlin reisen dürfen. Die Meldung löst noch am selben Abend einen Massenansturm auf die Grenze nach West-Berlin aus, was zur ungeplanten, historischen Öffnung der 1961 erbauten Mauer führt. Eigentlich sollten die Reiseregelungen erst ab dem 10. November gelten.

E Ende der Apartheid

Nach 27 Jahren in Gefangenschaft wird der südafrikanische Freiheitskämpfer Nelson Mandela am 11. Februar aus einem Gefängnis nahe Kapstadt freigelassen. Das Ereignis markiert den Anfang vom Ende der Apartheid, der staatlich organisierten Rassentrennung in Südafrika und der damit einhergehenden systematischen Unterdrückung der schwarzen Mehrheit durch die weiße Minderheit.

E Schengener Abkommen

Die Bundesrepublik, Frankreich und die Benelux-Staaten unterzeichnen am 19. Juni den Schengen-Vertrag. Zwischen diesen Ländern soll es keine Grenzkontrollen mehr geben. Die Regelungen treten 1995 in Kraft.

E Weltmeister in Italien

Die Bundesrepublik wird in Italien am 8. Juli zum dritten Mal Fußball-Weltmeister. Im Finale gewinnt das Team 1: 0 gegen Argentinien.

E Deutsche Einheit

Die Volkskammer, das Parlament der DDR, beschließt am 23. August den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik zum 3. Oktober. Letzteres Datum ist seitdem als Tag der Deutschen Einheit ein Nationalfeiertag.

E Zweiter Golfkrieg

Nachdem der Irak in den Monaten zuvor das benachbarte Kuwait angegriffen und annektiert hat, starten alliierte Truppen unter der Führung der USA am 17. Januar eine militärische Offensive. Am 5. März annulliert der Irak die Annexion Kuwaits.

E Von Bonn nach Berlin

Der Bundestag beschließt am 20. Juni die Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes von Bonn nach Berlin.

E Balkankonflikt

Eine am 26. Juni mit dem Zehn-Tage-Krieg in Slowenien und dem Kroatienkrieg beginnende Serie von Auseinandersetzungen in Jugoslawien läutet den Zerfall des Staates ein.

E Ende der Sowjetunion

Das Militärbündnis des Ostblocks, der Warschauer Pakt, wird am 1. Juli aufgelöst. Russland, die Ukraine und Weißrussland beschließen am 8. Dezember als letzte in der Sowjetunion verbliebene Staaten die Auflösung derselben. Es entstehen 15 unabhängige Staaten. Russland als größter wird Rechtsnachfolger.

E Mann vom Tisenjoch

Wanderer entdecken am 19. September in den Südtiroler Alpen die Gletschermumie Ötzi. Das Alter der Mumie beträgt rund 5250 Jahre.

E Angriffe in Hoyerswerda

Im sächsischen Hoyerswerda kommt es zwischen dem 17. und 23. September zu Ausschreitungen von Rechtsradikalen gegen Ausländer und Asylbewerber. 32 Menschen werden verletzt.

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Die Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner (von links) mit Geiseln im gekaperten Bus.
Berliner feiern am 22. Dezember 1989 auf der Mauer am Brandenburger Tor.

E Gründung der EU

In Maastricht unterzeichnen die Außen- und Finanzminister der zwölf Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft am 7. Februar den Vertrag über die Europäische Union. Darin beschließen sie auch die Einführung einer gemeinsamen Währung.

E Rechtsradikale Krawalle

Angesichts steigender Asylbewerberzahlen erreicht die Debatte über eine Verschärfung des Asylrechts im Laufe des Jahres ihren Höhepunkt. Parallel nimmt die Gewalt gegen Ausländer zu. In Rostock-Lichtenhagen randalieren vom 22. bis 26. August mehr als 1000 Rechtsradikale, werfen Molotowcocktails auf die Zentrale Aufnahmestelle und zünden ein Gebäude an, in dem vor allem Vietnamesen leben. Bei einem Brandanschlag in Mölln sterben am 23. November drei Türkinnen.

E Anschlag in New York

In New York verüben islamistische Terroristen des Netzwerkes Al-Kaida am 26. Februar einen Bombenanschlag auf das World Trade Center. Bei der Explosion in der Tiefgarage sterben sechs Menschen, 1000 werden verletzt.

E Änderung des Asylrechts

Der Bundestag beschließt am 26. Mai eine Verschärfung des Asylrechts. Demnach können Asylbewerber zurückgewiesen werden, wenn sie aus Ländern der europäischen Gemeinschaft oder aus einem anderen sicheren Herkunftsland kommen.

E Brandanschlag von Solingen

Bei einem Brandanschlag von Neonazis auf ein Zweifamilienhaus in Solingen sterben am 29. Mai fünf Türkinnen.

E Erstes Auslandsopfer

In Kambodscha kommt am 14. Oktober erstmals ein deutscher Bundeswehrsoldat bei einem UN-Auslandseinsatz ums Leben. Die Einheit war in der Hauptstadt Phnom Penh zur medizinischen Versorgung von UN-Personal im Einsatz.

E Völkermord in Ruanda

Bei einem Anschlag auf ein Flugzeug ermorden unbekannte Täter am 6. April den ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana. Das Staatsoberhaupt gehörte zur Volksgruppe der Hutu und galt gegenüber der verfeindeten Tutsi-Minderheit als kompromissbereit. In den Tagen nach dessen Tod lassen radikale Hutu-Soldaten den langjährigen Konflikt eskalieren und beginnen mit dem Völkermord an den Tutsis. Binnen 100 Tagen werden 800 000 bis eine Million Menschen ermordet. Etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit wird ausgelöscht.

E Kaufhauserpresser Dagobert

Die Polizei nimmt am 22. April in einer Berliner Telefonzelle Arno Funke fest, der in den Jahren zuvor als anonymer Kaufhauserpresser Dagobert bekannt wurde. 1988 erpresst Funke erfolgreich 500 000 D-Mark. Zwischen 1992 und 1994 misslingen mehrere Geldübergaben, weshalb er Anschläge auf Karstadt-Filialen verübt. Ernsthaft verletzt wird dabei niemand, er wird schließlich zu neun Jahren Haft verurteilt.

E Mandela wird Präsident

In Südafrika tritt am 27. April nach dem Ende der Apartheid eine neue Verfassung in Kraft. Sie garantiert allen Menschen unabhängig von der Hautfarbe Gleichberechtigung und das Wahlrecht. Bei den Wahlen am selben Tag gewinnt die Partei Nelson Mandelas, der am 10. Mai erster schwarzer Präsident des Landes wird.

E Freud und Leid in der Formel 1

Tödliches Formel-1-Wochenende im italienischen Imola: Am 30. April stirbt der Österreicher Roland Ratzenberger in der Qualifikation nach einem Unfall. Nur einen Tag später beim Rennen kommt der dreimalige Weltmeister Ayrton Senna aus Brasilien ums Leben ebenfalls bei einem Unfall. Danach wird die Sicherheit der Fahrer erhöht. Am Ende der Saison wird Michael Schumacher am 13. November erster deutscher Formel-1-Weltmeister.

E Schwulen-Paragraf entfernt

Nach einer Entscheidung des Bundestags verschwindet am 11. Juni der § 175 komplett aus dem Strafgesetzbuch. Er hatte ab 1871 sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe gestellt. Seit 1973 konnten noch sexuelle Handlungen zwischen einem Mann älter als 18 Jahren mit einem Mann jünger als 18 Jahren mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden.

