User Online: 4 | Timeout: 21:27Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wenn Teilhabe nicht selbstverständlich ist
Zwischenüberschrift:
Politiker treffen bei Podiumsdiskussion auf Menschen mit Behinderungen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Augen öffnen für die alltäglichen Probleme von Menschen mit Behinderungen sollte am Donnerstag eine Veranstaltung der AG Behindertenhilfe. Geladen waren Bundestagskandidaten aus Stadt und Landkreis Osnabrück.

Osnabrück. Dass es ein besonderer Abend im Foyer des Theaters am Domhof würde, war schnell klar: Zwei Gebärdendolmetscherinnen übersetzten jedes Wort in Handzeichen. Doch manche hatten andere Verständnisschwierigkeiten. Sprecht doch mal in einer einfacheren Sprache″, forderte ein Besucher die Politiker auf, damit ich das auch verstehen kann.″

(Weiterlesen: Wie es ist, mit Behinderung durch Osnabrück zu kommen) Der Titel der etwa zweieinhalbstündigen Veranstaltung Teilhabe Ma( h) l anders″ verriet es schon: Zunächst aßen die rund 100 Gäste zusammen. Unter ihnen waren Menschen mit Behinderungen, Interessenvertreter und sieben Bundestagskandidaten aus Stadt und Landkreis. Doch im Zentrum des Abends standen die Podiumsdiskussionen zwischen Politikern und Betroffenen zu vier Themen: Freizeit, Arbeit, Politik und Wohnen.

Zu Beginn erzählte Tobias Daun, beratendes Vorstandsmitglied der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO), von seinen Freizeiterfahrungen als Rollstuhlfahrer. So sei ihm das Training im Fitnessstudio untersagt worden, weil er nach Ansicht der Betreiber ein Sicherheitsrisiko darstelle. Josef Riepe, Kandidat für Die Linke, hatte dafür kein Verständnis: Vielleicht brauchst du ein bisschen mehr Hilfestellung, aber sich gegenseitig zu unterstützen tut der Gesellschaft gut.″

(Weiterlesen: Bohmte: Sport als ein Weg der Integration) Daun wünschte sich, spontaner sein zu können. Beispielsweise müsse er sich mit seinem Rollstuhl lange im Voraus bei der Bahn anmelden. Mobilität hat auch etwas mit Freiheit zu tun″, pflichtete FDP-Kandidat Matthias Seestern-Pauly bei. Flexiblere Lösungen hielt er für möglich. Riepe ergänzte: Die großen Unternehmen sind verpflichtet, Vorreiter in diesen Belangen zu sein.″

Zum Thema Arbeit berichtete ein alkoholabhängiger Teilnehmer, wie er durch einen Minijob zurück in die Gesellschaft gefunden habe. Giesela Brandes-Steggewentz (Die Linke) betonte die Notwendigkeit einer Einstellungsquote für Menschen mit Behinderungen. Zugleich wisse sie aus eigener Erfahrung, dass das eine Herausforderung für Arbeitgeber sei. Guter Wille allein reicht nicht″, sagte die Politikern. Der Betroffene beklagte außerdem, dass über Alkoholsucht oft geschwiegen werde. Daraufhin erklärte SPD-Kandidat Rainer Spiering: Unterstützung ist notwendig egal bei welcher Droge.″

Ihr Problem besonders deutlich machte Kathrin Ender, Beauftragte für Gebärdensprache und Gehörlosenkultur der HHO. Die Hörgeschädigte erläuterte, dass Kommunikationsschwierigkeiten sie vom Eintritt in die Politik abhielten. Während sie ihr Anliegen vortrug, übersetzten zwei Gebärdendolmetscherinnen ihre Worte. Das sei zwar auch bei der politischen Arbeit möglich – „ aber wer bezahlt das?″, fragte sich Ender.

(Weiterlesen: Ohne Worte: Gebärdensprachkurse an der Uni Osnabrück) Thomas Thiele von der FDP hoffte auf eine technische Lösung. Außerdem müsse diese in das Bundesteilhabegesetz eingebunden werden. Ender gab sich damit jedoch nicht zufrieden: Inklusion wäre für mich, wenn alle Gebärdensprache sprechen.″

Zum Thema Wohnen stellten zwei junge Männer ihre Situation vor. Sie leben im Osnabrücker Wir-Quartier″, einem gemeinsamen Wohnheim von Studenten und Menschen mit Behinderungen. Das sei aus der Überlegung heraus entstanden, was mit Beeinträchtigten geschehe, wenn deren Eltern sich nicht mehr um sie kümmern könnten, berichtete Lars Backhaus, der im Rollstuhl sitzt. Ein weiterer Hausbewohner, Max Wellmann, bezeichnete das Projekt als gute Möglichkeit, das Miteinander zu lernen.″

CDU-Politiker André Berghegger lobte das Wir-Quartier″ und erklärte, dass Skepsis oft auf Unwissenheit beruhe. Sein Kollege von den Grünen, Volker Bajus, sagte, dass das Projekt auch weitergedacht werden könne auf ganze Stadtteile und Mehr-Generationen-Wohnen.

(Weiterlesen: Wir-Quartier in Osnabrück: Ministerin hofft auf Nachahmer) Nach den Diskussionen war Daun zufrieden und glaubte, dass den Politikern die Anliegen von Menschen mit Behinderungen nähergebracht worden seien. Ich wünsche mir aber, dass wir in Zukunft in entsprechende politische Arbeitskreise miteinbezogen werden.″

Wahlrecht

Der Abend bildete den Abschluss einer Reihe von inklusiven Veranstaltungen zur kommenden Bundestagswahl. Organisiert wurde er von der AG Behindertenhilfe, einem Zusammenschluss aus neun Organisationen. Generell dürfen Menschen mit Behinderungen an Bundestagswahlen teilnehmen außer wenn Richter ihnen Betreuer in allen Lebensbereichen zugewiesen haben. Das betrifft etwa 80 000 Personen in Deutschland.( Weiterlesen: Trotz UN-Konvention: Viele Behinderte dürfen nicht wählen)

Bildtext:
Mit einem gemeinsamen Essen begann die Veranstaltung Teilhabe Ma( h) l anders″ der AG Behindertenhilfe.

Foto:
Jörn Martens
Autor:
Vincent Buß


Anfang der Liste Ende der Liste