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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zeit für Pfifferling und Co.
Zwischenüberschrift:
Experten der Osnabrücker Pilzfreunde klären auf: Giftig oder genießbar?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Herbstzeit gleich Pilzzeit? Nicht unbedingt, Pilzkenner suchen, sammeln und bestimmen das ganze Jahr über. Doch nach den nächsten Regenschauern werden im Osnabrücker Land wieder die beliebten Herbstpilze wie Marone, Steinpilz oder Pfifferling sprießen. Unterwegs mit einer Gruppe Pilzexperten in einem Waldstück in Bissendorf-Schledehausen.

Osnabrück. Die wichtigste Nahrung für Pilze ist Wasser, und Herbstpilze wachsen gut bei Temperaturen zwischen zehn und zwanzig Grad″, erklärt Melanie Schnieders, die 2014 die Prüfung zur Pilzsachverständigen bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie in Thüringen abgelegt hat und nun unter anderem als Pilzberaterin für den Natur- und Geopark Terra-Vita tätig ist. Zusammen mit drei anderen Pilzfreunden zweigt sie vom Wanderweg ab, weiter geht es auf weichem Waldboden. Das Pilzesuchen sei natürlich nur außerhalb von Naturschutzgebieten und Nationalparks erlaubt. Auch Pilze an Naturdenkmälern, wie zum Beispiel alten Bäumen, dürften nicht gepflückt werden.

Es dauert nicht lange, bis die ersten Pilze gefunden sind. Hier scheint schon vor uns jemand gesucht zu haben″, meint der Pilzsachverständige Martin Wernke und hält den Stiel eines Maronenröhrlings hoch, dessen Kappe bereits entfernt wurde. Und an diesem Exemplar hier hat kein Mensch, sondern eher ein Reh geknabbert.″ Auch Schnecken würden sich häufig an Pilzen laben. Doch Pilze, die Schnecken schmecken, seien nicht unbedingt auch für den Menschen bekömmlich. Der Grüne Knollenblätterpilz sei da ein gutes Beispiel: Seine Gifte verursachen Leberversagen bei uns. Schnecken hingegen haben keine klassische Leber und deswegen den Knollenblätterpilz zum Fressen gern.

Und dieser Grünblättrige Schwefelkopf hier führt zu Vergiftung des Magen-Darm-Trakts″, weiß Melanie Schnieders und zeigt auf einen Pilz, der an einem alten Gehölz wächst. Ja gibt es denn so viele Giftpilze im Osnabrücker Land? – „ Nein, in Niedersachsen gibt es circa 3000 Großpilzarten, also Pilze, die man mit bloßem Auge erkennen kann. Davon sind einige Dutzend essbar, nur ein Dutzend wirklich tödlich giftig und alle anderen haben einfach keinen Speisewert″, beruhigen die Pilzfreunde.

Die tödlich giftigen Pilze müsse man kennen, wenn man plane, Pilze zu sammeln. Probleme entstünden in den meisten Fällen aber nicht durch das Verwechseln von Speise- und Giftpilz, sondern vielmehr durch essen überständiger Pilze. Diese befinden sich bereits in der Phase der Eiweißzersetzung. Beim Verzehr kommt es zu Magen- und Darmbeschwerden, die keine Pilzvergiftung darstellen, sondern eine Lebensmittelvergiftung. Überständige Pilze haben oft schon sehr weiches Fleisch, oder es wächst Goldschimmel auf ihnen″, berichtet Melanie Schnieders.

Bei der Wanderung durch den Schledehausener Wald berühren die Pilzexperten immer wieder neue Fundstücke. Alle Pilze, auch die giftigen, könnten mit der Hand angefasst werden. Gifte übertragen sich so nicht, und der Pilz lässt sich besser analysieren. Anfängern empfehlen die Spezialisten das Sammeln sogenannter Röhrenpilze, zu denen auch die beliebte Marone gehört. Anders als beispielsweise bei den Lamellenpilzen gebe es unter den Röhrlingen keine tödlich giftigen Exemplare.

Transportieren sollte man gesammelte Pilze in luftigen Körbchen und nicht in Eimern oder Plastiktüten, denn ohne Luftzufuhr setzt die Eiweißzersetzung schneller ein. Unbekannte Arten, die später bestimmt oder einem Sachverständigen vorgelegt werden sollen, müssen separat aufbewahrt werden, denn es könnten ja giftige Arten sein, deren Fragmente dann auf den Speisepilzen landen.

Mit der Lagerung von Pilzen verhält es sich laut den Experten wie mit rohem Fleisch: Am besten man bereitet sie frisch zu oder behält sie höchsten einen Tag lang im Kühlfach. Wenn man sie erst am Folgetag essen will, kann man Pilze in der Pfanne kurz vorgaren″, empfiehlt Melanie Schnieders. Damit wären kleine Maden, die möglicherweise im Pilz sitzen und dort weiter fressen, direkt abgetötet, und einmaliges Aufwärmen von Pilzen sei unproblematisch. Waldpilze solle man vor dem Verzehr generell erhitzen, und bei Temperaturen von mehr als 70 Grad wären dann auch mögliche Bedenken bezüglich des Fuchsbandwurms hinfällig.

Für Beratung rund um das Thema Pilze findet man kompetente Ansprechpartner wie Melanie Schnieders oder Martin Wernke auf der Internetseite des Natur- und Geoparks Terra-Vita (www.geopark-terravita.de). Interessenten sollten sich den 23. September vormerken. Dann veranstalten die Pilzfreunde Osnabrücker Land zusammen mit den Pilzfreunden OWL, dem Team der Nackten Mühle und Terra-Vita den ersten Pilztag im Osnabrücker Land. Von 11 bis 17 Uhr findet am ökologischen Lernort Nackte Mühle in Osnabrück ein buntes Programm mit Pilzausstellungen, Pilzberatung, Pilzrallye und Lagerfeuer statt.

Wenn die Wetterlage für Pilze stimmt, zieht es uns einfach hinaus in den Wald″, sagt Christiane Lieberei von den Pilzfreunden Osnabrück (Zweite von links). Hier ist sie in Bissendorf auf Pilzsuche zusammen mit Martin Wernke, Pilzsachverständiger, Dirk Lückens, Pilzfreunde Osnabrück, und Melanie Schnieders, Pilzsachverständige.

Beliebter Speisepilz: Merkmal der Marone ist ihr brauner, samtiger Hut ohne Netzzeichnung. Wenn man Maronen an ihrer Röhrenschicht berührt, blaut der Pilz an dieser Stelle (links).

Fotos:
Carolin Hlawatsch
Autor:
Carolin Hlawatsch


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