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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum fahren wir Auto?
Zwischenüberschrift:
Verkehrspsychologe gibt die Antwort im Rathaus
Artikel:
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Originaltext:
So praktisch es ist, mit dem Auto von A nach B zu fahren für viele Wege gibt es besser geeignete Fortbewegungsmittel. Aber warum fällt es so schwer, den eigenen Pkw auch mal stehen zu lassen? Auf diese Frage ging der Mülheimer Psychologe Klaus-Peter Kalwitzki in seinem Vortrag zum Bürgerdialog Verkehrswende ein.

Osnabrück. Im gut besetzen Ratssitzungssaal zeigte Kalwitzki auf, dass Kinder heute ganz selbstverständlich mit dem Auto groß werden und diese nach seinen Worten unselbstständige Fortbewegung″ als Normalfall erleben. Das Auto sei allgegenwärtig auf der Fahrt in die Kita, aber auch in Kinderbüchern und TV-Sendungen, als Spielzeug und Dekoartikel.

Das Auto vermittle ein trügerisches Gefühl von Sicherheit, Schnelligkeit und Überlegenheit gegenüber anderen Verkehrsmitteln, erklärte Kalwitzki. Viele Kinder lernten den öffentlichen Nahverkehr überhaupt nicht kennen, weil ihre Eltern ausschließlich das Auto benutzten. Und wenn sie sich einmal zu Fuß bewegten, sei ihr Spielraum durch parkende Autos oft auf ein Minimum beschränkt.

Zudem werde Fußgängern ebenso wie den Nutzern von Bus und Bahn immer wieder der Eindruck vermittelt, sie befänden sich in der Hierarchie der Fortbewegungsarten auf einem untergeordneten Niveau. Kalwitzki, der in seinem Mülheimer Verkehrsbüro mit verkehrsauffälligen Männern zu tun hat, demonstrierte Beispiele für das idealtypische Leben in der Autogesellschaft. Da wird die Fahrt in den Urlaub oder gar zum Standesamt ganz selbstverständlich mit dem Auto zelebriert, da dient der Sportwagen oder Ami-Schlitten als Charakterlabel von Tatort″-Kommissaren und generell als Symbol der Freiheit.

Die Realität kennzeichnete Kalwitzki dagegen mit den Begriffen Stau, Unfall, Kosten und Regeln. Gleichwohl hätten sich viele Menschen daran gewöhnt, dass der Alltag nur mit dem Auto zu bewältigen sei. Man halte sich an die Lebenslüge, dass der Arbeitsplatz nicht anders als mit dem Pkw erreicht werden könne. Zu den Fehleinschätzungen gehöre auch, dass fast jeder″ Auto fahre und dass man damit schneller und zugleich preiswerter vorankomme.

Die Leute biegen sich das so hin″, meinte der Verkehrspsychologe, sie hätten Angst vor Veränderung. Das zeige sich schon, wenn jemand hilflos vor einem Fahrkartenautomaten stehe. Eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens setze aber voraus, dass Hemmnisse abgebaut würden, dass der öffentliche Nahverkehr seinen Kunden den roten Teppich ausrolle, dass Haltestellen, Fuß- und Radwege ansprechender gestaltet würden.

Ziel müsse es sein, eine Gleichberechtigung der Verkehrsträger herzustellen und den Verkehrsraum gerechter aufzuteilen. Verkehrsregeln sollten nach Ansicht von Kalwitzki auf eine sichere und nachhaltige Mobilität abzielen. Beispielhaft dafür sei eine Ampelschaltung, bei der die Fußgänger aus allen Richtungen Grün bekämen.

Als Schritte in diese Richtung empfahl er auch ein Tempolimit auf Autobahnen und Tempo 30 in den Städten. Wer etwas verändern wolle, müsse aber nicht nur auf vernünftige Argumente setzen, sondern auch Gefühle wirken lassen, gab der Psychologe seinen Zuhörern mit auf den Weg.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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