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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Quecksilber in Osnabrücker Schule
 
Quecksilber in der Käthe-Kollwitz-Schule
Zwischenüberschrift:
Stadt sperrt Gebäude – Zerbrochenes Thermometer gibt Rätsel auf
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Ein zerbrochenes Thermometer sorgt für Aufregung: Die Stadt Osnabrück sperrt die Käthe-Kollwitz-Schule. Denn es ist unklar, wie schlimm die Räume vergiftet sind. Darüber informierte das Schulamt am Donnerstag den Schul- und Sportausschuss.

Ein zerbrochenes Thermometer sorgt für Aufregung: Die Stadt sperrt Teile der Käthe-Kollwitz-Schule, weil unklar ist, wie schlimm die Räume vergiftet sind. Die bisherigen Messergebisse sind den Experten ein Rätsel.

Osnabrück. Das Schulamt informierte gestern Abend die Mitglieder des Schul- und Sportausschusses. Dass es Probleme geben könnte, war vor gut fünf Wochen den Mitarbeitern eines Unternehmens aufgefallen, die die ehemaligen Fachräume der Schule reinigen sollten. Sie fanden auf dem Boden im alten Bio- und Chemietrakt ein zerbrochenes Thermometer, aus dem Quecksilber ausgelaufen war. Sie haben sofort Gewerbeaufsicht und Gesundheitsamt informiert″, sagte Ludger Rasche, Fachdienstleiter Hochbau in der Stadtverwaltung.

Eine Spezialfirma habe daraufhin die Fachräume gründlich gereinigt. Die anschließenden Messungen seien aber nicht erfolgreich″ gewesen. Im Klartext: Es wurden weiter unerklärlichhohe Quecksilberkonzentrationen in der Luft festgestellt. Auch eine weitere Messung durch einen Gutachter brachte keine Klärung, im Gegenteil, sie stiftete neue Verwirrung. Die Ergebnisse passten überhaupt nicht übereinander″, so Rasche.

In einigen Räumen wurden geringe Werte von 30 bis 50 Nanogramm pro Kubikmeter Luft ermittelt, wie der Leiter des Gesundheitsdienstes für Stadt und Landkreis Osnabrück, Gerhard Bojara, erklärte. An anderen Stellen seien die Werte auf über 1000 Nanogramm gestiegen. Am Fundort des zerbrochenen Thermometers lag die Belastung weiter darüber.

Einen Grenzwert gibt es nach seinen Angaben nicht, nur einen Anhaltspunkt aus der Arbeitswelt. Demnach dürfen Beschäftigte mit bis zu 20 000 Nanogramm dauerhaft in Berührung kommen. Bojara betonte, es gebe keinen Anlass zu der Annahme, dass jemand akut krank werden kann″. Die Sperrung sei eine Präventivmaßnahme″. Bojara: Wir wollen kein Risiko eingehen, gerade wenn es um Kinder und Jugendliche geht.″ Auch Ausschussvorsitzender Jens Martin warnte vor übereilten Schlüssen und Panikmache.

Der nächste Schritt: umfangreiche Messungen in allen Gebäuden der Kollwitz-Schule. Daraus wird ein Kataster erstellt, um etwaige weitere Quecksilberquellen zu identifizieren. Wenn die Ursache und das Ausmaß der Vergiftung geklärt sind, kann die Sanierung geplant werden, die Monate in Anspruch nehmen kann, wie Bojara sagte. Im schlimmsten Fall müssten die Räume komplett mit Putz und Estrich″ entkernt werden.

Seit dem Auslaufen der Käthe-Kollwitz-Schule vor drei Jahren werden die Gebäude nur zum Teil genutzt. Zehn Klassen der Berufsbildenden Schulen wurden hier bislang unterrichtet. Einige werden am Montag in nicht belastete Teile umziehen, andere für eine Woche im Graf-Stauffenberg-Gymnasium unterkommen. Nach den Herbstferien sollen Räume der Teutoburger Schule für sie bereitstehen. Betroffen ist auch das Abendgymnasium, das die Kollwitz-Schule vorübergehend nutzen wollte. Die Turnhalle ist nicht gesperrt. Sie wird aber auch auf Quecksilber untersucht.

Bildtext:

Die Käthe-Kollwitz-Schule wurde 2015 aufgegeben. Ein Teil sollte zunächst als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden, wurde dann aber nicht gebraucht. Die Stadt hat das Gebäude jetzt gesperrt, weil Spuren von hochgiftigem Quecksilber gefunden wurden.

Foto:
Michael Gründel

Wenn das Thermometer zerbricht

Wenn in Thermometer mit Quecksilber zerbricht, besteht nach Expertenmeinung in der Regel keine akute Gefahr für Leib und Leben. Das flüssige Quecksilber kann vorsichtig zusammengekehrt und in einem geschlossenen Behälter als Schadstoff entsorgt werden. Gefährlich wird das Schwermetall, wenn es allmählich verdunstet und Menschen über einen längeren Zeitraum den Dämpfen ausgesetzt sind. Dringt das Quecksilber eines zerbrochenen Fieberthermometers zum Beispiel in den Teppichboden ein, können am Boden spielende Kinder Vergiftungen erleiden. Erste Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und trockener Mund. Nieren und Leber können unheilbaren Schaden nehmen.

Kommentar:

Glück gehabt

Alle haben alles richtig gemacht: Die Firma, die in der alten Schule aufräumen sollte, erkannte sofort die Gefahr, Bauverwaltung, Schulamt und Gesundheitsdienst reagierten umgehend. Die Gefahr ist erkannt und vorerst gebannt. Auch für die Berufsschüler bestand kein Gesundheitsrisiko, weil sie nicht unmittelbar dem Quecksilber ausgesetzt waren.

Gut, dass die Käthe-Kollwitz-Schule ohnehin auf der Abrissliste steht. Sie soll langfristig einer Wohnbebauung weichen, wird aber zurzeit noch gern als Ausweichquartier genutzt. Eine Quecksilber-Havarie bei vollem Schulbetrieb wäre eine Katastrophe gewesen. Das lehrt die Erfahrung: 2008 brachen Unbekannte in eine Schule in Gesmold im Landkreis Osnabrück ein und verschütteten Quecksilber. Monate später wurde klar, dass das gesamte Inventar auch der Nachbarräume entsorgt und die Fußböden entfernt werden mussten.
Autor:
hin


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