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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gründerzeitliche Pracht
Zwischenüberschrift:
Die Kreuzung von Möser- und Wittekindstraße um 1928
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Straßen, die auf Bahnhöfe zulaufen, sind meistens schnurgerade, breit und repräsentativ bebaut. In Osnabrück trifft das gleich auf zwei Straßen zu, die sich auf dem hier gezeigten Bild kreuzen.

Osnabrück. Gerade konnten die Bahnhofsstraßen sein, weil sie erst im 19. Jahrhundert jenseits der verwinkelten Innenstädte angelegt wurden. Quer durchs Bild verläuft die Wittekindstraße. Ihre Entstehung verdankt sie der Tatsache, dass Osnabrücks erster Bahnhof bei seiner Eröffnung 1855 weit außerhalb der bebauten alten Stadt lag. Das Viertel zwischen Hannoverschem Bahnhof und Neumarkt war das erste auf dem Reißbrett geplante Erweiterungsgebiet jenseits des mittelalterlichen Stadtbefestigungsgürtels. 40 Jahre lang hieß die Straße folgerichtig Bahnhofstraße, bis 1895 der neue Hauptbahnhof den Hannoverschen Bahnhof ablöste und der Name nicht mehr so recht passte. Erst da kam die Wittekindstraße zu ihrem auch heute noch geltenden Namen, der an den Sachsenherzog Widukind, den Gegenspieler Karls des Großen, erinnert.

Von vorne links nach hinten rechts auf dem Bild verläuft Osnabrücks zweite Bahnhofstraße″, die Möserstraße. Für sie gilt im Prinzip das Gleiche: Der neue Centralbahnhof lag weit außerhalb der Innenstadt. Wie in den meisten deutschen Mittel- und Großstädten sollte die auf den Bahnhof zulaufende Möserstraße den ankommenden Reisenden mit einem großzügigen Entrée empfangen. Im hier gezeigten Schnittpunkt beider Straßen wurden die Eckgebäude nochmals besonders repräsentativ ausgestattet.

Ganz rechts erkennt man angeschnitten das Hauptgebäude der Kaiserlichen Post in Osnabrück. Das Post- und Telegraphenamt″ hatte dort 1881 Einzug gehalten, wo auch heute noch die Post zu Hause ist. Ganz links ist die Ecke des neoklassizistischen Gebäudes der Handwerkskammer zu sehen: Im Zeitalter der Industrialisierung musste das Handwerk um seine Daseinsberechtigung kämpfen. Alles drängte zur Industrie, dort war der technische Fortschritt angesiedelt, dort schienen die besseren Aufstiegsmöglichkeiten gegeben. In dieser Situation setzte das Osnabrücker Handwerk ein Zeichen und legte sich 1903 als Kammersitz den repräsentativen Eckbau Möser-/ Wittekindstraße zu.

Der war zuvor seit 1897 der erste Standort des Hotels Germania gewesen. Hotelier und Hoflieferant Eduard Petersilie wollte hoch hinaus. Nach nur drei Jahren entschied er sich, gegenüber auf der anderen Straßenseite einen noch pompöseren Neubau zu errichten. Den sehen wir zentral in der Bildmitte hinter der Straßenbahn. Er wurde kurz nach der Jahrhundertwende fertig, und so konnte Petersilie der Handwerkskammer den Altbau überlassen.

Industrialisierung und aufblühende Wirtschaft bescherten der Stadt viele Übernachtungsgäste. Zwischen Bahnhof und Altstadt wuchsen im Bereich Möserstraße/ Schillerstraße mehrere große Hotels mit ihren historisierenden Türmchen und Ziergiebeln in die Höhe. Das Germania galt als Erstes Haus am Platze″, oder, wie es in der Eigenwerbung hieß, eines der besuchtesten Häuser der Provinzialstädte Nordwestdeutschlands″, mit 56 Zimmern, gepflegtem Restaurant- und Saalbetrieb, Weinstuben, Kleinkunstbühne und einem Konzertgarten nebst Bootsanleger an der Hase. Besitzer Petersilie festigte den Geschäftserfolg seines Hauses in den 1930er-Jahren wohl auch durch gute Kontakte zu den Größen des NS-Regimes.

Nach dem verlorenen Krieg hatte Germania″ nichts mehr zu melden. Das Hotel mit dem Namen der streitbaren Nationalgestalt lag in Trümmern und wurde nicht wieder aufgebaut. Stattdessen übernahm Merkur″, der römische Gott der Händler (und Diebe), den Ort. Er passte besser in die Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs. Aus dem Kaufhaus Merkur wurde erst Horten und dann Galeria Kaufhof.

Bildtexte:
In zurückgesetzten Baufluchten beherrschen heute das Kaufhaus Galeria Kaufhof und die Sparkasse (links) die Kreuzung Wittekindstraße/ Möserstraße.

Die Straßenbahn kommt aus der Wittekindstraße und biegt in die Möserstraße Richtung Hauptbahnhof ein. Die Aufnahme aus der Zeit um 1928 zeigt die ganze Pracht des noch unzerstörten wilhelminischen Historismus.

Fotos:
Archiv Glüsenkamp, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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