E Eurotunnel

Der Eurotunnel zwischen Calais in Frankreich und Folkestone in England wird am 14. November für den Zugverkehr mit Passagieren freigegeben.

E Castortransporte

Der erste Castorbehälter mit radioaktiven Brennstäben erreicht am 25. April das Zwischenlager in Gorleben. Die Castortransporte werden seitdem von schweren Protesten begleitet.

E Verhüllter Reichstag

Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude verhüllt vom 24. Juni bis zum 7. Juli das Reichstagsgebäude in Berlin vollständig mit Silberfolie.

E Massaker von Srebrenica

Während des Bosnienkriegs ermorden in den Tagen nach dem 11. Juli bosnisch-serbische Milizen in der Gegend von Srebrenica mehr als 8000 überwiegend muslimische Bosniaken. Das Massaker von Srebrenica gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

E Anschläge in Frankreich

Am 25. Juli explodiert in einem Zug in Paris eine mit Splittern gefüllte Gasflasche. Acht Menschen sterben, mehr als hundert werden verletzt. Verantwortlich für diesen Anschlag und mindestens sieben weitere Anschlägein den folgenden Monaten ist die algerische islamistische Gruppe GIA.

E Reemtsma-Entführung

Der Hamburger Millionär Jan Philipp Reemtsma wird am 26. April nach 33 Tagen Gefangenschaft nach einer Lösegeldzahlung von 15 Millionen D-Mark und 12, 5 Millionen Schweizer Franken freigelassen. Der Haupttäter Thomas Drach wird 1998 in Argentinien verhaftet und in der Folge zu 14 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt.

E Klonschaf Dolly

In Schottland wird am 5. Juli das erste geklonte Säugetier der Welt geboren: Schaf Dolly. Dolly stirbt 2003 im Alter von sechs Jahren an einer Lungenkrankheit.

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Erster schwarzer Präsident von Südafrika: Die Partei von Nelson Mandela gewinnt die Wahl am selben Tag, an dem eine neue Verfassung allen Menschen das Wahlrecht garantiert.

Ein Text kann noch so gut geschrieben sein, er muss aber auch ansprechend präsentiert werden, um Resonanz zu finden. Bilder spielen dabei eine bedeutende Rolle. Was in der Branche längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist, ist im Verlag Neue Osnabrücker Zeitung ein Qualitätsversprechen an die Leserinnen und Leser: Zu den fest angestellten Mitarbeitern zählen vier Fotografen und ein neunköpfiges Team für bewegte Bilder. Wir haben die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Lieblingsbildern und den Geschichten gefragt, die dahinterstecken.

Bewegtbild-Team: Was macht eine Stadt aus? Neben der Architektur und Aushängeschildern wie Sportvereinen oder Prominenten vor allem die unterschiedlichen Menschen, die das Stadtbild prägen: Der Bettler aus der Fußgängerzone, die freundliche Ordensschwester, der tanzende Rollstuhlfahrer es gibt unzählige davon in jeder Stadt. Für die Serie Osnabrücker Charakterköpfe″ hat das Videoteam der Neuen OZ es sich zur Aufgabe gemacht, diese Menschen ausfindig zu machen und zu porträtieren. Einer von ihnen ist Ali Metin (Foto unten links). Seit knapp 30 Jahren betreibt er einen Döner-Imbiss am Kamp in Osnabrück.

Wer von Alis Döner nicht überzeugt ist, wird es auf jeden Fall von seiner herzlichen Art sein, seine Gäste zu begrüßen. Die Herausforderung, die Protagonisten im Video so natürlich einzufangen, wie sie im Alltag sind, war bei Ali schnell gemeistert. Mit diesen Menschen in Kontakt zu treten und sie ihre Geschichten erzählen zu lassen bereitet dem Videoteam immer wieder große Freude und augenscheinlich auch unseren Nutzern, denn mittlerweile ist die Serie vielen Osnabrückern bekannt.

Michael Gründel, Fotograf, seit 2013 bei der Neuen OZ: Steigt der Reiter vom Pferd, nennt man das in der Fachsprache Absitzen. Für den jungen Mann auf dem Foto hat der Begriff eine doppelte Bedeutung. 2014 bei Horses & Dreams in Hagen, dem großen Reitsport-Event im Osnabrücker Land, saß dieser Profisportler in voller Montur die Zeit auf einer Couch ab. Irgendwo im Catering-Bereich des weitläufigen Geländes. Ganz abschalten konnte er offenbar nicht. Die Lektüre, mit der er es sich gemütlich gemacht hatte, war schließlich ein Reitmagazin. Was er vorher oder nachher machte, ob er zum Beispiel gerade erst an einer Reitprüfung teilnahm, kann ich nicht sagen. Es ist ein Schnappschuss. Im Vorbeigehen entstanden. Es zeigt eine Welt, die für mich gänzlich neu war, als ich vor ein paar Jahren in die Gegend zog. Denn da, wo ich herkomme, ist die Leidenschaft für das Pferd längst nicht so stark wie hier.

Gert Westdörp, Leiter Fotografie, seit 1981 bei der Neuen OZ: Dem jungen Ehepaar W. Schulte in den Bäumen wurden Drillinge beschert, und zwar sind alle drei Knaben. Die ganze Gemeinde Erpen nimmt Anteil an diesem seltenen Ereignis.″ So berichtete die Zeitung schon bei der Geburt über die Drillinge Ludwig, Walter und Robert Schulte in den Bäumen. Der 44. Geburtstag der Drillinge war der Anlass, die Brüder im Februar 1988 noch einmal zu besuchen. Die drei hatten viele Gemeinsamkeiten. Unter anderem waren sie leidenschaftliche Doppelkopf-Spieler. Und so habe ich ein Foto beim Kartenspielen gemacht, das dann in der Zeitung stand. Was sie aber alle noch viel länger begeisterte, war das Schützenwesen. Mit sechs Jahren trugen sie zum ersten Mal stolz die Fahne des Erpener Schützenvereins. Deshalb lag es nahe, die drei mit einem Gewehr in der Hand zu porträtieren. Dieses Foto hat mich, der ich selbst einen Zwillingsbruder habe, immer fasziniert, da es zugleich die Ähnlichkeiten wie auch die Unterschiede von Mehrlingen zeigt.

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Die Drillinge Ludwig, Walter und Robert Schulte in den Bäumen (von links) im Jahre 1988.
Abgesessen: 2014 entstand dieser Schnappschuss in Hagen beim Pferdesportfestival Horses & Dreams.
Das Bewegtbild-Team mit Elena Tackenberg, Tobias Saalschmidt, Johannes Zenker, Benjamin Beutler, Felix Dittmar, Anna Eberding sowie (unten von links) Selina Dey, Nils Elixmann, Carina Jannaber porträtierte Ali Metin (unten).

Die Vielfältigkeit des Fotografenberufs drückt sich in den Bildern aus, die die Fotografen David Ebener und Jörn Martens, gefragt nach ihren Lieblingsfotos, ausgewählt haben. Von wiederholbaren Motiven und den wenigen Sekunden, auf die es oft ankommt.

