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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Achtgeschossige Bettenhaustürme auf der Kuppe des Westerberges.
Zwischenüberschrift:
Ein Aachener Architektenteam bringt Osnabrück die Überraschung.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Achtgeschossige Bettenhaustürme auf der Kuppe des Westerberges - Ein Aachener Architektenteam bringt Osnabrück die Überraschung

Die Katze ist aus dem Sack. Was bisher nicht gelang, der Öffentlichkeit Ansichtsskizzen und umfassende Einzelheiten über den neuen städtischen Krankenhausbau für Osnabrück zugänglich zu machen, wurde über Nacht möglich. Die sorgsam gehüteten Einzelpläne des in den Steinbrüchen am Westerberg geplanten Krankenhauses wurden im ersten Dezember-Heft der in Berlin erscheinenden Fachzeitschrift " Bauwelt" veröffentlicht. Die Zeitschrift beschäftigt sich auf mehreren Seiten mit dem Projekt, das von den Architekten Wolfgang Weber und Peter Brand aus Aachen assoziiert mit H. Jos. Balmus, Horst Küsgen und Joachim Bender geplant und entworfen wurde. Die betriebswirtschaftliche Beratung lag in den Händen von Wolfgang Brudes, die medizinisch-technische Beratung übernahm Wieslaw Sienkiewicz.
Wichtigstes Merkmal des geplanten Krankenhauses sind drei turmartige Bettenhäuser und ein langgestrecktes Wohnhaus. Das Krankenhaus, das innerhalb des Verkehrsdreiecks der Natruper, der Lotter und der Albrechtstraße liegt, soll von diesem Verkehrsdreieck aus radial erschlossen werden. Hauptzufahrtsstraße wird die Albrechtstraße mit Anfahrt von Nordwesten sein. Die Zufahrt im Südosten ist nach den Ausführungen der Architekten lediglich für Not-, Sonderab- und anfahrten gedacht. Fußgänger und Fahrverkehr auf dem Krankenhausgelände werden kreuzungsfrei geführt. Die Architekten halten die auf dem Krankenhausgelände ausgewiesenen Parkplätze für Personenwagen für die ersten Jahre für ausreichend. Nach ihren Berechnungen treten erst im Jahre 1985 Kapazitätsüberschreitungen auf. Zu diesem Zeitpunkt soll dann der zweite Steinbruch im Süden als Parkplatzreserve ausgebaut werden. Man rechnet hier in drei Ebenen mit 900 Parkständen.

Die drei Turmbauten

Die Architekten Wolfgang Weber und Peter Brand gehen in ihrer Planung von der Gestaltung zweihüftiger Bettentrakte völlig ab. Sie sehen in dieser konventionellen Bauform eine bauliche Richtung, die nicht mehr dem Stand der modernen Technologie entspricht. Sie haben im westlichen Ausland Ansätze zur Entwicklung einer auf der Kreisform aufgebauten Station gründlich studiert. Diese Kreisform haben sie für das neue städtische Krankenhaus in Osnabrück vorgesehen. Nach der Planung bedeutet das, daß das Bettenhaus, das sich aus drei Turmstationen zusammensetzt, mit einer Höhe von acht   Geschossen über die Kuppe des Westerberges hinausragt. Die   Osnabrücker werden sich daran erinnern, daß der   Regierungspräsident die sechsgeschossige Bauplanung eines   Studentenwohnheimes in etwa 250 Meter Entfernung von dem   jetzigen Krankenhausneubauvorhaben nicht genehmigte. Osnabrück   hatte Sturm gegen dieses " Hochhaus" auf dem Westerberg   gelaufen ...
Die Gesamtplanung für das Städtische Krankenhaus, die in de " Bauwelt" zu einem Zeitpunkt veröffentlicht wurde, zu dem man in Osnabrück alle Pläne noch krampfhaft unter Verschluß hielt, zeigen, daß auf dem Westerberg mehr geschehen soll, als es die Osnabrücker bisher auch nur im leisesten ahnten. Wie anfangs gesagt: Die Katze ist aus dem Sack.
Hans Wolfgang Kindervater

Unser Kommentar:
In Osnabrück muß man ja nicht wissen, wie das neue Krankenhaus gebaut wird - Hauptsache: Eine Berliner Fachzeitschrift berichtet - Interessen des Osnabrücker Bürgers ignoriert

