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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Acht Jahre Nadelöhr
Zwischenüberschrift:
Das Haus Brehe am Kamp bremste den Begegnungsverkehr auf dem Busring aus
Artikel:
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Originaltext:
Die Planer hatten sich das so schön ausgedacht: Die im Zuge der Altstadtsanierung und der ausgeweiteten Fußgängerbereiche auf den Heger-Tor-Wall verbannten Busse werden wieder in die Innenstadt zurückgeholt, indem man ihnen einen Busring″ über den Kamp einrichtet. Doch da gab es ein Problem.

Osnabrück. Das Haus Kamp 72/ 73 stand im Wege. Eigentümerin Antonia Brehe war mit dem Grundstückstausch, wie er ihr von der Stadt und vom Sanierungsträger Neue Heimat vorgeschlagen worden war, nicht einverstanden. Ihr war eine Ersatzfläche auf dem Nachbargrundstück, das bereits der Neuen Heimat gehörte, angeboten worden. Aber über die Höhe der Entschädigungszahlung, die wegen Abriss und Neubau fällig war, gab es keine Einigung. Damit kriege ich nicht mal die Grundmauern hoch″, ließ sie über ihren Anwalt erklären.

Das Fuhrgeschäft Brehe war seit 1860 am Kamp 72 ansässig. Fuhrwerksbesitzer Heinrich Brehe bot seine Droschken und Luxusgespanne zu jeder Tages- und Nachtzeit″ an, ebenso waren seine Reisegespanne stets zu haben″. Nach dem letzten Krieg dehnte die Firma ihre Mietwagenflotte beständig aus. Neben Autos warteten auch Lkw, Kleinbusse und Arbeitsbühnen auf Kundschaft. Der größte Teil des Fuhrparks wurde zum geräumigen neuen Standort an der Hannoverschen Straße verlegt. Die Stadt drängte darauf, den gesamten Betrieb umzusiedeln. Aber Antonia Brehe bestand darauf, ihr Büro und einen Teil des Fuhrparks an der gewohnten Stelle in der Innenstadt zu behalten.

Das Umlegungsverfahren, mit dem die Stadt die Ostseite des Kamps zwischen Jürgensort und Nikolaiort neu ordnen und den erforderlichen Straßenquerschnitt für den Begegnungsverkehr von Bussen herstellen wollte, geriet ins Stocken. Brehe äußerte auch grundsätzliche Bedenken gegen diese Art der Stadtsanierung. Sie fürchtete, dass man hier keine Luft mehr zum Atmen hat″, wenn täglich 350 Busse über den Kamp rollen. Auf die Lebensqualität im Viertel könne sich der Busring nur verheerend″ auswirken. Das Gebiet müsse als Wohnviertel erhalten bleiben und dürfe nicht zum Hinterhof und Lagerplatz der Großen Straße verkommen.

1984 strengte die Stadt eine vorzeitige Besitzeinweisung an, wie sie zur Beschleunigung bei langwierigen Umlegungsverfahren möglich ist. Brehe legte Rechtsmittel ein. Das OLG Oldenburg gab ihr in letzter Instanz recht: Für die Stadt bestehe keine Dringlichkeit, vorzeitig Besitzer des Grundstücks Brehe zu werden. Der Stadt dürfe zugemutet werden, vorübergehend eine Ampel zu installieren, damit die Busse im Einbahnverkehr das Nadelöhr passieren können.

So kam es dann auch. Am 10. April 1985 rollten erstmals die Busse über den bis auf das Nadelöhr bei Brehe ausgebauten Kamp, der zeitgleich für den Individualverkehr gesperrt wurde. Die Busse erhielten eine Elektronik eingebaut, mit der die Fahrer Ampelgrün am Engpass anfordern konnten.

Schon wenige Wochen später formierte sich Protest wegen der Lärm- und Abgasbelastung durch die alle zwei Minuten passierenden Busse. Außerdem würden Fußgänger im Bereich des Nadelöhrs mit seinen Mini-Gehsteigen gefährdet, oftmals würden die Leute erschreckt zur Seite springen, wenn ein Bus komme. Anwohner des Kamps und des Nikolaizentrums reichten eine Petition mit 70 Unterschriften ein, in der sie die sofortige Einstellung des Busverkehrs forderten. Stadt und Stadtwerke schoben alles auf das Nadelöhr: Schallmäßig sorge es für eine Trompetenwirkung″, und die Abgase würden sich in der engen Schlucht stauen. Wenn das Nadelöhr erst einmal beseitigt sei, gebe es nicht mehr so viele Brems- und Beschleunigungsvorgänge. Im Gegenteil″, hielt Brehe dagegen, wenn unser Haus weg ist, geht′s erst richtig los.″ Dann könnten die Stadtwerke auch noch zusätzliche Linien über den Busring leiten.

Derweil stritten die Stadt und die Kläger mit der tonangebenden Antonia Brehe voran im Umlegungs- und Enteignungsverfahren durch alle Instanzen weiter. 13 Jahre, von 1978 bis zur Zurückweisung eines Revisionsantrags durch den BGH im Februar 1991, dauerte es, bis die Stadt letztlich erfolgreich aus dem Zwangstauschverfahren″ hervorging. Die Kosten des Rechtsstreits in Höhe von geschätzt 150 000 Euro blieben an Brehe und den weiteren Beschwerdeführern hängen. Im Juni 1992 begann der Abriss des Hauses Brehe, und nach grundlegenden Kanalbauarbeiten konnte im Dezember 1992 endlich ein zweispuriger Busverkehr über den Kamp rollen.

Bildtexte:
Ein hartnäckiger Stehimweg war das Haus Brehe am Kamp, das fast acht Jahre lang den Begegnungsverkehr von Bussen verhinderte. Hier im Jahr 1989 der Blick von der Einmündung des Jürgensorts in Richtung Nikolaizentrum.

Kein Hinterhof mehr: Die Busstraße Kamp hat sich gemausert, dank neuer Wohn- und Geschäftshäuser.
Eine Ampel regelte den einspurigen Wechselverkehr der Busse.
Für Fußgänger wurde es eng. Die Gelenkbusse überfuhren regelmäßig die Gehsteige.
und für Radfahrer ebenso, wenn sie sich bei einer Busdurchfahrt nicht rechtzeitig an die Hauswand drückten.

Fotos:
Behrens, Gründel, Michael Hehmann, Archiv NOZ, Gert Westdörp, Archiv NOZ, Michael Hehmann, Archiv NOZ
Autor:
Joachim Dierks


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