David Ebener, Fotograf, seit 2015 bei der Neuen OZ: Im Frühjahr 2015 bekam ich den Auftrag, die Überführung des Kreuzfahrtschiffes Anthem of the Seas″ zu fotografieren. Dazu fuhr ich zur Friesenbrücke bei Weener im Landkreis Leer. Dann begann stundenlanges, langweiliges Warten. Da dümpelte das Schiff auf der Ems vor sich hin, und es tat sich nichts. Das Fotografenleben besteht oft aus Warten ein Stressfaktor, denn schließlich kommt es darauf an, im richtigen Moment präsent zu sein, um dem perfekten Bild ganz nah zu kommen. Die Umstände kann man nicht planen, sie sind gegeben. Im Kopf beginnt dann die Suche nach der besten Perspektive und der besten Kameraeinstellung. Ich nahm den Blitz von der Kamera und richtete ihn auf das Räderwerk der Emsbrücke, die bei der Überführung von Kreuzfahrtschiffen angehoben wird. So kam es zum aufgehellten Vordergrund, der die eindrucksvolle Silhouette des größten in Deutschland gebauten Passagierschiffs betont. Dass einige Monate später ein Frachter gegen die geschlossene Eisenbahnbrücke donnern würde, für die nun nur noch ein Neubau infrage kommt, konnte ich da noch nicht ahnen.

Jörn Martens, Fotograf, seit 1986 bei der Neuen OZ: Ich war im Jahr 2012 auf der Osnabrücker Hochzeitsmesse. Beim Sammeln von Impressionen für eine Reportage beobachtete ich an einem Stand für Brautmoden, wie eine Verkäuferin einer künftigen Braut mehrere Schleier zeigte. Der Moment war eigentlich schon vorbei, aber das Lächeln der Braut und die fließende Bewegung des Schleiers veranlassten mich, die beiden zu fragen, ob sie die Aktion für ein Foto wiederholen könnten. Das haben sie getan, und das Ergebnis ist diese schöne Kombination aus eingefrorener Bewegung und freudiger Erwartung. Die Braut ist halb verhüllt, und trotzdem ist das Wesentliche sichtbar. Einfach schön!

Bildtexte:
Ein Hauch von Schleier legt sich über die künftige Braut.
Das Kreuzfahrtschiff Anthem of the Seas″ passiert die Friesenbrücke zur Nordsee.

Bild und Text: Einheit mit Botschaft

Ein Bild und ein Text sollten dieselbe Botschaft haben, damit sich dem Betrachter die Idee des Beitrags unmittelbar erschließt. So wird aus einem Text und einem Foto ein Ganzes. Ob ein Foto rein dokumentarisch ist oder symbolisch über ein spannendes Motiv die Idee des Beitrags vermittelt, hängt vom Anlass ab. Ein Foto von einem Brand zum Beispiel wird immer dokumentarisch sein. Der Fotograf greift nicht ein, sondern bildet ab, was ist. Anders kann es beispielsweise bei der Ankündigung von Veranstaltungen sein. Der Fotograf versucht, über ein spannendes Motiv auszudrücken, worum es bei der Veranstaltung geht. Da kann die Entscheidung auch mal gegen das Gruppenfoto der Veranstalter fallen. Ein gutes Bild kann harmonisch sein, es kann spannend sein, und es kann dem Betrachter auch mal Rätsel aufgeben, damit er verweilt. Spannend wirken Bilder immer dann, wenn die Perspektive von der abweicht, wie wir die Welt gewöhnlich sehen.

Meine Zeitung und ich

50 Jahre NOZ ist auch meine ganz große Geschichte. Am 31. Dezember 1967 wurde ich von einem jungen Mann versetzt, der eigentlich mit mir Silvester feiern wollte. Er hatte mir zum 21. Geburtstag noch 21 rote Rosen geschenkt. Traurig las ich morgens die Zeitung. Meine Mutter sah mich und meinte: Schau doch einmal bei den Anzeigen, ob nicht jemand gerne feiert und noch für den heutigen Abend eine Dame sucht.′ Ich lachte sie aus, tat es aber doch. Und siehe da, da stand folgende Anzeige: Drei junge Studenten suchen junge Damen für eine Silvesterparty′ mit Telefonnummer. Ich wählte mir die Finger wund mit rasendem Herzschlag. Was sage ich, wenn sich nun einer der drei meldete? Dann hörte ich: Hallo hier spricht Wolf Lücker, und wer sind Sie? Wir vereinbarten ein Treffen. Dann stand er vor mir, und es folgte eine nette Unterhaltung. Abends in einer Privatwohnung angekommen, öffnete sich die Tür, und es standen zwei weitere Herren dort. Wir hatten einen tollen Abend. Ich tanzte den ganzen Abend nur mit Wolf, und das ist geblieben bis zum heutigen Tag. Am 31. Dezember 2017 kennen wir uns durch die NOZ 50 Jahre und sind seit 44 Jahren verheiratet. Das war die Partnervermittlung vor 50 Jahren.″

Brigitte Lücker
Bissendorf

Foto:
Claudia Sarrazin

Zum Glück wird der Raum Osnabrück-Emsland nur selten von Naturkatastrophen heimgesucht, sind Hochwasser und Wirbelstürme nicht an der Tagesordnung. Und eigentlich ist auch ein heftiger Wintereinbruch im November im norddeutschen Flachland kein Thema.

Eigentlich, denn am 25. November 2005 wird die Region eines Besseren belehrt. Eine außergewöhnliche Wetterlage, ein Niederschlagsgebiet, das sich über dem Nordwesten festsetzt, führt dazu, dass es stundenlang schneit so heftig wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Gleichzeitig fallen die Temperaturen in Bodennähe unter den Gefrierpunkt. Die Schneemassen bleiben liegen, werden vom stürmischen Wind zu unüberwindbaren Hürden verweht. Als Folge landen Autos im Straßengraben, bleiben Busse stecken, stellen die Stadtwerke an diesem Freitag vor dem ersten Advent schließlich den Linienbusbetrieb ein.

Mehr als vom Verkehrschaos sind viele Menschen von Stromausfällen betroffen. Durch den schweren und nassen Schnee knicken Hochspannungsmasten ab. Etliche Überlandleitungen die Lebensadern der modernen Industriegesellschaft reißen oder schwingen und lösen Kurzschlüsse aus. In Osnabrück sind ganze Stadtteile ab dem frühen Nachmittag wiederholt ohne elektrische Energie. In der Innenstadt spielen sich gespenstische Szenen ab. Hochhäuser, gerade noch hell erleuchtet, ragen als dunkle Mahnmale in den Abendhimmel. In den Geschäften glimmt nur noch die Notbeleuchtung, die Kassensysteme funktionieren nicht mehr. Dramatisch ist die Situation im Klinikum: Zeitweise ist die ärztliche Versorgung der Patienten in Gefahr, weil das hauseigene Notstromaggregat Probleme macht. Allein die Osnabrücker Feuerwehr rückt zu 275 Einsätzen aus.

Gerechnet hat niemand mit diesem Wintereinbruch. Auch Redaktion, Technik und Vertrieb der Neuen OZ werden überrascht. In der normalen Freitagsgeschäftigkeit merkt kaum einer, dass es immer stärker schneit. Im Gegenteil: Viele freuen sich, dass eine winterliche Stimmung den ersten Advent versüßt.

