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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Förderschulen sind notwendig für Inklusion
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Bündnis will Förderschulen abschaffen″ (Ausgabe vom 28. September).

In der aktuellen schulpolitischen Debatte nimmt die sogenannte Inklusion, das heißt die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, einen breiten Raum ein. In Niedersachsen wurde in einem parteiübergreifenden Konsens mit dem Schuljahr 2013/ 2014 aufsteigend die inklusive Schule eingeführt und mit der Umsetzung begonnen. Dieser konsensuale Beginn war ein hoffnungsvoller Start und fand berechtigterweise bundesweit große Beachtung, geht es doch bei der Umsetzung der Inklusion nicht um einen schulischen Wettbewerb, sondern um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe auf der Basis verbindlichen Menschenrechts. [...]

Die weitgehende Forderung nach Abschaffung der Förderschulen in der Koalitionsvereinbarung der aktuellen Landesregierung lastete wie eine schwere Hypothek auf dem Kultusministerium. Die Umsetzung dieser Forderung [...] konnte und kann nicht gelingen, weil es allen Unkenrufen angeblicher Diskriminierung zum Trotz viele Eltern gibt, die die Arbeit an der Förderschule als wertvoll und notwendig ansehen, weil die Förderschulen vielen Schülerinnen und Schülern neue Lernmöglichkeiten und Motivationen eröffnet haben und weil schließlich die pädagogischen Fachkräfte mit ihrer qualifizierten Arbeit überzeugende Bausteine und Wege sonderpädagogischer Unterstützung entwickelt und erfolgreich umgesetzt haben. Abschaffung ist kein qualifiziertes Gestaltungsprinzip. Wir brauchen die fachliche Expertise, um die notwendigen Transformationsprozesse zur Gestaltung eines inklusiven Schulsystems auf den Weg zu bringen.

Die Forderung nach einem sogenannten Moratorium ist unsinnig und schon allein deshalb zurückzuweisen, weil es eine irrige Annahme ist, dass ein Landtag bestehendes Menschenrecht vorübergehend außer Kraft setzen könnte. Es muss um die qualifizierte Weiterentwicklung eines inklusiven Schulsystems gehen und um das Bemühen um eine möglichst parteiübergreifende Vorgehensweise.

Grundlegende Voraussetzungen dafür sind Respekt, fachliche Relevanz und ausreichende Ressourcen sowie das Wissen, dass der Wert des Menschen nicht in seiner Tauglichkeit und Verwendbarkeit liegt. Dies ist das Grundwissen der Humanität: Kein Mensch ist eines Zweckes wegen da, auch nicht für politische Effekthascherei und simplifizierende Inklusionsrhetorik.″

Hanno Middeke

Osnabrück

Förderschulen müssen meiner Meinung nach nicht abgeschafft, sondern flächendeckend ausgebaut werden. Inklusion wird heute auf dem Rücken der Lehrer ausgetragen, die dafür zum großen Teil weder ausgebildet noch vorbereitet sind.

Genauso aber auf dem Rücken der Schüler. Die Mischung der heutigen Schulklassen Förderschüler, behinderte Schüler, Schüler mit sozio-emotionalem Förderbedarf, Schüler ohne jegliche Deutschkenntnisse, Normalbegabte und Schüler mit Förderbedarf etc. ist eine Herausforderung, die nicht bewältigt werden kann.

Ich weiß, wovon ich spreche: Als Quereinsteigerin habe ich zum Beispiel an einer Hauptschule unterrichtet. Es ist unverantwortlich, wenn Eltern behinderte Kinder oder Kinder mit ausgewiesenem Förderbedarf diese mit brachialer Gewalt in normale Schulen , zwingen′ wollen. Auch meine Schwägerin ist behindert und hat als Kind eine Förderschule besuchen dürfen die meine Schwiegereltern sogar mit gegründet haben. Sie hatte dort eine sehr schöne Kindheit und hat Dinge gelernt, an die zuvor niemand geglaubt hat. Das wäre als Inklusionskind auf einer normalen Schule niemals möglich gewesen, denn dort gehen die Inklusionskinder regelrecht unter. Genau wie die Lehrer. Und die Schüler.

Kerstin Meyer-Leive

Osnabrück

In NRW ist die SPD weitgehend aufgrund ihrer Bildungspolitik gescheitert, in Niedersachsen droht ihr aus demselben Grund dasselbe Schicksal zu Recht. Wir haben/ hatten ein ausgezeichnetes, funktionierendes und in jeder Hinsicht effektives System von Förderschulen: für Gehörlose, für geistig Behinderte, für Körperbehinderte, für Verhaltensgestörte, jeweils ausgestattet mit speziell ausgebildeten Lehrkräften, an die jeweiligen Störungen angepassten Gruppengrößen, mit speziellem Lehrmaterial, Unterrichts- und Ruheräumen etc.

Weil diese Förderschulen eine , Diskriminierung′ darstellen, sollen sie komplett geschlossen und durch Inklusion ersetzt werden. Die meisten (nicht alle) Lehrer, die mit Inklusion zu tun haben, halten das für ein unsinniges Experiment, bei dem es den meisten der Betroffenen und Beteiligten schlechter geht als vorher, bei dem die meisten Behinderten intellektuell nicht besser gefördert werden können und vor allem auch nicht glücklicher sind. [...]

Nun will Frau Kurz von der Landesarbeitsgemeinschaft , Gemeinsam leben gemeinsam lernen′ durch die zügige Schließung aller Sondereinrichtungen den Eltern sogar das Recht nehmen, die für ihr behindertes Kind passende Schule zu wählen, weil schon die Existenz von Sonderschulen prinzipiell diskriminierend sei (auf die Idee muss man erst mal kommen!) und weil , wir kein Wahlrecht auf Diskriminierung′ wollen.

Wer ist , wir′? Ich will das Wahlrecht! Das ist eine üble Bevormundung, die ich mir verbitte; seit wann ist der Verlust von Wahlmöglichkeiten ein Gewinn? Außerdem zeugt das von einer völlig undifferenzierten Sicht der Dinge: Frau Kurz weiß, was für ihr Kind gut ist, und ich weiß, was für mein Kind gut ist.

Die Diskussion um die Inklusion zeigt, wie Pädagogik, Psychologie und gesunder Menschenverstand durch Ideologie ersetzt werden. Die Lehrer können sich nicht wehren, sie sind Beamte, und die Behinderten werden nicht gefragt. Sie werden zum Spielball von Ideologen, die nicht differenziert nach dem Wohl des konkreten Einzelnen fragen, sondern pauschal , Prinzipien′ hochhalten und sich dabei auch noch moralisch überlegen fühlen. Und daraus macht man dann auch noch Politik.″

Prof. Dr. Meinhart Volkamer

Hasbergen

Bildtext:
Damit Inklusion gelingt, sind Förderschulen unerlässlich, meinen unsere Leser.

Foto:
dpa
Autor:
Hanno Middeke, Kerstin Meyer-Leive, Meinhart Volkamer


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