Die Osnabrücker sind - was ihre Unterrichtung oder besser Nichtunterrichtung durch die zuständigen Organe der Stadt angeht - eine ganze Menge gewöhnt. Daß aber die ersten umfassenden Informationen über den geplanten Krankenhausneubau auf dem Westerberg auf dem Umweg über eine Berliner Fachzeitung nach Osnabrück gelangen, schlägt nun doch dem berühmten Faß den Boden aus. Die ersten, die ein Anrecht gehabt hätten, in allen Einzelheiten zu erfahren, was auf dem Westerberg geplant ist, sind die Osnabrücker Bürger. Sie nämlich müssen diesen Krankenhausneubau zum größten Teil bezahlen - und nicht die Abonnenten der Berliner Fachzeitschrift " Bauwelt".
Erinnern wir uns der Vorgeschichte des im Sommer dieses Jahres gefaßten Ratsbeschlusses, auf der Kuppe des Westerberges ein neues Krankenhaus zu bauen: Sie begann mit der Auseinandersetzung darüber, ob man die jetzigen Krankenanstalten im notwendigen Rahmen modernisieren könne oder ob der Bau eines neuen Krankenhauses erforderlich sei. Am Ende zahlreicher Gutachten, Pläne, Erwägungen und Berechnungen stand der Beschluß des Rates, ein neues Krankenhaus für die Stadt Osnabrück zu bauen.
Die zweite Phase brachte die Diskussion um den Standort. Auch dieses Stadium der Krankenhaus-Geburtswehen war gekennzeichnet von Gutachten, Plänen, Berechnungen und Zweifeln. Bis plötzlich von privater Seite die Anregung kam, das neue Stadtkrankenhaus auf dem Westerberg zu bauen. In relativ kurzer Zeit rangen sich Rat und Verwaltung zu dem Beschluß durch: Das Krankenhaus wird auf dem Westerberg gebaut. Die Meinung aller Fraktionssprecher in einer Pressekonferenz nach diesem in nichtöffentlicher Sitzung gefaßten Beschluß: Der Westerberg bietet die optimale Lösung für einen Krankenhausbau.
Von dem nächsten Schritt der Vorbereitungen für den Krankenhausneubau erfuhr die Öffentlichkeit erst vor wenigen Tagen. Oberbaurat Dr. Göbel erläuterte in einer   Pressekonferenz, über die wir am 14. Dezember berichteten, de   Standort des neuen medizinischen Zentrums für Osnabrück auf   dem Westerberg. Bezüglich der einzelnen Bauplanungen galt noch   immer, was in der Pressekonferenz nach dem Ratsbeschluß, auf   dem Westerberg zu bauen, erklärt wurde: " Wenn konkrete Pläne   vorliegen, wird dieÖffentlichkeit unterrichtet".
Wir müssen jetzt feststellen: Konkrete Pläne liegen vor, aber nicht der Osnabrücker Bürger ist unterrichtet worden, sondern die Leserschaft einer Berliner Fachzeitschrift. Allerdings nicht durch die Stadt Osnabrück, sondern durch die beiden Architekten Wolfgang Weber und Peter Brand aus Aachen, die offenbar vom Rat oder der Verwaltung - vielleicht auch von beiden - mit der Planung beauftragt worden sind. Es ist allerdings kaum vorstellbar, daß die Krankenhaus-Veröffentlichung dieser beiden Architekten, ohne Wissen und Billigung der Stadt oder sogar gegen ihren Willen erfolgt ist.
Und in diesem Zusammenhang erhebt sich eine weitere Frage: Wie eigentlich geschieht bei der Stadt die planerische Vergabe eines Bauprojektes in einer Größenordnung von etwa
  50 Millionen DM und mehr? Wir wollen gar nicht so weit gehen und auch der Wettbewerbswürdigkeit eines solchen Projektes fragen. Immerhin ist es verwunderlich, daß der Öffentlichkeit erst durch die Veröffentlichung in der Berliner Fachzeitschrift die Namen der beiden Architekten bekannt werden, die doch offenbar in irgendeiner Form von der Stadt für die Planung (und den Bau?) des neuen Krankenhauses engagiert sein müssen. Denn es ist ja kaum vorstellbar, daß diese beiden Architekten Krankenhausplanungen in der Form als Hobby betreiben, wie andere Leute zu Weihnachten Laubsägearbeiten basteln.
Nichts gegen die Qualifikation dieser beiden Architekten.
Sie gelten als Fachleute auf dem Gebiet des Krankenhausbaues. Aber es wirkt doch für Osnabrücker zumindest befremdlich, daß sie plötzlich aus heiterem Berliner Himmel als die Krankenhausbauer von Osnabrück auftauchen. Wir können uns vorstellen, daß zumindest die Osnabrücker Architektenschaft - aus deren Reihen ja immerhin der Bauvorschlag Westerberg kam - ein gewisses Interesse daran hat, sich mit den bei der Stadt üblichen Praktiken in dieser Richtung vertraut zu machen. Ist der Architektenbeirat überhaupt über diese ein wenig diffus wirkenden Dinge informiert?
Um ein gängiges Wort von Senator Cromme zu gebrauchen: Sei ihm, wie ihm wolle... Für uns bleibt festzustellen, daß die von uns immer wieder angeprangerte Öffentlichkeitsarbeit von Rat und Verwaltung in diesem Fall wieder einmal völlig versagt hat. Die Interessen der Osnabrücker Bürger wurden in einer Form ignoriert, daß man sich nur fragen kann: Was bedeutet den Verantwortlichen unserer Stadt eigentlich der Bürger von Osnabrück? Hat er nur seine die Stadt erhaltenden Steuern zu zahlen und sich ansonsten damit abzufinden, daß er nicht einmal über die Projekte, die er bezahlen muß, informiert wird? Daß sich der Bürger von Osnabrück in einer Berliner Fachzeitschrift über das größte Bauprojekt Osnabrücks nach dem Kriege informieren muß - das ist für die " lebendige Demokratie" der Selbstverwaltung ganz schlicht ein Trauerspiel.
Horst Höweler


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