Papierbahnen reißen

Die Kollegen im Druckzentrum an der Weißen Breite sind ab 13 Uhr die Ersten, die den Ernst der Lage erkennen. Aufgrund der Stromschwankungen schalten sich Rechner und Rotation immer wieder ab. Um kurz nach 16 Uhr stoppt die Produktion im DZO. Die empfindlichen Papierbahnen auf den Druckmaschinen sind bei den fortlaufenden automatischen Abschaltungen wieder einmal gerissen mit gravierenden Folgen. Metergroße Papierfetzen stecken zwischen den tonnenschweren Druckzylindern. Das aufwendige Säubern der Anlage frisst unbarmherzig Zeit.

Telefonieren ist zeitweise unmöglich. Ohne Strom keine Kommunikation. Egal, ob über Festnetz oder Handy nichts geht. Längst herrscht auch in der Redaktion am Breiten Gang in Osnabrück Alarmstufe Rot. Durch die ständigen Stromausfälle stürzen in den Büros ebenso oft die Rechner ab, nicht abgespeicherte Artikel gehen verloren. Es wird eng, viele Texte sind noch nicht fertiggestellt, viele Bilder noch nicht auf die Seiten geladen. Nervös nutzen die Redakteure jede Minute mit Elektrizität. Um kurz nach 17 Uhr bleibt der Strom für 35 Minuten weg. Die Zeit steht still. Zum Glück fällt anschließend in der Innenstadt der Strom nicht mehr aus. Um 22.40 Uhr ist in der Lokalredaktion der letzte Titel gemacht. Die ganze Stadt vom Schneesturm kalt erwischt″ ist am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen.

Im DZO kann erst um kurz vor 1 Uhr der Druck der aktuellen Ausgabe beginnen. Normal ist 22.30 Uhr. Am östlichen Stadtrand kommt es noch immer zu Stromausfällen. Die gesamte Mannschaft in der Druckerei und im Versandraum rackert, was das Zeug hält. Erst um 7.23 Uhr läuft das letzte Zeitungsexemplar der Nachtproduktion vom Band. Es ist eine Ausgabe des Wittlager Kreisblattes. Die Helden des Tages sind derweil längst unterwegs: Die Zeitungszustellerinnen und - zusteller kämpfen sich durch Schneewehen zu den Briefkästen. Die Masse der Abonnenten erhält die Wochendausgabe. Die Freude über das Erreichte weicht der Trauer über einen Todesfall. Beim Ausliefern der Zeitung ist ein Speditionsfahrzeug verunglückt. Eine 44-jährige Frau kommt dabei ums Leben.

Anders als beim Schneechaos im November 2005 sagen die Meteorologen knapp 14 Monate später Kyrill und seine Zerstörungskraft präzise vorher. Die Menschen sind gut vorbereitet, als der von den Britischen Inseln heranziehende Orkan am 18. Januar 2007 Nordwestdeutschland großflächig und mit Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde und mehr heimsucht. Ganze Wälder fallen wirbelsturmartigen Böen zum Opfer.

Bäume werden abgedreht

Die Bäume werden schlichtweg abgedreht und stürzen um. Die Aufforstungsarbeiten dauern Jahre. Etliche Waldgebiete dürfen monatelang nicht betreten werden. Aus der Luft betrachtet, sehen ehemalige Naherholungsgebiete wie zum Beispiel der Hüggel in Hasbergen plötzlich aus, als hätten Riesen hier Mikado gespielt.

Auch dieses Mal gibt es Stromschwankungen und punktuell auch - ausfälle. Produktion und Auslieferung der Tageszeitung sind nicht ernsthaft gefährdet. Am Freitag, 19. Januar, erscheint planmäßig die Neue OZ wie an jedem Tag in ihrer 50-jährigen Geschichte.

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Binnen weniger Stunden fielen am 25. November 2006 mehr als 30 Zentimeter Schnee. Eine Folge: Am Osnabrücker Hauptbahnhof (Bild) strandeten zahlreiche Reisende und mussten die Nacht im Hotel oder in Notunterkünften verbringen.
Mit unglaublicher Zerstörungskraft zog Kyrill am 18. Januar 2007 auch über die Stadt Osnabrück. Wie hier im Heger Holz fielen ganze Waldgebiete dem Orkan zum Opferr. Die Bäumen wurden nicht entwurzelt, sondern abgeknickt.

Bilanz Schneechaos

Vom Schneechaos 2005 ist besonders stark das westliche Münsterland betroffen. Während es in Osnabrück nur zu kurzzeitigen Stromausfällen kommt, sind in den Kreisen Steinfurt und Borken etliche Siedlungen tagelang ohne elektrische Energie insgesamt 250 000 Menschen in 25 Kommunen. Rund 50 Hochspannungsmasten knicken unter der Schneelast ab. Die Reparaturarbeiten dauern mehrere Wochen. Die Gesamtschäden werden mit 100 Millionen Euro beziffert. Am 25. November 2005 bricht der Straßen- und Bahnverkehr im Nordwesten streckenweise völlig zusammen. Es gibt 2000 Unfälle mit 140 Verletzten.

Bilanz Orkan Kyrill

Allein in Deutschland fordert der Orkan Kyrill am 18. Januar 2007 13 Todesopfer. Am Abend stellt die Bahn erstmals den kompletten Fernverkehr ein. Die Versicherungswirtschaft muss bundesweit Schäden in Höhe von 2, 4 Milliarden Euro begleichen. In den deutschen Wäldern fallen rund 37 Millionen Festmeter Holz dem Orkan zum Opfer. In Osnabrück und den Umlandgemeinden sind es schätzungsweise 350 000 bis 400 000 Festmeter. Der finanzielle Schaden für die Waldbesitzer beläuft sich allein hier auf 15 bis 20 Millionen Euro. Mehrere schwere Orkane prägen die Dekade, allen voran Lothar, der am 26. Dezember 1999 wütet.

E Oderhochwasser

Ab dem 10. Juli lassen starke Regenfälle die Oder über die Ufer treten. Zunächst werden weite Teile Südpolens und Tschechiens überflutet, am 23. Juli brechen in Brandenburg die ersten Deiche. Drei Wochen lang kämpfen Bevölkerung, Bundeswehr und Technisches Hilfswerk gegen das Hochwasser. In Deutschland entstehen Schäden in Höhe von 330 Millionen Euro.

E Ullrich gewinnt die Tour

Jan Ullrich gewinnt als erster Deutscher am 27. Juli die Tour de France. Er ist mit 23 Jahren einer der jüngsten Sieger des härtesten Radrennens der Welt.

E Trauer um Lady Di

Die 36-jährige Prinzessin Diana stirbt in der Nacht zum 31. August bei einem Autounfall in Paris. Die Anteilnahme für die beliebte Ex-Frau des britischen Thronfolgers Charles ist weltweit groß. An der Beisetzungszeremonie in London nehmen am 6. September etwa drei Millionen Menschen teil.

E Trauer um Mutter Teresa

Im Alter von 87 Jahren stirbt am 5. September die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa im indischen Kalkutta.

E Kyoto-Protokoll

Die Industrieländer verpflichten sich am 11. Dezember im japanischen Kyoto dazu, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um insgesamt 5, 2 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken.

E ICE-Unglück von Eschede

Bei Eschede in Niedersachsen entgleist aufgrund eines defekten Radreifens am 3. Juni ein ICE und reißt eine Straßenbrücke ein. 101 Menschen kommen ums Leben, 88 werden schwer verletzt.

E Lewinsky-Affäre

US-Präsident Bill Clinton räumt am 17. August nach monatelangem Abstreiten ein, dass er eine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky hatte. Ein Amtsenthebungsverfahren wegen Meineids scheitert am 12. Februar des folgenden Jahres.

