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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Warum ein See im Rubbenbruchgebiet?
Zwischenüberschrift:
Schutzmaßnahme zur Erhaltung des Heger Holzes.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Warum ein See im Rubbenbruch? - Schutzmaßnahme zur Erhaltung des Heger Holzes - von Karl Kühling ...

Es ist bereits ausgeführt worden, welche landschaftspflegerischen und naturschützerischen Gedanken die Heger Laischaft bei ihrer Zustimmung zum Seeprojekt im Rubbenbruch bewogen hat. Daß sie dabei auch ausdrücklich den Schutz des Heger Holzes im Auge hatte, mag im Nachstehenden ausgeführt werden.
Die Heger Laischaft hat sich immer gegen Planungen ausgesprochen, die mit der Erstellung eines Sees im Rubbenbruch so etwas wie einen " Osnabrücker Maschsee" im Auge hatten. Nicht nur, weil die Voraussetzungen hier ganz andere sind als in Hannover, sondern auch, weil sie sonst ihre mit der Erhaltung des Holzes systematisch verfolgte Zielsetzung der Schaffung eines Ruhe- und Erholungsgeländes selbst beeinträchtigen würde. Das zu schaffende Seegebiet sieht sie als Vervollständigung und sinnvolle Ergänzung an.
In ihren Bemühungen um das Heger Holz hat die Heger Laischaft niemals verheimlicht, daß es ihr angebracht erscheine, wenn der Schutzgürtel um den Wald nach Möglichkeit vergrößert werde, damit nicht durch allmähliches Einsichern von Bauten bis an den Waldrand das Heger Holz geschädigt werde. Sie macht auch keinen Hehl daraus, daß ihr das Seeprojekt in seiner jetzigen Gestalt gerade für ihre Zielsetzung entgegenzukommen scheint.
Sie hat nicht vergessen, daß das gesamte Gebiet des Rubbenbruches, das zunächst in den Stadtplanungen während der Zeit des Hitler-Regimes wirklich ein " Maschsee" werden sollte, später dann als Siedlungsgebiet ausgewiesen und die Siedlung selbst beschlossen war. In der Laischaftsversammlung vom Montag, den 23, Mai 1938, mußten sich die Interessenten mit der Tatsache vertraut machen, daß - wie im Bericht des Osnabrücker Tageblattes vom 25.5.38 verzeichnet stand - das " Rubbenbruch", hart am Westrand der Stadtfeldmark hinter dem Heger Holz gelegen, Weidegründe, die zu dem ältesten Grundbesitz der Heger Laischaft zählen, die schon im ältesten Protokollbuch von 1560 aufgeführt wurden", nunmehr besiedelt würde. Weiter wurde ausgeführt: " Mit dem Projekt einer großen Siedlung im Rubbenbruch machte Vorsteher Hölscher näher bekannt. Das Siedlungsgelände beginnt bei Barenteich, läuft am  Heger Holz entlang (Grenzgraben) bis zur Kuhweide bei Witte, über die Wilhelmstraße hinweg bis Münsterjohann. Weiter wird der Rubbenbruchgraben geschnitten, wo die hohen Pappeln stehen. Einbezogen sind die Domgrundstücke und andere Flächen, weiterlaufend bis in die Gegend zum Hakenhof.
Um den  dort angesetzten Siedlern einen Ausweg zu geben, soll die Heger Laischaft einen öffentlichen Durchgang nach der Wersener  Straße hin ermöglichen. Die Laischaft muß abgeben 4, 34 Hektar  Grundstücke, 4, 40 Hektar Wege und Gräben, die grundbuchamtlich  eingetragen sind und zum Teil in das Siedlungsgebiet einbezogen werden. Ebenso auch einen kleinen Streifen vom Holz  am Hakenhof. Die Laischaft gibt rund 9 Hektar oder ein Zehntel  ihrer Liegenschaft ab. Da das Moor im Rubbenbruch stellenweise  ein bis eineinhalb Meter Mächtigkeit hat, ist eine Entwässerung des betreffenden Geländes vorgesehen mit dem Ziele einer Senkung des Wasserspiegels".
Das war zur Zeit des Dritten Reiches. Weder die Heger Laischaft noch die anderen Grundbesitzer brauchten damals nach ihrer Meinung gefragt zu werden. In der Laischaftsversammlung wurde jedoch bei der Besprechung des Siedlungsvorhabens dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß der Landbesitz so geschmälert werde, ohne daß durch einen damals leicht möglichen Grundstückstausch der Flächenbestand erhalten bliebe, und es wurde nachdrücklich darauf hingewiesen, daß die Osnabrücker Laischaften in ihrer jahrhundertealten Geschichte ihren Sinn für das Wohl der Allgemeinheit in sehr vielen Fällen bewiesen hätten. Entscheidendes konnte die Heger Laischaft gegen das Siedlungsvorhaben nicht unternehmen, da der Wille der NSDAP maßgebend war, durch dilatorische Behandlung wirkte sie aber daran mit, daß es nicht zustande kam.
In Zeiten der Gesetzlosigkeit und Unordnung ist vorher und nachher manches geschehen, was die Heger Laischaft verhindert hätte, wenn die Gesetze Kraft gehabt hätten. Es erheben sich heute an Straßen und Wegen der Laischaft Bauten, zu denen diese niemals ihre Einwilligung gegeben hätte. Als aber Jahre nach dem zweiten Weltkrieg endlich gesetzliche Ordnung wieder Geltung gewann, trug sie zu ihrem nicht unwesentlichen Teil dazu bei, daß keine wilden Bebauungen den sinnvollen Planungen entgegenstanden und die Schutzmaßnahmen für das Heger Holz beeinträchtigt hätten, stattfanden. Als Eigentümerin der betreffenden Straßen brachte sie mit ihrem Einspruch in vielen Fällen die Entscheidung.
Wie sie mit dem Vorrücken der Stadt in immer größere Vorsicht und Sorgfalt jeden Einzelfall prüfte, um einen letztlich die ganze Stadt treffenden irreparablen Schaden zu verhüten, so wird sie auch in Zukunft als Hüter des Heger Holzes und als Schützer der Landschaft auf dem Posten sein, um der Stadt und ihren Menschen zu dienen.
Daß sie dabei Vertrauen haben darf und daß Rat und Verwaltung heute von anderen Voraussetzungen ausgehen als vor Jahrzehnten, beweist die Tatsache - und das ist der entscheidende Punkt für die Heger Laischaft -, daß das Seeprojekt diesmal nicht auf dem Wege der Enteignung durchgeführt werden soll, sondern der Laischaft ein Flächentausch vorgeschlagen ist, der ihr an unmittelbar das Heger Holz berührender Fläche wiedergibt, was sie an zerstreuten, vom Wald getrennten Grundstücken, Wegen und Gräben an anderer Stelle für das Seeprojekt zur Verfügung stellt. Damit aber ist der Schutzgürtel um das Holz gerade nach der am ehesten für Bauvorhaben in Frage kommenden Ost- und Südseite außerordentlich verstärkt.


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