E Rot-Grün beendet Ära Kohl

Die Bundestagswahlen am 27. September führen zum Ende der 16 Jahre dauernden Amtszeit von Kanzler Helmut Kohl (CDU). Sein Nachfolger wird SPD-Kandidat Gerhard Schröder in einer Koalition mit den Grünen.

E Kosovokrieg

Truppen der Nato beginnen am 24. März damit, ohne UN-Mandat Jugoslawien zu bombardieren. Ziel der Luftangriffe ist es, die serbischen Truppen zum Rückzug aus dem Kosovo zu zwingen, um serbische Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Am 9. Juni einigen sich die Nato und Jugoslawien auf einen Abzug der serbischen Soldaten und die Stationierung einer Friedenstruppe.

E Amoklauf in Columbine

Zwei Jugendliche töten am 20. April an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado einen Lehrer und zwölf Schüler. Weitere 24 Personen werden verletzt, die Täter erschießen sich selbst. Als Motiv werden unter anderem Rachegelüste wegen sozialer Ausgrenzung vermutet.

E Totale Sonnenfinsternis

Eine totale Sonnenfinsternis über Mitteleuropa fasziniert am 11. August Millionen Menschen. In Deutschland sind die empfohlenen Schutzbrillen vorzeitig ausverkauft.

E CDU-Spendenaffäre

Der frühere Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Helmut Kohl räumt am 16. Dezember ein, dass er zwischen 1993 und 1998 illegale Parteispenden angenommen und an die CDU weitergegeben habe. Es handelt sich um insgesamt 2, 1 Millionen D-Mark. Die Namen der Spender nennt Kohl nicht. Er habe ihnen sein Ehrenwort gegeben.

E Absturz der Concorde

Eine Concorde stürzt am 25. Juli kurz nach dem Start am Pariser Flughafen Charles de Gaulle ab. 113 Personen kommen ums Leben. Schuld ist eine Kettenreaktion, die von einem geplatzten Reifen ausgelöst wird. Air France stellt daraufhin den Flugbetrieb des Überschall-Passagierflug-
zeuges ein, das die Strecke London–New York in dreieinhalb Stunden zurückgelegt hat. Zwischen 2001 und 2003 fliegt die Concorde wieder, danach wird der Betrieb wegen hoher Kosten und geringer Nachfrage endgültig beendet.

E Internationale Raumstation

Am 2. November zieht die erste Langzeitbesatzung auf der Internationalen Raumstation ein. Seitdem ist die ISS dauerhaft von Astronauten bewohnt. Sie umkreist die Erde in rund 400 Kilometern Höhe.

E Frauen in der Bundeswehr

Seit dem 2. Januar dürfen Frauen in der Bundeswehr auch an der Waffe dienen. Zuvor stand ihnen nur der Musik- und Sanitätsdienst offen. Heute beträgt der Frauenanteil in der Bundeswehr knapp zwölf Prozent.

E Anschläge am 11. September

19 Mitglieder der islamistischen Terrororganisation Al-Kaida entführen am 11. September vier Flugzeuge. Zwei davon lenken die Täter in die Türme des World Trade Centers in New York, das kurz darauf einstürzt. Ein weiteres stürzt ins amerikanische Verteidigungsministerium, das Pentagon. Die vierte Maschine lassen die Entführer nach Kämpfen mit Passagieren über Pennsylvania abstürzen. Insgesamt sterben etwa 3000 Menschen. Für Al-Kaida und ihren Anführer Osama bin Laden sind die USA, vor allem als Unterstützer Israels, ein Feind der islamischen Welt.

E Krieg in Afghanistan

Die USA unter Präsident George W. Bush und Verbündete beginnen am 7. Oktober damit, Afghanistan zu bombardieren, weil sich die Taliban-Regierung weigert, Osama bin Laden, den damals noch mutmaßlichen Urheber der Anschläge vom 11. September, auszuliefern. Bis zum Jahresende stürzt die Koalition zusammen mit afghanischen Milizen das Regime. Am 4. Dezember wird Hamid Karzai zum Präsidenten der Übergangsregierung ernannt. Der Bundestag beschließt am 22. Dezember, Soldaten zur Stabilisierung Afghanistans zu entsenden.

E Der PISA-Schock

Die OECD stellt am 4. Dezember die Ergebnisse der ersten PISA-Studie vor, bei der 250 000 Schüler aus 32 Staaten ihre Fähigkeiten in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften unter Beweis gestellt haben. Deutschland landet auf Platz 25. Das Ergebnis löst heftige Diskussionen über die richtige Bildungspolitik aus.

Bildtexte:
Trauer über den Tod von Lady Diana: Am Kensington-Palast in London legten viele Menschen Blumen ab.
Bilder, die die Welt nicht vergessen wird: Flugzeuge treffen die Twin Towers des World Trade Centers in New York.

E Nun heißt es umrechnen

Der Euro wird am 1. Januar in zwölf Ländern der Europäischen Union sowie in Andorra, Monaco, Montenegro, San Marino und dem Vatikan als offizielles Zahlungsmittel eingeführt. In Deutschland löst der Euro die D-Mark ab.

E Amoklauf von Erfurt

Ein 19-Jähriger erschießt am 26. April am Erfurter Gutenberg-Gymnasium elf Lehrer, eine Referendarin, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten. Anschließend tötet er sich selbst. Der Täter war ein halbes Jahr vorher wegen Urkundenfälschung von der Schule geworfen worden.

E Die große Flut

Ab dem 10. August kommt es wegen starker Regenfälle zu schweren Überschwemmungen in Österreich, Tschechien und Deutschland. Sachsen trifft es hierzulande wegen der überlaufenden Elbe und ihren Nebenflüsse am schlimmsten. In Deutschland sterben 21 Menschen, es entstehen Sachschäden von rund neun Milliarden Euro.

E Angst vor SARS-Pandemie

Die Weltgesundheitsorganisation schlägt am 12. März Alarm und warnt vor dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS). Von Südchina ausgehend, verbreitet sich die Krankheit binnen weniger Wochen über nahezu alle Kontinente und fordert innerhalb eines halben Jahres knapp 1000 Menschenleben.

E Agenda 2010

Kanzler Gerhard Schröder (SPD) stellt am 14. März im Bundestag die Agenda 2010 vor. Das Programm sieht unter anderem Kürzungen des Sozialstaates und eine Reform des Arbeitsmarktes vor. Die Agenda 2010 führt ab 1. Januar 2005 auch zur Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II, besser bekannt als Hartz IV. Teile seiner Partei sind dagegen, zudem kommt es im Jahr darauf immer wieder zu Demonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmern gegen die Hartz-IV-Gesetze.

E Der Irakkrieg

Eine Koalition unter Führung der USA und Großbritanniens beginnt am 20. März ohne UN-Mandat mit der Bombardierung Bagdads. Am 9. April nehmen Bodentruppen die irakische Hauptstadt ein, und Präsident Saddam Hussein flieht. Die Invasion gilt als völkerrechtswidrig und geht auf die widerlegte Behauptung der USA zurück, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besessen und Al-Kaida unterstützt habe. Deutschland und Frankreich kritisieren den Einsatz von Anfang an.

E Facebook wird gegründet

Der Student Mark Zuckerberg startet am 4. Februar das soziale Netzwerk Facebook. Ursprünglich soll es nur ihm und seinen Kommilitonen an der Universi-
tät Harvard zur Kommunikation dienen.

E Madrider Zuganschläge

Drei Tage vor den spanischen Parlamentswahlen verüben islamistische Terroristen am 11. März zehn Bombenanschläge in Waggons der Madrider S-Bahn. 191 Menschen sterben, mehr
als 2000 werden verletzt. Am
3. April sprengt sich der mutmaßliche Rädelsführer bei einer Razzia in einem Vorort von Madrid in die Luft und reißt dabei Komplizen mit in den Tod. Grund für die Anschläge soll die spanische Beteiligung am Irakkrieg sein.

E Tsunami an Weihnachten

Aufgrund eines Erdbebens der Stärke 9, 1 auf der Richterskala bildet sich am 26. Dezember im Indischen Ozean eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle. Der Tsunami verwüstet Teile Indiens, Sri Lankas, Thailands, Malaysias und vor allem Indonesiens. Es kommen etwa 230 000 Menschen ums Leben, Millionen werden obdachlos.

E Habemus papam

Papst Johannes Paul II. stirbt am 2. April im Alter von 84 Jahren nach 26-jährigem Pontifikat in der Vatikanstadt. Er amtierte am zweitlängsten in der Kirchengeschichte. Am 19. April wird der deutsche Joseph Ratzinger vom Konklave, der Wahlversammlung der Kardinäle, zum neuen Papst Benedikt XVI. gewählt.

E Holocaust-Mahnmal

In der Nähe des Brandenburger Tores in Berlin wird am 10. Mai das Holocaust-Mahnmal des Architekten Peter Eisenman eingeweiht. Das Mahnmal besteht aus 2711 Stelen und erinnert an die rund sechs Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

E Terror in London

Islamistische Selbstmordattentäter sprengen sich am 7. Juli in drei U-Bahn-Zügen und einem Doppeldeckerbus in der britischen Hauptstadt London in die Luft. Sie töten 52 Menschen, mehr als 700 werden verletzt. In vorher aufgezeichneten Video-Botschaften kündigen die Täter an, die Feinde des Islams bekriegen zu wollen.

E Hurrikan Katrina

Der Hurrikan Katrina trifft am 29. August auf die US-Bundesstaaten Louisiana und Mississippi. Besonders betroffen ist die Stadt New Orleans, die größtenteils überschwemmt wird. Rund 1800 Menschen sterben direkt oder an den Folgen, es entstehen Schäden in Höhe von 108 Milliarden US-Dollar.

E Merkel kommt an die Macht

Angela Merkel (CDU) wird am 22. November vom Bundestag zur ersten Bundeskanzlerin in der Geschichte Deutschlands gewählt. Sie ist Regierungschefin einer Großen Koalition aus CDU/ CSU und SPD.

E Das Sommermärchen

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land nach einem 3: 0-Sieg gegen Portugal am 8. Juli Dritter. Die Begeisterung rund um das Großereignis ist so gewaltig und die Außendarstellung Deutschlands so positiv, dass es als Sommermärchen bezeichnet wird.

E Amoklauf von Emsdetten

Ein 18-Jähriger betritt am 20. November das Gelände seiner ehemaligen Schule, der Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten, schießt um sich und zündet Rohr-, Rauch- sowie Brandbomben. Anschließend begeht er Suizid. Sechs Menschen werden verletzt. Als Motiv nennen die Ermittler jahrelanges Mobbing gegen den Täter.

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Tschüss, D-Mark: Ab sofort wird in Euro bezahlt, der am 1. Januar 2002 eingeführt wird.
Ein Fischerboot liegt nach dem Tsunami im Fischerdorf Bam Nam Khem angespült an Land.
Der neu gewählte Papst Benedikt XVI. grüßt die Gläubigen vom Balkon des Petersdoms im Vatikan.

Nun, Till ist äußerlich dem natürlichen Alterungsprozess entzogen, doch die ewige Jugend hat er nicht im Gen. Till kommt nicht als Jugendlicher daher, sondern als Herr reiferen Alters, der, je nach Gemütslage, täglich auf der ersten Lokalseite der Neuen Osnabrücker Zeitung oben links gütig lächelt, zornig die Stirn in Falten legt, amüsiert eine Leserzuschrift liest, nachdenklich den Kopf kratzt oder sich traurig die Tränen trocknet. Vielleicht haben Sie es ja noch gar nicht bemerkt: Ja, Till hat fünf verschiedene Gesichter.

Seine Launen sind wechselhaft, nicht aber seine Accessoires: Schirm, Fliege und Pfeife. Sie sehen daran, Till entstammt einer Zeit, als Raucher sich noch nicht ihrer Schwäche schämen mussten.

Der Zweite Weltkrieg war vier Jahre vorbei, als der Journalist und Schriftsteller Bernhard Schulz (Jahrgang 1913) eine Kunstfigur ersann, der er den Namen Till gab. Schulz war 1945 nach der Kriegsgefangenschaft auf Vermittlung eines Kameraden nach Osnabrück gekommen und schrieb für das Neue Tageblatt″, damals die einzige Zeitung in der vom Krieg gezeichneten Stadt.

Für seine regelmäßigen Kolumnen gab er sich das Pseudonym Till natürlich in Anspielung auf Till Eulenspiegel. Der Name war Programm: Till durfte und sollte in der Zeitung aus dem Verlagshaus Fromm den Hofnarren geben, dem es erlaubt war, auch den Honoratioren offen die Wahrheit zu sagen, ohne Strafe fürchten zu müssen. Vor allem aber hörte er den Menschen zu und erzählte von großen und kleinen Leuten, den Freuden und Ärgernissen des Alltags. Immer mit einer Prise Humor, einem Augenzwinkern und, wenn es sein musste, auch mal mit erhobenem Zeigefinger.

Bernhard Schulz wechselte später ins Feuilleton der Zeitung, die 1950 in Neue Tagespost″ umbenannt wurde, um Verwechselungen mit dem Osnabrücker Tageblatt″ aus dem Hause Meinders & Eltermann zu vermeiden. Till aber blieb in der Lokalredaktion. Gustav Lübbe (ja, der spätere Buchverleger), Helmut Thieves und Rudolf Schachtebeck schlüpften in Tills Rolle.

Bis Anfang der Sechzigerjahre war dieser Till noch ohne Gesicht und Gestalt. In der ersten Ausgabe des Jahres 1963 trat der Till, wie wir ihn heute kennen, ins Leben der Leserschaft. Seit dem 2. Januar 1963 steht ihm die herausgehobene Position auf der ersten Lokalseite zu. Jeden Tag oben links grob geschätzt 15 000-mal seit der Premiere 1963. Till hat es selbst einmal geschrieben, wie stolz und glücklich er ist, dass der große Karikaturist Fritz Wolf höchstpersönlich ihn gezeichnet hat. Wer kann das schon von sich behaupten?

Es gab eine Phase, da hatte Till einen Kollegen an seiner Seite. Willibald hieß er. Ältere Zeitungsleser, die sich dem Osnabrücker Tageblatt″ verbunden fühlten, werden sich gewiss an den Herrn mit dem gelichteten Haar, mit Brille und Zigarre zwischen den Fingern erinnern, der schon seit 1955 täglich zur Feder griff. Willibald und Till zwei Wortgewaltige, die, jeder an seiner Stelle, täglich Stoff für das Stadtgespräch lieferten anfangs konkurrierend, ab 1967 partnerschaftlich im Team.

Mit der Fusion der Neuen Tagespost″ und des Osnabrücker Tageblatts″ am 2. Oktober 1967 teilten sich Willibald und Till fortan die Arbeit. Täglich wechselten sich die beiden ab. Wir sehen: Jobsharing ist keine Erfindung unserer Zeit. Hans Wolfgang Kindervater, Chef vom Dienst des Tageblatts″, schrieb den Willibald, Rudolf Schachtebeck, Lokalchef der Tagespost″, lieh Till seine Stimme. Wir wollen den Menschen einen freundlichen Einstieg in den Tag bieten″, erinnerte sich Rudolf Schachtebeck einmal.

Hans Wolfgang Kindervater war nicht nur führender Kopf des Tageblatts″, er machte sich auch außerhalb der Redaktion für die Stadt und die städtische Gemeinschaft stark. Der Ossensamstag zum Beispiel, der große Karnevalsumzug in Osnabrück, wäre ohne das Engagement Kindervaters wohl nie in Bewegung gekommen.

Als Kindervater 1978 eine andere Aufgabe im Verlag übernahm, verließ auch Willibald die Lokalredaktion. Am 28. Februar 1978 verabschiedete sich Willibald von seinen treuen Lesern: Viele, viele Kümmernisse haben wir gemeinsam aus dem Weg geräumt. Zusammen haben wir erlebt, wie sich Osnabrück in über zwei Jahrzehnten veränderte.″ Willibald habe in den 23 Jahren seiner Existenz auch Kritik geerntet und Verärgerungen ausgelöst, schrieb Willibald, alias Hans Wolfgang Kindervater Mehr aber erlebte ich die Genugtuung, anderen Anregung gegeben und geholfen zu haben″, so Willibald, der mit den Worten schloss: Es waren schöne Jahre.″ Aus dem Duo Willibald/ Till wurde ein Solo und Till zum Markenzeichen der Neuen Osnabrücker Zeitung″ in Osnabrück. Was nur wenige Leser je bemerkten: Grundsätzlich begann Till seine Kolumne mit dem eigenen Namen. Till hat..., Till will..., Till las..., Till hörte. Erst 2004 legte er diese Marotte ab.

Und: Till schreibt immer in der dritten Person. Dieser Kunstgriff macht es möglich, dass Till das Leben in der Stadt aus vielen Perspektiven betrachten kann: als Familienvater oder Junggeselle, als Raucher oder Nichtraucher, als Hausbesitzer oder Mieter, Kleingärtner oder Balkongriller, Hundehalter oder Katzenfreund.

Als Internet und E-Mails noch nicht erfunden waren, war das Telefon Tills wichtigstes Arbeitsgerät. Täglich riefen Leser an und baten um ein Gespräch mit Till. An Till, Neue Osnabrücker Zeitung″ adressierte Briefe und Postkarten landeten jeden Tag im Posteingang der Redaktion. Und weil die Redaktionsstube damals noch sehr zentral an der Großen Straße lag, suchten viele Leser gern auch persönlich den Kolumnenschreiber auf und wunderten sich, dass ihnen nicht ein kahlköpfiger Mann mit Pfeife gegenüberstand. Wir lüften hier an dieser Stelle ein offenes Geheimnis: Einen Till aus Fleisch und Blut gibt es (leider) nicht. In der Lokalredaktion ist jeder ein bisschen Till.

Till hat in den vergangenen Jahren einige Kolleginnen und Kollegen dazubekommen. Was er in Osnabrück ist, ist Else in Melle oder der Tuchmacher in Bramsche. Sie sind die Titelfiguren in den Lokalspitzen der Bezirksausgaben der Neuen Osnabrücker Zeitung″. Else hieß das Mädchen, das der Sage nach vom bösen Vater ihres Geliebten in einem Meller Fluss ertränkt wurde. Deshalb tragen das Gewässer und die Lokalspitze des Meller Kreisblattes″ jetzt ihren Namen. Es liegt auf der Hand, dass in der Tuchmacherstadt Bramsche ein Mann dieses Gewerbes die kleinen Geschichten des Alltags in den Bramscher Nachrichten″ ausrollt. Der Kiepenkerl brachte früher Früchte des Feldes in die Stadt, heute bringt er Nachrichten für Lotte und Westerkappeln. Per Pedes ist für das Bersenbrücker Kreisblatt″ in Quakenbrück unterwegs, Pitt ist der Bodenständige, der für das Wittlager Kreisblatt″ in Bad Essen bauernschlau das Geschehen verfolgt. Willem tourt durch die Kreisstadt Meppen und schnappt seine Geschichten schon frühmorgens beim Austragen der Meppener Tagespost″ auf, während Rieke, die Ziege, in der Lingener Tagespost″ meckert und Maulwurf Hermann für die Ems-Zeitung″ in Papenburg im Untergrund wühlt.

Die Figuren sind so verschieden wie die Landstriche und Zeitungen, für die sie stehen. Eines haben Till und seine Freunde aber gemeinsam: Sie stehen jeden Tag in der Zeitung.

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Till unter den Armen von Wilfried Hinrichs und Stefanie Adomeit. Der hölzerne Till ist immer dabei, wenn die Redaktion vor Ort das Gespräch mit den Lesern sucht.

Meine Zeitung und ich

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Jubiläum! Der 2. Oktober 1967 wird uns immer in guter Erinnerung bleiben. Etwas, das wir als treue Leser der NOZ nie vergessen werden: Die Neue Osnabrücker Zeitung wird 50 Jahre alt und mit ihr unser Sohn Claus, der am 2. Oktober 1967 geboren wurde. Das hat uns ein wenig stolz gemacht. Unser Geburtstagskind hat eine große Feier für den 2. Oktober 2017 vorbereitet, und sicherlich wird auf dieser Feier auch von dem besonderen Jubiläum Ihrer Zeitung gesprochen.″

Wolfgang und Christel Götze
Belm

Am 1. August 1070 trat ich eine Stelle als Verwaltungsangestellte beim Versorgungsamt an. Ich musste einen Eid abgeben, und mir wurde vom Chef gesagt, ich müsse jeden Tag die Tageszeitung lesen. Daraufhin abonnierte ich die NOZ. Nützlicher Nebeneffekt: Mein Mann, gebürtiger Italiener, lernte durch das Lesen der Zeitung schneller Deutsch.″

Brigitte Mazzucca
Osnabrück

Foto: Claudia Sarrazin

Meine Zeitung und ich

Seit Oktober 1954 bin ich verheiratet und wohne in Voxtrup. Eine Tageszeitung gehört ins Haus, das war für mich klar. Da bot die Mutter unseres Hauswirtes uns an, das Osnabrücker Tageblatt′ mit ihr zu teilen. Für uns junges Paar war das günstig bei 200 DM Monatsgehalt. Im Juli 1957 haben wir eine andere Wohnung bezogen, wo es keine Möglichkeit zum Teilen gab. Da haben wir die Zeitung selbst bestellt. Das sind nun, seit dem 1. Juli, genau 60 Jahre. Das kann man ja wohl gute Verbindung′ nennen.″

Heinz Rennhak
Osnabrück

Vor vielen Jahren habe ich an einem Osnabrücker Gymnasium mein Abitur bestanden. Direkt nachdem die Namen der Abiturienten in der NOZ veröffentlicht wurden, haben mir viele Nachbarn und Bekannte gratuliert. Ich war unheimlich stolz. Die Ausgabe der Zeitung habe ich aufbewahrt wie auch etliche Ausgaben, in denen Familienanzeigen wie die Geburt meiner Enkeltochter abgedruckt wurden.″

Barbara Albowsky
Hasbergen

Foto: Claudia Sarrazin

China-Besuch 2006. Die Osnabrücker Delegation ist Gast der Parteileitung der Provinz Hefei, die zum abendlichen Staatsbankett geladen hat. Wer der offiziellen Delegation angehört, stellt seinen Magen quasi in den Dienst der Stadt. Das kann ein harter Dienst sein. Die Speisen, serviert in Armeen kleiner Schälchen, sind, nun ja, eine Herausforderung. Ich habe einen Grundsatz: Es wird alles probiert. Mein Nachbar schlürft laut die Suppe, schaufelt die Innereien hinterher. Nun gut, man muss ja nicht alles den Gastgebern gleichtun. Plötzlich steht der Gastgeber auf, steuert mit seinem Reisschnaps-Glas in der Hand seinen übernächsten Nachbarn an. Sie reden, prosten sich zu und kippen den Reisschnaps. Jetzt bin ich an der Reihe. Ein Parteimensch prostet mir zu, wir tauschen die Visitenkarten aus. Ich sitze kaum, kommt der Nächste. Prost. Fix wird das Schnapsglas von unsichtbarer Hand aufgefüllt. Mir dämmert es: Wenn das so weitergeht, schaffe ich die Artikel nicht mehr, die ich heute Nacht (dank Zeitverschiebung) noch liefern muss. Ich beginne zu mogeln: Heimlich fülle ich mein Schnapsglas mit Wasser auf, bevor der nächste Gesprächspartner aufkreuzt. Das funktioniert ein paar Mal, doch ich habe die Rechnung ohne meinen Suppe schlürfenden Nachbarn gemacht: Er verpetzt mich. Alle Chinesen im Raum lachen (mich aus). Zur Buße gibt′s neuen Schnaps. Als das Bankett aufgehoben wird, ist mir schwindelig. Und in dieser Nacht stelle ich fest: Betrunken geht mancher Artikel erstaunlich flüssig von der Hand. Prost.

Woran denkst du zurück? Was bleibt? Auf diese Fragen habe ich keine einfache Antwort. Angefangen hat alles im Jugoslawien-Krieg. Die zerstörte Brücke von Mostar, die vielen Ruinen, die Flüchtlingslager oder die junge Muslimin in Kljuc, die über Jahre von serbischen Soldaten vergewaltigt worden war und kurz vor dem Friedensabkommen von Dayton 1995 befreit wurde. Viele Bilder und noch mehr Geschichten bleiben im Kopf.

Nach dem 11. September führten Dutzende Reisen in den Irak, nach Afghanistan und Pakistan, in die Kurdengebiete der Türkei. Und nach Israel. Krieg und Terror waren nie weit weg.

Unvergesslich etwa die Nacht zum 1. Mai 2003 in Tel Aviv. In Mike′s Place unweit der Strandpromenade spielte eine Band, und hinter der Theke stand die junge Französin Dominique, die mit ihrem Lachen bezauberte. Wenig später, nachdem ich die Bar verlassen hatte, jagten sich dort zwei Selbstmordattentäter der Hamas die Luft. Dutzende Menschen wurden verletzt, drei weitere getötet. Neben dem Türsteher, dem es wohl zu verdanken war, dass nicht noch mehr Gäste getötet wurden, starben auch ein Musiker und Dominique. Es stellte sich heraus, dass die beiden Attentäter im selben Hotel wie ich wohnten. Ein Sondereinsatzkommando evakuierte das Gebäude. Der Mann von der Rezeption zeigte mir Kopien von den Pässen der Attentäter: Es waren zwei junge Briten mit Migrationshintergrund: Asif Muhammad Hanif, 22, und Omar Khan Sharif, 27. Dass sich in Europa einmal Tausende von Männern dem Islamischen Staat anschließen sollten, war für mich nie eine Überraschung. Europa hat die Terrorgefahr unterschätzt.

Die Gefahr, verletzt, getötet oder entführt zu werden, war im Irak und in Afghanistan am größten. Meine Bekannte, die Archäologin Susanne Osthoff, wurde in Bagdad entführt, mein Bekannter Rudi Blechschmidt, Bauunternehmer, südlich von Kabul. Sein deutscher Mitarbeiter wurde von den Taliban in der Gefangenschaft erschossen.

Am beeindruckendsten waren die Menschen, die dem Terror trotzten. Freunde in Kabul oder im Irak haben sich bis heute nicht von islamistischen Fanatikern unterkriegen lassen. Ihr Mut ist bewundernswert. Und wenn ich daheim das Bild betrachte, das ich in einem Militärhubschrauber machte und das einen Regenbogen über den Bergen Afghanistans zeigt, dann weiß ich: Bei allen Problemen, die Deutschland hat hier ist noch vieles gut.

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Über den Bergen Afghanistans: In dem Krisenherd tobt noch immer der Kampf gegen die Taliban.

Die Nachricht erschütterte Weihnachten 2004 die ganze Welt. Ein schweres Seebeben im Indischen Ozean verursachte am 26. Dezember gewaltige Tsunami-Wellen, die in Thailand, Indonesien und anderen Staaten ganze Landstriche verwüsteten. Insgesamt kamen etwa 230 000 Menschen ums Leben, darunter auch viele Urlauber. Angesichts der schrecklichen Bilder wollten wir Redakteure nicht nur berichten, sondern auch dazu beitragen, die Not zu lindern. Gemeinsam mit dem Hilfswerk terre des hommes stellten wir die Spendenaktion Leser helfen den Flutopfern″ auf die Beine. Das Geld sollte den Menschen an der südindischen Küste zugutekommen, die ohne Vorwarnung ihre Existenz verloren hatten. Die Resonanz auf die Aktion war gewaltig. Insgesamt kamen 2, 2 Millionen Euro zusammen. Gut ein Jahr nach der Katastrophe hatte ich die Möglichkeit, mit dem damaligen terre-des-hommes-Chef Peter Mucke nach Südindien zu reisen, um mir an Ort und Stelle ein Bild von der Verwendung der Spenden zu machen. In der Region Nagapattinam besuchten wir die ersten von 28 neuen Kinder- und Jugendzentren, sprachen mit Fischern, die sich wieder trauten, mit reparierten Booten aufs Meer hinauszufahren. Besonders bewegend war die Begegnung mit traumatisierten Waisenkindern, die dank der Hilfe aus der Region Osnabrück-Emsland psychosozial betreut werden konnten. Die Leser der Neuen OZ können noch immer stolz sein. Sie haben mit ihrer Spendenfreudigkeit ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität gesetzt.
Autor:
Daniel Benedict, Constantin Binder, Michael Clasen, Janine Dahlweid, Ralf Döring, Burkhard Ewert, Ralf Geisenhanslüke, Jean-Charles Fays, Susanne Fetter, Dirk Fisser, Heinz Flock, Berthold Hamelmann, Wilfried Hinrichs, Holger Jansing, Michael Jonas, Johannes Kapitza, Bastian Klenke, Michael Krechting, Julia Kuhlmann, Rainer Lahmann-Lammert, Harald Pistorius, Joachim Schmitz, Claudia Sarrazin, Elke Schröder, Michael Schwager, Marcus Tackenberg, Carmen Vosgröne, Uwe Westdörp, Stefanie Witte, Johannes Zenker


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